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Zur Lage (31)

| 29. Oktober 2010 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 66, Zur Lage

Über Gipfelsiege, über Öffnungszeiten, ein kurzer Gedanke über Expolitiker, wenig über die Wahl und gar nichts über das Internetspiel.

Ich bin ja erst vor wenigen Tagen vom Mount Everest direkt im mein Büro zurückgelaufen. Zumindest glaube ich momentan noch daran, ganz oben am Gipfel gewesen zu sein, vielleicht aber täuscht mich da meine Vorstellungskraft. Gespannt bin ich jedenfalls auf die Reaktion meines Lieblingsbergbekleidungsausrüsters Mammut, einem schweizerischen Unternehmen. Dem hab ich nämlich in einem umfangreichen Schreiben vorgeschlagen, es möge mir doch die Auslagen für diverse Soft-Shells (das sind so Superjacken für‘n Berg), Anoraks und Rucksäcke ob meiner zahlreichen Gipfelsiege der letzten Wochen rückerstatten; die pure Vorstellung, die Seven Summits alle in nur einem Urlaub bezwungen zu haben, müßte gerade Schweizern doch imponieren. Seven Summits steht übrigens für Sieben Gipfel. Nur würde halt Sieben Gipfel in einem Interview mit einem international bergsteigenden – oder das zumindest imaginierenden – Extremsportler nicht ganz so locker daherkommen. Da hat Seven Summits einfach viel mehr an Flair. Sie kennen das.

Egal, neben den vielen Summits habe ich Ende August auch einen Pass bezwungen, und zwar das Hochtor an der Großglockner Hochalpenstraße. Wiewohl »bezwungen« ist vielleicht übertrieben und »ich« sogar falsch. Wenn da wer Höhen überwunden hat, dann lediglich mein brandneuer Citroën C5 (C Cinq, wie wir sagen) Tourer, Diesel zwar, aber dafür Automatik, und, ganz unter uns, ein mobiler Traum! Mehr Auto brauche ich nie im Leben. Zumindest für den Moment. Wie uns dieses elegante Vehikel über die Glocknerstraße und dann noch den Plöckenpass ins Oberitalienische hat getragen, ein Urlaub wie damals. Da hat dann gut gepasst, in Triest angekommen zu sein und das Schloss Miramar des österreichischen Erzherzogs und späteren nicht ganz so glücklichen Kaisers von Mexiko, Maximilian, zu besuchen. Ganz außerordentlich. Nehmen Sie sich bitte mindestens einen ganzen Tag für Schloss und Gartenanlage; es zahlt sich mehr als aus.

Ich wollte mir danach in Italien was kaufen, justament war es ein Sonntag und kaum ein Geschäft hat offen gehabt. Dabei hab ich immer gedacht, die einzelhändlerische Sonntagsruhe ist eine lediglich heimische. Wobei, ich mag das sehr. Meine liebe Mama war, wie ihr wunderbarer Mann, jahrzehntelang im Einzelhandel tätig. Und dadurch ist mir dieser wenigstens eine Tag der Woche, wo die ganze Familie garantiert gemeinsam zu hause sein kann, mehr als ans Herz gewachsen. An das habe ich denken müssen, als ich in der Zeitung Der Grazer lesen durfte, dass es eine »Auflehnung eines Lebensmittelhändlers« gegen die Behörden geben soll. Ein Geschäft in der Keplerstraße habe da jetzt sonntags von 9 bis 21.30 seine Pforten geöffnet. Gefallen hat mir dabei der äußerst lockere Umgang des Unternehmers mit der Sachlage: »Wir machen sonntags wieder auf und zahlen halt Strafe, jedesmal 300 Euro. Ärgerlich, aber was soll‘s.« wird er im Grazer zitiert. Das ist natürlich ein Reden. Word, würde die Internetgeneration da sagen. Wobei, man muß ihm zugestehen, er war ja jedenfalls an einer gütlichen wenn auch einseitigen Einigung interessiert, denn, »Wir haben versucht, die Behörde zu einer Aufhebung der Sonntags-Regelung zu bewegen, das will aber keiner.« Doppelword, sag ich da jetzt. Ob wir aber wollen können, dass dieses Beispiel Schule macht – Ich hab bei der Behörde angefragt, aber die wollen  nicht einsehen, dass man auch mit 120 gut durchs Ortsgebiet kommt. Was soll‘s? –, bin ich mir nicht ganz so sicher.
Erinnern tut mich das an eine Sache mit einem (bitterbösen) Einzelhandelsriesen, der vor Jahren einmal in einer ähnlichen Situation war. »Uui«, hat da die Gewerkschaft geschimpft, »Jeeh« ist es aus anderen Interessensvertretungen herausgeschossen, »so geht‘s aber nicht! Der muß ordentlich blechen! Der böse, böse Großunternehmer.« Ich weiß gar nicht mehr, wie das ausgegangen ist, nach ein paar Tagen jedenfalls war die Strafe so hoch, dass ich mir ob der wenigen Vertrautheit den Betrag nicht merken konnte. Und ich weiß auch gar nicht mehr, wie ich überhaupt darauf gekommen bin.

Vielleicht schreibe ich nur so herum die ganze Zeit, weil ich hoffe, dass irgendjemand der arbeitssuchenden Exstadträtin einen interessanten Job wird anbieten bis zum Ende dieser Lage. (Jetzt hätte ich fast »Tage« geschrieben.) Ich kann nichts dafür, dass mich das beschäftigt. Ich habe die Interviews dem Monat und der Woche nicht gegeben! Lassen wir das.

Widmen wir uns der Landtagswahl. Achso, wir haben keinen Platz mehr. Naja, mit der Entscheidung kann ich Sie sowieso nur alleine lassen. Wie immer, auch diesmal meine auffordernde Bitte an Sie, wählen zu gehen! Im Amtshaus bekommen Sie noch bis Freitag vor der Wahl eine Wahlkarte, dann können Sie auch einen Ausflug machen, sollte es am 26. September schön sein. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage #31, Fazit 66 (Oktober 2010)

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