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Stillstand bedeutet Rückschritt

| 3. Januar 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 69

Als ob es das noch nie gegeben hätte, wird mit der Veröffentlichung der Pisa-Studie erneut eine (wahrscheinlich ewige, aber immer längst überfällige) Bildungsdebatte losgetreten. Zu einem Ergebnis haben diese immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen in Österreich aber in den seltensten Fällen geführt. Betrachtet man die aktuellen Zahlen, so muss man sich aber tatsächlich fragen: Werden wir immer dümmer?

Da fällt mir dazu sofort der Film „Idiocracy“ aus dem Jahr 2006 ein. Der Film, der im Übrigen trotz positiver Kritiken ein dramatischer Flop war, handelt von einem Durchschnittsmenschen mit IQ 100. Durch einen Unfall landet er 500 Jahre in der Zukunft und entpuppt sich dort als der intelligenteste Mensch der Welt.

So dramatisch wie im Film ist die Entwicklung zwar nicht, aber besorgniserregend ist sie trotzdem. 28 Prozent aller österreichischen Jugendlichen können nicht sinnerfassend lesen. Jeder Vierte im österreichischen Nachwuchs kann also angeblich selbst an den geringsten kulturellen Errungenschaften unserer Gesellschaft nicht mehr teilhaben. Vor zehn Jahren waren es gerade mal 14 Prozent. Es sollten null Prozent sein, aber diese Verdoppelung ist wirklich dramatisch.
Hinzu kommt, dass sich viele andere Länder im Vergleich verbessert haben. Ich möchte meine Kinder sicher nicht auf eine totalitäre chinesische Schule schicken. Trotzdem, Shanghai ist, noch vor Finnland, der Spitzenreiter der aktuellen OECD-Studie. Man sollte also durchaus überprüfen, ob sich nicht so manche Methode einer chinesischen Schule mit den demokratischen und aufgeklärten Werten unserer Gesellschaft vereinbaren lassen.

Dass etwas geschehen muss, steht außer Frage. Dass uns viele Länder bildungstechnisch davonziehen, liegt wohl auch daran, dass dort die Bildungsdebatte tatsächlich zu Ergebnissen geführt hat. Bei uns muss man aber leider immer eine typisch österreichische Lösung befürchten: aussitzen, bis es wieder ruhig wird. Zuvor haben wir leider eine weitere typisch österreichische Art zum Besten gegeben. Als unser Pisa-Ergebnis 2001 gelobt wurde, haben alle gejubelt und sich selbstzufrieden zurückgelehnt. Aber Stillstand bedeutet Rückschritt, das hat hierzulande nur kaum jemand überrissen. Zusätzlich kam einmal mehr das Cordoba-Syndrom zu Tage: Hauptsache, wir sind besser als die Bundesdeutschen. Das hat sich aber inzwischen längst geändert und langfristig kann das für den Wirtschaftsstandort Österreich nichts Gutes bedeuten.

Zum Thema, Fazit 69 (Jänner 2011)

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