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Apropos Vernetzung

| 28. November 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 148, Kunst und Kultur

Foto: ElevateDas Diskursfestival »Elevate« stellt sich 2019 noch breiter auf als bisher. EU-Projekte bringen neben dem Geldsegen auch einen höchstrangigen Grad an befruchtender Vernetzung mit den wirklich großen Playern dieses Genres.

::: Text von Michael Petrowitsch
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Die mythologische Frau »Europa« war, so schrieben zumindest die Alten, eine fesche und heißbegehrte. Als phönizisches Königstöchterl hat sie Zeus den Kopf verdreht. Selbiger, wenngleich verheiratet, verwandelte sich flugs in einen Stier und entführte sie auf die Insel Kreta. So romantisch war das damals und sowohl die patriarchale als auch die postfeministische Lesart dieser Geschichte kommen wohl zum selben Schluss für den Subkontinent gleichen Namens: Das Miteinander ist wichtig, Allianzen sind super und Vernetzung ist einzigartig. Europa als politische Konstruktion ist momentan so ein bissl im Wiglwagl, was es mit sich selbst anfangen soll. Gut, dass es da Menschen gibt, die am Fortkommen des »europäischen Gedankens« arbeiten. Und gut, dass das Unterstützung findet!

Den Wahrheitsbeweis in unseren Breiten angetreten hat das Elevate-Festval. Seit 15 Jahren betreiben die Engagierten Grundsatzarbeit zwischen Diskurs, Dancing und Draufgängertum.

Gerade wurde vor wenigen Tagen an anderer Stelle vollkommen richtig kommentiert, dass ein Zuviel an Parteienfinanzierung ohnehin nur der Wirtschaft zugutekommt. Dem kann ich nur beipflichten. Ähnlich verhält es sich ja schlussendlich mit dem gesamten Förderwesen. Dass es grundsätzlich schwierig ist, an EU-Kulturfördertöpfe zu gelangen, ist bekannt. Man braucht wahrlich einen langen Atem. Elevate haben einen und sind mittlerweile Profis.

Das Projekt »We are Europe« ist ein Gemeinschaftsputzerl von europäischen Festivals, das nach einem erfolgreichen ersten Durchgang in den letzten drei Jahren nun ein weiteres Mal positiv juriert wurde. Der Titel alleine ist Programm: Nach Flüchtlingskrise, Brexit, Nationalisierungs- und Abschottungstendenzen in Europa, Destabilisierung von demokratischen Strukturen in vereinzelten Ländern und Radikalisierung punktete man mit einer Idee, die genau das Gegenteil vorleben wollte und auch tat. Darum stand einer Fortsetzung nichts im Wege.

Von 2019 bis 2021 erlebt dieses Rhizom von insgesamt acht Festivals eine Neuauflage und das mit anderen Vorzeichen. Für Bernhard Steirer, einem der Masterminds, ist das ein europäischer Meilenstein. Elevate wurde durch die Zusammenarbeit mit sieben teils wesentlich größeren Partnerfestivals deutlich internationaler in der Programmierung. »Durch diese Zusammenarbeit profitieren steirische und österreichische Acts, weil wir selbige oft an andere Festivalprogramme vermitteln konnten.« Ad Wissenstransfer: Es gibt Kooperationen mit etablierten Festivals wie etwa dem »Sonar« in Barcelona und dem »Nuits Sonores« in Lyon.

Alle mit weitaus höheren Kapazitäten. Künstlerische Praxis und kulturbetriebliche Herausforderungen für den Nachwuchs im Kulturbetrieb von morgen werden forciert. Das überregionale Publikum dankt es. Für Steirer ergeben EU-Projekte weiterhin Sinn: »Auch wenn die Aktivitäten mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden sind.«
Das wiederum wird Frau »Europa« nicht kratzen, die hat es auf die Fünfeuro- und 2014 gar auf die Zehneurobanknote geschafft. Schelm, der Böses dabei denkt, dass keine Höherwertige auserkoren wurde. Es gibt also noch Luft nach oben.

::: Zur Webpage von Elevate

Alles Kultur, Fazit 148 (Dezember 2018) – Foto: Elevate

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