Zum Thema – Juni 2010
Peter Bermann | 14. Juni 2010 | 2 Kommentare
Kategorie: Fazit 63
Das Runde muss ins Eckige Fußball ist ein Spiel mit 22 Spielern, einem Schiedsrichter und zwei Linienrichtern. So weit, so gut, so unzureichend. Denn das sagt nichts über Erfolg, Geheimnis und Seele des Fußballs aus. Wieso ist er die einzige Leidenschaft, die Männer (und auch sehr viele Frauen) verbindet, altersunabhängig, schichtenübergreifend, bierkompatibel, stets anfeuernd und buhend, trauernd und jubelnd. Fußball ist der Kick im Kopf, der vom Rasen angestoßen wird. Was also führt dazu, dass sich wildfremde Männer umarmen, dass 80-Kilo-Muskelberge im Fall eines Tores einem anderen in die ausgebreiteten Arme springen, wie sonst nur Kinder ihren Vätern?
All das vermag Fußball und all dem gehen wir in dieser Ausgabe nach. Früher gab es den Kirchgang, die Lingua franca, über die sich die Menschen fanden und spirituell bewegt wurden. Heute hat die Religion in der westlichen Welt diese allumfassende Kraft verloren. Aber genau wie in der Religion gehört auch beim Fußball zum Glauben das Leiden. Das Tor im Fußball hat eine erlösende Dimension, so wie bei den Katholiken die Wallfahrt oder Buße.
Auch zwischen Politik und Fußball gibt es Parallelen. Allerdings löst die Politik meist nicht mehr jene Leidenschaften aus, die die Menschen im Innersten erreichen, aufwühlen, erzürnen. In der Demokratie unterhält man sich mit dem politischen Gegner beim „gepflegten“ Bier, ohne ihn anzugehen – denn eigentlich versteht man ihn ja. Beim Fußball ist das anders: Da gibt es Fankurven, und jeder weiß, man sollte tunlichst in der richtigen stehen.
Warum hat Fußball so viele außerprofessionelle Akteure, Kenner, Fans wie kein anderer Sport, wie kein anderes Kulturphänomen? Eine Antwort mag sein: Weil die G’stettn, der Fußballplatz, die „Arena“ eine perfekte Simulation des Lebens für neunzig Minuten ist. Hier kann man echte Gefühle erleben, als wären sie real. Und gerade weil die Ereignisse, Ergebnisse und Gefühle keine tatsächlichen Folgen haben, leisten wir sie uns.
Friedrich Schiller hat gesagt: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Fazit: Freuen wir uns also auf diese Fußballweltmeisterschaft 2010!
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Zum Thema, Fazit 63 (Juni 2010)
Kommentare
2 Antworten zu “Zum Thema – Juni 2010”
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17. Juni 2010 @ 17:37
Hi,
dachte nicht, dass Du derartig guten Artikel über Fußball schrieben kannst (schätze Deine Komentare und Artikel außerordentlich- besonders den über den Wasserkonsum)-
LG
HST
21. Juni 2010 @ 10:22
Lieber Helmut,
danke – und liebe Grüße aus Wine
Peter B.