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Zur Lage (94)

| 4. Oktober 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 146, Zur Lage

Über das gute alte Fernsehen, vor allem das lineare, und über diverse Formen von Homeshoppingkanälen. Über die Kurzlebigkeit von DVD-Sets und eine großartige Unterhaltungsshow. Und nichts mehr über Politik.

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Fernsehen tu ich ja gar nichts mehr. Also gar nichts mehr stimmt auch nicht, wir wollen hier ja keine Fakenews verbreiten, fast gar nichts mehr wäre politisch korrekter. Zum Einen kommt man mit zwei kleinen Kindern da gar nicht dazu und zum Anderen gibt es quasi nichts Interessantes im Fernsehen. Wenn überhaupt – das schau ich dafür sogar recht gerne, das erscheint mir Fernsehen am Höhepunkt seiner Entwicklung, am Zenit dieses Mediums sozusagen –, dann schau ich so einen Sender, wo Live-Auktionen stattfinden. Also das große Genre »Homeshopping« und dort eben die Unterabteilung »Live-Auktionen«. Wie das genau funktioniert, habe ich natürlich nicht verstanden, aber das ist wie bei Football, das kann man auch schauen, ohne dem eigentlichen Geschehen wirklich folgen zu müssen. Also, wenn man Football mag, ich mag’s nicht.

Bei diesen Auktionssendern verkaufen am ehesten als Moderatorendarsteller zu bezeichnende Menschen irgendwelche Sachen. Oft Uhren, meistens eigentlich Uhren, manchmal Goldmünzen, aber auch Lufterwärmer oder so Salben, die das Altern der Haut entschleunigen. Und all diese Dinge haben eines gemeinsam: nämlich keinen Preis. Oder zumindest keinen fixen, weil er andauernd, mit optischen wie akustischen Spezialeffekten von diesen Moderatorendarstellern etwas hektisch begleitet, im Sinken begriffen ist. Wahrscheinlich geht es da um Angebot und Nachfrage, vor allem um die Nachfrage nehme ich an, die diesen Preis dann eben sehr »volatil« gestaltet. (»Volatil« verwende ich viel zu selten in der Lage.)

Und da ich vertrauensseliger Kerl nie anzweifeln würde, was mir Menschen im Fernsehen erklären, geht es da immer um wirklich sensationelle Angebote, wo erwähnte Uhren, Goldmünzen, Lufterwärmer oder Salben, die ansonsten nur um einen ans Vierstellige kratzenden Eurobereich zu haben sein sollen, um gut und gerne auch mal 49,99 oder gar nur 29 Euro zu »ersteigern« sind. Der Sender heißt übrigens »1-2-3-TV«, denke ich zumindest, wobei, vorstellen kann ich es mir eigentlich nicht, dass der allen Ernstes »1-2-3-TV« heißt, das wäre ja vollkommen lächerlich, aber ich wüsste auch nicht, wie der anders heißen sollte; so ähnlich wird es schon sein. Den schau ich also sehr gerne, wie überhaupt alles, was mit Homeshopping zu tun hat. Von »QVC« über »QVC deLuxe« bis hin zu »QVC-Kosmetikprodukte«.

Das bezieht sich alles auf das lineare Fernsehen, weil was schon auch der Fall ist, dass meine Frau und ich, nein, nicht »streamen«, so modern werden wir nicht so schnell gewesen sein, sondern DVDs (immerhin auf Amazon) uns kaufen und die dann schauen. Da haben wir etwa unlängst aufgehört, die wunderbare Serie »House of Cards« zu schauen. Nicht aus Protest gegenüber dem großen Schauspieler Kevin Spacey übrigens, würde mir nie einfallen (»#MeNot«), viel profaner! Wir waren in der dritten Staffel und haben dann plötzlich merken müssen, die vierte DVD ist kaputt, die ruckelt so und das Bild friert immer wieder ein. Das war in etwa zeitgleich als Kevin Spacey …, Sie wissen, der schlimme Finger! Hatte aber eben nichts miteinander zu tun. Und meine Frau und ich, wir besprechen das jetzt seitdem so alle zwei, drei Wochen, wie wir weiter vorgehen. Weil an Umtausch ist nicht mehr zu denken, wir hatten das DVD-Set ja schon Monate, wenn nicht Jahre daheim, bevor wir zum Schauen gekommen sind, und eine Neuanschaffung fällt uns halt auch nicht leicht. Sind wir beide doch nicht nur konservativ sondern auch, bitte schlagen Sie mich nicht!, noch sparsam und wollen jetzt nicht unbedingt noch einmal Geld dafür ausgeben müssen. Was soll’s, das ist halt eines der Probleme der Digitalisierung, da werden wir lernen müssen, damit umzugehen. Da machen sich gescheitere Köpfe darüber Gedanken.

Einen Pflichttermin gibt es für mich dann schon noch im Linearen, das ist meine absolute Lieblingssendung dieses Jahrzehnts, das ist die wunderbare Sendung »Bares für Rares«, eine ZDF-Übernahme eines weltweiten Dokutainmentformates. Da werden werktags am Abend zwei Folgen hintereinander auf ZDF-Neo ausgestrahlt und das schau ich mir immer an! Nachdem ich meine Gutenachtgeschichten meinen Kleinen vorgetragen habe, geht sich – wenn alles klappt –, eine gute Viertelstunde, so zwanzig Minuten, plusminus die zweite Hälfte der zweiten Sendung also aus und mir gefällt das ungemein. Ich trage mich ja sogar mit dem Gedanken, in einem Antiquitätengeschäft ein wertvolles Kollier oder einen schönen Ring zu erstehen, nur damit ich dort einmal der Schmuck- und Antiquitätenhändlerin aus Nordrhein-Westfalen was verkaufen könnte. Die zählt nämlich so toll, wenn sie was von den Teilnehmern an dieser Fernsehshow ergattert. Das kann man gar nicht beschreiben, das muss man erleben. Das begeistert mich. Also würde mich begeistern, wäre ich nicht verheiratet. So gesehen brauch ich das nicht mehr, aber, wäre ich ein Anderer und wäre dieser Andere nicht verheiratet, unbedingt müsste ich bei dieser Sendung einmal mitmachen.

Damit sind wir schon wieder am Schluss dieser Lage und sollten Sie sich jetzt wundern, dass so gar keine tagesaktuellen politischen Themen diesmal vorgekommen sind, dann darf ich Ihnen versichern, da hab ich jetzt damit aufgehört, darüber nachzudenken. Es ist einfach nicht mein Stil, mit dem Bihänder, und das wäre noch das geringste aller einzusetzenden Schlaginstrumente, auf Leute einzudreschen. Meine Eltern, meine ganze Familie hat mich da andere Umgangsformen erwerben lassen. Zudem liegt mir Neokonservativen das Ungemach der Sozialdemokratie nicht am Herzen, ganz im Gegentum. Also was bleibt, außer zu schweigen? Uns allen einen schönen Herbst.

Zur Lage #94, Fazit 146 (Oktober 2018)

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