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Tandl macht Schluss (Fazit 105)

| 30. Juli 2014 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 105, Schlusspunkt

Im Würgegriff der Dummheit! Bin ich ein Unmensch, weil ich davon überzeugt bin, dass ein Land das Recht hat, sich genau auszusuchen, wen es integrieren will und wen es lieber wieder nach Hause schickt? Nein, selbstverständlich nicht. Denn ich will weder arabische noch türkische Ghettos in unseren Städten! Wohin das führt, wenn Zuwanderer ohne Integrationszwang bei uns leben dürfen, haben wir erst kürzlich bei den Anti-Israel-Aktionen in unseren größeren Städten oder etwa auch auf dem Fußballplatz von Bischofshofen mitbekommen müssen. Und weil ich mich nicht länger dem Würgegriff der Dummheit und der politischen Korrektheit unterwerfen will, mit dem die Menschen daran gehindert werden sollen, Dinge zu hinterfragen, die nicht hinterfragt werden sollen, schreibe ich ausnahmsweise über Themen, die zwar an sich nicht tabuisiert sind, von denen jedoch einige Aspekte mit Nachdenkverboten belegt wurden. Weil ich dennoch nicht falsch interpretiert werden will, sehe ich mich zur Erwähnung einiger Selbstverständlichkeiten gezwungen – etwa, dass ich das Asylrecht akzeptiere und achte, aber auch, dass ich die europäische Personenfreizügigkeit, die es jedem EU-Bürger erlaubt, sich dort niederzulassen, wo er Arbeit findet (!), für etwas sehr Vernünftiges halte!

Apropos Asyl. Die Flüchtlingstragödien, die sich fast täglich vor Lampedusa und an anderen Stellen des Mittelmeers ereignen, haben ihre Ursache ebenfalls in einer Politik, die es in gutmenschlicher Kurzsichtigkeit zwar gut meint, aber dann alles andere als gut macht. Es ergibt doch keinerlei Sinn, den Menschen an den nordafrikanischen Stränden zu signalisieren, dass es sich für sie lohnt, sich kriminellen Schleppern auszuliefern, um auf irgendwelchen, meist dramatisch überladenen, Seelenverkäufern den Versuch zu unternehmen, über das Mittelmeer in die EU zu gelangen. Der einzig vernünftige Weg wäre aus meiner Sicht die intensive Überwachung des Mittelmeeres mit dem Ziel, alle Aufgegriffenen so rasch wie möglich wieder nach Afrika zu überführen. Und nein, liebe Gutmenschen, ich bin auch jetzt nicht gegen das Asyl für die von den Islamisten verfolgten Syrer, Iraker und Afghanen oder Afrikaner. Wenn die EU unfähig für ein einheitliches Asylrecht ist und sich Italien trotz extrem niedriger Asylwerberquoten weiterhin weigert, die Leute im Land zu behalten, bleibt nur die Schaffung einer Sicherheitszone in Nordafrika, in der Flüchtlinge entsprechende Hilfe erhalten und die Asylverfahren rasch erledigt werden. (Allerdings sollte sichergestellt sein, dass die Sicherheitszone nicht von der holländischen Armee gesichert wird.) Wenn jetzt jemand meint, mein Vorschlag sei unmenschlich, ist mir das herzlich egal, solange abertausende Menschen dadurch nicht in den Tod im Mittelmeer getrieben werden.

Bin ich vielleicht sogar ein Rassist, weil ich beim Altstadtspaziergang keine Freude damit habe, wenn ich von bettelnden Roma belästigt werde? Selbstverständlich nicht! Denn Österreich ist doch nicht verantwortlich für die sozialen Probleme der Minderheiten in Osteuropa. Und wer glaubt, diesen Leuten mit Almosen helfen zu können, hat zwar möglicherweise sein Herz auf dem rechten Fleck, aber ganz sicher nicht sein Hirn! Weil ich mich aber auch beim Bettlerthema nicht ganz dem Würgegriff der Dummheit und der Denkverbote entziehen kann – ich hab in den nächsten Tagen schließlich auch noch anderes zu tun, als beleidigende E-Mails zu lesen –, ergänze ich sicherheitshalber, dass ich gegen keinen Bettler persönlich etwas habe, aber auch, dass ich denen, die sich um diese Menschen in freiwilliger (!) und unbezahlter (!) Sozialarbeit annehmen, hohen Respekt zolle.

Ich weiß, dass ich mich mit diesen unbequemen Wahrheiten weiter als üblich aus dem Fenster lehne. Aber es ist Zeit, das ideologische Diktat der Dummheit – und im Rahmen der politischen Korrektheit ausgesprochene Denkverbote halte ich für überaus dumm – zu durchbrechen. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass das Tabuisieren weiter Lebensbereiche hauptverantwortlich für die Politikverdrossenheit und die niedrige Wahlbeteiligung ist. Und auch der enorme Erfolg populistischer Parteien lässt sich damit begründen, dass die Politik jene Themen ignoriert, welche die Menschen wirklich beschäftigen. Einen schönen Sommer noch!

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Tandl macht Schluss! Fazit 105 (August 2014)

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