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	<title>FazitOnline. Wirtschaft und mehr. Aus dem Süden. &#187; Johannes Tandl</title>
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	<description>Die Webseite von Fazit.</description>
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		<title>Gemeindefusionen: Speckgürtel im Fokus.</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 14:46:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindefusionen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindestrukturreform]]></category>
		<category><![CDATA[Kriterien]]></category>
		<category><![CDATA[Reformpartner]]></category>
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		<category><![CDATA[Steiermark]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Leitbild der Gemeindestrukturreform Steiermark stellt klar, dass nicht nur die wirtschaftlich angeschlagenen Kleingemeinden in größere Strukturen integriert werden. Auch die reichen Speckgürtelgemeinden rund um Graz, Leibnitz, Voitsberg oder Gleisdorf sind akut gefährdet. Denn im Leitbild heißt es, dass sich die Umlandgemeinden auf Kosten der Zentrumsgemeinden entwickeln. Aufgrund der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen sehen sich sämtliche Kommunen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Leitbild der Gemeindestrukturreform Steiermark stellt klar, dass nicht nur die wirtschaftlich angeschlagenen Kleingemeinden in größere Strukturen integriert werden. Auch die reichen Speckgürtelgemeinden rund um Graz, Leibnitz, Voitsberg oder Gleisdorf sind akut gefährdet.</p>
<p><span id="more-2173"></span>Denn im Leitbild heißt es, dass sich die Umlandgemeinden auf Kosten der Zentrumsgemeinden entwickeln. Aufgrund der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen sehen sich sämtliche Kommunen angehalten – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf – Bau- und Gewerbegebiete auszuweisen und zu erschließen, um so ihre finanzielle Lage zu verbessern. Und die beiden wichtigsten kommunalen Einnahmequellen sind nun einmal die von der Einwohnerzahl abhängigen Ertragsanteile sowie die Kommunalsteuer, die drei Prozent der an die im Gemeindegebiet beschäftigten Arbeitnehmer ausbezahlten Lohnsumme beträgt. Das Ergebnis dieser ordnungspolitischen Fehlleistung des Bundes ist der großen Bau- und Gewerbelandüberschuss und in der Folge eine viel zu teure Infrastruktur.</p>
<p>Im Strukturleitbild der Reformpartner sind folgende Kriterien genannt, die eine – auch künftig – eigenständige Gemeinde erfüllen soll:<br />
<strong>• Kindergarten</strong><br />
<strong>• Volksschule</strong><br />
<strong>• Nahversorger</strong><br />
<strong>• Gasthaus</strong><br />
<strong>• Arzt/Ärztin (Allgemeinmedizin)</strong><br />
<strong>• Pfarre/Kirche</strong><br />
<strong>• Bank</strong><br />
<strong>• Apotheke</strong><br />
<strong>• Rettung</strong><br />
<strong>• Postamt/Postpartner </strong></p>
<p><strong></strong><br />
„Das Fehlen mehrerer derartiger Einrichtungen in einer Gemeinde ist ein Indiz, dass diese Leistungen bereits jetzt von der Bevölkerung in einer anderen Gemeinde in Anspruch genommen werden und sich folglich der Lebensraum der Bevölkerung bereits über die politischen Grenzen der Gemeinden hinaus erweitert hat“, heißt es wörtlich im Leitbild.<br />
Wenn dieses Leitbild umgesetzt wird, ergeben sich daraus demnach Gemeindegrößen, die zumindest den Pfarrgrenzen entsprechen.</p>
<p>Insgesamt 114 steirische Gemeinden haben übrigens auf die Anregung des Landes reagiert und Vorschläge für Kooperationen und Fusionen erbracht. 59 Gemeinden haben dem Land mitgeteilt, dass für sie Fusionen nicht in Frage kommen.<br />
Das Leitbild zur Gemeindestrukturreform finden Sie übrigens<a title="Gemeindestrukturleitbild" href="http://www.gemeindestrukturreform.steiermark.at/cms/beitrag/11615233/69389369/" target="_blank"> hier</a>:</p>
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		<title>Land schließt Kleinstschulen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 12:51:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die SPÖ-ÖVP-Reformpartner haben sich dazu entschlossen, 31 der 38 einklassig geführten Volksschulen, die es in der Steiermark mittlerweile gibt, bereits ab dem nächsten Schuljahr zu schließen. Damit trägt die Regierung den demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte Rechnung. Gab es im Jahr 1981 in der Steiermark noch 136.000 Pflichtschüler, waren es im Vorjahr nur mehr 78.000. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die SPÖ-ÖVP-Reformpartner haben sich dazu entschlossen, 31 der 38 einklassig geführten Volksschulen, die es in der Steiermark mittlerweile gibt, bereits ab dem nächsten Schuljahr zu schließen. Damit trägt die Regierung den demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte Rechnung. <span id="more-2155"></span>Gab es im Jahr 1981 in der Steiermark noch 136.000 Pflichtschüler, waren es im Vorjahr nur mehr 78.000. Im gleichen Zeitraum, in dem die Schülerzahlen um 43 Prozent zurückgingen, wurde die Zahl der Schulstandorte jedoch nur um etwa 15 Prozent reduziert.</p>
<p>„Bildungspolitik ist kein Anhängsel der Kommunalpolitik“, stellte Bildungslandesrätin Elisabeth Großmann anlässlich der Veröffentlichung der Schließungsliste klar und sie verwies darauf, dass die Lehrerstunden nun gerechter auf die steirischen Schulen verteilt werden können. Da kein einziger Lehrerdienstposten durch die Schulzusammenlegungen verloren geht, ist auch der Aufschrei der Lehrergewerkschaft ausgeblieben.</p>
<p>Von einem bildungspolitischen Kahlschlag sprach hingegen die FPÖ und auch die Grünen forderten zuerst eine Verwaltungsreform im Bildungsbereich, wie die Abschaffung der Bezirksschulinspektoren und den Abbau der Doppelverwaltung im Pflichtschulbereich zwischen Land und Bund. Naturgemäß wenig Verständnis für die Schulschließungen zeigen zahlreiche betroffene Bürgermeister.</p>
<p>::: <a title="Link" href="http://steiermark.orf.at/news/stories/2516398" target="_blank">Liste der Schulen, die 2012/2013 geschlossen werden</a> (ORF)<br />
::: <a title="Link" href="http://steiermark.orf.at/news/stories/2516424/" target="_blank">Schulschließung: Sorge in Gemeinden</a> (ORF)<br />
::: <a title="Link" href="http://www.kleinezeitung.at/steiermark/2919420/knapp-40-schulen-werden-geschlossen.story" target="_blank">Schließung von 38 Schulen zugunsten von mehr Qualität</a> (Kleine Zeitung)</p>
<p>::: <a title="Link" href="http://diepresse.com/text/home/bildung/schule/pflichtschulen/723005/Kleinschulen_Weitere-Laender-erwaegen-Schliessungen?from=rss&amp;utm_source=diepresse.com" target="_blank">Weitere Bundesländer erwägen Schließungen</a> (Die Presse)</p>
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		<title>Politicks Jänner 2012</title>
		<link>http://www.fazitmagazin.at/2011/12/politicks-janner-2012/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:35:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundesbudget: Zeit des Erwachens „Wir sind sparsam, steigern die Effizienz in der Verwaltung und investieren gleichzeitig in die Zukunft“, behauptete Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am 19. Oktober nach der Budgetpräsentation im Ministerrat und versuchte so darüber hinwegzutäuschen, dass die Regierung angesichts der Schuldenkrise im Euroland, den Kopf in den Sand steckt. Wer sich damals über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bundesbudget: Zeit des Erwachens</strong><br />
„Wir sind sparsam, steigern die Effizienz in der Verwaltung und investieren gleichzeitig in die Zukunft“, behauptete Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am 19. Oktober nach der Budgetpräsentation im Ministerrat <span id="more-2128"></span>und versuchte so darüber hinwegzutäuschen, dass die Regierung angesichts der Schuldenkrise im Euroland, den Kopf in den Sand steckt.<br />
Wer sich damals über das für 2012 geplante Defizit von unglaublichen 9,2 Milliarden Euro wunderte, wurde vom Bundeskanzler mit folgender Aussage vertröstet: „Wir wollen weder Sozialabbau noch Reduktion im Bildungswesen. Hauptthema ist, wie man die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig die Haushalte sanieren kann. Damit können wir ein Vorbild in Europa sein.“ Eine Antwort darauf, was eine Defizitausweitung um 3,2 Prozent nach einem Hochkonjunkturjahr mit Haushaltssanierung zu tun haben soll, blieb der Bundeskanzler freilich schuldig und auch seinem, wie meist unglücklich agierenden, VP-Gegenüber, Vizekanzler Michael Spindelegger, fiel nichts Besseres ein, als das vorbildliche Klima, das bei den Budgetverhandlungen geherrscht habe, zu loben.<br />
Was da wohl im Vorfeld des letzten EU-Gipfels Anfang Dezember passiert sein mag? Jedenfalls war unser dauerlächelnder Bundeskanzler nach seinem Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel nicht wiederzuerkennen. Auf einmal trat er als Befürworter der Fiskalunion auf den Plan und nach dem Gipfel war auf einmal klar, dass das österreichische Budget für 2012 aufgeschnürt werden muss, um weitere eineinhalb Milliarden zu suchen– sowohl auf der Ausgabe- als auch auf der Einnahmeseite.<br />
Und auch die Finanzministerin will auf einmal neuen Mut zum Sparen gefunden haben: „1,5 Milliarden Einsparungen sind zu wenig. Wir werden weit über zwei Milliarden brauchen“, sagte Maria Fekter (ÖVP) am 13. Dezember beim ersten Ministerrat nach dem EU-Gipfel und verwies auf den Beamtengehaltsabschluss sowie auf Kyoto-Strafzahlungen, die auf uns zukommen würden. Dabei sind zumindest die Kyoto-Strafen längst bekannt. Und wenn Fekter wirklich mutig wäre, würde sie angesichts der steigenden Zinsen für österreichische Schuldtitel den Beamtenabschluss wegen Unfinanzierbarkeit wohl noch einmal aufschnüren.</p>
<p><strong>Nulllohnrunde auch für Gemeindebedienstete</strong><br />
Wenigstens in der Steiermark gehen die Uhren anders. Da kam eigens aus Wien der Vorsitzende der mächtigen Gemeindebediensteten-Gewerkschaft Alexander Meidlinger angereist, um seinen steirischen Funktionären beim Kampf um die Übernahme des Bundesbeamtenabschlusses zur Seite zu stehen, um dann jedoch eine vollständige Pleite zu erleben. Statt einer Gehaltserhöhung kündigten Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und sein Vize Hermann Schützenhöfer (ÖVP) eine Besoldungsreform für Gemeindebedienstete an. Im Zuge dieser Besoldungsreform, in die – ähnlich wie bei jener für die Landesbediensteten – die Arbeitnehmervertretung voll eingebunden werden soll, werden den Gemeindebediensteten vermutlich höhere Einstiegsgehälter und schnellere Vorrückungen in Aussicht gestellt. Im Gegenzug werden sie jedoch ihre vielfach vom Rechnungshof kritisierten Pensionsprivilegien (Ruhestand ab 60, sehr kurze Durchrechnungszeiträume) aufgeben müssen.<br />
Voves und Schützenhöfer hatten, was die Gemeindebediensteten angeht, keine Spielräume, denn zuvor hatten die Landes-, aber auch KAGES-Personalvertreter der Nulllohnrunde nur zugestimmt, wenn sie für Land, Gemeinden und Krankenanstalten gelten würde. Allein bei der KAGES bringt der Verzicht auf Gehaltserhöhungen jährlich Einsparungen von 15 Millionen Euro.<br />
Dass die Gewerkschaft nun klagen will, weil formal weder Voves noch Schützenhöfer und auch nicht der Landtag für die Gehälter der Gemeindebediensteten zuständig sind, ist zwar verständlich, wird jedoch nichts ändern. Denn Politikern, die Handlungsfähigkeit beweisen, steht auch die berühmte „normative Kraft des Faktischen“ zur Seite.</p>
<p><strong>Fast-Food-Verbot: Edlinger-Ploder provoziert</strong><br />
Mit ihrer Initiative, Fast Food aus Schulbuffets und -kantinen zu verbannen, erntet Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) breiten Applaus bei Eltern, Ärzten, Ernährungswissenschaftlern und Lehrern: „Wir haben genug Wissen und Papiere zum Thema ,gesunde Ernährung‘ angehäuft, es ist Zeit, zu handeln, wo wir selbst Verantwortung tragen“, begründet Edlinger-Ploder ihren Vorstoß, wobei sie klarstellt, dass richtige Ernährung primär eine Aufgabe der Erziehungsberechtigten bleiben müsse. Es sei ihr aber nicht unrecht, dass die derzeitige Diskussion unter dem reißerischen Titel „Fast-Food-Verbot“ an Schulen laufe, weil dadurch erst die breite Aufmerksamkeit erregt wurde. Edlinger-Ploder geht es aber nicht um ein Produktverbot, sondern um eine Angebotssteuerung auf Basis von Nahrungsmittelqualität und Inhaltsstoffen. Widerspruch kommt hingegen vom Kärntner Bildungsreferenten LH-Stv. Uwe Scheuch (FPÖ): „Von einem generellen Fast-Food-Verbot an Schulen halte ich nichts. Viel gescheiter wären bewusstseinsbildende Maßnahmen.“ Allein schon die Qualifizierung von Nahrungsmitteln als Fast Food sei in seinen Augen schwierig. Er könne sich jedoch vorstellen, dass man in den Schulkantinen mehr Wert auf gesunde, heimische Lebensmittel legt.</p>
<p><strong>Grazer SPÖ: Grossmann folgt</strong><strong> Müller als Stadtrat nach</strong><br />
Michael Grossmann (SPÖ) beerbt den glücklosen Edmund Müller (SPÖ) als Grazer Kultur- und Gesundheitsstadtrat. ÖVP, SPÖ, Grüne und KPÖ stimmten im Gemeinderat für Grossmann, FPÖ und BZÖ waren dagegen. Der 45-Jährige will als erste Arbeitsschritte den Dialog mit den Kulturschaffenden aufnehmen sowie Schwerpunkte im Bereich der Gesundheitsprävention setzen. Grossmann ist gebürtiger Obersteirer und war Bundesvorsitzender der Jungen Generation. Er war von 2004 bis 2010 Büroleiter des EU-Abgeordneten Jörg Leichtfried (SPÖ). Zuletzt war er als Unternehmensberater selbstständig tätig und Leiter des Renner-Institutes der Steiermark sowie Landesgeschäftsführer der Bildungsorganisation der SPÖ. Gemeinsam mit der Grazer SPÖ-Vorsitzenden, Stadträtin Martina Schröck, hat Grossman nun ein Jahr Zeit, die ehemalige Bürgermeisterpartei auf die Gemeinderatswahl vorzubereiten und nach zahlreichen Personalwechseln vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren. So ist Michael Grossmann nach Wolfgang Riedler, Karl-Heinz Herper und Edmund Müller bereits der vierte Kultur- und Gesundheitsstadtrat, den die SPÖ in dieser Periode auf diese Funktion setzt.</p>
<p><strong>Globalbudgets: Vollath will mehr</strong><strong> Transparenz bei Mittelverwendung</strong><br />
Die Mitglieder der steirischen Landesregierung sollen künftig nachweisen, wie sinnvoll sie ihre Ressortbudgets eingesetzt haben. SPÖ und ÖVP vereinbarten eine Budgetreform, die nach der nächsten Landtagswahl im Jahr 2015 in Kraft treten soll.<br />
Geht es nach Finanzlandesrätin Bettina Vollath (SPÖ), wird sich die Budgetierung des Landeshaushaltes in den nächsten Jahren dramatisch ändern. In Zukunft soll es sogenannte Globalbudgets für die einzelnen Ressorts geben. Vollath strebt damit mehr Eigenverantwortung auf der Regierungsbank an: „Man kann es vielleicht ganz salopp so umreißen, dass jedes Regierungsmitglied ein bisschen sein eigener Finanzlandesrat, seine eigene Finanzlandesrätin sein wird.“<br />
Statt in einem kameralistischen Budgetentwurf einzelne Haushaltsstellen zu bedecken und die Zahlungsströme in einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung als Zu- und Abströme einzelner Haushaltstitel zu erfassen, soll auf ein Doppik-System umgestellt werden. Vereinfacht gesagt wird das Land dadurch zum Bilanzierer. In den Voranschlägen werden daher nicht mehr nur die Zahlungsströme abgebildet, sondern erstmals auch das bewertete Vermögen. Erstmals werden also auch Abschreibungen und Wertminderungen abgebildet, was insgesamt für eine bessere Transparenz der Haushaltsentwürfe und Abschlüsse sorgen soll. Während in Österreich die Kameralistik vorherrscht, wird etwa der Schweizer Bundeshaushalt bereits als Doppik geführt.<br />
Anstelle des in Unternehmen vorherrschenden Profitzieles, das im Bereich der öffentlichen Hand klarerweise keine Rolle spielt, sollen die ressortverantwortlichen Landesräte in der Steiermark angewiesen werden, fünf Ziele zu definieren, die sie mit den ihnen zugewiesenen Mitteln erreichen wollen. Innerhalb ihres Ressorts können die Landesregierungsmitglieder in Zukunft selbst bestimmen, wie viel Geld wofür ausgegeben werden soll.</p>
<p><strong>Reichensteuer: ÖVP auf dem Weg zur</strong><strong> zweiten sozialdemokratischen Partei</strong><br />
Wie die Tageszeitung „Die Presse“ berichtet, ist die ÖVP in Bezug auf vermögensbezogene Steuern umgefallen. So soll ein neuer Spitzensteuersatz von 55 Prozent für Jahreseinkommen über 300.000 Euro bereits ausgemachte Sache sein. Außerdem denkt die Koalition an eine Erhöhung der Kapitalertragssteuer auf 27,5 Prozent und der Widerstand gegen eine Umwidmungsabgabe schwindet. Dass diese Abgaben dem Wirtschaftsstandort schaden, scheint den Schwarzen nicht bewusst zu sein. Seltsamerweise weigert sich die ÖVP ausgerechnet der Wiedereinführung der Erbschaftssteuer zuzustimmen – einer Abgabe, die aus Gründen der Einkommensgerechtigkeit unter Experten eigentlich unumstritten ist. Ob die Grünen, von denen die Erbschaftssteuer zur expliziten Bedingung für die Schuldenbremse erhoben wurde, die Regierung bei der Umsetzung der EU-Gipfelbeschlüsse unterstützen werden, ist dennoch fraglich.<br />
Dabei liegt Österreich mit einer Abgabenquote von 43 Prozent schon jetzt deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone mit 39 Prozent.</p>
<p><em>Politicks, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		<title>Tandl macht Schluss!</title>
		<link>http://www.fazitmagazin.at/2011/12/tandl-macht-schluss-7/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:07:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>
		<category><![CDATA[Schlusspunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Erinnern Sie sich eigentlich noch an die Nationalratssitzung vom 24. September 2008 – nur vier Tage vor der letzten Nationalratswahl? Damals beschlossen unsere glorreichen Parlamentarier eine saftige außertourliche Pensionserhöhung, die Verlängerung der Hacklerregelung, die Aufstockung von Familienbeihilfe und Pflegegeld und natürlich die Abschaffung der Studiengebühren. Dieser 24. September 2008 steht wie kein anderes Datum für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erinnern Sie sich eigentlich noch an die Nationalratssitzung vom 24. September 2008 – nur vier Tage vor der letzten Nationalratswahl? Damals beschlossen unsere glorreichen Parlamentarier eine saftige außertourliche Pensionserhöhung, <span id="more-2105"></span>die Verlängerung der Hacklerregelung, die Aufstockung von Familienbeihilfe und Pflegegeld und natürlich die Abschaffung der Studiengebühren. Dieser 24. September 2008 steht wie kein anderes Datum für eine Politik, die versucht, sich mit ungedeckten Schecks zulasten künftiger Generationen an die Spitze der Wählergunst zu schwindeln.<br />
In einer Demokratie bekommt das Volk natürlich nur die Politiker, die es verdient. Einsparungen sind zwar auch aus Sicht der Wähler eine wunderbare Sache, aber nur solange sie andere betreffen. Gewählt wird, wer am glaubhaftesten „Verbesserungen“ zusichert: Kürzere Arbeitszeiten, höhere Transferleistungen, höhere Förderungen oder sichere Jobs im öffentlichen und halböffentlichen Bereich will das transferverwöhnte Volk.<br />
Unser Bundeskanzler beherrscht den Umgang mit dieser Post-Kreisky-Mentalität perfekt. Was sind schon ein paar Milliarden Schulden im Vergleich zu Tausenden Arbeitslosen? Nicht viel, solange die Gläubiger mitspielen und daran glauben, dass sie ihr Geld zurückbekommen. Wenn dieses Vertrauen jedoch weg ist, werden Schulden zum Problem. Die Risikoaufschläge steigen und damit die Zinszahlungen. Das engt wiederum den Spielraum für wachstumsfördernde Budgetmaßnahmen ein und gefährdet nicht nur die Konjunktur, sondern Zigtausende weitere Jobs.<br />
Die Verfechter der Verschuldung ignorierten bisher kollektiv, dass es Grenzen für die Höhe der Schulden gibt. Wer in eine unsichere Staatsanleihe investiert, will eine entsprechende Vergütung für sein Risiko. Daher sind unterschiedliche Zinssätze für Länder wie Italien und Deutschland eigentlich eine Selbstverständlichkeit und weder eine amerikanische Verschwörung noch eine Bösartigkeit der Ratingagenturen.<br />
Diese Botschaft der Märkte ist nun – offensichtlich dank einer Kopfwäsche durch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel im Vorfeld des jüngsten EU-Gipfels – endlich auch bei Werner Faymann angekommen: Wenn die Schulden auf Dauer schneller wachsen als die Einnahmen, steigt das Risiko für unsere Gläubiger und somit steigen die Zinssätze.<br />
Von den 9,2 Milliarden Euro, um welche die österreichische Staatsschuld im nächsten Jahr steigen wird, gehen ohnehin bereits sieben Milliarden in die Bedienung der Zinsen der bisherigen Schulden. Selbst wenn die Regierung es nun, wie von Faymann angekündigt, schaffen sollte, ihr Budget für 2012 aufzuschnüren und sich über Ausgabenkürzungen und neue Steuern weitere 1,5 Milliarden zu holen, sinkt das geplante Defizit nur von 3,2 auf etwa 2,7 Prozent. Die Schulden steigen also 2012 in jedem Fall wesentlich schneller als das BIP. Und das sogar ohne die Haftungsrisiken durch die Schulden der EU-Defizitsünder Griechenland, Portugal und Irland. Damit steigen aber auch das Risiko für die österreichischen Gläubiger und natürlich die Zinsen für die zu refinanzierenden Staatsschulden.<br />
Nach dem EU-Gipfel musste Werner Faymann daher mit der Schuldenbremse zurück an den Start, denn ein mit einfacher Mehrheit beschlossener Schuldenstopp ist tatsächlich nur ein müder Versuch, die Gläubiger zu überlisten. Ob es nun gelingt, die Opposition an Bord zu holen, um doch noch einen Verfassungsbeschluss zustande zu bringen, ist fraglich. Die FPÖ will den Euro-Austritt und scheidet dadurch als Partner aus. Die Grünen binden ihre Zustimmung an die Einführung von Vermögenssteuern und das BZÖ an die Begrenzung der Abgabenquote nach oben. Aber da sich die meisten Wirtschaftsforscher ohnehin darin einig sind, dass unser Steuersystem den Faktor Arbeit im Vergleich zu anderen Ertragsquellen benachteiligt und die Abgabenquote mit rund 45 Prozent eher zu hoch als zu niedrig ist, tut sich vielleicht doch noch ein Königsweg auf.<br />
Eine weitere Möglichkeit, den Druck der Märkte abzuschwächen, wäre der Abbau der Auslandsverschuldung zugunsten inländischer Gläubiger durch eine steuerliche Begünstigung österreichischer Anleihezeichner. Aber einer Regierung, die monatelang nicht begreift, dass der Hut längst brennt, werden wohl auch nicht allzu viele Österreicher Anleihen abkaufen.</p>
<p><em>Tandl macht Schluss, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		<title>Zum Thema (Fazit 78)</title>
		<link>http://www.fazitmagazin.at/2011/12/zum-thema-fazit-78/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 15:22:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coverstory]]></category>
		<category><![CDATA[Fazit 78]]></category>

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		<description><![CDATA[Von der Schuldenkrise in die Energiekrise Die Welt blickt gebannt auf die Brennpunkte der Schuldenkrise. Da können vermeintlich banale Themen wie die künftige Energieversorgung und die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energiesysteme leicht unter die Räder kommen. Doch wirtschaftlich hängt das alles zusammen. Je mehr Geld für Ölimporte abfließt, desto niedriger ist die nationale Wertschöpfung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von der Schuldenkrise in die Energiekrise</strong> Die Welt blickt gebannt auf die Brennpunkte der Schuldenkrise. Da können vermeintlich banale Themen wie die künftige Energieversorgung und die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energiesysteme leicht unter die Räder kommen. <span id="more-2092"></span>Doch wirtschaftlich hängt das alles zusammen. Je mehr Geld für Ölimporte abfließt, desto niedriger ist die nationale Wertschöpfung und desto niedriger sind naturgemäß die Staatseinnahmen – zugegeben: eine Binsenweisheit.<br />
Daher ist es umso unverständlicher, warum die Regierungen immer noch viel zu wenig tun, um ihren Bürgern die positiven ökonomischen wie ökologischen Effekte der Energiewende darzulegen.<br />
Auch ein Blick in den „World Energy Outlook“ der Internationalen Energieagentur (IEA) stimmt wenig optimistisch: Denn darin steht, dass der globale Energiebedarf, angeheizt durch das Bevölkerungswachstum und die Nachfrage der Schwellenländer, weiter stark steigen wird. Auch der Verbrauch fossiler Energieträger wird in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen.<br />
Da die Ölförderung ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat, kann das Ölangebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten. Die Folge sind steigende Energiekosten, die auch alle anderen Rohstoffe und Nahrungsmittel erfassen werden. Dazu kommen Rohstoffspekulationen, die die Preise zunehmend volatiler werden lassen. Schon die letzten Jahre haben gezeigt, wie unzuverlässig eine auf fossile Energieträger gestützte Energieversorgung längst geworden ist und welches gewaltige Potenzial für weitere globale Wirtschaftskrisen in ihr liegt.<br />
Die Welt ist also auf dem Weg in ein noch unsichereres und umweltfeindlicheres Energiesystem. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob wir, die wir unseren Wohlstand zum Gutteil dem billigen Öl der Vergangenheit verdanken, von jenen, die sich unseren Lebensstandard zum Vorbild nehmen, einfordern dürfen, dass sie auf klimaschädliche Energie verzichten. Nur wenn wir es in kurzer Zeit schaffen, mit gutem Beispiel voranzugehen!<br />
Die Energiewende ist eine Milliardeninvestition, die sich aber volkswirtschaftlich in kurzer Zeit rechnet. Doch damit es dazu auch kommen kann, braucht es einen starken ordnungspolitischen Impuls für die gesamte Europäische Union.<br />
Dazu müssen fossile Energieträger noch viel höher besteuert und erneuerbare Energien manchmal bewusst überfördert werden. Das Beispiel Oberösterreich hat bewiesen, dass eine großzügige Subventionierung alternativer Energien die Wirtschaft stärken kann. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist die Forcierung von nachhaltigen Wirtschaftsformen keine Steuergeldverschwendung, sondern ein wertvoller Beitrag zu Ökologie, Wirtschaftswachstum und andauernder Stabilität.</p>
<p><em>Zum Thema, Fazit 78 (Dezember 2011)</em></p>
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		<title>Politicks Dezember 2011</title>
		<link>http://www.fazitmagazin.at/2011/12/politicks-dezember-2011/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Dec 2011 15:12:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 78]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.fazitmagazin.at/?p=2084</guid>
		<description><![CDATA[Grillitsch-Rücktritt: Demontage der Steirer-VP geht weiter Der Rücktritt von Fritz Grillitsch im Bauernbund hat zu Aufregung in der Steirischen Volkspartei geführt, denn der Bedeutungsverlust der Steiermark auf der schwarzen Bundesebene schreitet zügig voran. Die Steirer-VP sieht sich zwar gerne auf Augenhöhe mit den starken VP-Landesorganisationen aus Nieder- und Oberösterreich, doch die Fakten sprechen eine andere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Grillitsch-Rücktritt: Demontage der Steirer-VP geht weiter</strong><br />
Der Rücktritt von Fritz Grillitsch im Bauernbund hat zu Aufregung in der Steirischen Volkspartei geführt, denn der Bedeutungsverlust der Steiermark auf der schwarzen Bundesebene schreitet zügig voran. <span id="more-2084"></span>Die Steirer-VP sieht sich zwar gerne auf Augenhöhe mit den starken VP-Landesorganisationen aus Nieder- und Oberösterreich, doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Mit Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ist gerade noch eine Steirerin in einer bedeutsamen Bundesfunktion aktiv. Seit der letzten Wahl haben Martin Bartenstein, Reinhold Lopatka ihre Regierungsämter und Werner Amon seine Funktion als ÖAAB-Generalsekretär verloren.<br />
Der Rücktritt hat den als ehrgeizig bekannten Grillitsch dermaßen mitgenommen, dass er mit Herzproblemen in das Krankenhaus eingeliefert werden musste. Doch sei er, wie der steirische Bauernbund versicherte, bereits auf dem Wege der Besserung. Grillitsch behält jedenfalls sein Nationalratsmandat und bleibt – so es sein Gesundheitszustand zulässt – der Volkspartei als wichtige Personalreserve erhalten. Und das gilt sowohl für die Bundes- als auch für die Landesebene.<br />
Der mit Grillitsch befreundete steirische ÖAAB-Obmann Christopher Drexler sprach wörtlich von „Neid, Missgunst und Intrige“ innerhalb der Bundes-ÖVP und ergänzte, dass man sich nicht wundern dürfe, wenn sich in weiterer Folge auch die beiden Koalitionsparteien der Bundesregierung gegenseitig nicht trauen und daher auch nicht viel weitergehen könne. Drexler lobte in diesem Zusammenhang einmal mehr das partnerschaftliche  Klima innerhalb der steirischen Reformpartnerschaft.</p>
<p><strong>Halbherzige Schuldenbremse</strong><br />
Nachdem einige Wirtschaftsforscher in Erwägung zogen, dass die Ratingagenturen Moodys und Standard &amp; Poor’s den Ausblick des österreichischen Triple-A-Ratings von positiv auf negativ stellen könnten, schossen die Risikoaufschläge für österreichische Staatsanleihen in die Höhe. Und endlich hatte auch die österreichische Bundesregierung realisiert, dass es höchst an der Zeit ist, die ausufernden Schulden einzufangen. Denn die wenig ambitionierten Sparziele der Politik ergeben gemeinsam mit der schwächelnde Konjunktur, dem Abwertungsbedarf der heimischen Banken, den Haftungen im Zuge der Euro-Rettung sowie den in Sondergesellschaften ausgelagerten Staatsschulden der ÖBB und der Asfinag, ein Bild des österreichischen Staatshaushaltes, das nur einen negativen Ausblick zulässt. Da hilft es wenig, dass die meisten anderen Euro-Staaten – mit Ausnahme Deutschlands – noch schlechter dastehen als Österreich. Der Reformstau der Bundespolitik hat dazu geführt, dass selbst im nächsten Jahr, das auf Basis der Hochkonjunktur des Jahres 2011 budgetiert wurde, unglaubliche 9,2 Milliarden oder 3,7 Prozent des BIP neue Schulden gemacht werden.<br />
Selbst einfach zu bewerkstelligende Maßnahmen wie das Schließen des Fluchttors „Hacklerpension“ für ruhestandswillige Beamte waren Bundeskanzler Werner Faymann nicht abzuringen. Und die vor sich hin schwächelnde ÖVP mit ihrem Parteiobmann Michael Spindelegger, der trotz seines ziemlich ratlos erscheinenden SPÖ-Gegenübers nicht und nicht aus seinem Popularitätstief kommt, hatte auch nicht den Mut, die Fortführung der Schuldenpolitik zu verhindern. Dass die sogenannte verbindliche Schuldenbremse erst im Jahr 2013 zu greifen beginnen soll, versteht sich angesichts der handelnden Personen von selbst. Wer jetzt meint, das sei doch besser als nichts, hat vermutlich recht, doch eines ist klar: Was Politiker beschließen, können sie mit gleicher Mehrheit auch wieder aufheben.</p>
<p><strong>Voves und Schützenhöfer: Nimmt sich</strong><strong> die Republik die Steiermark als Vorbild?</strong><br />
Dem steirischen Landeshauptmann Franz Voves und seinem Vize Hermann Schützenhöfer war immer klar, dass sie mit ihrer Sparpolitik keinen Beliebtheitspreis gewinnen werden. Am Anfang wurden die beiden zwar noch als Ankündigungspolitiker belächelt, doch als die tatsächlichen Sparmaßnahmen präsentiert wurden, schlug die Stimmung um. Die Gewerkschaft trieb Tausende Menschen auf die Straßen und auch die Boulevard-Medien schlossen sich der Widerstandshaltung gegen die Sparmaßnahmen an.<br />
Heute – nur ein halbes Jahr später – hat die Stimmung neuerlich gedreht. Angesichts der Schuldenkrise gelten Voves und Schützenhöfer inzwischen als Reformpioniere, die mit ihrem vermeintlichen Schuldenstopp bereits zu einem Zeitpunkt gegen den Strom geschwommen sind, als das sonst noch kein großes Thema war. Dennoch schafft es die Steiermark trotz großer Anstrengungen noch lange nicht, ausgeglichen zu budgetieren. In den steirischen Sparbudgets für 2011 und 2012 ist eine weitere Neuverschuldung von rund 800 Millionen Euro vorgesehen. Ohne Reformpartnerschaft würde diese jedoch auf über 1,3 Milliarden explodieren.</p>
<p><strong>Gemeindereform: Massive Ablehnung</strong><strong> in Hartberg</strong><br />
Nicht so glatt läuft die Reformpartnerschaft bei der Gemeindestrukturreform. Die eindeutige Ablehnung von Gemeindefusionen in der Kleinregion Kaindorf im Bezirk Hartberg hat es bis in die ZIB geschafft und bundesweit für Aufsehen gesorgt. Wer glaubt, dass sich Franz Voves und Hermann Schützenhöfer von einer Volksbefragung unter gerade einmal einem Prozent der Wahlberechtigten abbringen lassen, ihr Reformwerk fortzusetzen, wird sich täuschen. Dennoch werden die Beiden darüber nachdenken, wie es ihnen gelingen kann, die Bevölkerung besser in das Reformwerk einzubinden. Ein möglicher Königsweg liegt auf der Hand, denn der Umstand, dass teure kommunale Entwicklungsprojekte ohne enge Regionalkooperationen undenkbar geworden sind, steht gerade in der Ökoregion Kaindorf außer Streit. Im Gegenzug müsste den in Bürokratie erprobten Landesbeamten eigentlich klar sein, dass die Verwaltung durch die Schaffung größerer Einheiten mit Sicherheit teurer und nicht günstiger wird. Das Ziel der Gemeindereform sollte daher dahingehend konkretisiert werden, die strukturellen Defizitquellen in den Kommunen zu bekämpfen. Dazu muss einerseits schlecht ausgelastete Freizeitinfrastruktur geschlossen oder privatisiert werden. In einem weiteren Schritt könnten zahlreiche kommunale Aufgaben, von der Kinderbetreuung bis zur Abfallwirtschaft, von der Gemeinde hin zur Kleinregion delegiert werden.</p>
<p><strong>Bildungsvolksgehrensflop:</strong><strong> ÖVP sieht sich bestätigt</strong><br />
„Das nun vorliegende Endergebnis des Bildungsvolksbegehrens zeigt, dass die Mehrheit in Österreich weder die Gesamtschule noch die verpflichtende Ganztagesschule will. Damit bestätigt sich die Position der ÖVP“, so ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch in einer Presseaussendung . Jetzt kann man von den unterschiedlichen Punkten des Volksbegehrens und auch von seinem Initiator halten, was man will – dieses Triumphgeheul hat Hannes Androsch nicht verdient, denn seine Redlichkeit bei der Einbringung des Bildungsvolksbegehrens steht außer Streit.<br />
Die Ganztagsschule ist tatsächlich überall außer bei einigen Betonköpfen in der Lehrergewerkschaft, die glauben, ihren Mitgliedern Halbtagesjobs bei Ganztagesbezahlung erhalten zu müssen, und möglichweise im ÖVP-Generalsekretariat unumstritten. Dabei haben auch die meisten Lehrer längst erkannt, dass das Bildungssystem nicht nur an den Interessen der Wirtschaft, sondern auch an der Entfaltung der persönlichen Talente vieler Jugendlichen vorbei produziert.<br />
Solange jährlich Tausende Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund, aber jedenfalls ohne Abschluss und damit ohne Chance auf eine berufliche, aber auch persönliche Entwicklung die Schulen verlassen, ist die Lage besorgniserregend. Nur weil es Eltern gibt, die entweder den Wert von Bildung nicht richtig einschätzen können oder mit den Anforderungen eines für sie fremdsprachigen Schulsystems überfordert sind, dürfen doch Tausende Jugendliche nicht aufgegeben und zu einer Karriere als Mindestsicherungsempfänger gezwungen werden.<br />
Wenn selbst ein brennendes Thema wie das Bildungssystem die Bürger nicht aktiviert, sollte man vielleicht über das Instrument des Volksbegehrens nachdenken. Vielleicht sollte ab einer gewissen Unterschriftenzahl tatsächlich eine zwingende Volksabstimmung folgen, denn derzeit sieht es wie folgt aus: Weil es nichts nützt, werden Volksbegehren nicht unterschrieben. Weil Volksbegehren nicht unterschrieben werden, nützen sie nichts.</p>
<p><strong>Wirtschaftsbund:</strong><strong> Große Mehrheit für Buchmann</strong><br />
Mit Spannung war die Landesgruppenkonferenz des steirischen Wirtschaftsbundes in Bad Radkersburg erwartet worden. In den letzten Jahren hatte Landesobmann Christian Buchmann dem VP-Wirtschaftsflügel auch personell seinen Stempel aufgedrückt. Nach der WK-Wahl im Jahr 2010, bei welcher der WB nie zuvor erreichte 76 Prozent Zustimmung erringen konnte, dauerte es nicht lange bis interne Auseinandersetzungen einsetzten. Josef Herk folgte auf Ulfried Hainzl als WK-Präsident, Regina Friedrich trat aus dem WK-Präsidium zurück und auch die Industriellenvereinigung zeigte sich unzufrieden. Mit Ausnahme des WB-Obmanns von Graz Umgebung, Josef Eibinger, wagten sich Buchmanns Kritiker jedoch in Bad Radkersburg nicht aus der Deckung. Bei der Landesgruppenversammlung zerplatzte die angekündigte Revolte daher wie eine Seifenblase. Eibinger scheiterte mit seinem Versuch, einen Gegenwahlvorschlag aufzustellen. Stattdessen versuchte er Buchmann mit skurrilen Vorwürfen aus dessen Privatleben anzuschütten. Das Ergebnis der Farce waren 94,3 Prozent Zustimmung für Buchmann. Damit bleiben die schwarzen Unternehmer eine starke Stimme der Wirtschaft innerhalb der Steirischen Volkspartei.</p>
<p><em>Politicks, Fazit 78 (Dezember 2011)</em></p>
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		<title>Politicks November 2011</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 12:10:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 77]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>

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		<description><![CDATA[Reformpartnerprojekt Verfassungsreform Mit einer umfassenden Änderung der Steirischen Landesverfassung wollen die selbst ernannten Reformpartner SPÖ und ÖVP ihr Demokratiepaket beschließen. Darin enthalten sind die Abschaffung des Proporzes bei der Zusammensetzung der Landesregierung und die Verkleinerung der Regierung von 9 auf 6 bis 8 Sitze. Auch der Landtag ist betroffen. Ihm werden ab der nächsten Wahl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Reformpartnerprojekt</strong><strong> Verfassungsreform</strong><br />
Mit einer umfassenden Änderung der Steirischen Landesverfassung wollen die selbst ernannten Reformpartner SPÖ und ÖVP ihr Demokratiepaket beschließen. Darin enthalten sind die Abschaffung des Proporzes bei der Zusammensetzung der Landesregierung und die Verkleinerung der Regierung von 9 auf 6 bis 8 Sitze. <span id="more-2055"></span>Auch der Landtag ist betroffen. Ihm werden ab der nächsten Wahl nur mehr 48 statt wie bisher 56 Abgeordnete angehören. Damit nutzt die Landesregierung den von der Bundesverfassung vorgegebenen Spielraum aus. Noch weiter gehende Änderungen, wie etwa die Personalisierung der Wahlrechts, wären demnach nur nach einer vorherigen Änderung der Bundesverfassung möglich gewesen, welche aufgrund der Blockadepolitik der Bundeskoalition jedoch nicht zu erwarten ist. Auf Schiene gebracht wurde die Verfassungsreform von den Obleuten der Landtagsklubs Walter Kröpfl und Christopher Drexler. Highlight der Reform ist die Abschaffung des Regierungsproporzes, denn damit nehmen sowohl SPÖ als auch ÖVP ein beachtliches Risiko auf sich. Schließlich besteht erstmals seit 1945 die konkrete Möglichkeit, dass eine der beiden Parteien der nächsten steirischen Landesregierung nicht mehr angehören wird, weil sich andere Mehrheiten ergeben.<br />
Der Reformeifer von SPÖ und ÖVP ist zwar ungebrochen, aber was passieren wird, wenn einer der beiden Chef-Reformpartner, Landeshauptmann Franz Voves oder sein Vize Hermann Schützenhöfer, in absehbarer Zukunft die Politik verlassen wird, ist nicht vorherzusehen. Bis vor wenigen Wochen sind einige Insider sogar davon ausgegangen, dass es sowohl Voves als auch Schützenhöfer 2015 noch einmal versuchen könnten. Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass Franz Voves mit zwei erfolgreichen Wahlen genug hat. Und sobald ein Wechsel an der SPÖ-Spitze stattfindet, ist auch mit einem Wechsel an der ÖVP-Spitze zu rechnen. Aber auch unter solchen Voraussetzungen könnte es zu einer Verlängerung der rot-schwarzen Zusammenarbeit kommen, denn wenn nicht etwas wirklich Außergewöhnliches geschieht, bestünden sämtliche arithmetische Alternativen aus Dreiparteienkoalitionen.</p>
<p><strong>SPÖ-Mitgliederbefragung</strong><br />
Mut beweist die steirische SPÖ mit einer Mitgliederbefragung, bei der auch einige heiße Eisen abgefragt werden. So können die SPÖ-Mitglieder unter anderem die Performance der Reformpartnerschaft bewerten, nachdem es in erster Linie die SPÖ-Kernklientel war, die im Frühjahr gegen den angeblichen Sozialabbau durch die Koalition demonstrierte.<br />
Für Landesgeschäftsführer Toni Vukan ist die Einbindung der Parteimitglieder dennoch eine Selbstverständlichkeit: „Ich bin überzeugt davon, dass ein derart großer Veränderungsprozess, wie er jetzt in der SPÖ beginnt, unter größtmöglicher Beteiligung aller Betroffenen erfolgen soll.“ Mit der Parteistrukturreform sticht die SPÖ in ein weiteres Wespennest. Abgefragt werden soll, ob die künftigen Parteistrukturen der steirischen Roten an die neuen regionalen und kommunalen Strukturen der Steiermark angepasst werden sollen, denn obwohl die Gemeindestrukturreform vor allem die ÖVP in Schwierigkeiten zu bringen droht, haben sich auch zahlreichen SPÖ-Funktionäre negativ zu den kommunalen Fusionsplänen geäußert.</p>
<p><strong>Androsch startet Bildungsvolksbegehren</strong><br />
Von 3. bis 10. November findet die Eintragungswoche für das Bildungsvolksbegehren statt und Initiator Hannes Androsch rührt kräftig die Werbetrommel. (Siehe dazu auch unser aktuelles Fazitgespräch ab Seite 22.) Für Androsch ist das Bildungsthema wichtiger als das Verteilungsthema, denn wenn der Staat es mit 60 Prozent der Budgetausgaben nicht schaffe, die Armut wirkungsvoll zu bekämpfen, mache er etwas falsch.<br />
Der Finanzminister der Kreisky-Ära und erfolgreiche Industrielle Androsch sieht die Verbesserung unseres Bildungssystems als Schlüssel zur Durchsetzung einer besseren Chancengleichheit, Armutsbekämpfung und Optimierung des österreichischen Wirtschaftsstandortes. Während die Grünen und die SPÖ das Androsch-Begehren unterstützen, haben die ÖVP-Regierungsmitglieder bereits angekündigt, nicht zu unterschreiben. Der steirische ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer hingegen hat das Volksbegehren begrüßt, weil es aufrüttle, selbst wenn er persönlich nicht alle Punkte vollinhaltlich unterstützen könne. Hintergrund der skeptischen Haltung der Volkspartei ist der anhaltende Widerstand der VP-dominierten AHS-Lehrergewerkschaft gegen eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-jährigen. Offensichtlich herrschen innerhalb der Lehrerschaft immer noch Standesdünkel vor, denn die universitär gebildeten AHS-Professoren wollen nicht mit den formal schlechter qualifizierten Hauptschulpädagogen in einen Topf geworfen werden. Außerdem spricht sich Androsch flächendeckend für Ganztagsschulen mit ordentlich ausgestatteten Ganztagesarbeitslätzen für die Lehrer aus. Anstatt diesen wichtigen bildungspolitischen Schritt zu begrüßen, verweigern die AHS-Lehrer aber auch diesbezüglich. Wenn Androsch sich durchsetzt, wäre es wohl mit der nur halbtägigen Anwesenheitspflicht in der Schule vorbei.</p>
<p><strong>Streit um Umweltanwältin</strong><br />
Mit seiner Forderung, die Umweltanwaltschaft des Landes Steiermark abzuschaffen und sämtliche weitere vom Land finanzierte Anwaltschaften und Ombudsmänner zu evaluieren, hat Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann Kritik provoziert. Vor allem die Grünen protestierten massiv. Neoklubchefin Sabine Jungwirth unterstellte Buchmann, die Umweltanwaltschaft nur deshalb beseitigen zu wollen, weil Landesumweltanwältin Ute Pöllinger einen guten Job mache. Ohne sie könne die Wirtschaft zubetonieren und Abgase in die Luft blasen, ohne auf den Erhalt einer intakten Umwelt Rücksicht nehmen zu müssen. Aus der Sicht von Buchmann stellt die Umweltanwaltschaft hingegen eine bürokratische Hürde dar, durch die sich die Verfahren in die Länge ziehen und die deshalb der Planungssicherheit bei Investitionen entgegensteht.</p>
<p><strong>Studiengebühren: Töchterle düpiert SPÖ</strong><br />
Viel Applaus von den Befürwortern von Studiengebühren erntete Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle für die Art und Weise, mit der er die Abschaffung der Studiengebühren vermeintlich aushebelte. Der Verfassungsgerichtshof hatte im Juli erkannt, dass der der Abschaffung zugrunde liegenden Nationalratsbeschlusses unvollständig ist, und dem Gesetzgeber daher bis Ende Februar 2012 eine Nachbesserungsfrist eingeräumt.<br />
Verfassungsjurist Heinz Mayer hat nun in einem von Töchterle beauftragten Gutachten festgestellt, dass die Universitäten aufgrund ihrer Autonomie jedenfalls zur Einhebung von Studiengebühren berechtigt seien, solange es kein anders lautendes Gesetz gäbe. Daraufhin ließ auch eine Expertise des Verfassungsdienstes des Bundeskanzleramtes nicht lange auf sich warten. Das Ergebnis: Die Autonomie der Universitäten umfasse keinesfalls auch das Recht, Studiengebühren einzuheben. Damit setzt sich der Streit wahrscheinlich bis zu einem neuerlichen Erkenntnis des Höchstgerichtes fort.<br />
Der Umgang mit dem Problem der Studienfinanzierung entwickelt sich immer mehr zu einem Sittenbild für den Zustand der Koalition. Ein im Vergleich zu den echten Baustellen des Landes etwa im Bildungs-, Verwaltungs- oder Pensionsbereich völlig belangloses Problem wird zur ideologischen Grundfeste zweier ehemaliger Volksparteien aufgebauscht. SPÖ und ÖVP wollen immer noch nicht begreifen, wie gering ihre Legitimation beim Wähler bereits geworden ist.</p>
<p><strong>Strategie der Reformpartnerschaft</strong><br />
Die Geschlossenheit der steirischen Reformpartnerschaft macht es für die Oppositionsparteien nicht einfach. Denn FPÖ, Grüne und KPÖ wollen beim Wähler nicht als Reformverweigerer gelten. Und darauf fußt auch die Strategie von SPÖ und ÖVP. So war etwa die Empörung der von den Sparmaßnahmen im Sozialbereich betroffenen Institutionen groß. Doch trotz aller Proteste und Demonstrationen: Bei einem anschließenden Sozialgipfel wurde ein Kompromiss mit dem ÖGB und der „Plattform 25“ gefunden, bei dem sich die Reformpartner zu 90 Prozent und der ÖGB und die „Plattform 25“ nur zu etwa 10 Prozent durchsetzen konnten. Nachdem er Tausende Menschen für Demonstrationen mobilisiert hatte, konnte der ÖGB nämlich gar nicht anders, als diesen einseitigen Kompromiss als großen Erfolg zu verkaufen. Denn wenn die Funktionäre ihren Mitgliedern eingestanden hätten, dass die Proteste wirkungslos verpufft sind, wäre wohl ihre Legitimation gefährdet gewesen.<br />
Bei der Gemeindestrukturreform verfolgt die Regierung nun eine etwas andere Strategie. Nachdem der Widerstand gegen Zwangsreformen besonders aus den eigenen Reihen so groß geworden war, dass er das Gefüge der Parteien zu sprengen drohte, wurde der Ball in Kenntnis der Befindlichkeit der roten und schwarzen Basisfunktionäre an die Bürgermeister zurückgespielt. Diese haben nun einige Wochen lang Zeit, um selbst Reformvorschläge zu erarbeiten. Den Bürgermeistern bleiben damit zwei Möglichkeiten:<br />
Sie können mitspielen und gegen ihren Willen Reformvorschläge erarbeiten, um so wenigstens einen Teil ihrer Interessen zu wahren.<br />
Die Mutigeren können die Frist nützen, um ihren Widerstand mithilfe der Bevölkerung zu organisieren.<br />
Doch die meisten Bürgermeister werden sich für eine dritte Option entscheiden und die Flinte ins Korn werfen, weil sie keine echte Chance sehen, sich gegenüber dem entschlossenen Vorgehen von Voves und Schützenhöfer durchzusetzen.</p>
<p><em>Politicks, Fazit 77 (November 2011)</em></p>
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		<title>Tandl macht Schluss!</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 14:29:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 77]]></category>
		<category><![CDATA[Schlusspunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die New Yorker „Occupy-Wall-Street-Bewegung“ hat inzwischen weltweit Hunderttausende Nachahmer gefunden. Und möglicherweise sind Proteste gegen die Allmacht der Finanzindustrie tatsächlich der einzige Weg, um dem Druck, den die Lobbys des Bankensektors auf die politischen Entscheidungsträger ausüben, etwas entgegenzusetzen. Die Finanzindustrie konnte in der Vergangenheit nämlich sämtliche Initiativen zur wirksamen Kontrolle und zur Verkleinerung der Finanzkonzerne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die New Yorker „Occupy-Wall-Street-Bewegung“ hat inzwischen weltweit Hunderttausende Nachahmer gefunden. Und möglicherweise sind Proteste gegen die Allmacht der Finanzindustrie tatsächlich der einzige Weg, um dem Druck, den die Lobbys des Bankensektors auf die politischen Entscheidungsträger ausüben, etwas entgegenzusetzen. <span id="more-2040"></span>Die Finanzindustrie konnte in der Vergangenheit nämlich sämtliche Initiativen zur wirksamen Kontrolle und zur Verkleinerung der Finanzkonzerne wirkungsvoll unterbinden. Und so hält sie nun nach 2009 die Steuerzahler bereits zum zweiten Mal in Geiselhaft, nur weil unternehmerische Risiken falsch eingeschätzt wurden.<br />
Wenn die Proteste also einen Sinn haben, dann jenen, dass sie mithelfen, die von den Finanzlobbys eingeschüchterten oder angefütterten politischen Entscheidungsträger auf den richtigen Weg zu führen, damit sie sich endlich trauen, Maßnahmen wie einer Finanztransaktionssteuer, der Zerschlagung systemrelevanter Banken oder einem internationalen Finanzstrafrecht zuzustimmen.<br />
Und so begrüßten nicht nur eventhungrige Jugendliche das Überschwappen der „Occupy-Bewegung“ nach Europa, sondern auch zahlreiche namhafte Wirtschaftswissenschaftler, die sich von der Straße Rückenwind bei der Einführung wirkungsvoller Marktregelungen erhofften.<br />
Doch die europäische Version der Proteste hat anscheinend anderes im Sinn, als  den zerstörerischen Gier-Kapitalismus einzudämmen. Auf der Straße sind dieselben altbekannten linken Demonstrierer, die immer da sind, wenn es darum geht, denen da oben etwas wegzunehmen. Und sie werden von den gleichen linken Institutionen unterstützt, die schon bisher keine Ahnung hatten, wie faire Marktbedingungen geschaffen werden können..<br />
In Österreich wurde statt gegen die Reformverweigerung der Regierung für die Einführung von Vermögenssteuern demonstriert. Statt sich gegen die mangelnde Effizienz des Bildungsbereichs und der öffentlichen Verwaltung oder gegen eine populistische Politik, die dazu führen wird, dass unser Pensionssystem in wenigen Jahrzehnten gegen die Wand fahren wird, aufzulehnen, erliegen die „Occupy-Bewegten“ wie schon so oft unerfüllbaren linken Heilsbotschaften, die den Leuten vorzugaukeln versuchen, dass Wohlstand für alle – noch dazu auf Pump – machbar sei. Die europäischen „Occupy-Demonstrationen“ werden bisher schlicht und einfach von der Angst getragen, die eigenen vermeintlich wohlerworbenen Ansprüche des fremdfinanzierten Wohlfahrtsstaates zu verlieren – und das ist kein wirkungsvoller Beitrag, um auch nur irgendeines der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme demokratisch zu lösen.<br />
Die Proteste zeigen vor allem eines: Der gesellschaftliche Dissens schreitet fort; die Ansprüche an die Solidarität der Leistungsträger werden größer und die Anzahl derjenigen, die sich zu den Verlierern des Systems zählen, steigt in gleichem Ausmaß wie die Zahl jener sinkt, die auch nur den Schimmer einer Idee davon haben, wie gesellschaftlicher Wohlstand entsteht – nämlich durch harte Arbeit und Gewinne in den Unternehmen. Österreichisches Zentrum der Proteste am sogenannten „Globalen Aktionstag“ war übrigens die steirische Landeshauptstadt Graz. Und so, wie fast überall in Europa, waren es Kommunisten und Grüne, die auf die Straße gingen, um sich über die soziale Kälte zu empören. Natürlich war auch die sogenannte „Plattform 25“ dabei, die sich im heurigen Frühjahr einen Namen gemacht hat, als sie gegen die steirische Landesregierung protestierte, weil diese nach Jahrzehnten, in denen mehr Geld ausgegeben als eingenommen wurde, endlich einige erste Schritte unternahm, um weitere Kostensteigerungen des Landesbudgets einzudämmen. Und natürlich nutzten auch in Wien sämtliche „übliche Verdächtige“ den Aktionstag, um ihre trotzkistischen, antifaschistischen, propalästinensischen oder maoistischen Fahnen zu schwingen. Auch wenn folgende Botschaft von jenen, für die sie bestimmt ist, aufgrund ihrer Verhetzung nie verstanden werden wird: Wer gegen die Gier protestiert, sollte eigentlich wissen, dass sämtliche sozialistische Experimente, die die Welt bisher gesehen hat, an der Gier der Beteiligten gescheitert sind, und er sollte daher begreifen, dass es keine demokratische Alternative zu einer Marktwirtschaft unter kontrollierten Bedingungen gibt.<br />
Es würde sich lohnen, ähnlich kontrollierten Marktbedingungen, wie sie für die Realwirtschaft gelten, auch in der internationalen Finanzwirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Eine „soziale Finanzwirtschaft“ – ohne mörderische Lebensmittelspekulation, Leerverkäufe, Steuerschlupflöcher und Ähnliches – das wär doch was!</p>
<p><em>Tandl macht Schluss, Fazit 77 (November 2011)</em></p>
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		<title>Politicks Oktober 2011</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Oct 2011 12:23:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 76]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Bevölkerung lernt mit der Reformpartnerschaft zu leben Außergewöhnlich hoch war die Zustimmung zur steirischen Reformpartnerschaft bei einer von OGM für die Kleine Zeitung durchgeführten Umfrage. Auch die Protagonisten von SPÖ und ÖVP kommen dabei recht gut weg. Am besten schneidet Landeshauptmann Franz Voves ab. Er kann sich erstmals, seit er Landeshauptmann ist, entfalten und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Bevölkerung lernt mit der Reformpartnerschaft zu leben</strong><br />
Außergewöhnlich hoch war die Zustimmung zur steirischen Reformpartnerschaft bei einer von OGM für die Kleine Zeitung durchgeführten Umfrage. Auch die Protagonisten von SPÖ und ÖVP kommen dabei recht gut weg. Am besten schneidet Landeshauptmann Franz Voves ab. <span id="more-2016"></span>Er kann sich erstmals, seit er Landeshauptmann ist, entfalten und seinen LH-Bonus ausspielen. Aber auch für LH-Vize Hermann Schützenhöfer sind die abgefragten Werte gut. Er liegt zwar deutlich hinter Voves, bildet aber gemeinsam mit Spitalslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder die Spitze des ÖVP-Teams. Aufseiten der SPÖ kam auch noch Finanzlandesrätin Bettina Vollath recht positiv weg. Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser hat sich mit den Einsparungen im Sozialbereich stark exponiert und wurde dafür schlechter bewertet.<br />
Inhaltlich findet ausgerechnet die umstrittene Gemeindereform die größte Zustimmung. Aber vielleicht erklärt sich das dadurch, dass die Bewohner der von den Zusammenlegungen bedrohten kleineren Gemeinden ganz einfach zahlenmäßig nicht mit der Anzahl der Menschen in Graz und den Zentralorten – also jenen Kommunen, die sich als „Gewinner“ der Gemeindestrukturreform sehen – mithalten können.</p>
<p><strong>Plant Voves Groß-Graz?</strong><br />
Die Gemeindestrukturreform ist zu so etwas wie der „Gottseibeiuns“ der SP-VP-Reformpartnerschaft geworden. Mangels konkreter Informationen wurden nicht nur die Spekulationen über das Ausmaß der Reform immer wilder, sondern auch manche Bürgermeister.<br />
Aufgescheucht von den Widerständen, hat die Regierung nun die Kommunikation verändert. Die Bürgermeister wurden eingeladen, selbst Vorschläge zu erarbeiten, wie die Reform in ihrer Gemeinde umgesetzt werden könnte.<br />
Den meisten Gemeindeoberhäuptern ist ohnehin klar, dass es Änderungsbedarf gibt. Was sie nicht wollen, ist die zwangsweise Zusammenlegung von Gemeinden. Und so ließ Voves in einer Pressekonferenz mit einer kreativen Idee für den Großraum Graz aufhorchen.  Er schlug eine Änderung der Bundesverfassung vor, wodurch eine engere Kooperation der Umlandgemeinden und der Stadt Graz möglich werden solle. Er wurde zwar nicht konkret, aber ein Oberbürgermeistermodell und Verbandsgemeinden nach deutschem Vorbild hätten schon Charme. Auch dass der gewählte Bürgermeister von Graz – aufgrund des Grazer Status übt er ja auch die Aufgaben des Bezirkshauptmannes aus – die BH-Kompetenz für das Umland erlangt, wäre reizvoll.<br />
Der Bedarf nach einer rechtlichen Absicherung etwaiger Kooperationen ist groß. So hätten die Graz Linien längst zu regionalen Verkehrsbetrieben für den gesamten Großraum umgewandelt werden müssen. Die Umlandgemeinden werden aber nur mitzahlen, wenn sie ein Mitspracherecht in der Holding Graz erhalten. Außerdem gehört die Raumordnungspolitik besser akkordiert. Manche Projekte, wie die umstrittene Shoppingcity-Seiersberg, müssten eigentlich rückabgewickelt werden, denn es ist ein Unding, dass die Speckgürtel-Bürgermeister mit ihren Einkaufszentren den Grazer Innenstadthandel ruinieren.<br />
Positiv für die Bürger  ist hingegen der Gebühren- und Verfahrenswettstreit zwischen Stadt und Umland. Solange die gleichen kommunalen Dienste in Graz wesentlich teurer sind und solange es der Stadt nicht gelingt, bei den Verwaltungsverfahren so schnell und effizient zu werden wie die Umlandgemeinden, wird sich die dortige Bevölkerung mit aller Kraft gegen eine Eingemeindung wehren.</p>
<p><strong>Gibt es das Schützenhöfer-Modell noch?</strong><br />
Für sinnvolle Gemeindekooperationen bietet sich der gesamte Bereich der Kinderbetreuung an. Auch Bau- und Recyclinghöfe können gemeinsam betrieben werden. Auch die Professionalisierung von Verfahren durch die Beiziehung von Experten, die für einzelne Gemeinden viel zu teuer wären, soll Ziel von Kooperationen sein.<br />
In der Steiermark wurden im Regionext-Prozess Kleinregionen geschaffen. Die Volkspartei argumentierte damals mit „Kooperationen nach dem Schützenhöfer-Modell“. Die Zusammenarbeit in Kleinregionen beruht jedoch auf reiner Freiwilligkeit und hat enge Grenzen, die von der Bundesverfassung vorgegeben werden. Die Änderung der Gemeindegrenzen liegt jedoch in der Landeskompetenz. Wer also Veränderungen will, wird um die Zusammenlegung von Gemeinden nicht herumkommen.</p>
<p><strong>Was bringen Gemeindezusammenlegungen überhaupt?</strong><br />
Ursprünglich hat die Landespolitik die Gemeindestrukturreform mit enormen Synergien im Bereich der Verwaltung und der kommunalen Infrastruktur begründet. Die einfache Rechnung, dass die Verwaltungskosten je Einwohner mit zunehmender Größe der Gemeinde sinken, stimmt jedoch nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Fakt ist, dass die Verwaltung von 2.000-Einwohner-Gemeinden bereits etwa dreimal so teuer kommt wie die von 1000-Einwohner-Gemeinden. 5000-Einwohner-Gemeinden verursachen bereits die 25-fachen Verwaltungskosten. Vor diesen beeindruckenden Zahlen ist auch das Argument nicht haltbar, dass es zumindest langfristig zu Effekten der Kostendämpfung kommen wird, weil ja durch Gemeindefusionen zumindest der „Schöner-Stärker-Größer-Wettbewerb“ zwischen einzelnen Kommunen wegfällt. Denn die außerordentlichen Haushalte der meisten Kommunen – das ist die Abrechnungsplattform für Investitionen und kommunale Projekte – betragen meist nur einen Bruchteil des zu befürchtenden Verwaltungskostenanstiegs, wenn die Kleingemeinden zu 5000- oder gar 10000-Einwohner-Gemeinden zusammengefasst werden.</p>
<p><strong>Wirtschaftsbund: Arbeit von sämtlichen</strong><strong> Steuern befreien!</strong><br />
Dem steirischen Wirtschaftsbund unter seinem Obmann Christian Buchmann schwebt eine Totalreform des österreichischen Steuerrechts vor. Langfristig sollen Arbeit und Leistung von Steuern befreit werden. Stattdessen setzt sich ausgerechnet der WB für eine Verlagerung der Staatseinnahmen in Richtung Ressourcenbesteuerung ein. Der WB will den Mittelstand entlasten, weil dieser derzeit den Großteil der Abgabenlast schultern müsse.<br />
Interessant ist auch ein WB-Vorschlag zur Bildungsdiskussion: Die ÖVP solle endlich die Ganztagsschule und die innere Differenzierung in einer gemeinsamen Unterstufe akzeptieren, dafür solle die SPÖ bei den Studiengebühren und einer Zugangsbeschränkung zu den Hochschulen nachgeben. Der Wirtschaftsbund hofft nach den Turbulenzen um die Abgänge von Regina Friedrich und zuletzt Wolfgang Kasic personell in ein ruhigeres Fahrwasser zu gelangen und so wurde die Landesgruppenversammlung von Mitte 2012 auf den 19. November 2011 vorverlegt. Christian Buchmann wurde vom Vorstand einstimmig als Obmannkandidat wieder nominiert. Ebenfalls bereits nominiert, und zwar für die Funktion des stellvertretenden Obmanns, wurde WK-Präsident Josef Herk. Vier weitere Obmannstellvertreterkandidaten werden von den Regionen basisdemokratisch nominiert.</p>
<p><strong>„Sind wir nicht alle Piraten? &#8230;</strong><br />
&#8230; Nein, das sind wir nicht!“, heißt es schon bei Alfred Dorfer. Während in Deutschland die Piratenpartei bei den Etablierten und insbesondere bei den Grünen für Angst und Schrecken sorgt, weil es erstmals eine Kraft gibt, die einen Teil jener Menschen, die sich in das Lager der Nichtwähler verabschiedet haben, an die Wahlurnen zurückholt, ist es im gemächlicheren Österreich noch nicht so weit. Das könnte sich zwar rasch ändern, wenn Innenministerin Johanna Mikl-Leitner damit fortfährt, das Internet zu kriminalisieren. Aber noch können es sich unsere Parteien ungestraft leisten, sich gegenseitig zu blockieren und mit Korruptionsskandalen ihre Wähler zu verhöhnen.<br />
Was da in den letzten Wochen rund um Telekom und ÖBB bekannt wurde, treibt den Bürgern die Zornesröte ins Gesicht. Damit gibt es auch in Österreich ausreichendes Potenzial  für eine weitgehend ideologiefreie Protestpartei wie die Piraten.</p>
<p><strong>Skurriler Provisionsstreit:</strong><strong> Dörfler will für Kärnten Millionen</strong><br />
Die HYPO-Alpe-Adria musste bekanntlich notverstaatlicht werden, weil die Bayern-LB  im Jahr 2008 zwar die Bank gekauft hatte, nicht jedoch die Haftungen von 18,8 Milliarden Euro. Die verblieben beim Land Kärnten. Dieses kassierte dafür einige Millionen an Provisionen in der Hoffnung, dass die Haftungen wohl niemals schlagend werden würden. Damit hatten die bayrischen Neueigentümer jedoch ein gewaltiges Faustpfand in der Hand, denn es war klar, dass Kärnten eine derartige Haftungssumme niemals hätte aufbringen können. Und genau diese Haftungen waren dann auch der Grund dafür, dass die Bayern ihr ungeliebtes Kind so einfach weglegen konnten und die Republik Österreich einspringen musste. Die Notverstaatlichung war nämlich der einzige Weg um Kärnten vor der Pleite zu retten. Die 19 Milliarden wären  schlagend geworden, wenn die Bayern die HYPO – wie angedroht – sich selbst überlassen hätten.<br />
Nun stellte sich jedoch heraus, dass die damaligen Haftungen um gut 940 Millionen Euro zu niedrig angesetzt waren. Schuld ist angeblich ein Computerfehler. Tatsächlich betrugen die Haftungen Ende 2010 also 19,8 Milliarden Euro.<br />
So weit so gut. Aber völlig skurril ist, dass Landeshauptmann Gerhard Dörfler diesen Rechenfehler nun zum Anlass nimmt, um von der mit dem Eigentum an der HYPO zwangsbeglückten Republik Österreich, jene Provisionen nachzufordern, die dem Land durch diesen Rechenfehler entgangen sein sollen.</p>
<p><em>Politicks, Fazit 76 (Oktober 2011)</em></p>
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		<title>Tandl macht Schluss!</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 06:59:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 76]]></category>
		<category><![CDATA[Schlusspunkt]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines der Formate des von Dietrich Mateschitz finanzierten Salzburger Bildungssenders „ServusTV“, zu denen der öffentlich-rechtliche ORF scheinbar nicht mehr fähig ist, ist die Experten-Diskussion „Talk aus dem Hanger 7“. In der Sendung Mitte September ging es um die unternehmerische Umsetzung von Innovationen bzw. um den Weg von der Invention zur Innovation. Moderator Fritz Pleitgen verwies [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines der Formate des von Dietrich Mateschitz finanzierten Salzburger Bildungssenders „ServusTV“, zu denen der öffentlich-rechtliche ORF scheinbar nicht mehr fähig ist, ist die Experten-Diskussion „Talk aus dem Hanger 7“.<span id="more-1999"></span> In der Sendung Mitte September ging es um die unternehmerische Umsetzung von Innovationen bzw. um den Weg von der Invention zur Innovation.<br />
Moderator Fritz Pleitgen verwies in seiner Einleitung auf das vollmundige Lissabon-Ziel der EU aus dem Jahr 2000. Die Staats- und Regierungschefs wollten die EU innerhalb von 10 Jahren zur innovativsten und dynamischsten Wirtschafts- und Wachstumsregion der Erde zu machen. Heute, zwei Krisen später, wissen wir, dass dieses Ziel grandios verfehlt wurde. Die EU erreichte beim Wachstum zwar kurzfristig eine Annäherung an die USA, aber selbst das war nur die Folge der Erweiterung um einige wirtschaftlich rückständige, ehemalige Ostblockländer mit gewaltigem Aufholbedarf.  Ein weiterer Teil des EU-Wachstums beruhte indessen auf Schulden, mit denen der Konsum finanziert wurde, anstatt damit Staat und Wirtschaft zu modernisieren.<br />
Dieser falsche Umgang mit fremdem Geld wurde von den Hanger-7-Diskutanten jedoch nicht als Hauptauslöser für die europäische Wachstumsschwäche festgemacht. Stattdessen stimmten sie  darin überein, dass die europäische Seele grundsätzlich Probleme mit Neuerungen hat und auch, was den Unternehmergeist angeht, nicht gerade gesegnet ist. Neues gilt bei uns immer noch als Häresie und wird daher oft unreflektiert abgelehnt. Während die Amerikaner, aber auch die Chinesen sogar im Scheitern noch etwas Positives erkennen, wird in Europa alles, was sich der gesellschaftlichen Angepasstheit entzieht, als verloren und wertlos gebrandmarkt. Das Bonmot „Europäer sind Amerikaner, die sich nicht auf ein Schiff getraut haben“ trifft diese Mentalitätsunterschiede auf den Punkt. So wurden etwa die meisten Hightech-Unternehmen im kalifornischen Silicon Valley rund um die Stanford University  nicht von Absolventen dieser glorreichen Bildungsinstitution gegründet, sondern von ihren Studienabbrechern, welche die Zeit auf der Universität dazu nutzten, um sich die Impulse für ihre späteren Innovationen zu holen. Wer bei uns sein Studium abbricht, ist ein Verlierer, gilt als unzuverlässig und nicht vertrauensvoll. Selbst in der Steiermark, dem mit großem Abstand innovationsfreudigsten unter den österreichischen Bundesländern, kann sich kaum ein Akademiker dazu entschließen, über eine Unternehmensgründung selbstständig zu werden. Nicht weil unsere Hochschulabsolventen nicht gerne ihre eigenen Herren wären, sondern weil sie einem gesellschaftlichen Umfeld entstammen, für welches eine unternehmerische Tätigkeit jenseits aller Vorstellungen liegt. Aber selbst wenn ein hervorragend ausgebildeter Akademiker  tatsächlich selbstständig werden wollte, bekäme er kaum die Chance, seine Träume zu verwirklichen. Anders als in den wirklich innovativen Regionen gilt Private-Equity bei uns als Schimpfwort und „Venture-Capital“ wird mit „Risikokapital“ übersetzt – Geld, das man genauso gut im Casino verjuxen könnte. Selbst die traditionelle Unternehmensfinanzierung über Bankkredite, die bis etwa 2005 gut funktioniert hatte, wurde mit Basel II und III so gut wie unmöglich gemacht. Junge Menschen, die trotz  vielversprechender innovativer Businesspläne nicht in der Lage sind, eine 130 %ige Bonität für ihren Kredit zu gewährleisten, haben keine Chance auf eine Finanzierung. Sollten sie es ohne genügend Geld dennoch versuchen, selbstständig zu werden, müssen sie wohl oder übel als Ein-Personen-Unternehmen starten, als Leute, die für ihren Job bezahlen, anstatt dafür bezahlt zu bekommen ohne Chancen in kurzer Zeit groß zu werden.<br />
Mein FAZIT: Wenn der Markt infolge gesellschaftlicher Ignoranz versagt, muss es eben der Politik gelingen, trotz leerer Kassen über Haftungen genügend Geld für gute unternehmerische Ideen zur Verfügung zu stellen. Wozu steirische Unternehmen in der Lage sind, hat man ja zuletzt beim „Fast Forward Award“ sehen können. In  diesem Zusammenhang ist der von den steirischen Reformpartnern gewählte Weg, die Wirtschaftsförderung zu kürzen statt sie dramatisch auszuweiten, wahrscheinlich nicht viel klüger als jener, den die Griechen beschritten, als sie ein System etablierten, mit dem sie landesweit auf Pump konsumierten anstatt zu investieren.</p>
<p><em>Tandl macht Schluss, Fazit 76 (Oktober 2011)</em></p>
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