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Rund um den Erzberg

| 1. Juni 2017 | 2 Kommentare
Kategorie: Fazit 133, Fazitreise

Foto: Katharina ZimmermannAuf den Spuren des Eisens unterwegs durch die Hochsteiermark. Von der berüchtigten Steirischen Eisenstraße über tolle Naturschauspiele wie das glitzernde Salzatal bis zum für Höheres berufenen Mariazell, die Hochsteiermark ist vielseitig und genau deswegen schwer zu fassen. Fast so schwer wie Eisen.

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Wenn die steirische Eisenstraße ein Kuchen wäre, dann wäre Hieflau die Kirsche, sitzt es doch so schön nördlich von Eisenerz. Früher, ja früher gab es dort einmal einen Rechen, der das von den Holzknechten in den Fluss geworfene Holz aufhielt. Das Holz wurde benötigt, um Kohle zu produzieren, und die Kohle half wiederum dem Eisen im Entstehungsprozess. Alles greift ineinander und wer heute mit offenen Augen und Ohren durch die Region wandert, fährt oder radelt, der kann so einiges lernen.

Wir befinden uns also in Hieflau und der Schauplatz wirkt auf den ersten Blick trist. Biegt man von Eisenerz kommend links ab, kommt man in den Nationalpark Gesäuse, einem wahren Wander- und Kletterparadies. Fährt man geradeaus Richtung Niederösterreich kann man in Gefilde wie Palfau oder nach Hinterwildalpen kommen, folgt man dem Salzatal, gelangt man nach Mariazell. Doch wir bleiben vorerst in Hieflau. Eine Bestandsaufnahme zeigt alte Häuser und ein Geschäft. Dort ist alles vereint – die Post, die Trafik, der Greißler. Die Volksschule hat vor kurzem geschlossen. Der Kindergarten hat noch geöffnet. Das erzählen Rainer und Manuela Tramberger, die sich als junge Menschen bewusst entschlossen haben, wieder in ihre Heimat zurückzukehren: »Wir haben beide einmal in der Stadt gewohnt – Rainer in Wien, ich in Graz. Graz ist eh lieb. Allerdings hat es uns dann in die Heimat zurückgezogen. Man lebt einfach näher an der Natur. Entschleunigung ist Teil des Lebens und muss nicht krampfhaft probiert werden.« Wie ein paar andere setzen sie auf den Tourismus und haben ihn neu gedacht: Mit ihrer »Xeishittn«, einer wunderschönen, mehr hölzernen Schmuckschatulle als Wanderhütte, haben sie ein Statement am Schnittpunkt von Gesäuse und Eisenstraße gesetzt. Mit Sauna und Gemütlichkeit kommt man hier an, um den Alltag von sich abfallen zu lassen. Und es gelingt auch. »Je mehr Tage unsere Gäste bei uns sind, desto ruhiger und ausgeglichener werden sie. Am Anfang hängen sie noch am Handy, gegen Ende des Aufenthaltes wird es dann oft schon zurückgelassen.«

Naturwunderjagd
Denn viel Unberührtes oder zumindest nicht Überlaufenes befindet sich an der Eisenstraße und in der ganzen Hochsteiermark verteilt. Allein seine graue Eminenz, der Hochschwab, begeistert durch Kargheit, Hochplateau und den Schnaps, der im Schiestlhaus ausgeschenkt wird. 2.277 stolze Meter ist er hoch und bietet Heimat für Gämsen, Edelweiß, Ruhe und Frieden. Massiv ist er noch dazu, der 30 Kilometer lange Gebirgsstock, den man in 14 Stunden überqueren kann. Das klingt nach verdammt früh aufstehen. Doch es gibt auch andere Wandermöglichkeiten, übers »G’hackte«, über die Fölzalm, auf die Voitsthaler Hütte. Das Schiestlhaus ist übrigens unter der erlesenen Gruppe der am höchsten gelegenen Passivhäuser. Rundherum schlängelt sich die Salza. Dieses Naturschauspiel beobachtet man am besten in einer recht aktiven Rolle. Als Kostüm trägt man passend den Neoprenanzug. Denn von nirgendwo aus hat man einen so schönen Blick auf die natürliche Schönheit, wie vom Raftingboot oder vom Kajak aus. Der Sprung ins kalte Nass ist obligatorisch – bevor es ins Boot geht, muss man eintauchen. Danach kann einen nichts mehr erschüttern. Man ist im wahrsten Sinne mit allen Wassern gewaschen. Vorbei an Konglomeratsschluchten mit Zwischenstopps an Felsen, von denen wie vom Zehn­me­ter­brett   ins Wasser gesprungen wird, paddelt und treibt man durch sprudeliges Weißwasser.

Foto: Katharina Zimmermann

Tradition in der Moderne
Bei Veranstaltungen in der Region hat man das Bergwerkslied im Ohr und kostet das Barbarabier. Die Hochsteiermark blickt auf eine lange Geschichte zurück, die um das Jahr 712 begonnen hat. Ab da wurde der Erzberg als solcher erkannt und zuerst von den Slawen mit ihren Rennöfen benützt. Sie mussten der Hitze noch mit Blasbälgen frische Luft zufächern, erst um das Jahr 1200 wurden dann Bachläufe genützt, um darauf Schmelzöfen zu errichten. Auch ohne Exkurs in die Geschichte ist das Wörtchen »Montan« also durchaus präsent in der Region. Allein schon die Montanuniversität in Leoben ist eine Talentschmiede und Ausbildungsstätte erster Güte. Von Erzherzog Johann gegründet, ist sie umrankt von Traditionen und so kann es vorkommen, dass man bei einem Stadtspaziergang durch Leoben Zaungast des Bierauszuges wird, bei dem die Studenten in ihre Praktika entlassen werden oder man beobachtet, wie frisch gebackene Absolventen mit ihren Bergkitteln in den Brunnen am Hauptplatz springen. Diesen schwarzen Anzug mit allerlei besonderen Merkmalen (wie etwa 29 goldenen Knöpfen für die Lebensjahre der Heiligen Barbara) dürfen übrigens nur Montanisten tragen, das bestätigt auch Traditionsschneider Hans Woschner: »Der Bergkittel ist die älteste Arbeitstracht der Welt. Heute wird sie für wichtige Anlässe getragen, wie Prüfungen, Philistrierungen oder den Ledersprung. In den Bergmannskittel wird auch in ganz Europa und Übersee hineingeschlüpft, beim Berg- und Tunnelbau, in der Kunststoffindustrie, in einer Mine in Südafrika oder im Nahen Osten. Alle Firmen, die mit der Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen zu tun haben, dürfen ihn tragen.«

Der »steirische Ayers Rock«
Er hat viele Namen, aber grundsätzlich kennt ihn jeder als Erzberg. Mittlerweile ist der Berg, an dem noch immer aktiver Bergbau betrieben wird, ein touristischer Anziehungspunkt geworden. Live-Sprengungen, Haulyfahrten und das Schaubergwerk machen die Arbeit der Bergleute angreifbar. Doch es wurde weitergedacht: mit Veranstaltungen wie dem Erzberg-Rodeo, zahlreichen Filmproduktionen in der Gemeinde und am Berg, einer Fahrt mit der Erzbergbahn oder den »Adventure Days« mit dem Erzberg-Lauf. Der rote Berg pulsiert und begeistert: »Er hat eine magische Anziehungskraft und jeder glaubt, der Berg gehört ihm,« sagt Malgorzata Koch-Basic, die Leiterin des »Abenteuer Erzberg«. Das postindustrielle Zeitalter ist an der Gemeinde Eisenerz nicht spurlos vorübergegangen. Doch wo Leere ist, entsteht Raum für Neues. Ein Höhepunkt wie das alljährliche Rostfest, ein Festival für regionale Impulse, bietet nicht nur »Urban Camping« in leerstehenden Häusern, sondern auch Poetry-Slams, Museumsführungen und vieles mehr. Da ist für jeden was dabei und vor allem kommt Leben in den Ort. Ganzjährig gedacht haben Vorzeigeprojekte wie das »Erzberg-Alpin-Resort«, das nordische Ausbildungszentrum oder das »Zentrum am Berg«, in dem an der Berg- und Tunneltechnik geforscht wird. Und dann wäre da noch das »Erzbergbräu« von Reini Schenkermaier, einem Eisenerzer, der über Umwege zum Bierbrauen gekommen ist und der seine Begeisterung mit Besuchern und Lernwütigen teilt. »Bergbau und Bier gehören einfach zusammen«, sagt er und hat mit seiner Privatbrauerei schon die Herzen hartgesottener Biertrinker in ganz Österreich gewonnen.

***

FaksimileReisen. Erzberg. Eisenstraße. Hochsteiermark
Mehr zum Thema Reisen rund ums Eisen, die Geschichten und Menschen dahinter, erfährt man im kürzlich erschienenen Buch von Katharina Maria Zimmermann und Vera Bachernegg, die im Auftrag des Museumsverbundes Steirische Eisenstraße durch die Region unterwegs waren. Erhältlich ist das Buch um 19,90 Euro in der Kunsthalle Leoben, beimVerein »Steirische Eisenstraße« in Eisenerz und dem Tourismusverband Hochsteiermark in Bruck an der Mur.

erzberg.at
eisenstrasse.co.at
hochsteiermark.at

Fazitreise, Fazit 133 (Juni 2017) – Fotos: Katharina Zimmermann

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Kommentare

2 Antworten zu “Rund um den Erzberg”

  1. rudolf haberl
    14. Juni 2017 @ 12:25

    Man muß den Erben klahr sagen………..

  2. rudolf haberl
    14. Juni 2017 @ 12:29

    klar sagen…..

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