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Zur Lage (83)

| 28. Juli 2017 | 1 Kommentar
Kategorie: Fazit 135, Zur Lage

Über die Parlamentswahl im Herbst, über die antretenden Parteien, über deren Hoffnungen und Hoffnungslosigkeiten. Über eine ehemalige Richterin und sogar was über die FPÖ. Und auch ein bisschen was über politisch Vergangenes.

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Also die Grünen, die tun mir ja fast schon leid. Und wenn mir einmal die Grünen fast schon leid tun, dann muss es ihnen wirklich schlecht gehen. Angeführt wird die Partei neuderdings von einer Doppelspitze, eine sicher sehr kompetente Dame aus Tirol, von der weiß ich aber sonst nichts und Ulrike Lunacek, eine von ein paar Dutzend Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments. Damit wir uns nicht falsch verstehen, die mag ich sehr. Wahrscheinlich bin ich in zwölf von zehn Themen mit ihr nicht einer Meinung aber zum einen macht das nichts und zum anderen ist sie mir sehr sympathisch.

Nur muss Ulrike Lunacek offenbar noch ein klein wenig an ihrer »Performance« (sagt man da heute dazu) arbeiten, mir scheint nämlich, die kommt überhaupt nicht vor in der österreichischen Innenpolitik. Gut, bei Puls4, da war sie sicher großartig, aber – seien wir uns ehrlich – wen interessiert ein Sommergespräch mit Corinna Milborn? Außer den paar Hanseln, die schon vor so einer Sendung wissen, dass Grüne nur Gutes und Richtiges unter Menschen bringen können.

Dann haben die Grünen auch noch den Peter Pilz, dieses rechte Urgestein, gegen so einen jungen »Hupf-ins-Bild« ausgetauscht und Pilz will jetzt, vielleicht, was weiß man, mit einer eigenen Liste antreten. Man reiche mir den Spritzwein, würde es aus dem Wiener Bürgermeister fallen, das hat jedenfalls Potential für gute Unterhaltung in der Zeit bis zur Wahl. Und lässt mich natürlich hoffen, dass sich diese dann zwei grünen Listen auf so hohem politwissenschaftlichen Niveau matchen, dass selbst dem letzten Wähler klar werden muss, kein Parlament dieser Welt kann auch nur annähernd gut genug sein für deren große Ideen, und dass damit eine einfache Stimme für eine der beiden grünen Listen nie angemessen sein kann.

Was haben wir im Oktober noch im Angebot? Da hat mich im Übrigen überrascht, es gibt noch immer ein BZÖ. Also zumindest im Landtag in Klagenfurt. Und zumindest bis soeben. Denn in der Presse musste ich heute lesen, dass sich die beiden verbliebenen Abgeordneten des BZÖ jetzt zu »unabhängigen« Abgeordneten erklärt haben. Gut, aber das Bündnis Zukunft Österreich – herrlich dieser Name eigentlich, vor allem so ex post ausgeschrieben – hatte ja eh niemand mehr auf seiner Rechnung. Ähnlich geht es dem Team Österreich formerly known as Team Stronach. Die haben per Parteibeschluss, das soll der einzige demokratische Akt dieser Partei gewesen sein – hört man, ich kann das natürlich nicht bestätigen –, entschieden, am 15. Oktober nicht mehr anzutreten. Ein kleiner Verlust für das Wahlvolk, ein großer für das politische Kabarett.

Die FPÖ hingegen, ich weiß jetzt gar nicht, ob Sie das schon wussten, wird gegen alle anders lautenden Gerüchte dann doch noch einmal ihr Glück versuchen. Der, im sich abzeichnenden größten denkbaren Duell aller Zeiten und darüberhinaus, zwischen dem Slimfitkanzler Christian Kern und seinem Slimfitherausforderer Sebastian Kurz etwas ins Hintertreffen geratene bebrillte H. C. Strache will es noch einmal wissen. (Heinz-Christian, falls Sie es auch vergessen haben; Google sei Dank.) Inwieweit es ihm gelingen kann, zwischen den beiden Strahlemännern der österreichischen Innenpolitik, der roten Hoffnung auf den Endsieg des Guten und dem neokonservativen Hoffnungsträger aller Volksparteien, der alten wie der neuen und auch der listigen, das sei dahingestellt. Ein Einzug in das Parlament wird sich für die Blauen aber selbstverständlich ausgehen.

Anders schaut es da bei den Neos aus, deren CEO und Guru Matthias Strolz hat sich mit dem fleischgewordenen Gewissen Österreichs, der Altrichterin Irmgard Griss zusammengetan, um das Projekt Vierprozenthürde von unten heraus – strategisch wohldurchdacht – anzugehen.

Griss war übrigens erst nach langen wie zähen und durchaus ergebnislosen Verhandlungen mit allen anderen Parteien aller Staaten dieses Kontinents bereit, die Partnerschaft mit den Neos einzugehen. Dafür haben die jetzt einen lustigen Namen, den ich aber hier nicht unterbringen kann, weil diese Fazitausgabe sonst einen zusätzlichen Druckbogen benötigen würde. Positiv verbuchen muss man wohl jedenfalls das zwischenzeitige Fernsehengagement der ehemaligen Höchstrichterin bzw. ihre Erkenntnis nach nur zwei Sendungen, dass sowas nichts für sie ist. Leute mit so viel Selbsteinschätzungskraft würden wir viel mehr brauchen.
Bleibt das schon angesprochene Kanzlerduell zwischen den beiden Großparteien, Sie verzeihen, ich hab das noch so abgespeichert, SPÖ und ÖVP meine ich. Linker werde ich auf meine alten Tage keiner mehr, aber das können Sie ja gerne versuchen. Für mich, das ist uns beiden von der ersten Zeile an klar, bleibt also nur die ÖVP, die ich unter welcher Bezeichnung auch immer mit verbundenen Augen und auch nur mit einem Arm wählen werde. Wobei, ich wär nicht ich, wenn mir das ganze Getue um den – er kann nichts dafür, da geht es ihm ein bisschen wie Obama – Superstar der Großen Alten Partei, nicht schon etwas auf die Nerven ginge. So habe ich etwa den – wahrscheinlich auch sehr netten – für die Liste Kurz wahlwerbenden Peter L. Eppinger, der war zuvor Moderator bei Ö3 und hat dadurch natürlich ein Abonnement auf gute Laune, zwischenzeitlich in meiner Mailbox stummgeschaltet. Ich weiß schon, dass bei uns aus welcher geistigen Verirrung auch immer heraus, Sechzehnjährige schon wählen dürfen, ich kenne aber auch meinen Patensohn. Und ich bin davon überzeugt, diese Jugendlichkeit in der Anmache, pardon, Ansprache, die wäre auch ihm suspekt. Und was werden Sie wählen? Wie auch immer, bleiben Sie mir gewogen, einen schönen Sommer! Wir lesen uns wieder im Herbst.

Zur Lage #83, Fazit 135 (August 2017)

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Kommentare

Eine Antwort zu “Zur Lage (83)”

  1. Christa Klepej
    10. August 2017 @ 11:56

    Ja,unsere Mama/Deine Oma hat öfters g’sagt, die „ÖVP“ ist nicht das Beste, aber immer noch das Bessere.

    LG, die Tant

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