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Würstel zum Grüßen

| 29. Juni 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 144, Fazitbegegnung

Foto: Marija KanizajBekannt wurde er als »Würstel-Hannes«, seit 2010 heißt er »Hannes, das Original«. Ein Original ist der Betreiber eines der ältesten und besten Würstelstandln in Town auch tatsächlich. Wie jeder echte Wirt ist er eine Respektsperson, eine Stellung, die sich der 63jährige gelernte Koch in bislang 33 Jahren im Dienste der Wurst erarbeitet hat.

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Wer bei ihm bestellt, sollte sich an zivilisatorische Mindeststandards halten: »Wer nicht grüßt, wird nicht bedient«, so einfach lautet sein Grundcredo. Dafür bekommt der Gast aber auch kein ordinäres Frankfurter im Hot Dog serviert, sondern eine Delikatesse von der Fleischerei Fritz Franz aus Sankt Stefan ob Stainz. Das Hot-Dog-Weckerl hat nicht Schaumgummi- oder Styroporcharakter, sondern Qualität und wird auf der heißen Platte angetoastet. Letzterer Vorgang ist das Geheimnis schlechthin, unfassbarer Weise nach wie vor ungelüftet von der Konkurrenz.

Wenig bekannt ist den meisten auch, dass Hannes eigentlich Zlatko Pflancer heißt und ursprünglich aus Marburg stammt. Tatsächlich war er ein Flüchtlingskind, denn sein Vater und sein älterer Bruder sind in den frühen 1960er Jahren aus dem damals kommunistischen Jugoslawien geflohen, und er durfte als Siebenjähriger mit der Mutter nachkommen. »Als Koch war ich dann im Winterbierhaus, später in Mayers Restaurant am Timmendorfer Strand an der Lübecker Bucht, wieder in Graz beim Augartenwirt, im Füttertrögl und steirisch kochen habe ich im Milchmariandl gelernt.« Allesamt verklungene Namen, aber »2801« ist nach wie vor ein Begriff: Für diese Taxigruppe ist Hannes Pflancer fünf Jahre hinter dem Lenkrad gesessen. Und weil auch Taxler hungrig werden, pflegte man sich am Würstelstand am Südtirolerplatz zu treffen, bis der ehemalige Besitzer des Stands nach Mallorca verzog und einen Nachfolger suchte. Hannes und seine damalige Frau Sigrid übernahmen und betrieben dort mehr als zwei Jahre den Würstelstand, bevor sie 1987 an den heutigen Standort in die Elisabethinergasse zogen.

»Eigentlich wollte ich einen GKB-Waggon dorthin stellen, dann eine alte Strassenbahn, dann hat‘s auch bei der ÖBB nicht geklappt, schließlich ist es der gelbe Postbus geworden«, so Pflancer. Dieser entwickelte sich als Würstelbus direkt neben dem Mühlgang von einem Markenzeichen zu einer Kultstätte. Und das immerhin für 23 Jahre bis zu besagtem Jahr 2010: Scheidung, Sigrid sperrt in der Folge einen eigenen Würstel-Hannes auf, Hannes selbst investiert 45.000 Euro in eine sieben Meter lange Hütte voller Nirosta-Geräte am alten Standort, nennt sich »Das Original« und – macht mit Tochter Elisabeth nach wie vor die besten Käsehotdogs von da bis Texas. Und klammheimlich freuen sich viele der Stammgäste – und das sind 95 Prozent – darauf, wenn die nächsten Novizen in die strenge Kammer des Wirts geraten.

Hannes Pflancer, Jahrgang 1955, kam 1962 aus Marburg mit seiner Familie zu den Großeltern nach Laßnitzhöhe, danach Übersiedlung nach Graz, heute Lannach. Der vierfache Vater ist leidenschaftlicher Motorradfahrer (1200er BMW-Enduro GS) und führt als Wirt ein strenges Regiment. Was die Kundschaft sehr schätzt.

Fazitbegegnung, Fazit 144 (Juli 2018) – Foto: Marija Kanizaj

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