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Tandl macht Schluss!

| 14. Juli 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 74, Schlusspunkt

Der Euro ist notwendig!“ Dass es einmal notwendig sein wird, diese Botschaft in den Tageszeitungen zu inserieren, hätte sich bis vor wenigen Tage wohl niemand gedacht. Aber genau dazu sahen sich zahlreiche europäische Unternehmen in den letzten Tagen gezwungen. Denn unabhängig von den Konstruktionsfehlern, die dringend beseitigt werden müssen, ist der Euro ein Erfolgsmodell, von dem bisher besonders exportorientierte Volkswirtschaften wie die österreichische gewaltig profitieren konnten.

„Warum sagt ihr denn nicht, dass aus dem Edlinger-Tausender dank unserer Exportstärke längst zweieinhalbtausend geworden sind“, wollte der österreichische Werbeguru Mariusz Demner in der ZIB 2 von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder wissen. Doch der erwiderte nur, dass er ohnehin den ganzen Tag nichts anderes täte. Mag sein, dass wegen der Kronen Zeitung und der FPÖ die Empörung über die Griechen wirklich so groß geworden ist, dass niemand mehr mit sinnvollen Argumenten durchdringen kann. Aber obwohl klar ist, dass Griechenland gegen sämtliche Regeln sinnvoller Haushaltspolitik verstoßen und zudem alle anderen Eurostaaten hintergangen hat, muss doch auch zu vermitteln sein, dass man ein Land der Eurozone nicht fallen lassen darf – selbst wenn es das hundert Mal verdient hätte.

Sie fragen sich, was passieren würde, wenn doch? Nun ja, Griechenland wäre im Staatsbankrott und müsste sich daraufhin mit seinen Gläubigern über eine Rückzahlungsquote einigen. Die griechischen Banken würden diese Phase jedoch gar nicht mehr erleben, weil ihnen von ihren verängstigten Kunden bis dahin längst sämtliches Kapital entzogen worden wäre.

Sie fragen sich, was uns das angeht, wenn in Griechenland der Staat und die Banken „hopsgehen“? Richtig! Eigentlich nichts! Wären da nicht die Auslandsschulden der Griechen, die größtenteils von europäischen Banken und Versicherungen gehalten werden. Mit einer Staatspleite müssten die Gläubiger ihr geborgtes Geld nämlich zum größten Teil abschreiben. Aber selbst das wäre für niemand bis auf einige luxemburgische und französische Banken eine Katastrophe, denn der Markt straft Leichtsinn nun einmal gnadenlos ab. Und auch die hundert Milliarden Miese, die die EZB in diesem Fall machen würde, könnten die anderen Eurostaaten locker verkraften. Mit einer Staatspleite müssten die Gläubiger ihr geborgtes Geld jedenfalls zum größten Teil abschreiben.

Sie meinen, selbst wenn die Hälfte der 340 Milliarden Griechenlandschulden abzuschreiben wäre, dürfte das doch das Europrojekt nicht gefährden. Sie haben wieder recht. Das Problem ist jedoch der Finanzmarkt, auf dem das Rating der anderen Wackelkandidaten von Portugal über Irland, Spanien bis zu Italien und Belgien als unmittelbare Folge der Griechenlandpleite in den Abgrund stürzen würde. Und selbst wenn die EU-Partner die Probleme der kleineren Länder dank des „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM) möglicherweise stemmen könnten, wäre der Ofen spätestens dann aus, wenn Spanien oder Italien unter die Räder der Rating-Agenturen kommen. Damit wäre nicht nur der Euro, sondern wahrscheinlich auch die EU Geschichte.

Daher sollten die EU-Politiker endlich versuchen, das Heft wieder in die Hand zu bekommen. Und dazu gehört, erstens, von den US-dominierten Ratingagenturen wieder die Kontrolle über den europäischen Kapitalmarkt zurückzuerobern. Zweitens mithilfe der ESM-Mittel ein stabiles niedriges Zinsniveau für „neue“ sichere Staatsanleihen durchzusetzen. Drittens ist es notwendig, endlich eine Kontrolle über die Konsumausgaben der Euro-Staaten zu erlangen, damit für Investitionen vorgesehene EU-Mittel nicht so ohne weiteres verprasst werden können wie in Griechenland. Und als vierte Maßnahme wird man um den berühmten „Haircut“, den Schuldennachlass bei „alten“ griechischen Anleihen ganz sicher nicht herumkommen. Bei 50 Prozent nach fünf Jahren entspräche das dann ungefähr dem, was die Gläubiger bis dahin an Zinsen verdient haben.

Tandl macht Schluss, Fazit 74 (Juli 2011)

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