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Phonosophicum (Juli 2011)

| 14. Juli 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 74, Phonosophicum

High End im Mini-Format Small sounds beautiful – oder: Weniger ist mehr: Die Wiener Audioschmiede Pro-Ject setzt mit ihrer Box-Design-Serie auf High End zum beinahe Schnäppchenpreis. Mit den schmucken Kästchen, die mit einem Minimum an Bedienelementen auskommen und allesamt in einem massiven Metallgehäuse verbaut sind, lässt sich modular ein komplettes Hi-Fi-System zusammenstellen. Zur ständig erweiterten Serie gehören mittlerweile mehr als zwei Dutzend Geräte, die prima vista durch ihr ungewöhnliches Format auffallen. Übliche Full-Size-Komponenten sind ungefähr 43 cm breit. Hier bescheidet man sich gerade mal mit 10,3 cm Breite und 6,8 cm Höhe. Nur der CD-Spieler ist breiter als seine Zwergengeschwister. Für Heinz Lichtenegger, den Spiritus Rector und Gründer von Pro-Ject, war die bestmögliche Klangperformance in Kombination mit gerade noch leistbarer Technologie das ausschlaggebende Kriterium bei der Entwicklung der Serie.
Der CD-Player SE ist dafür ein gutes Beispiel. Er arbeitet – wie alle Box-Modelle – mit einem externen Netzteil. Ein Umstand, der nicht nur Platz spart, sondern auch Störungen in der Signalübertragung geringer ausfallen lässt. Das Sanyo-Laufwerk ist als reines CD-Laufwerk mit Schlitzzuführung konzipiert. Die Servo-Regelung entstand in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Wien ansässigen Hightech- Unternehmen Stream Unlimited. Dieses stellt sein Know-how auch Edelschmieden wie Revox, Creek, Musical Fidelity oder T+A zur Verfügung.
Die digitalen Daten werden von einem erlesenen 24-Bit/192-kHz-Wandler von Burr Brown (PCM 1796) mit achtfachem Oversampling konvertiert.
Im Hörtest schaltete ich dem CD-Player den Vorverstärker Pre Box SE sowie die zwei Endverstärker Amp Box SE Mono nach. Vorbei die Zeiten, als Mono-Endstufen nur als große Metallschränke mit gewaltigen Kühlkörpern und immenser Abwärme die Racks beschwerten. Die 1,3 Kilo leichte Mono-Box arbeitet als reiner Digitalverstärker mit einer festen Taktfrequenz. Statt viel Leistung in Wärme umzuwandeln, ändert sie hier nur die Pulsweite der Taktfrequenz. Die Wärmeentwicklung ist daher kaum der Rede wert.
Rückseitig finden Lautsprecherkabel bis 4 mm2 oder auch Kabelschuhe und Bananenstecker Anschluss. Eine der zwei vergoldeten Cinch-Buchsen dient als Eingang, die andere als Ausgang für den Anschluss weiterer Endstufen (was nützlich ist, wenn man Bi-Amping betreiben will – wofür man im Stereobetrieb allerdings schon vier der kleinen Wunderkästchen braucht).
An 8 Ohm leistet die Amp Box SE Mono 110 Watt, an 4 Ohm 190 Watt und zeigt sich mit jedem Lautsprecher, der über einen ordentlichen Kennschalldruck verfügt, verträglich. Gute und vor allem preiswerte Endstufen sind bekanntlich Mangelware. Diese Endstufen sind als Paar für gerade mal 730 Euro zu haben! Damit dürften sie für eine lange Zeit ohne ernst zu nehmende Mitstreiterinnen dastehen.

Fazit: Pro-Ject zeigt eindrucksvoll, dass High End nach dem Motto „Keep it simple“ funktioniert und weder eine „Materialschlacht“ erfordert noch teuer sein muss. Die getestete Stereo-Kette aus CD-Spieler, Vorverstärker und zwei einkanaligen Endstufen klingt sensationell sauber, belastet das Budget gerade mal mit etwas über 1.500 Euro und besitzt alle Voraussetzungen, zu einem Kultobjekt zu werden.

Phonosophicum #23, Fazit 74 (Juli 2011)

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