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Zum Thema (Fazit 87)

| 24. Oktober 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 87, Fazitthema

Graz im Würgegriff des Speckgürtels Graz erlebt derzeit einen echten Boom. Die Bevölkerung wächst wie zuletzt in den Sechzigern. Die Steuereinnahmen sprudeln und in der Stadt wird viel investiert – sowohl von Privaten als auch von der öffentlichen Hand. Ein weiterer positiver Nebeneffekt dieser Entwicklung ist, dass die Pro-Kopf-Verschuldung sinkt. Doch der Aufschwung bringt auch Probleme mit sich. Die Betriebe tun sich immer schwerer, ihre offenen Stellen mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen. Das Feinstaubproblem ist ungelöst und sozial verträgliche Lösungen gibt es kaum. Denn die Eindämmung der beiden Hauptverursacher, des Verkehrs und des privaten Hausbrands, trifft zuerst die sozial Schwachen.

Auch die Tatsache, dass sich Graz längst zum Lebensmittelpunkt für beinahe die Hälfte der steirischen Bevölkerung entwickelt hat, wirft zahlreiche Probleme auf. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und des öffentlichen Regionalverkehrs kann mit dem Bedarf kaum Schritt halten. Und auch die Lage auf dem Wohnungsmarkt spitzt sich zu. In Graz werden zwar jährlich hunderte Wohnungen von privaten Investoren neu errichtet, doch die sind teuer und das Angebot an leistbaren Wohnungen geht sogar zurück. Das größte ungelöste Problem ist jedoch die wirtschaftliche Verödung des Zentrums. Selbst das ehemals attraktive Jakominiviertel kann nur mit großem Marketingaufwand reanimiert werden und muss – um am Leben zu bleiben – wohl an den Dauertropf der öffentlichen Hand gehängt werden.

Die Entwicklung der Geschäftsflächenmieten kann selbst in der Herrengasse und rund um den Hauptplatz nicht mit jener anderer österreichischer Großstädte mithalten. Derzeit wird zumindest die Annenstraße aufwändig generalsaniert. Dort wo sich heute Kebab-Bude an Gebrauchthandy-Shop reiht, befand sich bis in die 80er-Jahre eine der mondänsten und luxuriösesten Einkaufsstraßen unseres Landes. Gerne verglichen mit der Wiener Mariahilferstraße. Auch der Mariahilferstraße drohte übrigens vor 25 Jahren ein Annenstraßen-Schicksal. Dort wurde jedoch rechtzeitig revitalisiert.

Dazu gehörte die gezielte und unter Einsatz großer finanzieller Mittel betriebene Ansiedlung von Flagshipstores einiger renommierter internationaler Markenproduzenten. Dadurch stieg die Attraktivität der ganzen Straße. Doch dafür ist in Graz wohl kein Geld vorhanden. Und so befindet sich das steirische Pendant zur Mariahilferstraße heute in Seiersberg, im dortigen unter Ausreizung sämtlicher Raumordnungsvorschriften errichteten Einkaufszentrum.

Was wäre die Gemeinde Seiersberg eigentlich ohne ihre Nachbarschaft zu Graz? Ein Dorf, das seine Eigenständigkeit gerne gegen die Nachbarschaft zu einer attraktiven Großstadt eintauschen würde.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Zum Thema, Fazit 87 (November 2012)

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