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Zum Thema (Fazit 95)

| 24. Juli 2013 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 95, Fazitthema

Wer weiß schon, was die Zukunft bringt? »640 Kilobyte Speicher sind genug«, hat Bill Gates 1981 bezüglich der Nachfrage nach immer leistungsfähigeren Computerchips gesagt. Dass er mit dieser Meinung völlig falsch lag, wissen wir heute; dass ihm dieser Irrtum wirtschaftlich nicht geschadet hat auch. Innovatoren – ganz egal ob in Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik – müssen Trends nicht frühzeitig, sondern bloß rechtzeitig erkennen. Und das hat der Microsoft-Gründer immer wieder ganz gut hingekriegt. Natürlich haben Unternehmen, die sich bei ihrer Planung auf treffsichere Prognosen, wie die Welt morgen aussehen kann, verlassen können, einen Riesenvorteil. Wer will schon viel Geld in Innovationen stecken, die sich am Ende als teurer Irrtum herausstellen, weil sie in ein Produkt münden, das an den Bedürfnissen der Marktteilnehmer vorbeischrammt? Wesentliche Teile der Consulting-Industrie und sämtliche professionellen Thinktanks leben daher davon, für ihre Kunden alle möglichen Zukünfte zu ergründen und deren Eintrittswahrscheinlichkeiten zu quantifizieren.

Daneben gibt es Trendforscher wie Matthias Horx, die nicht nur von lukrativen Beratungsaufträgen leben, sondern es mit populärwissenschaftlichen Büchern sogar auf die Bestsellerlisten schaffen. Für Horx ist ein Trend nichts anderes als ein Wandlungsprozess. In dieses Wellenmodell lassen sich nun die einzelnen Trend-Kategorien, vom langfristigen Megatrend über mittelfristige soziokulturelle Trends bis zu kurzfristigen Branchentrends, Mikrotrends oder Moden, implementieren. Dadurch entsteht eine »Trendhierachie«, ein, wie Horx es nennt, »Trend-Innovations-Modell«, aus dem dann potenzielle Innovationsfelder abgeleitet werden können. In seinem aktuellen Buch »Das Megatrend-Prinzip« zeigt sich Horx übrigens wieder unbeirrbar optimistisch und besetzt so eine markante Gegenposition zu den Apologeten der »Dauerkrise«.

Der deutsche Sozialwissenschaftler Holger Rust gilt hingegen als profundester Kritiker der populärwissenschaftlichen Trendforschung. Er kommt zum Ergebnis, dass deren Versprechungen weder methodologisch noch inhaltlich fundiert seien. Die sogenannten »Megatrends« seien ohnehin sattsam bekannt und die gängige Trend- und Zukunftsforschung erweise sich vor diesem Hintergrund inhaltlich und methodologisch als teurer und nicht selten irreführender Umweg, so Rust. Bestünde tatsächlich die Möglichkeit, die Zukunft treffend vorherzusagen, hätten doch sämtliche Prognostiker längst ausgesorgt. Wie oft liegen Meinungsforscher etwa mit ihren Wahlprognosen völlig daneben, bleiben aber dennoch gut im Geschäft? Die Aussage »Das Internet ist nur ein Hype« stammt übrigens ebenfalls von Bill Gates. Im Jahr 1993 wies er seine Mitarbeiter an, sich besser um andere, für die IT-Branche wichtigere Dinge zu kümmern.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Zum Thema, Fazit 95 (August 2013)

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