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Kein Schuhgeschäft

| 26. September 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 86, Fazitportrait

Am 29. August hat am Grazer Freiheitsplatz ein neues Schuhgeschäft eröffnet. Branchenunüblich setzt Geschäftsführer Alois Prutsch jedoch auf ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment. Bei ihm gibt es fast nur rahmengenähte Schuhe.

Alois Prutsch setzt auf rahmengenähte Schuhe aus eigener Produktion.

::: Hier können Sie den Text im Printlayout online lesen: LINK

Wer in das „Schuhwerk“ am Freiheitsplatz in Graz kommt, merkt, dass es sich um kein normales Schuhgeschäft einer großen Kette handelt. Bekannte Modemarken sucht man vergeblich, denn hier stammen alle Schuhe aus eigener Produktion. Auch die hektische Atmosphäre der Stadt gibt man am Eingang des kleinen Geschäftes ab. Wer Beratung braucht und seinem Fuß etwas Gutes tun will, ist hier gut aufgehoben.

Familientradition
„Die Schuhproduktion ist bei uns Familientradition“, erklärt Geschäftsführer Alois Prutsch. In den 80er und 90er Jahren habe man aber noch auf Massenwaren gesetzt. Billigprodukte aus dem Fernen Osten hätten jedoch immer mehr Druck erzeugt und so habe er sich entschieden, die Produktion zu verkleinern und sich auf rahmengenähte Qualitätsschuhe zu konzentrieren. Früher verkaufte Prutsch bis zu 750.000 Paar Schuhe aus der Massenproduktion. Heute sind es 7.000 Paar Qualitätsschuhe, die noch immer vorwiegend an Schuhfachgeschäfte in Österreich, Deutschland und der Schweiz verkauft werden. Aber bereits am alten Standort, in der Plabutscherstraße, sind immer wieder Kunden aus Graz gekommen, um sich rahmengenähte Schuhe zu kaufen. Durch Mundpropaganda hat sich so sein Kundenstock in Graz langsam aufgebaut. Dieses Potenzial will Prutsch nun nutzen und hat ein Geschäft am Freiheitsplatz, direkt im Zentrum der Stadt, eröffnet. „Am Freiheitsplatz haben wir deutlich mehr Laufkundschaft. Sogar Touristen aus Deutschland, Italien und Holland kommen nun und bestellen Schuhe“, freut sich Prutsch. „Wir wollen aber kein Schuhgeschäft sein. Deshalb gibt es auch kein vergleichbares Geschäft in Österreich“, erklärt er. Denn heutige Schuhgeschäfte seien oft mit einem unübersichtlichen Sortiment überladen. Eine erstklassige Beratung ist dort allein schon wegen der Vielfalt des Sortiments nicht möglich. „Der Kundenumgang macht mir Spaß. Bisher hatte ich ja eher Kontakt zu den Händlern“, erzählt Prutsch. Dass er sich auf rahmengenähte Schuhe konzentriert, sei zwar ein Risiko, nur so könne er aber eine gewisse Schuhkultur wiederbeleben.

Individualität durch Farbe
Der Vorteil rahmengenähter Schuhe liegt für Prutsch auf der Hand: „Diese Technik stammt aus einer Zeit, als es noch keine guten Klebstoffe gab. Rahmengenähte Schuhe sind auch heute noch langlebiger.“ Im Sortiment setzt Prutsch auf altbewährte und zeitlose Formen und Schnitte. Individualität wird vor allem über die Farbe und das Zubehör erzeugt. So können auch gewagte Farbkombinationen geliefert werden. Produziert werden die Schuhe in einer eigenen Fabrik in Ungarn. Dadurch können auch individuelle Wünsche und Anforderungen bearbeitet werden. „Die Schuhe sind Unikate, die nach den Bedürfnissen der Kunden gefertigt wurden. Bei Bedarf arbeiten wir auch mit einem Orthopäden zusammen“, so Prutsch. Rund 20 Prozent der verkauften Schuhe werden daher schon verkauft, bevor sie überhaupt hergestellt werden.

Mit seinem Sortiment im „Schuhwerk“ will Prutsch einen gehobenen Kundenstamm ansprechen: „Leute, die auf ihre Erscheinung Wert legen oder im Auftreten etwas darstellen müssen, kommen zu uns.“ Vorwiegend sind es Herrenschuhe, die geführt werden. „Es gibt aber auch passende Schuhe für Damen, die auf einen Businesslook setzen wollen“, so Prutsch. Trotz des hohen Anspruches spricht Prutsch von einem leistbaren Luxus: „Schuhe beim Maßschuhmacher kosten ein Vielfaches mehr.“

Unternehmensportrait, Fazit 86 (Oktober 2012) – Foto: Erich Kugi

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