Anzeige
FazitOnline

Digitales Führen

| 1. Juni 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 143, Serie »Erfolg braucht Führung«

Wie Digitalisierung die Art der Führung beeinflusst. Ein Interview von Carola Payer mit dem Spezialisten für Content Marketing, Personal Branding und Digital Executive Coaching Geronimo Hirschal.

::: Hier im Printlayout online lesen

Die digitale Transformation führt zu tiefgreifenden Veränderungen von Geschäftsmodellen, Organisationen und der Arbeitsgestaltung. Das bedeutet für Führungskräfte eine neue Herausforderung in der Haltung, im Führungsprozess und den eingesetzten Führungstools im Alltag. Wie sieht die digitale Führungskraft 2018 aus?

Vom Egozentriker zum Altrozentriker
Das Führungsverständnis der Machtzentrale wird abgelöst von einer Führungshaltung, die beziehungsförderndes und coachendes Verhalten von Mitarbeitenden in den Vordergrund stellt. Führungskräfte agieren als Moderatoren in Netzwerkknoten. Sie müssen Teams schnell in Verbindung und Arbeitsfähigkeit bringen. Innovation und gezieltere Anpassung an die Kundenbedürfnisse erfordert, die Sichtweisen der Akteure im Unternehmen noch schneller sichtbar zu machen und wirksam zu bündeln. Geronimo Hirschal: »Ein Aspekt bleibt immer gleich: Führungskräfte müssen Unternehmen zum Erfolg bringen. Was sich jedoch grundlegend verändert hat, ist die Art, wie wir kommunizieren. Das Internet hat Jahrtausende alte Mechanismen ausgesetzt. Überspitzt ausgedrückt: Die Welt wird heute per Twitter regiert. Unmittelbar und nahbar, transparent und in Echtzeit. Hier die eigene Rolle zu finden und strategisch auszulegen ist für Führungspersönlichkeiten essenziell.«

Führung auf Distanz und Digital Work Design
Outsourcing und Internationalisierung ergibt die Anforderung, globale Teams, firmenübergreifende Arbeitsgruppen und »Clickworker« (bedarfsgerecht beauftragte hochqualifizierte Fachkräfte) zu führen. Geronimo Hirschal: »Eine optimale digitale Führungskraft versteht, dass der Sinn von Technologie am Ende des Tages darin liegt, konstruktive zwischenmenschliche Interaktion zu fördern, die bei allen Beteiligten ein möglichst gutes Gefühl hinterlässt.« Führung auf Distanz erfordert auch, mehr die Ergebnisse von Leistung als Anwesenheit zu bewerten bzw. auszuwerten. Dadurch werden Mitarbeiterleistungen auch transparenter und Führungskräfte müssen Erwartungen noch konkreter vereinbaren und Zeit für Reflexion einplanen.

Digitales Cockpit
Führung selbst kann immer stärker durch digitale Tools unterstützt werden. Geronimo Hirschal: »Ein Smartphone trägt mehr Rechenleistung in sich als die staatlichen Rechenzentren der USA im Kalten Krieg. Wer das im Unternehmen nicht nutzt, handelt in meinen Augen fahrlässig. Suchmaschinen und Soziale Medien sind heute die dominanten Medienunternehmen und Werbeplattformen. Warum? Weil Menschen dort interagieren können. Daher müssen Unternehmen digital gewinnbringend kommunizieren können, um die Nase vorne zu haben.«

Digitales Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten fördern
Geronimo Hirschal empfindet es als wichtig, am Ball zu bleiben, was die neuen Technologien anbelangt. Er empfiehlt, sich selbst und die Mitarbeiter regelmäßig mit Grundwissen um all die neuen Disziplinen wie Künstliche Intelligenz, Cloud-Computing, Internet of Things, Blockchain, Augemented Reality … zu versorgen. Wer die Möglichkeiten für das eigene Team oder ein neues Geschäftsmodell, für Produkt-, Service- und Marketing-Innovationen sucht, wird sie auch finden.

Digitaler Fußabdruck der Führungskraft
Auf die Frage, was es heißt, einen »stimmigen« digitalen Fußabtritt zu hinterlassen, meint Geronimo Hirschal: »Führungskräfte tragen Verantwortung gegenüber ihren Teams und geben ihren Unternehmen ein Gesicht. Ihre Reputation beeinflusst die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber, das Markenvertrauen und oft auch den Börsenwert. Nun haben wir alle einen »digitalen Zwilling«, der zum Vorschein kommt, sobald unser Name in die Suchmaschine eingegeben wurde. Und das passiert weitaus häufiger, als uns bewusst ist. Rund 80 % aller Talente googeln das Management, bevor sie auf eine Stellenanzeige reagieren. Dieser Zwilling sollte daher kein Eigenleben führen, sondern aktiv gemanaged sein. Stimmig heißt in diesem Fall, dass man authentisch in Themenführerschaft geht und aus dem Unternehmen heraus durch die persönliche Perspektive Einblick gewährt und dafür begeistert. Das hat positive Auswirkungen innerhalb und außerhalb der Organisation und gehört zur persönlichen digitalen Transformation.« Eine digitale Ich-Marke zu pflegen, die persönliche und Business-Ziele im Einklang authentisch kommuniziert, ist digitale Professionalität.

Digitale Kultur und Prozesse im Unternehmen fördern
Wann ist ein Unternehmen digital kultiviert? Geronimo Hirschal: »Wenn Technologien, Tools und Daten nicht zum Selbstzweck werden. Wer glaubt, dass eine »Stechuhr 3.0« etwas bringt und dass 20 offene Kommunikationskanäle mehr helfen, als sie Schaden anrichten, ist am besten Weg, eine klassische Überwachungs-Bürokratie auf digitalen Steroiden aufzubauen. Also Transparenz statt Überwachung, Kooperation statt Stoppuhrmentalität, Raum und Zeit für Eigeninitiativen statt Standardisierung. Sonst werden wir zu den Maschinen, die uns eigentlich die Freiheit und Zeit erübrigen sollten, um die menschlichen Kompetenzen stärker ausleben zu können.« Digitale Prozesse können Transparenz und Kollaboration durch den Einsatz der richtigen Tools schaffen und zu exponentiell gesteigerter Effizienz, Produktivität und Zufriedenheit führen. Gleichzeitig kann Wissen immer und überall zugänglich gemacht werden. Ort und Zeit werden voneinander gelöst. Besonders in der Kommunikation, Marketing und Sales lässt sich durch das Erheben und Auswerten von Daten, die durch Interaktionen mit Stakeholdern, wie Kunden, Partnern, Mitarbeitern etc. gesammelt werden können, Wissen aufbauen. Das ist ein wesentlicher Teil zum Aufbau einer lernenden Organisation.

Förderung von Kundenorientierung und Feedbackfähigkeit
Unternehmen treten vermehrt in einen Dialog mit ihren Kunden und lernen dabei mehr über Motive, Interessen und Einstellungen ihrer Zielgruppen. Die Digitalisierung führt auch dazu, dass Kundenfeedbacks zeitnah und auch sehr kritisch und direkt gespiegelt werden. Das ist einerseits die Chance, dass Unternehmen ihr Angebot schneller und passgenauer auf spezifische Bedürfnisse Einzelner ausrichten, andererseits ist die Befähigung zum professionellen und emotionsfreien Umgang mit Beschwerden wesentlich. Kundenorientierung, Kritikfähigkeit, Kommunikationsstärke und Kooperationsverhalten sind Chefsache und müssen in der Personalentwicklung ausreichend Raum finden. Geronimo Hirschal empfiehlt, die eigene digitale Transformation, sowohl als Persönlichkeit, als Führungskraft und als Unternehmen, aktiv zu gestalten. Entscheiden Sie selbst, welche digitale Spuren Sie hinterlassen wollen und wie sie Digitalisierung für noch mehr Mitarbeiter- und Kundenorientierung nutzen!

*

Geronimo-Noah Hirschal hat sich auf Content Marketing, Personal Branding und Digital Executive Coaching fokussiert. Er hilft Führungskräften dabei, digitale Kommunikations-Tools strategisch einzusetzen um deren digitalen Fußabdruck zu optimieren und auszubauen. Mit über 15 Jahren Erfahrung im Kommunikationsbereich setzt er speziell soziale Medien im B2B- und B2C-Bereich ein. CEOs, Corporates und Privatpersonen im In- und Ausland zählen zu seinen Kunden. Außerdem ist er Berater und Designer für Kundenerlebnisse tätig. gnh.online

*

Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 143 (Juni 2018), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 14)

 
Anzeige

Wellbeback

 

Kommentare

Antworten