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Selbstführung in der Krise

| 4. März 2021 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 170, Serie »Erfolg braucht Führung«

Ayurvedische Prinzipien für unseren Alltag. Ein Gespräch von Carola Payer mit der Leiterin der Praxis für Kalari-Ayurveda, Michaela Zettl.

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Der plötzliche »Einfall« des Coronavirus in unser Leben war für das letzte Jahr sehr fordernd. Die Panik, sich anzustecken und krank zu werden, Menschen und den Job zu verlieren, erzeugt Ängste. Lockdowns, die das gewohnte Leben komplett umkrempeln und keine Planbarkeit zulassen, verursachen Unsicherheit, Stress, Ärger und Aggression. Viel Zeit im eigenen Heim zu verbringen, führt manchmal auch zu schlechten Essgewohnheiten, überhöhtem Medienkonsum und dem Konfrontiertsein mit Konflikten. Ein Zustand, der dazu beigetragen hat, dass auch manche Menschen in die Hände von Michael Zettl gelangt sind. Die Masseurin und Spezialistin für Kalari-Ayurveda ist bei ihren Reisen in Asien und Indien und den Studien von Tibetisch und Sanskrit mit dem alten Wissen der Heilkunst des Ayurveda in Berührung gekommen. Ayurveda ist das Wissen vom Leben. Es ist ein ganzheitliches, Jahrtausende altes Gesundheitssystem, das den Menschen in seiner Einzigartigkeit und Ganzheit wahrnimmt, im Sinne von Körper, Geist und Seele. Michaela Zettl: »Es geht nicht um einen Muskel oder um ein Organ. Es spielt immer alles zusammen: körperlich, energetisch, emotional, mental und geistig.«

Ayurvedische Heilkunst zur Stressbekämpfung
Michaela Zettl: »Ayurveda hat effiziente Ansätze, um mit gesundheitlichen Folgen der Krise, wie Schlafstörungen, Überlastung, Erschöpfung, Stress, Verspannungen, Schmerzen des Bewegungsapparates, Übergewicht usw. zurecht zu kommen. Die ayurvedischen Ansätze gehen von vielen kleinen Routinen, die wir im Alltag integrieren können, bis hin zu geführten Ayurveda-Kuren. Diese sind nicht nur im Rahmen einer Auszeit im Hotel durchführbar, sondern auch als ambulante Kurz-Kuren mit hoher Effektivität. Dies ist in der COVID-Krise, wo auch der Zugang zu Hotels nicht gegeben ist, eine gute Möglichkeit, sich zu stabilisieren.«

Ambulante Kur zur Stabilisierung
Michaela Zettl erklärt, inwieweit eine Ayurvedakur einerseits stärkt, mit den körperlichen, geistigen und seelischen Auswirkung der Krise umzugehen, und andererseits auch das Immunsystem kräftigt: »Sinn und Zweck einer ayurvedischen Reinigungskur ist es, mittels adäquater Behandlungen, ayurvedischer Ernährung, Heilpflanzen, Körperübungen und Meditation die Energiebahnen von Blockaden, Stoffwechselschlacken und Toxinen zu befreien. Gleichzeitig werden durch spezielle Massagen und Anwendungen mit medizinierten Kräuterölen die Selbstheilungskräfte angeregt und somit eine nachhaltige Regeneration eingeleitet. Der Organismus beginnt sich nach spätestens drei Behandlungstagen, auf eine neue Körper- und Sinneswahrnehmung umzustellen. Bei körperlichen, psychischen und geistigen Belastungen kann dadurch eine deutliche Verbesserung erzielt werden, innere Balance und Kraft stellen sich wieder ein und das Immunsystem wird gestärkt.«

Ayurveda im Alltag: Rhythmus, Routinen, Ruhe
Die ayurvedische Philosophie bringt auch Anregungen, wie man eigenverantwortlich dazu beitragen kann, in der Krise ausgeglichener und fitter zu werden. Michaela Zettl: »Besonders wesentlich ist in instabilen Zeiten die Tagesstruktur. Man sollte seinen Rhythmus und fixe Zeiten für Schlafen, Essen und Bewegung einhalten. Empfehlenswert sind auch die täglichen ayurvedische Morgenroutinen. Morgendliche Meditationseinheiten, ein paar Yoga-Übungen, bewusste Auszeiten, Atemübungen oder einen Spaziergang, um in den Tag zu starten.« Die Ayurvedische Heilkunst empfiehlt auch die morgendliche Zungenreinigung oder das Ölziehen. Das beugt simpel Erkältungskrankheiten vor und stärkt das Immunsystem. Eine sehr heilsame Maßnahme ist das schluckweise Trinken von heißem Wasser über den Tag verteilt.

Tipps für konstitutionsgerechten Umgang mit Stress
Ayurveda arbeitet mit Doshas, die die Konstitution jedes Menschen beschreiben. Man wird entweder dem Vata-, Pitta- und Kapha-Typen zugeordnet. Man kann sich daran orientieren, was einem gut tut und was schwächt. Michaela Zettl: »Vata braucht Regelmäßigkeit. Meist ist bei diesen Menschen viel Bewegung im Geist. Sie machen sich viele Gedanken, Sorgen, sind aber auch kreativ und haben eine schnelle Auffassungsgabe. Der Körper reagiert eventuell oft mit Blähungen und unregelmäßiger Verdauung. Unruhe, Ängste, Schlafstörungen, Verstopfung, Zittern etc. können in Krisenzeiten verstärkt auftreten. Unregelmäßigkeit, Reizüberflutung und Medienkonsum kann gerade hier extrem überfordern und ins Ungleichgewicht bringen. Ruhe, Entspannung und Regelmäßigkeit sind der Schlüssel bei Vata-Konstitution. Regelmäßig essen, schlafen, warmes, gekochtes Essen und warme Getränke stabilisieren. Pitta-Typen sollten den Druck loslassen. Sie sind oft charismatische Menschen, feurig, hitzig, haben grundsätzlich ein gutes Verdauungsfeuer, guten Appetit, neigen zum Perfektionismus, Leistungs -und Wettbewerbsdenken. In der Überforderung neigen sie zu Wut, Ärger, Jähzorn, starkem Schwitzen und Entzündungen. Auch hier ist es wichtig, Ruhepausen einzuplanen, regelmäßig zu essen und das Vermeiden von Saurem, Scharfem, Frittiertem und Alkohol. Menschen mit starken Kapha-Anteilen hingegen brauchen Aktivität. Sie sind ruhig, gesellig und genießen gerne. Sie sind körperlich und geistig eher träge. In der Krise sind Übergewicht, Müdigkeit, Verschleimung der Atemwege, Nicht-Loslassen-Können oft ein Thema. Für sie sind heiße Getränke, wärmende Gewürze (Ingwer, Pfeffer, …).fettarme Speisen und Bewegung mit Freunden hilfreich.«

Eigenverantwortliche Selbstfürsorge und -führung als Schlüssel
Michaela Zettl: »Ein wesentliches Prinzip im Ayurveda ist: Übernimm die Verantwortung für deine Gesundheit!« Selbstfürsorge passiert nicht erst dann, wenn die Arbeit vorbei ist oder das Wochenende vor der Tür steht. Es wird in die eigene Haltung integriert und ist an den Alltagsroutinen zur Pflege der körperlichen, geistigen und seelischen Fitness erkennbar. Es erfordert natürlich auch Disziplin, in der Fülle des Lebens und der vielen individuellen Anforderungen die eigenen Oasen für Ruhe, bewusste Ernährung und Körperarbeit zu finden. Aber das Geschenk ist eine hohe Gelassenheit, aber auch Klarheit, um Krisen und Stress zu begegnen.

*

Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 170 (März 2021), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 37)

 
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