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Zum Thema – April 2010

| 24. März 2010 | 1 Kommentar
Kategorie: Fazit 61

»Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles und ins Wasser kehrt alles zurück« (nach Thales von Milet in Goethes „Faust“). Kanalisiert, mystifiziert, privatisiert: Von unserem Umgang mit dem teuren Gut Wasser handelt diesmal die Titelgeschichte dieser Ausgabe von Fazit. Noch nie war dieser Umgang so irrational wie heute. Ein Beispiel: Während etwa täglich mehrere 100 Millionen Liter Wasser durch das marode Leitungssystem Londons im Erdreich versickern, lässt sich das erlesene Publikum in den schicksten Restaurants der City Jahrtausende altes Wasser kredenzen, das aus Tiefenbohrungen in der Arktis stammt.

Nun gehören Verschwendung und Profitgier zweifellos zum Wesen unserer Wirtschaftsordnung, im Umgang mit Wasser allerdings erscheint solches Verhalten als lebensbedrohende Dummheit. Ob Wasser überhaupt eine Ware sein kann oder ob der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht eher als Menschenrecht zu gelten hat, das ist seit längerem ein heiß umstrittenes Thema diverser UN-Gremien, Welthandelsorganisationen und NGOs. Während der Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen angesichts einer Milliarde Menschen, die ohne sauberes Trinkwasser leben, von »Wasserdeprivation« spricht, wittern internationale Konzerne enorme Gewinne in der privatwirtschaftlichen Nutzung von Grundwasser. Gegen den Warencharakter spricht zwar die existenzielle Bedeutung, die Wasser für jegliches Leben auf unserem Planeten hat. Angesichts der natürlichen Begrenzung und ungleichmäßigen Verteilung der globalen Vorräte ist Wasser aber auch ein strategisches Gut: Wer den Zugang zum Wasser kontrolliert, hat die Macht.

Und das gilt nicht erst, seit die Getränkeindustrie ihre Liebe zum »blauen Gold« entdeckt hat. Das wusste auch schon der Perserkönig Dareios, der als Zeugnis seiner Weltherrschaft Krüge mit Wasser aus Donau, Nil und Indus in seiner Schatzkammer verwahrte. Die frühen Reiche des Vorderen Orients wären ohne ihre ausgeklügelten Bewässerungssysteme nicht in der Lage gewesen, die stetig wachsende Bevölkerung zu ernähren. Funde von Abwasserkanalsystemen zeigen, dass bereits in der Antike bekannt war, wie wichtig sauberes Grundwasser für die Trinkwasserversorgung ist.

Fazit: Kein Rohstoff hat so unmittelbare Bedeutung für das Überleben wie Wasser. Dazu kommt, wo weniger Wasser verfügbar ist als die Menschen brauchen, drohen massive Konflikte. H2O wird im 21.Jahrhundert endgültig zum Machfaktor. Erst darin zeigt sich die gesellschaftspolitische Spaltkraft von Wasser.

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Zum Thema, Fazit 61 (April 2010)

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Kommentare

Eine Antwort zu “Zum Thema – April 2010”

  1. Wassermengen | FazitOnline. Wirtschaft und mehr. Aus dem Süden.
    30. März 2010 @ 13:42

    [...] Emails haben uns schon erreicht betreffend des aktuellen Titelthemas (Wasser. Die gefährdete Ressource, Fazit #61). Im Artikel »Blaues Gold« (Seite 10) haben wir von 1.386.000.000.000 Kubikkilometern [...]

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