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	<title>FazitOnline. Wirtschaft und mehr. Aus dem Süden.</title>
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	<description>Die Webseite von Fazit.</description>
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		<title>Gemeindefusionen: Speckgürtel im Fokus.</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 14:46:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindefusionen]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeindestrukturreform]]></category>
		<category><![CDATA[Kriterien]]></category>
		<category><![CDATA[Reformpartner]]></category>
		<category><![CDATA[Speckgürtel]]></category>
		<category><![CDATA[Steiermark]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Leitbild der Gemeindestrukturreform Steiermark stellt klar, dass nicht nur die wirtschaftlich angeschlagenen Kleingemeinden in größere Strukturen integriert werden. Auch die reichen Speckgürtelgemeinden rund um Graz, Leibnitz, Voitsberg oder Gleisdorf sind akut gefährdet. Denn im Leitbild heißt es, dass sich die Umlandgemeinden auf Kosten der Zentrumsgemeinden entwickeln. Aufgrund der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen sehen sich sämtliche Kommunen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Leitbild der Gemeindestrukturreform Steiermark stellt klar, dass nicht nur die wirtschaftlich angeschlagenen Kleingemeinden in größere Strukturen integriert werden. Auch die reichen Speckgürtelgemeinden rund um Graz, Leibnitz, Voitsberg oder Gleisdorf sind akut gefährdet.</p>
<p><span id="more-2173"></span>Denn im Leitbild heißt es, dass sich die Umlandgemeinden auf Kosten der Zentrumsgemeinden entwickeln. Aufgrund der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen sehen sich sämtliche Kommunen angehalten – unabhängig vom tatsächlichen Bedarf – Bau- und Gewerbegebiete auszuweisen und zu erschließen, um so ihre finanzielle Lage zu verbessern. Und die beiden wichtigsten kommunalen Einnahmequellen sind nun einmal die von der Einwohnerzahl abhängigen Ertragsanteile sowie die Kommunalsteuer, die drei Prozent der an die im Gemeindegebiet beschäftigten Arbeitnehmer ausbezahlten Lohnsumme beträgt. Das Ergebnis dieser ordnungspolitischen Fehlleistung des Bundes ist der großen Bau- und Gewerbelandüberschuss und in der Folge eine viel zu teure Infrastruktur.</p>
<p>Im Strukturleitbild der Reformpartner sind folgende Kriterien genannt, die eine – auch künftig – eigenständige Gemeinde erfüllen soll:<br />
<strong>• Kindergarten</strong><br />
<strong>• Volksschule</strong><br />
<strong>• Nahversorger</strong><br />
<strong>• Gasthaus</strong><br />
<strong>• Arzt/Ärztin (Allgemeinmedizin)</strong><br />
<strong>• Pfarre/Kirche</strong><br />
<strong>• Bank</strong><br />
<strong>• Apotheke</strong><br />
<strong>• Rettung</strong><br />
<strong>• Postamt/Postpartner </strong></p>
<p><strong></strong><br />
„Das Fehlen mehrerer derartiger Einrichtungen in einer Gemeinde ist ein Indiz, dass diese Leistungen bereits jetzt von der Bevölkerung in einer anderen Gemeinde in Anspruch genommen werden und sich folglich der Lebensraum der Bevölkerung bereits über die politischen Grenzen der Gemeinden hinaus erweitert hat“, heißt es wörtlich im Leitbild.<br />
Wenn dieses Leitbild umgesetzt wird, ergeben sich daraus demnach Gemeindegrößen, die zumindest den Pfarrgrenzen entsprechen.</p>
<p>Insgesamt 114 steirische Gemeinden haben übrigens auf die Anregung des Landes reagiert und Vorschläge für Kooperationen und Fusionen erbracht. 59 Gemeinden haben dem Land mitgeteilt, dass für sie Fusionen nicht in Frage kommen.<br />
Das Leitbild zur Gemeindestrukturreform finden Sie übrigens<a title="Gemeindestrukturleitbild" href="http://www.gemeindestrukturreform.steiermark.at/cms/beitrag/11615233/69389369/" target="_blank"> hier</a>:</p>
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		<title>Land schließt Kleinstschulen</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Jan 2012 12:51:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Die SPÖ-ÖVP-Reformpartner haben sich dazu entschlossen, 31 der 38 einklassig geführten Volksschulen, die es in der Steiermark mittlerweile gibt, bereits ab dem nächsten Schuljahr zu schließen. Damit trägt die Regierung den demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte Rechnung. Gab es im Jahr 1981 in der Steiermark noch 136.000 Pflichtschüler, waren es im Vorjahr nur mehr 78.000. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die SPÖ-ÖVP-Reformpartner haben sich dazu entschlossen, 31 der 38 einklassig geführten Volksschulen, die es in der Steiermark mittlerweile gibt, bereits ab dem nächsten Schuljahr zu schließen. Damit trägt die Regierung den demographischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte Rechnung. <span id="more-2155"></span>Gab es im Jahr 1981 in der Steiermark noch 136.000 Pflichtschüler, waren es im Vorjahr nur mehr 78.000. Im gleichen Zeitraum, in dem die Schülerzahlen um 43 Prozent zurückgingen, wurde die Zahl der Schulstandorte jedoch nur um etwa 15 Prozent reduziert.</p>
<p>„Bildungspolitik ist kein Anhängsel der Kommunalpolitik“, stellte Bildungslandesrätin Elisabeth Großmann anlässlich der Veröffentlichung der Schließungsliste klar und sie verwies darauf, dass die Lehrerstunden nun gerechter auf die steirischen Schulen verteilt werden können. Da kein einziger Lehrerdienstposten durch die Schulzusammenlegungen verloren geht, ist auch der Aufschrei der Lehrergewerkschaft ausgeblieben.</p>
<p>Von einem bildungspolitischen Kahlschlag sprach hingegen die FPÖ und auch die Grünen forderten zuerst eine Verwaltungsreform im Bildungsbereich, wie die Abschaffung der Bezirksschulinspektoren und den Abbau der Doppelverwaltung im Pflichtschulbereich zwischen Land und Bund. Naturgemäß wenig Verständnis für die Schulschließungen zeigen zahlreiche betroffene Bürgermeister.</p>
<p>::: <a title="Link" href="http://steiermark.orf.at/news/stories/2516398" target="_blank">Liste der Schulen, die 2012/2013 geschlossen werden</a> (ORF)<br />
::: <a title="Link" href="http://steiermark.orf.at/news/stories/2516424/" target="_blank">Schulschließung: Sorge in Gemeinden</a> (ORF)<br />
::: <a title="Link" href="http://www.kleinezeitung.at/steiermark/2919420/knapp-40-schulen-werden-geschlossen.story" target="_blank">Schließung von 38 Schulen zugunsten von mehr Qualität</a> (Kleine Zeitung)</p>
<p>::: <a title="Link" href="http://diepresse.com/text/home/bildung/schule/pflichtschulen/723005/Kleinschulen_Weitere-Laender-erwaegen-Schliessungen?from=rss&amp;utm_source=diepresse.com" target="_blank">Weitere Bundesländer erwägen Schließungen</a> (Die Presse)</p>
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		<title>Fazit Jänner 2012 &#8211; Leseprobe</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 16:34:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie können hier direkt im aktuellen Fazit lesen (auf das Cover klicken) oder eine PDF-Leseprobe auf Ihren PC speichern: DOWNLOAD]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div><object id="13702182-2343-6137-2c0f-04f4e3da9286" style="width: 420px; height: 280px;" width="320" height="240" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="menu" value="false" /><param name="wmode" value="transparent" /><param name="src" value="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v2/IssuuReader.swf" /><param name="flashvars" value="mode=mini&amp;backgroundColor=%23222222&amp;documentId=111230162011-c07d0400ef02467cb08efcb2b5b94431" /><embed id="13702182-2343-6137-2c0f-04f4e3da9286" style="width: 420px; height: 280px;" width="320" height="240" type="application/x-shockwave-flash" src="http://static.issuu.com/webembed/viewers/style1/v2/IssuuReader.swf" allowfullscreen="true" menu="false" wmode="transparent" flashvars="mode=mini&amp;backgroundColor=%23222222&amp;documentId=111230162011-c07d0400ef02467cb08efcb2b5b94431" /></object></p>
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<p>
Sie können hier direkt im aktuellen Fazit lesen (auf das Cover klicken) oder eine PDF-Leseprobe auf Ihren PC speichern: <a href="http://www.fazitmagazin.at/pdf/079/079_leseprobe.pdf" target="_blank">DOWNLOAD</a></p>
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		<title></title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:50:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir dürfen all unseren Leserinnen und Lesern sowie allen Geschäftspartnern und Freuden ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie Alles Gute für 2012 wünschen! Die soeben erschienene Ausgabe 79 ist für Sie auch schon online verfügbar. Die nächste Fazitausgabe erscheint am 21. Februar 2012.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="winter_2010" src="http://www.fazitmagazin.at/wp-content/uploads/2010/12/winter_2010.jpg" alt="" width="150" height="150" />Wir dürfen all unseren Leserinnen und Lesern sowie allen Geschäftspartnern und Freuden ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie Alles Gute für 2012 wünschen!</p>
<p><em>Die soeben erschienene Ausgabe 79 ist für Sie auch schon online verfügbar. </em><em>Die nächste Fazitausgabe erscheint am 21. Februar 2012.</em></p>
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		<title>Flachkappenalarm! Nicht nur in der Politik</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:47:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Klepej</dc:creator>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>

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		<description><![CDATA[Kabarettist Roland Düringer hat bei Dorfers Donnerstalk den »Wutbürger« gegeben – nachzusehen auf Youtube – was von durchaus großem Unterhaltungswert gewesen ist. Bestenfalls unterhaltend sind allerdings die Reaktionen der österreichischen Internetintelligenzia auf Düringers überaus überzogenen Satire: Sie wurde bis ins kleinste Nebensätzchen ernst genommen und als »Befreiungsschlag« gegen die »schlimmen Umstände« angesehen. Das ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kabarettist Roland Düringer hat bei Dorfers Donnerstalk den »Wutbürger« gegeben – nachzusehen auf Youtube – was von durchaus großem Unterhaltungswert gewesen ist. Bestenfalls unterhaltend sind allerdings die Reaktionen der österreichischen Internetintelligenzia <span id="more-2139"></span>auf Düringers überaus überzogenen Satire: Sie wurde bis ins kleinste Nebensätzchen ernst genommen und als »Befreiungsschlag« gegen die »schlimmen Umstände« angesehen. Das ist die wahre Tragik, unter der wir momentan zu leiden haben. Der letzte Rest an Vernunft scheint diesem Kontinent unter dem Eindruck einer Krise, von der noch keine Gesellschaftsschicht wirklich materiell betroffen ist, abhanden gekommen zu sein.<br />
Die Politik können wir offenbar vergessen. Mit der einäugigen Ausnahme von Franz Voves und Hermann Schützenhöfer in der Steiermark – und das sei ohne jeden Anschein von Lokalpatriotismus gesagt! – tut sich nirgendwo auch nur ein Silberstreif am Horizont auf. Faymann und Spindelegger haben augenscheinlich nicht einmal mehr die Kraft, den geordneten Untergang von SPÖ und ÖVP wenigstens stilvoll abzuwickeln.<br />
Und unsere flachwurzelnden Medien merken nicht einmal mehr, dass sie in Einfallslosigkeit und mangelnder Kompetenz der Parteipolitik in Nichts nachstehen. So meint etwa Nina Weißensteiner in einem Standardkommentar: »Genauso gut könnte man mit einem Ausländerfeind einen Integrationsplan erarbeiten, mit einem Frauenhasser einen Gleichberechtigungspakt schließen oder mit dem Papst einen Aufklärungskoffer zusammenstellen.« – Sie spricht damit den zugegeben fadenscheinigen Versuch der Bundes-ÖVP an, die Freiheitlichen für eine Schuldenbremse doch noch an Bord zu holen. Wer so denkt, hat Demokratie nicht verstanden! Ja selbstverständlich sind es gerade solche Gegenpole, die es gilt an einem Tisch zu versammeln, um dort konstruktive Lösungen gemeinsam zu entwickeln!<br />
Dieses ewige Diskussionsverbot mit den Freiheitlichen – und in meiner Ablehnung der Strache-FPÖ soll mich niemand übertreffen! – führt ganz unausweichlich über eine Koalition von SPÖ, ÖVP und Grünen hin zu einer FPÖ-Alleinregierung. (Die Verstandesmenschen nicht wünschen können!) Demokratie heißt aber vor allem verschiedene Standpunkte in eine Diskussion einzubringen und dann Entscheidungen zu treffen. Und es ist die Mehrheit, die diese Entscheidungen zu verantworten hat. Und nicht irgendein, zu allen Zeiten der Geschichte immer nur schreckliche Auswirkungen erzielt habendes »gut gemeintes Programm«.</p>
<p><em>Editorial, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zum Thema (Fazit 79)</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Thurm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coverstory]]></category>
		<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>

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		<description><![CDATA[Abgebranntes Euroland Es ist schon fast ein Volkssport sich über Burnout-Betroffene, Burnout-Berichte und Burnout-Behandlungen lustig zu machen. Und aufgrund der gefühlten Burnout-Epidemie, die über unser erschöpftes Land hinwegzuschwappen scheint, kann man dafür Verständnis aufbringen. Aber egal welcher Statistik man traut – die Zahl der Betroffenen ist groß. Und deshalbn haben auch wir diese Ausgabe dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Abgebranntes Euroland</strong> Es ist schon fast ein Volkssport sich über Burnout-Betroffene, Burnout-Berichte und Burnout-Behandlungen lustig zu machen. Und aufgrund der gefühlten Burnout-Epidemie, die über unser erschöpftes Land hinwegzuschwappen scheint, kann man dafür Verständnis aufbringen. <span id="more-2137"></span>Aber egal welcher Statistik man traut – die Zahl der Betroffenen ist groß. Und deshalbn haben auch wir diese Ausgabe dem »Ausbrennen« gewidmet. Denn so ein bisschen Burnout hatte schließlich das ganze Jahr 2011. Der Euro ist erschöpft von den ständigen Rettungsversuchen, die Staaten sind finanziell abgebrannt und auf den unterschiedlichsten Finanzmärkten werden noch immer Millionen oder Milliarden Euro, wer weiß das schon genau, verbrannt. Feuer wohin man sieht. Und dort, wo es brennt, wird Asche folgen. Dieser Teil des Burnout-Zyklus steht uns noch bevor: die Depression.<br />
Würde man sein Leben allein mit Nachrichtenkonsum verbringen, dann sähe man die Menschheit wohl permanent vor ihrem zivilisatorischen Ende stehen. Ob es tatsächlich so weit kommen muss, kann kein Mensch ernsthaft sagen – das tägliche Leben (zumindest in Österreich) steht zur medial verbreiteten Stimmung eines ausbrennenden Kontinents auf jeden Fall im krassen Widerspruch. Die Arbeitslosenzahlen bleiben stabil, die Preise halten sich trotz drei Prozent Inflation halbwegs im Lot, auch wenn die Titelseiten und Statistiker gern anderes behaupten. Die Freude am Konsum ist ungebrochen und von massenhaften Unternehmensinsolvenzen, Schlangen vor den Bankomaten oder einem sprunghaften Anstieg der Armut ist nichts bekannt. Also was denn nun? Brennt der Hut, oder brennt er nicht?<br />
Vielleicht kann man sich gerade deshalb noch immer über die Krise lustig machen. Ein bisschen wutbürgern, ein bisschen über das große Ganze sinnieren und danach noch zum Hofer. Da gibt es Raumbelüfter im Angebot. Das ist besser als jeder Rettungsschirm. Solange uns das Feuer nicht den eigenen Hintern verbrennt, ist die Welt in Ordnung. Ebenso wie Burnout erst relevant wird, wenn wir selbst oder nahe Bekannte betroffen sind.<br />
Wenn es dann einmal soweit ist – also zu spät – hilft wohl nur noch die »Reset-Taste« – ein Neustart. Wie ein solcher aussehen könnte, das skizzieren inzwischen die unterschiedlichen Befürworter eines solch radikal anmutenden Schrittes: Bankomaten werden zwei Tage lang schließen, der Wechselkurs für eine eventuell neue Währung wird definiert, es werden Regeln für die neuen Währungsverbände geschrieben – welcher Form und Größe diese auch immer haben wird. Schuldenschnitte werden dort durchgeführt, wo es nötig ist. Von Rücksicht auf Verluste ist nicht auszugehen. Der private Neustart ist da etwas leichter. Das skizziert Ann-Marie Stark auf den folgenden Seiten.</p>
<p><em>Zum Thema, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		<title>Burnout. Wenn das Feuer ausgeht</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ann-Marie Stark</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coverstory]]></category>
		<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>

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		<description><![CDATA[Burnout brennt das ganze Jahr – aber besonders in der Weihnachtszeit, wenn sich zum Alltagsstress noch jener der „schönsten Zeit des Jahres“ dazugesellt, kommt man um das Geschäft mit dem Burnout nicht herum. Burnout – der Begriff ist längst ein alter Bekannter. Von der Gratiswochenzeitung bis zum Magazin Spiegel, Burnout hat schon beinahe überall die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Burnout brennt das ganze Jahr – aber besonders in der Weihnachtszeit, wenn sich zum Alltagsstress noch jener der „schönsten Zeit des Jahres“ dazugesellt, kommt man um das Geschäft mit dem Burnout nicht herum.<span id="more-2132"></span></p>
<p><img title="Weiterlesen..." src="http://www.fazitmagazin.at/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" />Burnout – der Begriff ist längst ein alter Bekannter. Von der Gratiswochenzeitung bis zum Magazin Spiegel, Burnout hat schon beinahe überall die Seiten gefüllt. Die Auflagen des Spiegel, in denen es Burnout auf die Titelseite schaffte, erreichten überdurchschnittliche Verkaufszahlen. Burnout verkauft sich. Zu Recht? Vermutlich. Denn gut zwei Millionen Krankenstandstage in Österreich, die ihre Ursache in psychischen Erkrankungen haben, sind nicht bedeutungslos.<br />
Je „populärer“ dieser Erschöpfungszustand ist, umso leichtfertiger wird damit umgegangen und das birgt für jene, die wirklich betroffen sind, die Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. „Burnout kriegst heut ja scho per Krankenschein“, kommentiert Kabarettist Roland Düringer trocken in seinem Programm „Ich Einleben“ den Burnout-Boom. Wer „ausgebrannt“ ist, beweist, einmal gebrannt zu haben – sich mit Leib und Seele für den Beruf engagiert zu haben. Aber sind wir wirklich alle schon so überarbeitet und erschöpft, dass nichts mehr geht?<br />
Nur ist Burnout an sich gar keine Krankheit. Es bezeichnet den Zustand des „Ausgebranntseins“. Zwar hat Burnout viele Gemeinsamkeiten mit einer Depression, ist aber aus medizinischer Sicht nicht als Krankheit klassifiziert. Die häufigsten Symptomüberschneidungen sind bei der Erschöpfungsdepression zu finden, gefolgt von Angststörungen und Panikattacken. Deshalb wird es von Laien gerne als eine Art Depression beschrieben. In der ICD-10, der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“, ist Burnout noch nicht gelistet. Es ist dort lediglich als begriffliche Ergänzung zur Erschöpfungsdepression erwähnt. Es hängt von Dauer und Intensität ab, wann Burnout zur Depression werden kann. Manfred Walzl, Leiter des Schlaflabors der Landesnervenklinik Sigmund Freud, sieht das Problem besonders in den Schlafstörungen, die mit Burnout und anderen psychischen Erkrankungen einhergehen. Permanenter Druck und Stress führen zu Schlaflosigkeit und diese wiederum zu Fehlern am Arbeitsplatz. Walzl beschreibt Burnout als Überforderungssyndrom: „Wenn wir rund um die Uhr erreichbar sind und von der Arbeit nicht loslassen, dann kommt es irgendwann zu den Symptomen.“ Will man Burnout beschreiben, bewegt man sich irgendwo zwischen „Volkskrankheit Nummer 1“ und Geschäftemacherei. Es gibt etwa 130 Symptome zur Auswahl: Sie reichen von Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, permanenter Erschöpfung bis zu übermäßigem Konsum von Genussmitteln. Diese Symptome müssen über einen längeren Zeitraum andauern. Sich ein- oder zweimal in der Woche nach der Arbeit erschöpft zu fühlen, ist noch kein alarmierender Zustand. Von Burnout bzw. psychischen Erkrankungen sprechen Mediziner ab einer Dauer von mehreren Wochen bis Monaten. Aber auch das lässt sich nicht genau definieren – psychische Erkrankungen äußern sich bei jedem Menschen unterschiedlich und daher kann keine exakte Zeitangabe gemacht werden.<br />
Die Betroffenen merken oft selbst erst, dass etwas nicht stimmt, wenn es zu spät ist, sie zusammenbrechen. Wenn der Körper nicht mehr mitspielt und es längst an der Zeit für eine Pause gewesen wäre. Doch die Krux ist, dass sich viele von der Dauerbelastung kaum erholen können und einen Urlaub und die damit verbundene Strukturlosigkeit als größeren Stress empfinden und so noch erschöpfter an den Arbeitsplatz zurückkehren. Walzl sieht gerade im Urlaub eine Gefahr, wenn jemand in einer depressiven Phase steckt: „Dann fällt alles Übrige weg und der Mensch kann sich nur mehr auf seine depressive Stimmung konzentrieren – deshalb kommt er noch erschöpfter an den Arbeitsplatz zurück.“</p>
<p>Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht<br />
Vor nicht allzu langer Zeit galten besonders die Menschen aus dem Bereich Medizin und Pflege als gefährdet – mittlerweile ist die Symptombeschreibung aber in allen Branchen zu finden.<br />
Den Zustand permanenter Erschöpfung kann auch die viel zu gern zitierte Billa-Kassiererin empfinden – genauso wie jemand in einer hohen Führungsposition. Es geht nicht nur um die Arbeit, sondern auch um die charakterliche Disposition. Perfektionismus, hohe Ansprüche an sich selbst und ein geringes Selbstwertgefühl bereiten dem Burnout einen fruchtbaren Boden. Manche Menschen können mit Stress besser umgehen, nehmen sich früh genug Auszeiten und halten die Flamme am Lodern. Bei jenen, die sich damit schwer tun, Angst um ihren Arbeitsplatz und mit Selbstzweifeln zu kämpfen haben, kann das anders verlaufen. Kommen dann ständiger Stress, das Gefühl, nie genug getan zu haben, und zu wenige Erholungsmomente dazu, kann es zum Zustand des „Ausgebranntseins“ kommen. Das soll aber nicht heißen, dass Menschen, die unter dem Druck der Arbeit leiden und am Ende sogar zusammenbrechen, „schwach“ sind.<br />
Die Grenze, ab wann es zu viel wird, verläuft individuell und zwei Arbeitnehmer im gleichen Beruf können völlig andere Auffassungen von Stress und Belastung haben. Nicht ohne Grund gehen viele Prominente, vom Fernsehkoch Tim Mälzer bis zu Ex-Skispringer Sven Hannawald, mit ihrem Burnout an die Öffentlichkeit. Es soll zeigen, dass auch sie ihre Grenzen haben.<br />
Bis es überhaupt zum Burnout kommt, sei es bei der Billa-Kassiererin oder einem Starkoch, spielt auch noch ein anderer Faktor mit: die verschwimmenden Grenzen, für die wir uns selbst entscheiden. Immer und überall erreichbar sein, mit Smartphones E-Mails empfangen, das Handy nie abschalten. Auf Facebook und Twitter ist man auch oder vor allem in der Freizeit nie allein – „dank“ Apps wird man ständig informiert, wenn es „Neuigkeiten“ gibt. Wie soll man da abschalten? Wohl nur, indem man wirklich abschaltet – das Handy. Nur glauben viele Arbeitnehmer, sich das schlicht nicht erlauben zu können.<br />
Das ganze Leben wird zum Arbeitsplatz, es gibt weniger klar abgegrenzte Zeiten, sondern man steht ständig unter Strom. Dieses Verschwimmen zwischen Berufs- und Privatleben wird auch als „entgrenzte Arbeit“ bezeichnet. Der noch wenig bekannte Begriff beschreibt, was viele von sich selbst kennen. Eigentlich ist man bereits im Feierabend oder im Urlaub.<br />
Und eigentlich müsste man nicht erreichbar sein. Aber man ist es eben doch. Aus Angst, etwas zu verpassen und nicht mehr mitzukommen. Dazu kommt, dass viele Menschen die Probleme am Arbeitsplatz mit nach Hause nehmen und so noch weniger abschalten können. Ein weiterer Faktor ist der „Freizeitstress“. Nach dem Motto „Jetzt habe ich frei, jetzt will ich auch etwas Besonderes mit der Zeit anfangen“ setzen sich viele erst recht unter Druck – die Freizeit kann nicht mehr genossen werden und wird selbst zum Stressor.</p>
<p>Schaden oder Segen?<br />
Die Österreicher fallen, laut einer Studie der Arbeiterkammer, an rund 2,5 Millionen Tagen aufgrund seelischer Probleme bei der Arbeit aus. Etwa acht bis neun Prozent aller Berufstätigen in Österreich leiden am Burnout-Syndrom. In der Steiermark sind nach Schätzungen der Arbeiterkammer rund 30.000 Personen von Burnout und anderen psychischen Krankheiten betroffen. Eine Studie der Uniqa schätzt die Zahl der Burnout-Betroffenen in ganz Österreich sogar auf etwa 500.000. Die mit psychischen Krankheiten und eben auch Burnout oft einhergehende Schlaflosigkeit führt zu Fehlern am Arbeitsplatz – diese würden die österreichische Wirtschaft bis zu vier Milliarden Euro pro Jahr kosten, warnt Schlafexperte Walzl. Rund 20 Prozent der Arbeitnehmer in Österreich haben bereits Burnout-ähnliche Symptome, 30 Prozent leiden unter ungesundem Stress am Arbeitsplatz und weisen bereits psychosomatische Leiden auf.<br />
Die Arbeiterkammer hat eine Beratungsstelle für Burnout eingerichtet, die jährlich von etwa 1.100 Menschen in Anspruch genommen wird. Der Burnout-Berater Gerhard Plank ortet nicht nur einen Aufwärtstrend in der Anzahl der Fälle, sondern auch was den Betroffenheitsgrad angeht. „Viele haben versucht, die Krankheut auszusitzen. Aus Angst um den Arbeitsplatz, aber auch um Kollegen nicht mit mehr Arbeit zu belasten – vergebens.“ Dazu kommt die Angst vor der Stigmatisierung: „Besonders junge Menschen wollen das Tabuthema der psychischen Krankheit umgehen, aus Furcht, am Arbeitsmarkt als instabil zu gelten.“ Dass vor allem Menschen in pflegenden Berufen betroffen sind, kann Plank nur teilweise bestätigen. Zwar gebe es im Dienstleistungsbereich mit hohem Kundenkontakt mehr Fälle, aber mittlerweile sei Burnout in allen Berufen zu finden. Auch lasse sich kein „typisches“ Alter vorhersagen: Diejenigen, die Rat bei der AK suchen, seien zwischen 20 und 60 Jahre alt, wobei Frauen mit etwa 60 Prozent in der Überzahl sind.<br />
Wenn Burnout die Kassen füllt<br />
Trotz der Krankenstandstage und des psychischen Zustands der Arbeitnehmer: Der Wirtschaft tut es auch gut. Das Geschäft mit dem Burnout floriert gleichermaßen wie der Umgang mit dem Begriff selbst. Denn eigentlich ist ja alles ganz einfach, wenn man die „Sieben Schritte gegen Burnout“ befolgt, nach der „Anti-Burnout-Strategie lebt“ oder, wenn’s schon pressiert, zur „Soforthilfe bei Stress und Burnout“ greift. Einfachere Gemüter nehmen am besten „Burnout für Dummies“ zur Hand. Das sind nur wenige Blüten, die das Geschäft mit dem Erschöpfungszustand treibt. Noch leichter geht es, wenn man schlicht zur Pille greift: nur einmal täglich, die Nahrungsergänzung gegen Burnout – „24-Stunden-Burnout-Schutz“. Auch der Wellnessmarkt kann Profit daraus schlagen: Angebote, bei denen man Tausende Euros für eine Woche nix essen und viel schlafen zahlt, gab es bereits vorher. Mit dem Schlagwort „Burnout“ verkauft sich die Wellness-Wohlfühlwoche gleich noch leichter.<br />
Den Menschen wird angeboten, für viel Geld, in sich zu gehen und Ruhe einkehren zu lassen. Aber ob eine Woche im stillen Kloster die Lösung ist, wenn man wirklich ausgebrannt ist, bleibt trotz werbewirksam platzierter Erfolgsberichte fraglich. Dies kann ohne regelmäßige psychologische Betreuung kaum funktionieren. Die Grenze zwischen sinnvollen Angeboten und Geschäftemacherei verläuft genauso fließend, wie Arbeits- und Privatleben miteinander verwoben sind. Es gibt kein Patentrezept gegen Burnout.<br />
Aber einige einfache Maßnahmen helfen schon, um Stress vorzubeugen. Eine davon ist regelmäßige Bewegung. Durch körperliche Aktivität werden Botenstoffe im Gehirn freigesetzt, die stimmungsaufhellende Wirkung haben – das „Runners High“ bei Läufern gibt also nicht ohne Grund. Mit Bewegung lässt sich auch Stress abbauen und entspannen. Das beschreibt auch der Spiegel in einem seiner Artikel über Burnout und stellt die Maßnahme der Lübecker Firma Niederegger in Deutschland vor: Diese setzt auf Prävention durch Sport und verordnet den Angestellten täglich zehn Minuten gemeinsamer Gymnastik. Zwar nur ein kleiner Schritt, eine minimale Veränderung im Alltag, dennoch seien die Krankenstandstage im Unternehmen seither weniger geworden. Im Gegensatz zu kurzfristigen Hilfen, die meist erst dann eingesetzt werden, wenn es schon zu spät ist, bringt eine solche Maßnahme dauerhaften Nutzen. Denn das Wellness-Anti-Burnout-Package mag für einige Tage erholsam sein – wenn man überhaupt noch in der Lage ist, abzuschalten –, aber danach geht der Lauf im Hamsterrad weiter wie gehabt.</p>
<p>Auch Schlafforscher Walzl betont, wie wichtig regelmäßige Entspannung ist: „Powernapping wird immer beliebter – wir haben ja verlernt, Pausen zu machen und auf den Körper zu hören.“ Ab und zu bewusst abzuschalten bringt mehr, als bereits völlig erschöpft und gestresst ein Wellnesswochenende in den vollen Terminkalender zu pressen. Die zahlreichen Ratgeber und Angebote mögen aber auch ihr Gutes haben, denn sie machen aufmerksam darauf, dass sich jeder Mensch etwas Zeit für sich nehmen soll. Sei es beim Sport, Lesen oder einer künstlerischen Betätigung – wichtig ist, sich selbst so viel wert zu sein, dass auch Pausen erlaubt sind und die Alltagsprobleme kurz hintangestellt werden.<br />
Man sollte sich aber auch nicht von der Burnout-Welle mittragen zu lassen, nur „weil es jeder hat“. Eine psychische Krankheit ist nichts, was auf die leichte Schulter genommen werden darf. Deshalb ist es umso wichtiger, dass mit Burnout nicht leichtfertig umgegangen wird – weder im Sinne von „aussitzen“, noch bei ein bisschen Stress gleich das Handtuch zu werfen. Denn Letzteres stellt sonst Menschen, die ernsthafte Probleme haben, als Hypochonder dar.</p>
<p>Burnout aus Arbeitgebersicht<br />
Denn mit Burnout haben nicht nur die Betroffenen zu kämpfen: Auch Unternehmen müssen sich mit der „Krankheit“ arrangieren. Leidet ein Mitarbeiter darunter, kann das lange Ausfälle und hohen wirtschaftlichen Schaden mit sich bringen. Prävention, wie sie bereits in einigen Betrieben praktiziert wird, ist eine Möglichkeit, um dem Syndrom zu begegnen. Die andere ist vor allem ein offenes Ohr und Wachsamkeit aufseiten der Arbeitgeber – denn Burnout entwickelt sich schleichend. Wer es zu spät erkennt, muss mit Schaden rechnen.<br />
Die Geschäftsführerin eines steirischen Mittelunternehmens hatte selbst erst kürzlich einen Burnout-Fall im Betrieb. Sie möchte nicht genannt werden, um die Privatsphäre des Betroffenen zu schützen. Der Mitarbeiter ist jetzt in Behandlung.<br />
„Im Nachhinein wird einem klar, wie viele Anzeichen es schon gab. Aber man will sie eben nicht wahrhaben, weder der Betroffene noch die Firma. Wir hofften immer, dass es doch noch besser wird.“ Dadurch ist sie aber wachsamer geworden: „Wenn sich jemand völlig vom Betrieb abkoppelt und sich nicht mehr mit uns identifiziert, nirgends mehr teilnimmt, dann schrillen ab jetzt bei mir die Alarmglocken.“ Der Begriff Burnout allein löst bei vielen Unternehmern bereits Schaudern aus. „Er ist völlig überstrapaziert. Psychische Krankheiten an sich sind durchaus akzeptiert – nur wenn ein Mitarbeiter mit der Selbstdiagnose Burnout kommt, wird es schwierig.“<br />
Es wäre auch unfair gegenüber jenen, die wirklich am Ende sind. Denn man habe ja auch gegenüber den anderen Mitarbeitern Verantwortung zu tragen.<br />
Ein Burnout hat man sich verdient<br />
Zwar haben psychische Erkrankungen schon etwas von ihrem Schrecken verloren, dennoch bleibt es ein Tabu, zuzugeben, selbst betroffen zu sein. Krank sind immer die anderen. Bei Burnout verhält sich das anders: Wer krank ist, weil er sich kaputtgeschuftet hat, genießt weit höheres Ansehen als jemand, der „einfach so“ unter Depressionen leidet. Denn ein Burnout hat man sich erarbeitet. Es beweist, dass der Betroffene ein funktionierender Teil der Arbeitswelt ist. Das Burnout-Etikett macht sich besser als jenes der Depression. Vielleicht boomen deswegen in Magazinen die unseriösen Tests, in denen es sich mittels fünf Fragen abklären lässt, ob akute Burnout-Gefahr besteht oder nicht. Wer drei der fünf Fragen mit Ja beantwortet, sei bereits betroffen oder kurz davor. Aber so einfach ist es nicht. Jeder fühlt sich ab und an erschöpft – wie bereits erwähnt, sind Dauer und Intensität ausschlaggebend. Ein fünfminütiger Test kann über den psychischen Gesundheitszustand keine Auskunft geben und heizt bloß das Geschäft mit dem Burnout an.</p>
<p>Zu Tode gelangweilt ist auch gestorben<br />
Es kann aber auch anders laufen. Darüber zu sprechen wagt jedoch kaum jemand: Boreout. Nichts zu tun am Arbeitsplatz und damit ständige Unterforderung. Die Tätigkeiten, für die acht Stunden am Tag anberaumt sind, werden innerhalb von zwei Stunden erledigt und der Rest des Arbeitstages mit Internetsurfen oder privaten Mails verbracht – das mag dem einen oder anderen wie das gelobte Land der Arbeit vorkommen. Es ist paradox: Wer sagt, er habe in der Arbeit nichts zu tun, würde selten auf Verständnis stoßen. Immerhin wünschen sich doch alle genau das: weniger Arbeit, weniger Stress. Dass dauerhaftes Nichtstun und damit Unterforderung aber auch Stress bedeuten, leuchtet kaum ein. Auf Dauer macht es genauso krank wie permanenter Stress. Die Symptome sind beinahe dieselben: Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Gereiztheit. Je weniger es zu tun gibt, umso müder und abgeschlagener wird der Betroffene und umso kleiner die Motivation. Ein Teufelskreislauf, in dem man sich am Ende selbst disqualifiziert. Um nicht aufzufallen, täuschen die gelangweilten Mitarbeiter Geschäftigkeit vor, beteuern, gestresst zu sein. Denn krank vor Langeweile zu sein kommt bei den Kollegen weit weniger gut an als krank vor Stress. Dieses Phänomen ist weniger bekannt als Burnout, welches die Kassen klingeln lässt. Denn niemand gibt gerne zu, nichts zu tun zu haben und kein funktionierendes Rädchen in der Gesellschaft zu sein. Zudem sind die Betroffenen nicht faul – sie verlangen sehr wohl nach Arbeit, fragen beständig nach Aufgaben, werden aber zumeist vertröstet oder anders unbefriedigend abgefertigt. Beschweren kann man sich kaum. Aus Angst, den Arbeitsplatz durch das Geständnis zu verlieren. Doch meist wäre genau das die einzig richtige Lösung. Wer arbeiten möchte, aber nichts zu tun bekommt und bei den Vorgesetzten auf taube Ohren stößt, wird in diesem Job langfristig kaum Zukunft haben. Ein Wechsel oder Weiterbildung, um für neue Aufgaben infrage zu kommen, könnten die nötigen Herausforderungen bringen. Boreout scheint weiter verbreitet zu sein, als man vielleicht annehmen möchte. Eine Studie in den USA unter 10.000 Arbeitnehmern ergab, dass sich ein Drittel am Arbeitsplatz unterfordert fühle und zwei Stunden der Arbeitszeit für private Dinge nutze. Ob Burn- oder Boreout, beides sind Zustände, die den Menschen belasten und ihn in eine Depression führen können, wenn nicht ohnehin schon eine psychische Erkrankung in einem schlummert. Deshalb ist es durchaus angebracht, diesen Begriffen Beachtung zu schenken, aber auch hier sollte man es mit Paracelsus halten: Die Dosis macht das Gift. Auf sich selbst zu achten, Pausen und Entspannung einzuhalten, sind nicht nur gute Präventionen gegen das allgegenwärtige Burnout, sondern es ist eine Lebenseinstellung. Sich verrückt machen zu lassen von unseriösen Tests („Habe ich Burnout?“) bringt niemandem etwas, genauso wenig wie dubiose Pillen, die vor dem Zustand des „Ausgebranntseins“ schützen sollen. Dass ein ausgeglichener Nährstoffhaushalt wichtig für die Gesundheit ist, sei nicht bestritten – nur geht das auch, ohne sich dafür das Geld aus der Tasche ziehen lassen.<br />
Das Geschäft mit dem Burnout wird weiter blühen und noch die eine oder andere Kuriosität hervorbringen. Aber um sich nicht mit der vermeintlichen Volkskrankheit anzustecken, sollte man sich nicht erst recht stressen lassen, sondern das Ganze etwas lockerer sehen und vor allem auf die eigene Intuition hören, wann eine Pause nötig ist. Dann klappt’s auch wieder mit dem Feuer.</p>
<p><em>Titelgeschichte Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		<title>Politicks Jänner 2012</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:35:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Tandl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>
		<category><![CDATA[Politicks]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundesbudget: Zeit des Erwachens „Wir sind sparsam, steigern die Effizienz in der Verwaltung und investieren gleichzeitig in die Zukunft“, behauptete Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am 19. Oktober nach der Budgetpräsentation im Ministerrat und versuchte so darüber hinwegzutäuschen, dass die Regierung angesichts der Schuldenkrise im Euroland, den Kopf in den Sand steckt. Wer sich damals über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bundesbudget: Zeit des Erwachens</strong><br />
„Wir sind sparsam, steigern die Effizienz in der Verwaltung und investieren gleichzeitig in die Zukunft“, behauptete Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am 19. Oktober nach der Budgetpräsentation im Ministerrat <span id="more-2128"></span>und versuchte so darüber hinwegzutäuschen, dass die Regierung angesichts der Schuldenkrise im Euroland, den Kopf in den Sand steckt.<br />
Wer sich damals über das für 2012 geplante Defizit von unglaublichen 9,2 Milliarden Euro wunderte, wurde vom Bundeskanzler mit folgender Aussage vertröstet: „Wir wollen weder Sozialabbau noch Reduktion im Bildungswesen. Hauptthema ist, wie man die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig die Haushalte sanieren kann. Damit können wir ein Vorbild in Europa sein.“ Eine Antwort darauf, was eine Defizitausweitung um 3,2 Prozent nach einem Hochkonjunkturjahr mit Haushaltssanierung zu tun haben soll, blieb der Bundeskanzler freilich schuldig und auch seinem, wie meist unglücklich agierenden, VP-Gegenüber, Vizekanzler Michael Spindelegger, fiel nichts Besseres ein, als das vorbildliche Klima, das bei den Budgetverhandlungen geherrscht habe, zu loben.<br />
Was da wohl im Vorfeld des letzten EU-Gipfels Anfang Dezember passiert sein mag? Jedenfalls war unser dauerlächelnder Bundeskanzler nach seinem Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel nicht wiederzuerkennen. Auf einmal trat er als Befürworter der Fiskalunion auf den Plan und nach dem Gipfel war auf einmal klar, dass das österreichische Budget für 2012 aufgeschnürt werden muss, um weitere eineinhalb Milliarden zu suchen– sowohl auf der Ausgabe- als auch auf der Einnahmeseite.<br />
Und auch die Finanzministerin will auf einmal neuen Mut zum Sparen gefunden haben: „1,5 Milliarden Einsparungen sind zu wenig. Wir werden weit über zwei Milliarden brauchen“, sagte Maria Fekter (ÖVP) am 13. Dezember beim ersten Ministerrat nach dem EU-Gipfel und verwies auf den Beamtengehaltsabschluss sowie auf Kyoto-Strafzahlungen, die auf uns zukommen würden. Dabei sind zumindest die Kyoto-Strafen längst bekannt. Und wenn Fekter wirklich mutig wäre, würde sie angesichts der steigenden Zinsen für österreichische Schuldtitel den Beamtenabschluss wegen Unfinanzierbarkeit wohl noch einmal aufschnüren.</p>
<p><strong>Nulllohnrunde auch für Gemeindebedienstete</strong><br />
Wenigstens in der Steiermark gehen die Uhren anders. Da kam eigens aus Wien der Vorsitzende der mächtigen Gemeindebediensteten-Gewerkschaft Alexander Meidlinger angereist, um seinen steirischen Funktionären beim Kampf um die Übernahme des Bundesbeamtenabschlusses zur Seite zu stehen, um dann jedoch eine vollständige Pleite zu erleben. Statt einer Gehaltserhöhung kündigten Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) und sein Vize Hermann Schützenhöfer (ÖVP) eine Besoldungsreform für Gemeindebedienstete an. Im Zuge dieser Besoldungsreform, in die – ähnlich wie bei jener für die Landesbediensteten – die Arbeitnehmervertretung voll eingebunden werden soll, werden den Gemeindebediensteten vermutlich höhere Einstiegsgehälter und schnellere Vorrückungen in Aussicht gestellt. Im Gegenzug werden sie jedoch ihre vielfach vom Rechnungshof kritisierten Pensionsprivilegien (Ruhestand ab 60, sehr kurze Durchrechnungszeiträume) aufgeben müssen.<br />
Voves und Schützenhöfer hatten, was die Gemeindebediensteten angeht, keine Spielräume, denn zuvor hatten die Landes-, aber auch KAGES-Personalvertreter der Nulllohnrunde nur zugestimmt, wenn sie für Land, Gemeinden und Krankenanstalten gelten würde. Allein bei der KAGES bringt der Verzicht auf Gehaltserhöhungen jährlich Einsparungen von 15 Millionen Euro.<br />
Dass die Gewerkschaft nun klagen will, weil formal weder Voves noch Schützenhöfer und auch nicht der Landtag für die Gehälter der Gemeindebediensteten zuständig sind, ist zwar verständlich, wird jedoch nichts ändern. Denn Politikern, die Handlungsfähigkeit beweisen, steht auch die berühmte „normative Kraft des Faktischen“ zur Seite.</p>
<p><strong>Fast-Food-Verbot: Edlinger-Ploder provoziert</strong><br />
Mit ihrer Initiative, Fast Food aus Schulbuffets und -kantinen zu verbannen, erntet Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP) breiten Applaus bei Eltern, Ärzten, Ernährungswissenschaftlern und Lehrern: „Wir haben genug Wissen und Papiere zum Thema ,gesunde Ernährung‘ angehäuft, es ist Zeit, zu handeln, wo wir selbst Verantwortung tragen“, begründet Edlinger-Ploder ihren Vorstoß, wobei sie klarstellt, dass richtige Ernährung primär eine Aufgabe der Erziehungsberechtigten bleiben müsse. Es sei ihr aber nicht unrecht, dass die derzeitige Diskussion unter dem reißerischen Titel „Fast-Food-Verbot“ an Schulen laufe, weil dadurch erst die breite Aufmerksamkeit erregt wurde. Edlinger-Ploder geht es aber nicht um ein Produktverbot, sondern um eine Angebotssteuerung auf Basis von Nahrungsmittelqualität und Inhaltsstoffen. Widerspruch kommt hingegen vom Kärntner Bildungsreferenten LH-Stv. Uwe Scheuch (FPÖ): „Von einem generellen Fast-Food-Verbot an Schulen halte ich nichts. Viel gescheiter wären bewusstseinsbildende Maßnahmen.“ Allein schon die Qualifizierung von Nahrungsmitteln als Fast Food sei in seinen Augen schwierig. Er könne sich jedoch vorstellen, dass man in den Schulkantinen mehr Wert auf gesunde, heimische Lebensmittel legt.</p>
<p><strong>Grazer SPÖ: Grossmann folgt</strong><strong> Müller als Stadtrat nach</strong><br />
Michael Grossmann (SPÖ) beerbt den glücklosen Edmund Müller (SPÖ) als Grazer Kultur- und Gesundheitsstadtrat. ÖVP, SPÖ, Grüne und KPÖ stimmten im Gemeinderat für Grossmann, FPÖ und BZÖ waren dagegen. Der 45-Jährige will als erste Arbeitsschritte den Dialog mit den Kulturschaffenden aufnehmen sowie Schwerpunkte im Bereich der Gesundheitsprävention setzen. Grossmann ist gebürtiger Obersteirer und war Bundesvorsitzender der Jungen Generation. Er war von 2004 bis 2010 Büroleiter des EU-Abgeordneten Jörg Leichtfried (SPÖ). Zuletzt war er als Unternehmensberater selbstständig tätig und Leiter des Renner-Institutes der Steiermark sowie Landesgeschäftsführer der Bildungsorganisation der SPÖ. Gemeinsam mit der Grazer SPÖ-Vorsitzenden, Stadträtin Martina Schröck, hat Grossman nun ein Jahr Zeit, die ehemalige Bürgermeisterpartei auf die Gemeinderatswahl vorzubereiten und nach zahlreichen Personalwechseln vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren. So ist Michael Grossmann nach Wolfgang Riedler, Karl-Heinz Herper und Edmund Müller bereits der vierte Kultur- und Gesundheitsstadtrat, den die SPÖ in dieser Periode auf diese Funktion setzt.</p>
<p><strong>Globalbudgets: Vollath will mehr</strong><strong> Transparenz bei Mittelverwendung</strong><br />
Die Mitglieder der steirischen Landesregierung sollen künftig nachweisen, wie sinnvoll sie ihre Ressortbudgets eingesetzt haben. SPÖ und ÖVP vereinbarten eine Budgetreform, die nach der nächsten Landtagswahl im Jahr 2015 in Kraft treten soll.<br />
Geht es nach Finanzlandesrätin Bettina Vollath (SPÖ), wird sich die Budgetierung des Landeshaushaltes in den nächsten Jahren dramatisch ändern. In Zukunft soll es sogenannte Globalbudgets für die einzelnen Ressorts geben. Vollath strebt damit mehr Eigenverantwortung auf der Regierungsbank an: „Man kann es vielleicht ganz salopp so umreißen, dass jedes Regierungsmitglied ein bisschen sein eigener Finanzlandesrat, seine eigene Finanzlandesrätin sein wird.“<br />
Statt in einem kameralistischen Budgetentwurf einzelne Haushaltsstellen zu bedecken und die Zahlungsströme in einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung als Zu- und Abströme einzelner Haushaltstitel zu erfassen, soll auf ein Doppik-System umgestellt werden. Vereinfacht gesagt wird das Land dadurch zum Bilanzierer. In den Voranschlägen werden daher nicht mehr nur die Zahlungsströme abgebildet, sondern erstmals auch das bewertete Vermögen. Erstmals werden also auch Abschreibungen und Wertminderungen abgebildet, was insgesamt für eine bessere Transparenz der Haushaltsentwürfe und Abschlüsse sorgen soll. Während in Österreich die Kameralistik vorherrscht, wird etwa der Schweizer Bundeshaushalt bereits als Doppik geführt.<br />
Anstelle des in Unternehmen vorherrschenden Profitzieles, das im Bereich der öffentlichen Hand klarerweise keine Rolle spielt, sollen die ressortverantwortlichen Landesräte in der Steiermark angewiesen werden, fünf Ziele zu definieren, die sie mit den ihnen zugewiesenen Mitteln erreichen wollen. Innerhalb ihres Ressorts können die Landesregierungsmitglieder in Zukunft selbst bestimmen, wie viel Geld wofür ausgegeben werden soll.</p>
<p><strong>Reichensteuer: ÖVP auf dem Weg zur</strong><strong> zweiten sozialdemokratischen Partei</strong><br />
Wie die Tageszeitung „Die Presse“ berichtet, ist die ÖVP in Bezug auf vermögensbezogene Steuern umgefallen. So soll ein neuer Spitzensteuersatz von 55 Prozent für Jahreseinkommen über 300.000 Euro bereits ausgemachte Sache sein. Außerdem denkt die Koalition an eine Erhöhung der Kapitalertragssteuer auf 27,5 Prozent und der Widerstand gegen eine Umwidmungsabgabe schwindet. Dass diese Abgaben dem Wirtschaftsstandort schaden, scheint den Schwarzen nicht bewusst zu sein. Seltsamerweise weigert sich die ÖVP ausgerechnet der Wiedereinführung der Erbschaftssteuer zuzustimmen – einer Abgabe, die aus Gründen der Einkommensgerechtigkeit unter Experten eigentlich unumstritten ist. Ob die Grünen, von denen die Erbschaftssteuer zur expliziten Bedingung für die Schuldenbremse erhoben wurde, die Regierung bei der Umsetzung der EU-Gipfelbeschlüsse unterstützen werden, ist dennoch fraglich.<br />
Dabei liegt Österreich mit einer Abgabenquote von 43 Prozent schon jetzt deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone mit 39 Prozent.</p>
<p><em>Politicks, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		<title>Hotelrevolte</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:29:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Thurm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>
		<category><![CDATA[Fazitgespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Kaffee Weitzer wird langsam, aber sicher zum letzten Kaffeehaus alter Schule in Graz. Dabei ist das Lokal in der Belgiergasse nur ein kleiner Teil von Florian Weitzers Unternehmen, den Weitzer Hotels. Fast täglich sitzt der 38-Jährige auf den roten Polstern, die schon dort waren, als Hotel und Kaffee noch seinem Urgroßvater gehört haben. Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Kaffee Weitzer wird langsam, aber sicher zum letzten Kaffeehaus alter Schule in Graz. Dabei ist das Lokal in der Belgiergasse nur ein kleiner Teil von Florian Weitzers Unternehmen, den Weitzer Hotels. <span id="more-2123"></span>Fast täglich sitzt der 38-Jährige auf den roten Polstern, die schon dort waren, als Hotel und Kaffee noch seinem Urgroßvater gehört haben. Und das ist ein Jahrhundert her.</p>
<p><em>Das Gespräch führte Michael Thurm.</em></p>
<p>::: <strong>Interview als PDF: </strong><a href="http://www.fazitmagazin.at/pdf/079/079_fazitgespraech.pdf" target="_blank">DOWNLOAD</a></p>
<p>.</p>
<p><em>Damals gehörte nur das Hotel Florian, das heutige Weitzer, der Familie. Es folgte 1974 der Kauf des Hotel Daniel am Hauptbahnhof und 1999 die Übernahme des Grand Hotel Wiesler. Dies allein ist schon beeindruckend, viel mehr aber, wie sich die einzelnen Hotels in den letzten Jahren entwickelt haben. 2010 fand der radikalste Bruch statt: Die fünf Sterne des Wiesler – bis dato einziges Fünf-Sterne-Hotel in Graz – wurden abgeschossen. Es folgte ein gelungener Spagat zwischen Jugendstil und Moderne, Graffiti und Stuck. </em><br />
<em>Seinen türkischen Kaffee trinkt der Hotelchef am liebstem im alten Kaffeehaus. Dieses, das hat uns Florian Weitzer versprochen, bleibt, wie es ist. Bis die Sitzbänke auseinanderfallen &#8230;</em></p>
<p><em>Herr Weitzer, wann haben Sie eigentlich das letzte Mal in Ihrem eigenen Hotel übernachtet?</em><br />
Ich wollte letzten Samstag im Hotel übernachten, aber da war schon alles belegt, da ging es also nicht. Im Hotel Weitzer hab ich wohl das letzte Mal im Oktober übernachtet.</p>
<p><em>Ich frage mich nämlich, woher Ihr treffsicheres Gefühl dafür kommt, was Hotelgäste in Zukunft wollen könnten.</em><br />
Ein Hotelier ist nicht das, was ich mir unter einem Unternehmer vorstelle. Ein Unternehmer ist jemand, der das Gesamte übersieht. Wir brauchen und haben auch Ahnung von Finanzen, der Küche, ein wenig weiß ich auch über Architektur. Und so entsteht eine Gesamtsicht. Ich bin ein Mensch, der von vielen Dingen etwas beherrscht, aber nie die gesamte Tiefe. Ein Universalist, wenn man so will. Deshalb bin ich auch nicht zufrieden, wenn man mich als Hotelier bezeichnet, denn das bin ich nicht. Ich habe nie die Hotelier-Ausbildung gemacht, mein Vater auch nicht.</p>
<p><em>Aber Sie sind bei ihm in die Schule gegangen, er hat das Hotel vor Ihnen lange Zeit geführt.</em><br />
Vierzig Jahre lang! Und bei ihm war es genauso wie bei mir. Nur die Zeiten waren andere.</p>
<p><em>Sie haben mit der Umgestaltung der Hotels auch eine deutliche Reduktion der Preise vorgenommen. Ein lokaler Konkurrent hat gesagt, dass so ein Schritt nur getan wird, wenn die Auslastung zu niedrig ist.</em><br />
Das kann er ja gern sagen, aber die Zahlen schau ich mir jeden Tag hier im Kaffee an und die sprechen eine deutliche Sprache.</p>
<p><em>Sind die Umsätze jetzt so gut, weil Sie die Preise gesenkt haben?</em><br />
Nein, nein. Ich verkaufe ja nicht nur einen Preis, sondern das hängt immer alles zusammen. Und ich selbst will in Graz nicht um 150 Euro übernachten.</p>
<p><em>Was man bei Ihnen auch kann.</em><br />
Ja, ich gebe auch die Möglichkeit dafür. Aber 59 Euro im Daniel sind ein Preis, wo jemand auch mal eine Nacht länger bleiben kann. Ich hab einfach versucht, die Preise auf ein Niveau zu bringen, das mir auch angenehm ist. Da braucht es keine große Marktforschung, da kann ich meine Freunde fragen.</p>
<p><em>Haben Sie den Eindruck, dass sich durch die Veränderungen an Ihren Hotels auch die Konkurrenz verändert?</em><br />
Das weiß ich nicht. Wir versuchen uns immer stärker auf uns selbst zu konzentrieren. Ich habe auch die Grazer Hoteliervereinigung aufgegeben, bei der ich ja der Vorstand war &#8230;</p>
<p><em>Das klingt, als schämten Sie sich dafür.</em><br />
Ich schäme mich dafür, dass ich gleichzeitig Vorstand war und das eingeschlafen ist. Wir haben gesagt, dass wir diese ganze Marktbeobachtung nicht mehr wollen und uns nur noch auf das konzentrieren, was wir hier machen. Deshalb konnten wir auch mit den Preisen runtergehen. In der Hotellerie haben wir ein bisschen das Problem, dass es schlecht angesehen ist, wenn du mit den Preisen runtergehst. Wenn du bei einem Jeansgeschäft die Preise senkst, schreibst du es groß an die Fenster. Das Besondere bei uns ist, dass wir gleichzeitig mit der Qualität raufgegangen sind. Aber unser Konzept ist absolut richtig. Wir machen mehr Umsätze und haben mehr Nächtigungen.</p>
<p><em>Die Auslastung eines Hotels ist die entscheidende Kennzahl. In den Jahren nach dem Kulturhauptstadtjahr 2003 sank die Auslastung in den Grazer Hotels auf niedrige 60 Prozent. Jetzt zeigt Florian Weitzer stolz die Zahlen für den Monat Dezember. Fast immer sind die 107 Zimmer im Hotel Daniel zur Gänze belegt, den anderen Häusern geht es ähnlich. Der Hotelier – und das ist er, ob er will oder nicht – erzählt gern von seinen Hotels, von den Zimmern, von dem Konzept, das dahintersteckt. Man merkt, dass hier jemand ein Hotel gestaltet hat, in dem er selbst gern Gast wäre. Weitzer erzählt von Gästen, die wegen des Hotels nach Graz kommen und nicht wie früher wegen eines Stadtbesuches ein Hotel brauchen. Vor allem das Wiesler ist sein Lieblingskind – mit dem fast schon berühmten Zimmer 209, dessen Gestaltung inzwischen auf zwanzig weitere Zimmer ausgedehnt wurde.</em></p>
<p><em>Sie haben schon einige Indizien für Ihren Erfolg angesprochen, aber woran messen Sie ihn? Sind es die nackten Zahlen, oder ist es der Umstand, dass ein Arnold Schwarzenegger vor und nach der Renovierung des Hauses im Wiesler übernachtet?</em><br />
Ich weiß nicht, woher dieses Gerücht kam, dass Schwarzenegger nicht bei uns übernachten würde.</p>
<p><em>Sie haben sogar extra eine Zeitungsanzeige geschaltet, weil Schwarzen-egger wieder da ist und bei Ihnen übernachtet. Wie wichtig ist prominenter Besuch für ihr Hotel?</em><br />
Das Inserat war hauptsächlich für die Konkurrenz gedacht. Wir wollten denen zeigen, dass sie sich beruhigen können, weil Schwarz-enegger hier wohnt und das ist keine große Sache. Aber viel wichtiger ist, dass ich in den Steirer gehen kann und dort erkenne, oder zu erkennen glaube, dass es gut läuft und den Leuten gut geht. Der zweite Punkt ist: Wer sitzt drin? Bei uns sitzen junge Leute, Professoren, alte Leute und Arbeiter. Das ist eine gesunde Mischung, die verhindert hat, dass wir ein In-Lokal werden. Gott sei Dank. Der Steirer ist im fünften Geschäftsjahr und nahezu immer voll.</p>
<p><em>Hätten Sie auch noch Platz für die hohe Politik? Vor vier Jahren waren gleichzeitig neun europäische Bundespräsidenten zu Gast im Wiesler, das damals noch fünf Sterne hatte.</em><br />
Na, wenn sie sich früh genug anmelden und ihnen das Hotel gefällt, dann haben wir natürlich Platz.</p>
<p><em>Ich frage das auch, weil Sie mit mehreren Plakaten werben, auf denen freche Sprüche gegen die Politik zu lesen sind. Jüngstes Beispiel: »Der Zustand der Politik zeigt, dass zu wenig Wein getrunken wird.«</em><br />
Das müssen die Politiker aushalten. Wer deshalb nicht zu uns kommt, kann es bleiben lassen.</p>
<p><em>Man spürt bei Ihnen eine gewisse Unzufriedenheit mit der Politik, die Sie aber nur dosiert äußern.</em><br />
Ja, aber das ist nicht anders als in Wien oder Triest. Wir haben überall die Politiker, die wir halt haben und die schauen überall nicht weiter als bis zur nächsten Wahl.</p>
<p><em>Klingt da noch Ihre Frustration durch, dass Sie Ihren Plan über eine Mur-Terrasse nicht umsetzen konnten? Sie hatten damals die Zusage des Bürgermeisters und durften am Ende doch nicht bauen.</em><br />
Das ist nur ein weiterer Beweis. Aber die Terrasse wäre nur ein kleines Projekt gewesen, da gibt es andere Dinge, in die das Herzblut investiert wird. Da ist keine Zeit für so etwas. Überhaupt darf für Ärger eigentlich keine Zeit sein. Wenn ich mich damit zu viel beschäftige, engt das den Blick ein. Die Welt dreht sich immer schneller und deshalb funktioniert unser Konzept auch so gut. Wir ändern uns so schnell, weil es nötig ist. Dreißig Jahre lang war alles klar. Von fünf Sternen ging es hinunter bis zu einem Stern, die großen Vorbilder aus Amerika waren auch klar. Und das bricht alles komplett auf und verstärkt wurde es noch durch die Krise 2008.</p>
<p><em>Sie verstärkt das Tempo oder die Art der Veränderung?</em><br />
Die Krise verstärkt vor allem den Druck sich zu verändern. Aber sie ist nicht der Grund, sondern der besteht darin, dass sich die Menschen ändern. Niemand zahlt mehr 150 Euro für irgendein Zimmer.</p>
<p><em>Noch wird es in vielen Hotels gezahlt – wie haben Sie es geschafft, dass Sie früh genug diesen Wandel registriert haben und deshalb jetzt eine so hohe Auslastung haben, dass Sie selbst kein Bett finden?</em><br />
Als ich das Hotel Daniel umgebaut habe – mit dem Geld, das wir 2003 verdient haben, das war damals ein Wahnsinn – habe ich gesagt: »Wenn wir nur die Vorhänge austauschen oder den Boden erneuern, wird das kein Kunde merken.« Deshalb sind wir da radikal vorgegangen. Bis auf den Rohbau wurde alles niedergerissen und neu gestaltet.</p>
<p><em>Wie funktioniert das Hotel Daniel am Hauptbahnhof im Moment? Das Gebäude steht inmitten einer Baustelle.</em><br />
Wir haben eigentlich mit mehr als minus zehn Prozent gerechnet, aber passiert ist nichts. Wir haben sogar gewonnen und sind bestens ausgebucht. Und das trotz des letzten Bombenschlages aus dem zweiten Weltkrieg. (Anm. Im Mai explodierte eine Fliegerbombe auf der Baustelle des Grazer Hauptbahnhofes und zerstörte mehrere Fenster und Türschlösser.) Wir haben einen Schaden von etwa 70.000 Euro eingereicht, aber noch nichts davon bekommen. Einen kleinen Betrieb würde so etwas umbringen. Gut, wir hatten einen schönen Nebeneffekt, weil in der Folge halb Graz im Daniel frühstücken war, um zu sehen, was da passiert ist. Der Bürgermeister ist aber reingekommen und hat geschaut und gesagt: »Tut uns leid. Wir zahlen das alles.« Aber passiert ist noch nichts.</p>
<p><em>Sie haben einmal gesagt, dass Sie nie auf die Idee kommen würden, selbst in die Politik zu gehen. Was halten Sie von Initiativen wie jener von Frank Stronach, der gesagt hat, dass er eine neue und wirtschaftsfreundliche Partei finanziell unterstützen würde?</em><br />
Das hat durchaus seinen Grund. Niemand ist mehr bereit eine Autorität zu akzeptieren. Nicht in der Kirche – der Priester ist ja nur noch eine Witzfigur &#8230;</p>
<p><em>Außer für die Katholiken.</em><br />
Nein. Das ist de facto so. Einem Familienvater tanzen seine 16-jährigen Töchter auf der Nase herum &#8230;</p>
<p><em>Sie haben ein unheimlich negatives Weltbild. Warum denn das?</em><br />
Mein Weltbild ist negativ, aber meine Aussichten sind positiv. Gut, das ist viel Zweckoptimismus. Aber was ist in den letzten fünfzig Jahren passiert? Da war es leicht Politiker zu sein. Da saß der an den Schalthebeln der Macht und konnte den steigenden Wohlstand verteilen. In Wahrheit hat er aber alles von uns genommen, weil wir Steuern gezahlt haben. Jetzt sind wir aber an einem Wendepunkt angekommen, wo eben nicht mehr das große Füllhorn ausgeschüttet wird. Und da brauchen wir einen anderen Typ des Politikers. Ein Bürgerlicher müsste sagen: »Das, das und das tragen wir als Bürgerliche zur Sanierung des Staatshaushaltes bei.« Und er muss erwarten können, dass die Roten oder die Grünen auch herkommen und sagen, was sie beitragen können. Solange aber alle nur vom jeweils anderen etwas fordern, solange die Schwarzen sagen, dass die Lehrer etwas hergeben sollen und die Roten etwas von den Reichen wollen, ist das vollkommen witzlos.</p>
<p><em>Aber würden Sie so jemanden auch finanziell unterstützen – so wie es Frank Stronach vorhat?</em><br />
Das weiß ich nicht, darüber hab ich noch nicht nachgedacht. Ich hab schon die Hoteliervereinigung abgeschoben und gesagt: Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Man kann mir durchaus vorwerfen, dass ich von den anderen nichts wissen will.</p>
<p><em>Wenn Sie schon selbst nicht wollen, kennen Sie jemanden, den Sie gern in der Politik sehen würden?</em><br />
Ich habe eigentlich nur andere Vorbilder. Nikolaus Harnoncourt hat eine unheimlich tiefe Einsicht in die Welt. Erwin Wurm hat tiefe Einsicht. Und das sind Leute, die etwas ändern wollen. Aber Typen wie Neugebauer und Konsorten wollen einfach alles festhalten. Die verteidigen mit Zähnen und Klauen Dinge, die eigentlich nicht mehr zu verteidigen wären, wenn die Politik vernünftig arbeiten würde. Aber kein Wunder, denn wer sitzt im Nationalrat?</p>
<p><em>Beamte, Lehrer, &#8230;</em><br />
&#8230; Gewerkschafter und Bauernvertreter. Genau. Aber das bildet doch nicht die Gesellschaft ab.</p>
<p><em>Was wäre das richtige Umfeld, um mutig zu sein? Ist es wie bei Ihnen die Familie? Sie haben das Hotel Daniel gegen den Willen Ihrer Familie umgestaltet.</em><br />
Dafür bin ich meiner Familie auch sehr dankbar. Und da unterscheide ich mich von denen, die immer fordern und nie zufrieden sind.</p>
<p><em>Sie sind doch auch nicht zufrieden, selbst bei 100 Prozent Auslastung!</em><br />
Gut, das stimmt auch wieder. Aber ich bin trotzdem dankbar. Und die Kirche kann das Gefühl von Dankbarkeit nicht mehr vermitteln. In Familien sehe ich es nicht und in der Politik schon gar nicht. Es funktioniert nur noch in Unternehmen, bei denen einer sagt, wo es langgeht und wenn es funktioniert, ist es gut.</p>
<p><em>Kommt daher Ihr Veränderungsdrang? Sie brauchen eine Herausforderung, damit Sie mit dem zufrieden sind, was Sie haben?</em><br />
Ja, durchaus. Seit dem Jahr 2000 haben wir eine Zeitenwende, weil es eben nicht mehr immer weiter bergauf geht. Wir brauchen andere Politiker, andere Lehrer und andere Hotels und da versuche ich meinen Teil beizutragen.</p>
<p><em>Ihre persönliche Zeitenwende – und ich hoffe, Sie erlauben die Frage – war etwas später. 2005 hatten Sie einen Unfall und in dessen Folge einen Schlaganfall. Die radikalen Änderungen kamen alle erst danach.</em><br />
Das stimmt nicht ganz. Das Daniel hab ich vorher gemacht und das ist auch fertig geworden. Ein Vierteljahr später hatte ich den Unfall und war weg. Dadurch hat sich sicher vieles beschleunigt. Ich weiß selber nicht genau, wie ich mich verändere. Ich höre nur, dass nachher und vorher &#8230; wurscht.</p>
<p><em>Sie wollen nicht darüber reden? Woran liegt das?</em><br />
Das liegt daran, dass ich das Negative immer versuche wegzustecken. Aber es war auch nicht negativ, dass ich diesen Unfall hatte. Ich habe meinem Vater gesagt, dass es das positivste war, was mir passieren konnte. Das hat er nicht verstanden.</p>
<p><em>Ich verstehe es auch nicht.</em><br />
Da wurde einfach einmal die Zeit angehalten. Während ich krank war, hatte ich nur die Konzentration auf mich, keine unternehmerischen Gedanken. Ich hab zwar noch gewusst, wie ich heiße, aber nicht, wie ich dieses Handy bediene. Ich kann es nicht begründen, aber es ist gut.</p>
<p><em>Dann lassen wir dieses Thema da, wo es ist, in der Vergangenheit, und blicken in die Zukunft: Sie haben gerade erst das Daniel in Wien eröffnet und planen schon wieder München, London und Budapest. Wie konkret sind diese Pläne?</em><br />
Wir haben noch keine Gebäude, deshalb gibt es noch keine genauen Pläne. Der Wunsch ist konkret und ich weiß nicht, was das Jahr 2012 bringt. Wir werden sicher wieder einige Zimmer hier in Graz umbauen.</p>
<p><em>Warum wollten Sie unbedingt nach Wien? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es finanziell nötig ist.</em><br />
Wir wollten einfach in der Bundeshauptstadt vertreten sein. In Österreich wird man immer ein bisschen belächelt, wenn man irgendwas in Graz macht. Und das hat mich immer angezipft.</p>
<p><em>Herr Weitzer, vielen Dank für das Gespräch.</em></p>
<p>*</p>
<p><em>Fazitgespräch, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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		<title>Zur Lage (44)</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 16:18:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Klepej</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fazit 79]]></category>
		<category><![CDATA[Zur Lage]]></category>

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		<description><![CDATA[Einiges über eine Entscheidung im Hohen Haus, angemessen viel über die Wiener ÖVP und zu viel über Kommissionen. Jetzt haben wir also eine neue Hymne. Zumindest hat der Nationalrat für diese einen neuen Text beschlossen. Und damit hat das österreichische Parlament in geradezu beeindruckender Art und Weise bewiesen, nein, demonstriert fühle ich mich veranlasst zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einiges über eine Entscheidung im Hohen Haus, angemessen viel über die Wiener ÖVP und zu viel über Kommissionen.</strong><br />
<img title="Weiterlesen..." src="http://www.fazitmagazin.at/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /><br />
<span id="more-2117"></span>Jetzt haben wir also eine neue Hymne. Zumindest hat der Nationalrat für diese einen neuen Text beschlossen. Und damit hat das österreichische Parlament in geradezu beeindruckender Art und Weise bewiesen, nein, demonstriert fühle ich mich veranlasst zu schreiben, dass auf unsere Volksvertretung Verlass ist. Wenigstens wenn es ans Eingemachte geht. Sind ja in letzter Konsequenz auch alles nur Wutbürger, unsere Damen und HerrInnen Abgeordneten.<br />
Wiewohl, was interessant ist, noch wenige Tage vor dieser – in ihrer segensreichen Bedeutung wohl nur noch von der Sitzung des 24. September 2008 (Stichworte Studiengebührenabschaffung, Familienbeihilfenaufstockung, Hacklerregelverlängerung und sonstige neokommunistische Visionen) übertroffenen – Vernunftbremse, pardon, Beschlussfassung meinte ich, hatte ich Gelegenheit beim Bundestag des leicht ins Linksvisionäre abdriftenden ÖAAB, mit zahlreichen Nationalratsabgeordneten der ÖVP zwischen viel Zaster und noch mehr Marie ein bisschen zu plaudern. Und jetzt kommts: Niemand von denen war für die Verschlimmbesserung dieses Textes, den Paula von Preradovic im Jahre 1946 im Auftrag der Bundesregierung verfasste. Wahrscheinlich wollte man Maria Rauch-Kallats Bestreben, nach mehr als 50 Jahren im Hohen Haus wenigstens eine kleine Duftnote zu hinterlassen, unterstützen. Und wer geht nicht gerne durchs Land im Bewusstsein, die Hymne geändert zu haben. Also. Schwamm drüber. Wir können ja sowieso singen, was wir wollen.<br />
Eines kann ich dem Gesetzgeber aber nicht ersparen, nämlich nun auch konsequent zu sein und gleich morgen Früh bei der Uno anzurufen und dort einmal Bartl und Most klarzumachen. Lautet doch der uns allen hinlänglich bekannte erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wie folgt: »Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.«<br />
Brüderlichkeit! Ganz alleine. So gehts ja nicht! Ich will jetzt – Abrüstung auch der Worte! – nicht gleich von menschenverachtender Ignoranz sprechen, aber ein gerüttelt Maß an Arroganz ist diesen, jedem Genderbewusssein offenbar abholden, Menschenrechtsschreiberlingen vorzuwerfen!<br />
Und sonst? Manfred Juraczka ist neuer Chef der Wiener ÖVP. Was dabei auch mich überrascht hat, ist die daraus folgende Tatsache, dass es in Wien noch eine ÖVP gibt. Aber die werden schon wissen.<br />
Wichtiger erscheinen mir da die Erhebungen der Datenschutzkommission betreffend einen steirischen Landbürgermeister. Fairerweise vorausschicken möchte ich meinen persönlichen Trend, jedweder Art von »Kommission« ausnehmend skeptisch gegenüberzustehen und beinahe reflexartig an deren Abschaffung und die damit verbundenen Einsparungspotenziale in zwei, drei Bankenrettungsgrößen zu denken, wenn ich nur des Begriffes »Kommission« gewahr werde. (Noch mehr gilt das übrigens nur noch für den Begriff »&#8230;beirat«.) Aber das ist natürlich, so viel Größe hab ich schon, meine Lieben, ein selten gestütztes Vorurteil. Egal. Rudolf Aichbauer, SP-Bürgermeister der Gemeinde Lieboch, hatte die mir recht lieb erscheinende Angewohnheit, jedem Gemeindebürger zum Geburtstag eine Glückwunschkarte zu schreiben. Und hat diese Gratulationen noch mit einer Einladung zu einem persönlichen Gespräch, ein »Geburtstagsplauscherl bei Kaffee und Kuchen« bei ihm am Gemeindeamt, verbunden. Eine, wie mir scheint, durchwegs nette Geste. (Ich darf Ihnen versichern, wenn mir der Bürgermeister beim Kirchenwirt auf der Pack am Sonntag, also wenn ich Geburtstag habe, gratuliert: toll! Die halbe Wiederwahl zumindest von mir hat der schon!) Und wenn jemand den Bürgermeister nicht mag, was ja sein könnte, dann muss er ja nicht zum Plauscherl aufbrechen und kann daheim oder sonstwo über die Politik schimpfen. Was ja gerne getan wird.<br />
Nichts da, jetzt wird ermittelt, jetzt wird untersucht, ob der Bürgermeister sowas denn überhaupt dürfen darf. Das ist schon herrlich, liebste Leserin; da werden täglich mehr und mehr Steirerinnen und Steirer, Kärntnerinnen und Kärntner Mitglied bei Facebook, schreiben dort auf, was sie gestern gegessen haben, was sie gerade essen und was sie morgen gegessen haben werden, zeigen sich auf Fotos, die in ihrer Freizügigkeit oft Primanerfantasien übertreffen, aber der Bürgermeister darf seinen Gemeindebewohnern nicht zum Geburtstag gratulieren. Darf nicht zu einem persönlichen Gespräch einladen. Ich kenne den Rudolf Aichbauer nicht, ich weiß nicht, wie gut oder schlecht er seine Arbeit macht in seiner Gemeinde. Eines weiß ich: Er ist mir recht sympathisch. Und wenn wir allen Ernstes nicht mehr kapieren, dass derjenige, den wir wählen dürfen, den wir zu unserem Vertreter wählen dürfen, uns natürlich auch »ansprechen« darf, ansprechen soll und ansprechen muss &#8230; dann wird uns keine Kommission und kein Beirat mehr helfen können. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.</p>
<p><em>Zur Lage #44, Fazit 79 (Jänner 2012)</em></p>
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