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Vater der Startups

| 28. März 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 141, Fazitgespräch

Foto: Erwin ScheriauDer aus dem Fernsehen bekannte Investor Michael Altrichter über seine Lust am Netzwerken, über »sandboxes« und Lottospielen, über Unternehmensbewertungen und Steueranreize und über Reichtum und Pivotieren.

Das Gespräch führten Peter K. Wagner und Volker Schögler.
Fotos von Erwin Scheriau.

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In Linz beginnt‘s, heißt ein alter Werbespruch. Im Gebäudekomplex der ehemaligen Linzer Tabakfabrik, die heute als hippe Location für den Startup-Campus Factory 300 dient, klingt das sowas von Old School. Auf dem Weg zur Digitalisierung von Gesellschaft und Wirtschaft wird gerne denglisch gesprochen. Hier wird von der Seed- über die Growth-Phase gepitcht, gefounded, geraised, bis zum ersehnten Exit. Und hier treffen wir den Gründer und Investor Michael Altrichter, bekannt aus Start-Up-Show »2 Minuten 2 Millionen« auf Puls 4. Nach dem äußerst lukrativen Verkauf seiner zwei Unternehmen Paysafecard und Payolution investiert er in andere Startups und fungiert als beratender Business Angel.

***

Herr Altrichter, Sie sind bekannt als Gründer, Startup-Investor und Businessangel. Was ficht Sie an, auch als Ninja Warrior in einer Wettkampfshow beim Sender Puls 4 aufzutreten?
Für mich war sofort klar, da bin ich dabei. Ich habe zwei Ziele gehabt: nicht gleich beim ersten Hindernis peinlich scheitern – das habe ich geschafft. Und einmal bis zum Buzzer zu kommen – das habe ich nicht geschafft. Da zuvor keine Zeit für ein Training war, wollte ich herausfinden, ob ich über genügend Grundkondition verfüge. Ich war ja Milizoffizier beim Jagdkommando, worauf ich auch ein bisschen stolz bin. Dort habe ich viel gelernt und viel Sport betrieben. Auch beim nächsten Ninja Warrior überlege ich mir, wieder dabei zu sein.

Es heißt, Physiker können alles werden. Ein Bekannter von uns wurde Zirkusdirektor – was wollten Sie eigentlich werden?
Bei so manchem Treffen mit Startups kommt es mir so vor, als wäre ich auch Zirkusdirektor [lacht]. Spaß beiseite, im zweiten Abschnitt meines Studiums bin ich draufgekommen, dass mein Enthusiasmus für eine wissenschaftliche Karriere endenwollend ist. Mein Schlüsselerlebnis hatte ich bei der Kapitelüberschrift »Das Lösen unlösbarer Gleichungen«. Da habe ich entschieden, etwas anderes zu suchen.

Was haben sie gemacht?
Nach Studienende 1996 war ich als Einjährig-Freiwilliger beim Bundesheer und dann folgten zwei berufliche Lehr- und Wanderjahre. Zunächst bei Connect Austria, dem späteren One-Mobilfunk Anbieter, wo wir das Funknetz aufgebaut haben. Dann bekam ich ein Stipendium für die International Space University, und nahm am Summer-Session-Programm in Ohio teil. Ich wollte damals ernsthaft Astronaut werden, aber Österreich nimmt leider an keinem bemannten Raumfahrtsprogramm teil. Es ist vergleichsweise leichter, Bundespräsident zu werden, der wird immerhin alle sechs Jahre gewählt. Schließlich habe ich bei Frequentis im Vertrieb angeheuert.

Gab es zu der Zeit schon Ideen für eine Unternehmensgründung, Ideen, aus denen nichts geworden ist?
Ja, schon als Kind wollte ich etwa das »Brunnerweckerl«, ein Gebäck unseres alten Dorfbäckers, das auch nach Tagen noch saftig gut schmeckte, österreichweit ausliefern, was aber logistisch zu schwierig war. Oder die Idee, was wäre, wenn jeder Österreicher mir einen Schilling geben würde? Mit dem Älterwerden erkannte ich zwei Probleme. Erstens das Marketing-Problem: Wie mache ich das jedem Österreicher klar? Und zweitens das logistische Problem: Wie sammle ich das Geld ein?

Sie haben mit drei Kollegen im Jahr 2000 das Startup-Unternehmen Paysafecard gegründet und gut zehn Jahre später für einen kolportierten dreistelligen Millionenbetrag an den Londoner Zahlungsdienstleister Skrill verkauft. Das gleiche ist Ihnen mit dem zweiten Startup Payolution sogar innerhalb weniger Monate gelungen. Was war die Idee und wie läuft so etwas ab?
Wir haben die Paysafecard mit der klaren Absicht gegründet, eine Prepaid-Karte zum Bezahlen im gesamten E-Commerce auf den Markt zu bringen. Investoren waren unter anderem Hannes Androsch und Willi Dörflinger von AT&S, die Bawag und die Commerzbank. Wir sind im Jahr 2000 mit Hurra gestartet und nach wenigen Monaten vor dem Aus gestanden, denn kurz nach Einsammeln der ersten Investorenrunde ist die Internetblase geplatzt. Viele Geschäftsmodelle, so auch unser angepeilter Markt des »Paid Content«, also das Bezahlen für Internetinhalte, haben sich in Luft aufgelöst.

Weil bezahlte Internetinhalte nicht oder kaum vergebührt wurden, war es also plötzlich nicht mehr klar, was man mit der Karte bezahlen soll?
Wir haben alles Mögliche ausprobiert, sogar den Erotikbereich, auch da hat unser Produkt nicht gepasst. 2003 ist es dann endlich passiert. Die damalige »Bet-and-win« hat im Gegensatz zu den anderen Läden »angezogen« und wir haben gesehen: Leute, für Wetten und Spielen verwenden sie unsere Karte! Also haben wir uns auf die Sportwettbranche konzentriert, und dann kam uns noch der Pokerhype 2005/2006 zugute. In weiterer Folge sind die Games-Anbieter dazugekommen, die »MMOGs«, also die Multiplayer Games, und der boomende E-Sports Bereich, was mittlerweile einen sehr großen Teil bei Paysafecard ausmacht. Dieses Pivotieren ist typisch für Startups. Kaum ein Gründer kommt ohne komplette Neuausrichtung seines Produktes oder Geschäftsmodells aus.

Ab wann konnten Sie schwarze Zahlen schreiben?
Erst 2007 waren wir Break-Even, haben also sieben Jahre nach Gründung zum ersten Mal mehr Geld verdient, als wir jährlich verbraten. Insgesamt gab es neun Investitionsrunden, da wurden viele Millionen von den Investoren verheizt, aber Gott sei Dank hat sich‘s gedreht und von da an gings immer weiter bergauf. Bis heute ist die Paysafecard ein profitables, noch immer stark wachsendes Unternehmen und Teil einer größeren Gruppe, der »paysafe-group«.

Und vor dem Verkauf haben Sie noch schnell Payolution (»Kauf auf Rechnung«) gegründet?
Ich habe 2010, nach genau zehn Jahren, den Vorstand der Paysafecard verlassen, um mich neu zu orientieren. Gemeinsam mit Stefan Kalteis habe ich 2011 die Payolution gegründet und gleich verkauft. Das war der schnellste Exit zwischen Wien und Silicon Valley: Im Februar 2011 gegründet, mit der Maßgabe, im Mai eine Businessangelrunde zu machen. Ich habe mein Netzwerk durchgerufen und einer der Angels, der damalige CEO von Skrill, hat noch im Juli die ganze Firma gekauft. Und 2012 wurde schließlich auch die Paysafecard von Skrill übernommen.

Stimmt die Zahl von 140 Millionen Euro, die Sie bei den Exits lukrieren konnten?
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wir waren vier Gründer, zum Verkaufszeitpunkt waren wir 130 Mitarbeiter, mittlerweile sind es über 200. Den Großteil haben die Investoren lukriert, die uns ja durch viele Investmentrunden getragen haben. Ich bin in der glücklichen Lage, bei einem moderaten Lebensstil bis zum Lebensende kein Geld mehr verdienen zu müssen. Nach zehn Jahren vollstem Commitment und höchstem Einsatz für das Unternehmen und erfolgreichem Exit wollte ich mich neu ausrichten. Ich habe mir eine Auszeit genommen und eine Familie gegründet. Aber ganz ohne berufliche Herausforderung geht es bei mir auch nicht, bei mir hat es immer wieder gekribbelt.

Und so sind Sie selbst ein Businessangel geworden?
Das Aufkommen der Business-Szene kam gerade recht, hier habe ich am Aufbau aktiv mitgewirkt. Mein erstes und glücklicherweise eines meiner größten Investments habe ich in Wikifolio gemacht, eigentlich eine frühe Form des Crowdinvestments: Private Anleger können der Anlagestrategie anderer Personen mit echtem Geld folgen. Damals war auch der Ausdruck Business Angel noch nicht so geläufig. Das Geld aus den Exits habe ich einerseits in Immobilien angelegt, das ist mir zu fad und eintönig geworden. Dann habe ich es am Aktienmarkt probiert, das war schon etwas interessanter, hat mich aber auch nicht wirklich gejuckt, so habe ich begonnen, nach Wikifolio auch in andere Startups zu investieren und habe gemerkt, das gefällt mir, ich kann mich mit Knowhow und Netzwerken einbringen. So bin ich immer stärker hinein gerutscht und stehe heute bei 35 Investments in Startups und bin an meiner persönlichen Kapazitätsgrenze angelangt. Da passte es perfekt, dass Michael Eisler und Bernhard Lehner vor zwei Jahren die »startup300 AG« ins Leben gerufen haben und mit diesem Unternehmen nicht nur die Entwicklung von einzelnen Unternehmen, sondern den Aufbau eines umfassenden Startup-Ökosystems vorantreiben. Da habe ich mich gleich engagiert. Mit der startup300-Familie haben wir das Startup- und Business-Angel-Wesen in Österreich professionalisiert und gemeinsam mit unseren 140 Aktionären, allesamt erfahrene Angels, auf eine neue Ebene gehoben.

Wenn man sozusagen ausgesorgt hat, drängen sich dann nicht neben dem Lebensglück die großen Sinnfragen in den Vordergrund?
Natürlich sind das die entscheidenden Fragen, insbesondere bei lebensentscheidenden Riesenevents wie einem großen Exit oder dem ersten Kind. Aber eigentlich fragt man sich das ja permanent. Gehe ich den richtigen Weg, wollte ich immer schon Journalist sein oder Angestellter oder Lehrer oder Vater? Diese Feedbackfrage und die Selbsterkenntnis ist unsere Pflicht: Ist mein Weg der richtige für mich und mein Umfeld? In einer Zeit, wo man Familie gründet, Haus baut, die Stadt verlässt und aufs Land zieht, wo ich und meine Frau aufgewachsen sind, muss man sich schon sehr genau überlegen, wie man sein Leben weiter gestalten will. Da kam, relativ zeitgleich, die Anfrage von Puls 4, bei der Start-up-Show »2 Minuten 2 Millionen« mitzutun. Das war eine wichtige Entscheidung, die ich mit meiner Frau und unserem Umfeld intensiv diskutiert habe. Ich bin heute froh, dass ich das Angebot angenommen habe. Das Thema Startup wurde noch mehr in die Breite getragen und ist heute sehr präsent.

Wie wichtig ist es, eine Marke zu kreieren?
Da muss man zunächst unterscheiden zwischen Markenimage und Markenbekanntheit. Das Image zu pflegen, hat klarerweise immer oberste Priorität. Eine breite Bekanntheit zu erlangen, ist für Endkundenprodukte wichtig. Dabei wird oft unterschätzt, wenn man glaubt, mit einem kleinen Erstinvestment und ein bisschen viralem Marketing ist es getan. B2C-Geschäftsmodelle, auch oder gerade im Internetzeitalter sind marketingintensiv, das braucht‘s viele Millionen Euro an Werbeetat, wenn man global groß ausrollen möchte. Als Angelinvestor investiert man typischerweise in einer Range von 20.000 bis 200.000 Euro, in seltenen Fällen auch mehr. Dem Erstinvestor muss allerdings auch klar sein, dass noch wesentlich mehr Mittel in so ein aufbauintensives Markenunternehmen fließen müssen. Da ist es mit einer halben Million aus einer Businessangel-Runde nicht getan, da braucht es viele Millionen. Zwischen Erstinvestor und Foundern muss daher unbedingt schon bei Gründung Einigkeit herrschen, dass ein extrem starkes Wachstum angestrebt wird, das natürlich zu vielen Finanzierungsrunden führt und die Gründer immer wieder verwässert. Glücklicherweise gibt es in Österreich eine hervorragende Förderlandschaft, mit der sich mitunter mühsam aufgestellte Finanzierungsrunden hebeln lassen, also verdoppeln bis verdreifachen. Damit kann man auch in Österreich abseits der globalen Startup-Hubs ordentlich durchstarten.

Zahlt es sich als Investor wirklich aus, kommt das Geld in der Regel wieder zurück? Neun von zehn Startups scheitern ja.
Es braucht schon ein sehr gutes Händchen und Gespür, dass man das Verhältnis auf eines von drei runterbricht. Für mich darf ich sagen, hat es sich ausgezahlt. Aber es ist natürlich ein hochriskantes Geschäft, bei dem sich auch schon viele die Finger verbrannt haben.

Sie haben 35 Beteiligungen, gibt es diese Unternehmen alle noch?
Nein, fünf sind verschwunden, alle anderen gibt’s noch. Die, die verschwinden, tun zwar einmal weh, weil das Geld weg ist – hat nicht funktioniert, o. k., Schwamm drüber. Über die guten freut man sich natürlich. Ärgerlich ist die dritte Gruppe, die sogenannten Zombies. Das sind die, die nicht sterben, aber auch nicht wirklich überleben. Sie sind arbeitsintensiv, oft sind Founder-Issues zu klären, die Geschäftsführung zu verändern – das sind die, die am anstrengendsten sind und am wenigsten Freude machen. Zombie kann im besten Fall auch heißen, dass er irgendwann Break-Even wird und eigenständig weiterlebt, aber man sieht das Geld meist nicht mehr, das Investment steht zwar noch in den Büchern, denn das Unternehmen gibt es ja. Es macht vielleicht sogar einen kleinen Profit, aber auf Jahre gesehen kommst du kaum mehr zu deinem Geld. Das ist in Einzelfällen ja eh o. k., aber als Risikokapitalinvestor hat man einen sehr kurzen Investmenthorizont von typischerweise fünf bis sieben Jahren, um das Geld wieder herauszubekommen. Investoren, die in Familienunternehmen investieren, haben einen anderen Horizont und wollen vielleicht über Jahrzehnte etwas aufbauen. Das ist selbstredend höchst lobenswert, es ist eben kein typisches Startup-Investment.

Wie sieht das aus Ihrer Sicht aus?
Ein Startup muss einerseits disruptiv sein, also ein völlig neues Produkt oder Geschäftsmodell haben und andererseits hypergrowth-fähig sein, also ein extremes Wachstum vorzeigen können. Investoren in Startups sind meist Exit-getrieben Das kläre ich auch explizit bei jedem Investment mit den Foundern. Ich habe das einmal leider nicht gemacht und es kam zu einem katastrophalen Founderclash, weil die Founder das Unternehmen nie verkaufen wollten und auch keine Anteile abgeben wollten, aber trotzdem Geld von Investoren haben wollten. Ein Unternehmen zu gründen, das über Generationen hinweg in Familienbesitz bleiben soll, ist natürlich voll in Ordnung und höchst ehrbar, nur ist das eben kein Investment Case für einen Startup-Investor. Ein Startup kann natürlich auch eigenständig stetig weiterwachsen, aber irgendwann wirst du an die Börse gehen oder dich von einem größeren Unternehmen kaufen lassen.

Wie bestimmen Sie oder Ihre Kollegen den Unternehmenswert?
Zu dieser Frage gibt es keine Berechnungsmodelle oder Formeln. Das ist reine Ermessenssache zwischen den Parteien. Der Business Angel investiert in ein Team und nicht in eine Idee. Es gibt ein paar Faustregeln, zum Beispiel, dass pro Kopf eine Million bezahlt wird. Das ist natürlich eine ganz grobe Regel und es gibt dabei krasse Unterschiede. Das ist zwar überhaupt keine Metrik, die angewandt wird, aber witzigerweise hat sich das schon ein paarmal bewahrheitet. Für mich als Investor muss der Unternehmenswert mindestens das Potenzial eines »Tenbaggers« haben, also sich verzehnfachen können, wenn nicht noch mehr. Das ist bei vielen physischen Produkten, die produziert und verteilt werden müssen, nicht möglich, zum Beispiel im Lebensmittelbereich, wo man etwas herstellt, einkauft, verkauft, lagert und so weiter. Bei neuen Technologien im IKT-Bereich, also Informations- und Kommunikationstechnik, ist es leichter möglich, so schnell zu wachsen. Daher reagieren wir Juroren bei »2 Minuten 2 Millionen« schon manchmal heftig, wenn Unternehmensbewertungen mit ein, zwei oder fünf Millionen ausgerufen werden, aber zuwenig Wachstum gezeigt werden kann. Weil die Idee alleine bei so einem Geschäftsmodell eben nicht Millionen wert ist. Hingegen kann man sich bei einer Technologie, die noch nicht auf dem Markt sein muss, aber chancenreich erscheint, schon vorstellen, dass sie in Kürze 10, 20, 50, 100 Millionen oder mehr wert ist. Das geht nicht mit Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs und bei Unternehmensgründungen im klassischen Sinne. In Österreich werden jedes Jahr 40.000 Unternehmen gegründet. Jeden einzelnen, der sich das traut, finde ich toll. Aber nur die wenigsten sind hoch skalierbare Startups.

Wie bewerten Sie die Situation in Österreich aktuell?
Die Awareness von Startup-Unternehmen hat deutlich zugenommen, das Thema ist breiter geworden, ja, da hat sich viel getan. Auf der anderen Seite gibt es in Österreich noch immer viel Skepsis, viele Nörgler und Neider und Leute die darauf warten, dass du scheiterst. Und die sich nach einem Scheitern abwenden. Das beste Beispiel ist die berühmte Geschichte von Damian Izdebski, dem Gründer von »DiTech«, der in Österreich zunächst einen Riesenerfolg und dann eine große Pleite hingelegt hat. Jetzt startet er mit »techbold« wieder durch, ich habe da gleich investiert. Ein Gründer der schon einmal gescheitert ist, hat wesentlich mehr Erfahrung als jeder Absolvent einer Business School. Damian hat ein Buch geschrieben, »Meine besten Fehler«, in dem er unter anderem beschreibt, dass Scheitern etwas Gutes ist, aus dem man etwas lernt. Dieses Bewusstsein gehört in Österreich verstärkt. Nach jedem Bauchfleck heißt es aufstehen, Krone richten und weitergehen.

Hätten Sie konkrete Verbesserungsvorschläge?
Einen ganzen Katalog. Es kann nicht sein, dass eine Gründung im Schnitt 23 Tage dauert. Eine Unternehmensgründung muss in einer Viertelstunde online zu erledigen sein. Weiters sollten »sandboxes« eingerichtet werden, also geschützte Plätze, wo sich ein Startup ein bis drei Jahre mit einem Minimum an Regulierung, Kammerthemen oder Bankenaufsicht entfalten darf. Die Paysafecard war in den ersten Jahren ein offizielles Zahlungsmittel, eine regulatorische Katastrophe für ein Startup! Es überleben ohnehin nur zehn Prozent der Unternehmen die ersten drei Jahre. Ab dann wäre es immer noch früh genug für bürokratische Auflagen. So ein Startup-Fenster würde helfen, da gehört entrümpelt, damit sich viel mehr Leute drübertrauen.

Hätten Sie einen Rat, wo ein Privater sein Geld noch anlegen könnte, außer in Sparbuch, Wertpapiere und Betongold? Könnte es für Investitionen in Startups etwa bessere staatliche Rahmenbedingungen oder Absicherungen geben?
Immer wenn der Markt versagt, muss der Staat eingreifen. Leider wird hierzulande viel zu wenig privates Geld in Unternehmensgründungen investiert. Privates Geld gibt es in Österreich genug, Über 1000 Milliarden ist das Vermögen der Österreicher. Wenn davon nur ein Promille in Startup-Unternehmensgründungen fließen würde, wäre das eine Milliarde, also zehnmal mehr als jetzt pro Jahr in Startups fließt. Für das Lottospielen geben die Österreicher jedes Jahr über eine Milliarde aus. Ich würde gerne einmal den Vergleich sehen, was mit dem österreichischen Standort passieren würde, wenn diese Milliarde in Unternehmensgründungen fließen würde. Wenn das private Geld allerdings nicht am Markt verfügbar ist, dann muss der Staat einspringen. In Österreich ist das ohnehin schon sehr stark der Fall, es gibt ja viele Förderungen. Was noch fehlt, sind mehr Steueranreize: Privatinvestoren könnten etwa über Tax Credits ermuntert werden, Geld in Startups zu stecken, und allfällige Verluste steuerlich verwerten. Das wäre höchst sinnvoll, weil natürlich jedes investierte Geld im Unternehmen Steuern erzeugt, das würde sich auch für den Finanzminister rechnen.

Herr Altrichter, vielen Dank für das Gespräch.

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Michael Altrichter (45) investiert regelmäßig in junge Unternehmen, vorzugsweise aus dem digitalen Bereich. Nach der Gründung von »paysafecard« und »payolution« sowie deren Verkauf ist er heute einer der aktivsten österreichischen Business Angels und Impact Investor. Der Verkauf um rund 140 Millionen Euro gilt nach wie vor als einer der größten »Exits« (Unternehmensverkäufe) in Österreich. Sein aktuelles Portfolio umfasst Beteiligungen an 35 Startups, darunter unter anderem »rublys«, das Rubbelos fürs Smartphone, »Discovering Hands« sowie die Arzneimittelinformationsplattform »Diagnosia« oder die Social-Trading-Anlageplattform »wikifolio« (www.wikifolio.com). Der studierte Physiker ist Aufsichtsratsvorsitzender der »Startup300-Gruppe«, die ihrerseits 40 Investments hat. Altrichter wohnt in Allhartsberg in Niederösterreich, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren.  michaelaltrichter.pro

Fazitgespräch, Fazit 141 (April 2018), Foto: Erwin Scheriau

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