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Wege zum Traumberuf

| 30. November 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 168, Serie »Erfolg braucht Führung«

Vom Engpass bei Aufnahmeprüfungen. Ein Gespräch von Carola Payer mit dem Pianisten und Dozenten für Klavier Füzesséry Zoltán.

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Aufnahmeprüfungen sind in verschiedenen Berufsrichtungen eine Voraussetzung, um Zugang zum Traumberuf zu erhalten. Die Vision, Arzt oder Ärztin zu werden, ein Bestandteil der österreichischen Polizei zu sein oder als Sängerin und Virtuose eines Instruments zu reüssieren, erfordern das erfolgreiche Absolvieren einer Aufnahmeprüfung. Vermutlich kennen viele von uns die Symptome von Prüfungsangst recht gut: die nervöse Unruhe, die schwitzenden Hände und das Herzklopfen, wenn Sie vor der Tür des Prüfers stehen, oder die wiederkehrenden Gedanken an das »Schiefgehen«, die schon lange vor dem Termin auftreten. Manche leiden auch unter Schlafstörungen und depressiven Stimmungen, insbesondere wenn sich das Antreten schon mehrmals wiederholt hat. Um mit Leichtigkeit und Freude zu einer Aufnahmeprüfung zu gehen, braucht man Wissen und Können, einen authentischen Auftritt, einen professionellen Umgang mit Druck und das Vertrauen in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten.

Auch Strategien, die man anwenden kann, wenn unvorhergesehene Situationen eintreten oder sogar alle Stricke reißen, sind wesentlich. Sich Hilfe zu holen, um sowohl fachlich als auch mental optimal vorbereitet zu sein, kann eine erfolgreiche Absolvierung realistischer machen. Zoltán Füzesséry unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, sich für die Aufnahmeprüfung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz vor zu bereiten. Dafür unterrichtet er Kinder bis zum 15. Lebensjahr im »Hochbegabten Lehrgang« und ab dem 15. Lebensjahr im »Vorbereitunglehrgang für die Universität«. Zoltán Füzesséry: »Meine jüngste Schülerin ist 8,5 Jahre, meine ältesten 19 Jahre.«

Das Achten auf die Individualität ist ausschlaggebend
Zoltán Füzesséry: »Der Unterricht ist immer sehr flexibel, weil man auf die Kinder und Jugendlichen absolut eingehen muss. Daher findet alles im Einzelunterricht statt. Jeder Schüler ist eine eigene Geschichte. Das Talent, die Persönlichkeit und auch die Motivation sind bei jedem individuell. Es gibt auch so eine Gesamtausstrahlung bei jedem Schüler. Objektive Messfaktoren sind die Fähigkeit, zu hören, und das Rhythmusgefühl. Wenn die Schüler älter sind, müssen sie ihr Programm auch intellektuell verstehen. Die Fähigkeit zur Disziplin, um die Technik des Spielens immer perfekter zu beherrschen, ist sehr ausschlaggebend. Die Musikalität ist eine Fähigkeit, die ebenfalls unterschiedlich veranlagt ist. Bei vielen wurde das Talent nicht früh erkannt, hatte nicht Raum, wurde nicht gefördert. Daher gibt es auch immer wieder spätberufene Kinder und Jugendliche. Die Pubertät ist immer eine entscheidende Phase. Da beginnt der Unterschied zwischen Spielen, ernst arbeiten und professionell Spielen. Das ist eine große Herausforderung. Ich habe nur 90 Minuten pro Woche pro Person Zeit. Die restliche Woche sind sie dann auf sich alleine gestellt. Wie gut sie verstehen, dass man »am Klavier arbeiten muss und nicht nur Spaß haben am Musizieren« , ist oft ausschlaggebend, wie gut sie in dieser Lebensphase weiterkommen. Besondere Talente haben meist ein sehr gutes Gehör und gute kognitive Fähigkeiten und können sehr schnell umsetzen. Andere sind sehr musikalisch und sehr tiefsinnig und lieben im besonderen Maße die Musik. Meistens sind sie auch gute Musikschüler und generell gut in der Schule. Klavier hebt auch die Fähigkeiten von Konzentration und schnellem Verstehen.«

Talente finden
Zoltán Füzesséry: »Unsere Teilnehmer melden sich entweder selber bei uns und wir rekrutieren mit Kollegen Nachwuchs. Hierfür besuchen wir regionale Musikschulen, tauschen uns mit den Lehrern dort aus, bieten Minikurse an und hören uns kleine Konzerte der Schüler an. Ziel ist es für uns auch, Impulse zu geben und den Lehrenden und Schülern zu zeigen, wie der Unterricht bei uns für die Vorbereitung für weitere Karriereschritte aussieht. Wir wollen auch Mut und Lust erzeugen, an die Uni zu gehen, um professionell Klavier zu spielen. Wir sehen uns aber nicht als Konkurrenz der Musikschulen, sondern als professioneller Partner. Ich habe Schüler, die sowohl in der Musikschule zum Unterricht gehen als auch bei mir gecoacht werden.« Die Universitäten bieten auch den »Tag der offenen Tür« an. Zoltán Füzesséry sieht es kritisch, dass Konzerte vorwiegend von älteren Menschen besucht werden, und coronabedingt verstärkt sich der Trend, dass junge Menschen kaum Zugang zu klassischer Musik haben. Zoltán Füzesséry kritisiert auch, dass in der Grundschule Musik keinen Stellenwert mehr hat. Auch in den Musikschulen sollte mehr Einzelunterricht und Gehörschulung forciert und systematisiert werden. Auch der Niveauunterschied bei Musiktheorie ist oft sehr groß: »Alle Nachbarländer Österreichs haben da mehr Struktur dahinter. Das ist sicher auch einer der Gründe für fehlenden Nachwuchs an österreichischen Musikstudenten.«

Ohne Fleiß kein Preis
Zoltán Füzesséry: »Wichtig ist zu lernen, wie man übt und wie man Musik versteht. Die Theorie ist genauso wichtig wie das Spiel. Klavier ist im professionellen Bereich eine unglaublich harte Arbeit. Der Stress bei den Vorbereitungskonzerten enorm. Auch das Vorspielen muss man trainieren. Es ist ein ganz eigenes Setting. Der Umgang mit Enttäuschungen und Erfolg muss reflektiert werden. Die Rolle der Eltern ist sehr wichtig. Beim Motivieren zum Üben die Balance zwischen Druck und Motivation zu finden und es zu schaffen, dass das Kind nicht demotiviert wird, ist eine Kunst und eine sehr schwere Aufgabe. Ab dem 20. Lebensjahr befinden sich die Musiker in einer unglaublichen Wettbewerbssituation.«

Der Zeitpunkt X
Die Vorbereitung auf den Tag der Aufnahmeprüfung, die vor einer Kommission stattfindet, gestaltet Zoltán Füzesséry auch wieder sehr persönlich. Es gibt ein genau geplantes Vorgehen. Selbstreflexion ist ein wesentlicher Part davon. Zoltán Füzesséry: »Man lernt, jeden falschen Ton zu hören. Die Bühne ist der beste Lehrer. Wie bei einem Tennismatch ist das Risiko zu versagen immer da. Einige brauchen da viel Struktur, aber ich lehre Ihnen, dass sie sich selbst diese Struktur aufbauen. Auch Balance ist sehr wichtig. Die Schüler müssen trotz der Stresssituation lernen in Freude zu sein. Mit frischer Energie nach Phasen des ernsthaften Arbeitens reinzugehen, ist wesentlich. Man wird in der Situation mit seinem Innersten konfrontiert. Jeder Auftritt ist eine große Chance zur persönlichen Weiterentwicklung. Wichtig ist, dass die Schüler ihr Lampenfieber, ihren Stress akzeptieren. Er gehört einfach dazu. Ich unterstütze sie mit Ideen, damit umzugehen. Auch der Kontakt zu den Professoren muss frühzeitig hergestellt werden, damit diese ein »rundes Bild« vom Kandidaten haben.

Zoltán Füzesséry: »Das Schaffen der Aufnahmeprüfung ist ein wesentliches Ziel. Was mich aber an meiner Arbeit besonders inspiriert, ist, dass ich bei jedem Schüler dazu beitragen kann, wieder ein Stück seinem wahren Selbst näher zu kommen. Ich bin stolz auf alle meiner Schüler. Trotz der harten Arbeit – Musik ist aber immer Freude und geht direkt in dein Herz und dein Gefühl.«

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Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 168 (Dezember 2020), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 35)

 
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