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Zum Thema (Fazit 79)

| 22. Dezember 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 79, Fazitthema

Abgebranntes Euroland Es ist schon fast ein Volkssport sich über Burnout-Betroffene, Burnout-Berichte und Burnout-Behandlungen lustig zu machen. Und aufgrund der gefühlten Burnout-Epidemie, die über unser erschöpftes Land hinwegzuschwappen scheint, kann man dafür Verständnis aufbringen. Aber egal welcher Statistik man traut – die Zahl der Betroffenen ist groß. Und deshalbn haben auch wir diese Ausgabe dem »Ausbrennen« gewidmet. Denn so ein bisschen Burnout hatte schließlich das ganze Jahr 2011. Der Euro ist erschöpft von den ständigen Rettungsversuchen, die Staaten sind finanziell abgebrannt und auf den unterschiedlichsten Finanzmärkten werden noch immer Millionen oder Milliarden Euro, wer weiß das schon genau, verbrannt. Feuer wohin man sieht. Und dort, wo es brennt, wird Asche folgen. Dieser Teil des Burnout-Zyklus steht uns noch bevor: die Depression.
Würde man sein Leben allein mit Nachrichtenkonsum verbringen, dann sähe man die Menschheit wohl permanent vor ihrem zivilisatorischen Ende stehen. Ob es tatsächlich so weit kommen muss, kann kein Mensch ernsthaft sagen – das tägliche Leben (zumindest in Österreich) steht zur medial verbreiteten Stimmung eines ausbrennenden Kontinents auf jeden Fall im krassen Widerspruch. Die Arbeitslosenzahlen bleiben stabil, die Preise halten sich trotz drei Prozent Inflation halbwegs im Lot, auch wenn die Titelseiten und Statistiker gern anderes behaupten. Die Freude am Konsum ist ungebrochen und von massenhaften Unternehmensinsolvenzen, Schlangen vor den Bankomaten oder einem sprunghaften Anstieg der Armut ist nichts bekannt. Also was denn nun? Brennt der Hut, oder brennt er nicht?
Vielleicht kann man sich gerade deshalb noch immer über die Krise lustig machen. Ein bisschen wutbürgern, ein bisschen über das große Ganze sinnieren und danach noch zum Hofer. Da gibt es Raumbelüfter im Angebot. Das ist besser als jeder Rettungsschirm. Solange uns das Feuer nicht den eigenen Hintern verbrennt, ist die Welt in Ordnung. Ebenso wie Burnout erst relevant wird, wenn wir selbst oder nahe Bekannte betroffen sind.
Wenn es dann einmal soweit ist – also zu spät – hilft wohl nur noch die »Reset-Taste« – ein Neustart. Wie ein solcher aussehen könnte, das skizzieren inzwischen die unterschiedlichen Befürworter eines solch radikal anmutenden Schrittes: Bankomaten werden zwei Tage lang schließen, der Wechselkurs für eine eventuell neue Währung wird definiert, es werden Regeln für die neuen Währungsverbände geschrieben – welcher Form und Größe diese auch immer haben wird. Schuldenschnitte werden dort durchgeführt, wo es nötig ist. Von Rücksicht auf Verluste ist nicht auszugehen. Der private Neustart ist da etwas leichter. Das skizziert Ann-Marie Stark auf den folgenden Seiten.

Zum Thema, Fazit 79 (Jänner 2012)

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