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Und ewig rufen die Strandkörbe

| 2. Juli 2015 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 114, Fazitreise

Foto: Katharina Zimmermann

Der Nordseeinsel Sylt eilt ihr Ruf voraus, schnell getragen über die Dünen, weht ein Wind, der Geschichten von Sansibar, Windsurfen und Millionären erzählt. Doch Sylt ist viel mehr. Man muss nur genauer hinschauen.

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Whiskeymeile, Kaviar und Champagnerexzess. Wer die C-Promis des deutschen Sprachraums kennt, der stolpert beim Lesen der Boulevardzeitungen auch immer wieder über das kleine, aber feine Wörtchen Sylt. Doch gibt es dort abseits der Sansibar und teuren Sternerestaurants auch eine Kultur, die sowohl sympathisch als auch für jeden leistbar ist. Man muss ja nicht gleich mitten im alten Kapitänsdorf Keitum ein Haus um ein paar Millionen kaufen, um Sylt in vollen Zügen genießen zu können.

Zug mit Ziel vor Augen
Am einfachsten kommt man mit dem Flieger auf die viertgrößte Insel Deutschlands. Allerdings kann man sich auch den Spaß machen, Sylt mit einer Hamburgreise zu verbinden. Denn vom Bahnhof Altona, mitten in einem der hippsten Viertel der Hansestadt, kann man um nur wenige Euros den Zug besteigen, der direkt nach Westerland fährt. Möglich macht das der Hindenburg-
damm – der Sylt seit 1927 mit dem Festland verbindet – und das Schleswig-Holstein-Ticket. Dieses gilt für bis zu fünf Personen einen ganzen Tag lang innerhalb des ganzen Bundeslandes. Wer Glück hat, sieht dann schon vom Zug aus nicht nur Meer auf beiden Seiten, sondern auch einen feschen Sonnenuntergang.

Stammtischrunde mit Pommes-Klatsche
Die Nordfriesen sind schon ein lustiges Völkchen. Wenn man von etwas viel bekommt, dann sagen sie »Klatsche« dazu. Das kann dann eine Windklatsche, Wasserklatsche oder, wie im Twisters, dem besten Imbiss in Westerland, eine Pommesklatsche sein. Seit 20 Jahren gibt es den Laden schon, der mit Syltburgern und anderen kreativen Variationen und drei verschiedenen Pommessorten eine gute Alternative etwa zu Jürgen Goschs Sylter Kneipenimperium darstellt. Jeden Donnerstag ist Stammtisch, bei diesem trifft sich der Strandkorbtischler mit dem Redakteur der hiesigen Tageszeitung und redet über die (Miss-)Stände auf der Insel, abseits der Touristenströme. Allesamt tragen interessante Namen wie Sönke oder Melf. Grillpartys, Stehpaddeln und das nächste Fest im Irish-Pub werden diskutiert. Außerdem laufen die Vorbereitungen für das nächste »Beach Cleaning«. Hier treffen sich Surfer und Strandfreunde an den verschiedensten Plätzen des 40 Kilometer langen Sandstrandes der Insel und tragen alles zusammen, was nicht zu den naturgeschützten Dünen Sylts passt.

Watt und Wonne
Auf der anderen Seite, im Osten, ist der Watt zuhause und um ihn schließen sich die Heideflächen, die sich im Frühling von Blumen wie der Syltrose in ein Farbmeer verwandeln. Wer möchte, kann geführte Wanderungen durch den Watt machen. Schon früh wurden weite Flächen von Sylt zum Naturschutzgebiet erklärt. Einerseits hat das damit zu tun, dass Flora und Fauna ungestört bleiben, andererseits ist das Betreten der berühmten Sylter Dünen nur zum kleinen Teil gestattet. Damit die zahlreichen Gäste der Insel nicht indirekt daran schuld sind, dass die Nordseeinsel schön langsam im Meer verschwindet, ist das Betreten der Dünen nur auf ausgeschilderten Wegen erlaubt. Denn das Gras und dessen Wurzeln sind ein guter Schutz gegen die Erosion, die durch die teilweise harten Windböen entsteht und Sylt sukzessive abträgt. Sogar Schafe wurden eigens aus diesem Grund angesiedelt, denn sie treten den Boden fester und machen die Deichoberfläche so kompakter. Doch das ist noch längst nicht alles. Seit den Neunzehnsiebzigerjahren wird regelmäßig Sand vor der Küste aufgeschüttet, damit es Sylt auch noch weiterhin geben wird.

Natürlich Sylt
Die Natur ist besonders schön, wenn man sich ganz im Norden beziehungsweise im Süden der in der Form eines Bumerangs erscheinenden Insel aufhält. Nördlich liegt der Ellenbogen, den man – wie alles – am besten mit dem Rad erkundet. Riesige Dünen, zwischen denen wollige Schafe grasen und Hasen in ihre Bauten flüchten. Von hier aus sieht man gut nach Dänemark, vor allem auf die Insel Röm. Im Süden liegt Hörnum mit seinen kleinen reetgedeckten Häuschen, die scheinbar beliebig in die Dünenlandschaft gestreut wurden. Im Kap-Horn kann man sich nach einer Wanderung mit Krabbensuppe oder geräuchertem Aal stärken. Dabei fühlt man sich zwischen den Lachmöwen und Küstenschwalben fast schon friesisch herb. Da fehlt dann nur mehr das Sonnensitzen in einem der 12.000 Strandkörbe der Insel.

Weitere Informationen
Eine gute Übersicht aller Reisemöglichkeiten nach und auf der Insel Sylt bietet die
Webseite des regionalen Tourismusverbandes unter sylt-tourismus.de

Fazitreise, Fazit 114 (Juli 2015); Foto: Katharina Zimmermann

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