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Phonosophicum (August 2011)

| 16. September 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 75, Phonosophicum

Echtes Hi-Fi auch für unterwegs Von Hand graviertes, edelstes amerikanisches Walnussholz, satiniertes champagnerfarbenes Messing und Schieberegler statt Touchscreen mit Retina-Display – mit einem „stylishen“ iPod der neuesten Generation hat dieses ungewöhnliche Kästchen definitiv nichts am Hut. Ja man könnte den Colorfly Pocket sogar als eine Art nostalgischer Gegenentwurf zu Apples Kultgerät betrachten, setzt er doch ganz auf Retro-Look (und erinnert dabei wohl so manchen an einen antiken Walkman aus den Achtzigerjahren) und will damit eher eine High-End-gewohnte Käuferschicht ansprechen. Ihn bloß einen MP3-Player zu heißen, käme einer Beschimpfung gleich, kann er doch wesentlich mehr und spielt seine wahren Stärken erst bei verlustfreien Audioformaten wie WAV oder FLAC aus. Dass er dabei Codecs wie Apple Lossless oder AIFF außen vor lässt, müssen ihm eingefleischte Apfelmenschen einfach nachsehen.

Sein Hersteller, die ansonsten eher für Grafikkarten bekannte chinesische Colorful Technology, hat bei der Entwicklung dieses Luxusplayers keinen Aufwand gescheut. Man spendierte ihm einen 6,3 mm-Klinkenausgang, an den problemlos hochwertigste Kopfhörer bis zu 300 Ohm Impedanz angeschlossen werden können. Wer für unterwegs lieber In-Ear-Kopfhörer nutzen möchte, klinkt diese an den normalen kleinen 3,5 mm-Ausgang. Weiters im Anschlussfeld: ein USB-Port sowie zwei vergoldete Cinch-Buchsen, die als SPDIF-Ein- beziehungsweise -Ausgang fungieren. Und das ist der eigentliche Clou des kleinen Chinesen, kann er doch damit sowohl als Sample Rate Converter wie auch als externer D/A-Wandler eingesetzt werden. Über den Ausgang leitet er das digitale Signal direkt an die Anlage weiter, und von externen Quellen wie CD-Spieler oder PC werden die Signale an den Eingang gesendet.

Erst machbar wird dies durch handverlesene Komponenten aus dem Hause Cirrus Logic. Der High-End-Single-Wandler-Chip gestattet eine Sampling-Rate bis zu 192 kHz bei einer Wortbreite von 24 Bit (im Vergleich dazu muss sich ein CD-Player mit 44,1 kHz und 16 Bit begnügen). Und bei einem sensationellen Rauschabstand von 108 dB und einem Klirrfaktor von 0,0022 % (der beste iPod erreicht da gerade mal 89 dB/0,058 %) kombiniert mit einem Clock Jitter von weniger als 2 Picosekunden werden selbst wir Phonosophen hellhörig. Denn damit übertrifft er hinsichtlich Wiedergabequalität nicht nur den Audio-Standard um ein Vielfaches, sondern spielt auf Augenhöhe mit stationären High-End-Geräten.
Mit knapp 600 Euro kostet der Colorfly dafür fast doppelt so viel wie der potenteste Player aus dem Hause Apple. Ab Werk ist er mit einem 32 GB-Flash-Speicher ausgestattet, der mittels Mikro-SD-Karte auf 64 GB erweitert werden kann. Für unkomprimierte und ergo sehr speicherintensive Musikdateien (eine Mahler-Symphonie „verschlingt“ ca. 1 GB) scheint mir die Maximalkapazität von 64 GB allerdings zu knapp bemessen. Das einzige wirkliche Manko des Players!

Fazit: Seine Ambition, die erste Stereoanlage im Taschenformat zu sein, weiß der technisch nobel bestückte Colorfly vollends zu erfüllen. Und mit seinen Maßen von 12,5 x 8 x 2 cm und 260 Gramm Gewicht geht er locker als kleinster und leichtester mobiler High-End-Spieler der Welt durch. Mit seinem altväterischen und rustikalen Design ist dieses kuriose Wunderkistchen gewiss nicht jedermanns Sache. Unbestritten ist, dass seine Besitzer mit ihm exquisiten Hörgenuss geboten bekommen.

Phonosophicum #24, Fazit 75 (Juli 2011)

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