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Gemeinsam zum Erfolg

| 11. Oktober 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 156, Serie »Erfolg braucht Führung«

Leistungsfähigkeit in Gemeinschaft und Communities entwickeln. Ein Gespräch von Carola Payer mit Lukas Peicha und Stefanie Ortner, Geschäftsführern bei Crossfit Murstadt.

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Im digitalen Zeitalter schreitet die Etablierung dialogorientierter Foren rasant voran. Zusammenarbeit und Wissensaustausch findet jenseits von Standorten, Zeitzonen und Hierarchien statt. Der kulturelle Wandel wird unterstützt durch das Bilden von Communities, in der sich Gleichgesinnte hierarchieübergreifend und eigenmotiviert zum Austausch zusammenschließen. Wie können interne Communities zum Erfolg geführt werden? Hier kann man von Unternehmen, wie Crossfit Murstadt lernen.Crossfit Boxen leben eine starke Gemeinschaftskultur. Anregungen haben wir uns von zwei Pionieren der Branche geholt. Lukas Peicha und Stefanie Ortner, Gründer, Geschäftsführer und Head Coaches. Meist entstehen Communities spontan aus einer Euphorie heraus. Es ist ein Zusammenschluss von Gleichgesinnten, die gemeinsam ein Ziel verfolgen, etwas umsetzen oder verändern wollen. So war es auch bei Lukas Peicha und Stefanie Ortner. Beim Trainieren in einer Box kam ihnen die Idee: »Das können wir besser. Wir schaffen uns unsere eigene Box, um gemeinsam zu trainieren. Da waren wir noch sieben Leute, Studenten und hatten nicht das Ziel damit Geld zu verdienen«, sagt Stefanie Ortner. Bald wurde dann aus dem gemeinsamen Interesse ein Projekt, eine Geschäftsidee, ein professionelles Unternehmen.

Klarer und motivierender Zweck der Community
Lukas Peicha: »Crossfit ist ein weit umfassendes funktionelles Training. Es versucht, alle Komponenten der körperlichen Leistungsfähigkeit zu verbessern, um eine sehr breitgefächerte und ganzheitliche Fitness zu verwirklichen. Dazu werden das eigene Körpergewicht, Fremdgewicht und Cardio-Übungen in ständig variierender Belastung eingesetzt.« Stefanie Ortner: »Wichtig dabei ist: Wir bieten professionelles qualitatives Training in Gemeinschaft. Gemeinsam schwitzt es sich leichter. Gegenseitiges Pushen und Anfeuern motiviert. Für unsere Trainer gilt: Perfekte Ausführung der Übungen im Training. Das ist uns wichtig und darauf schauen wir auch, um Verletzungen zu vermeiden. Es soll Spaß machen und in guter Stimmung passieren.« Lukas Peicha: »Ich komme vom Eishockey. Obwohl das ein Teamsport ist, habe ich hier noch viel mehr das Gefühl, in einem Team zu sein. Das Konzept, wie wir gemeinsam Training betreiben, schweißt zu einer großen Einheit zusammen. Es entstehen auch viele Freundschaften, auch zu Boxen über die Grenzen hinweg.« Communities sind gekennzeichnet durch ein spürbares Gemeinschaftsgefühl. Gute Community Manager entzünden andere durch ihre eigene Leidenschaft und Motivation für das Thema. Lukas Peicha: »Murstadt ist mein Herzblut.« Stefanie Ortner: »Murstadt ist wie mein Kind.« Spirit muss beim Community Manager erkennbar sein. Auch Lukas Peicha und Stefanie Ortner leben für den Crossfit-Sport, aber auch für das Managen des Unternehmens. Lukas Peicha: »Für niemand wird die Box je das bedeuten wie für uns. Wir haben hier alles selber gemacht. Jede Schraube reingedreht, alles aufgebaut, geputzt.«

Menschen im Fokus und Augenhöhe im Kontakt
In der Crossfit Box treibt sich ein bunter Haufen an Menschen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern und Biografien herum. Die Augenhöhe, mit der man sich hier begegnet, ist beeindruckend. Der sich wie ein Turnprofi auf den Ringen schwingende Jungakademiker begrüßt die neu dazu stoßende Controllingmitarbeiterin, die an regelmäßiger Bewegung interessiert ist, mit der gleichen netten Geste wie seine Trainingspartnerin auf gleichem Level. Die Begrüßung ist ein »The Touch« – wo man kurz die Fäuste zusammen stößt, ein Handschlag oder auch eine halbe Umarmung. Sich wahrnehmen und begrüßen, ein in Unternehmen manchmal vergessenes kraftvolles Ritual der gegenseitigen Wertschätzung und ein Signal für »Ich nehme dich wahr, schön, dass du da bist.« Jeder ist gleich wichtig in der Box. Lukas Peicha: »Auch die Stars in der Gruppe, wie zum Beispiel Flora oder Elias, der schon bei den World Crossfit Games dabei war, haben zwar außerhalb des regulären Trainings ihre Einheiten und Support, aber keinen Sonderstatus in der Behandlung. Die Community-Leute sind stolz auf das Erreichte der beiden. Ihr Training muss sich aber trotzdem immer der Gemeinschaft unterordnen.« Lukas Peicha: »Egal auf welchem Fitnesslevel jemand steht. Es müssen alle gleich behandelt werden. Stefanie Ortner: »Auch die Trainer müssen ins Team passen und gut bei der Community ankommen.«

Klare Struktur und Verhaltensregeln
In Unternehmens-Communities, die oft außerhalb der operativen Arbeit stattfinden und auf Freiwilligkeit beruhen, vergisst man oft, die Strukturen zu bedenken und Regeln zu kultivieren. Eine Fehlerquelle, die Lukas Peicha und Stefanie Ortner nicht zulassen. Lukas Peicha achtet sehr darauf, dass die Hausordnung eingehalten wird. Grundsätze wie »Räume deine Trainingssachen her und dann wieder weg, alles muss sauber hinterlassen werden.« werden eingefordert. Neben all diesen Ordnungsregeln geht es den Box Betreibern aber um die Haltung aller Mitglieder. Lukas Peicha: »Wichtig ist es, sein Ego vor der Türe zu lassen. Wir sind eine Gemeinschaft.«

Der Ort der Begegnung – Die Box
Die Box: Offene hohe Räume, in denen man Lärm machen kann, aufs wesentliche für das Training reduziert. Professionelles Trainingsmaterial – Gewichte, Boxen, Ringe, Seile, Rudergeräte, viel Platz. Rocky hätte seine Freude gehabt. Komplett anders als stylische Fitness-Tempel, mehr im Industrial Design-Look und Garagencharakter. Tafeln, wo die Vornamen der Mitglieder stehen und das WOD – Workout des Tages. Der Rahmen erinnert an Design-Thinking-Räume, wo in alten Brotfabriken Hallen zum bunten Kreativraum werden und White-Boards für Stand-up-Meetings genutzt werden. Der Raum bekommt jeden Tag Spirit eingehaucht durch das Treiben der Menschen während der Workouts.

Marketing, Information, Kommunikation
Ein häufiger Fehler in Unternehmenscommunities ist das zu wenig klare Kommunizieren des Zwecks. Warum gibt es diese Gruppe, welche Werte vertreten wir, warum passt du zu uns? Das geht nicht über das Festschreiben auf Papieren oder im Intranet. Crossfit Murstadt führt potenzielle Mitglieder durch Probetrainings in Berührung mit der Art des Trainings und mit dem Spüren der Energie der Community. Stefanie Ortner: »Die Information dazu wird in sozialen Medien verbreitet. Uns ist wichtig, mit ausgewählten Bildern zu zeigen, welche Werte in der Community wichtig sind – Professionelles Training, Spaß, coole Gemeinschaft von Männern und Frauen, ein Rahmen, wo man seine Alltagssorgen vergessen kann.« Der große Vorteil an Communities: Mitglieder werben automatisch Mitglieder. Aber nicht nach dem Strukturvertriebs-Prinzip, sondern durch das Anstecken mit der eigenen Begeisterung. Stefanie Ortner: »Die Akquise erfolgte über reine Mundpropaganda. Nach drei Monaten waren wir in den schwarzen Zahlen. Wir haben im November 2014 aufgesperrt und sind mit 30 Mitgliedern ins neue Jahr gestartet. Das war damals echt ein Erfolg.« Lukas Peicha: »Wir machen viele Teamevents. Das fördert und stärkt die Community.«

Performance
Lukas Peicha und Stefanie Ortner: »Wir freuen uns, wenn die Leistung stimmt. Wichtig ist uns, dass alle eine tolle Zeit und Spaß haben und mit einem Lachen rausgehen. Es gibt Extremsportler, die hier ihren Rahmen haben, aber 80 Prozent sind Menschen, denen die Bewegung wichtig ist. Für alle achten wir auf Sicherheit beim Training, Spaß und Freude an der Community.« Lukas Peicha: »Am Ende des Jahres gibt es ein Feedback über Internet und wir sind da auch sehr genau beim Evaluieren. Was machbar ist, versuchen wir auch umzusetzen.« Als Erfolg kann auch gesehen werden, wie sich viele aus der Community bei den heurigen Summergames Graz, die von Crossfit Murstadt gemeinsam mit weiteren Boxen organisiert wurden, als freiwillige Helfer und Judges beteiligt haben. Dieser Zusammenhalt macht die Durchführung solcher Events erst möglich. Das wäre sonst in Randsportarten nie finanzierbar. In jedem Unternehmen gibt es Menschen, die die Zusammenarbeit in Communities begrüßen. Sie nur »ein zu führen« reicht nicht. Es gilt einen guten Community Manager zu finden, um andere zu aktivieren, gute Rahmenbedingungen für einen lustvollen Austausch zu schaffen und die Spielregeln zu kultivieren.

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CrossFit Murstadt
crossfitmurstadt.at

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Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 156 (Oktober 2019), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 26)

 
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