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Zur Lage (54)

| 20. Dezember 2012 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 89, Zur Lage

Über das vergangene Jahr, über die Dinge, die uns in Erinnerung bleiben und über das, was wir vergessen.

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Ein so ein Jahresrückblick wäre einmal was. Gibt es eigentlich viel zu selten und wenn, dann immer nur um den späten Dezember herum. Also wollte ich Ihnen und uns eine kleine »Tour de 2012«, wenn man so schreiben darf, zusammenstellen, musste dann aber mit Entsetzen feststellen: Ich habe fast alles vergessen.

Zum Beispiel die Olympischen Spiele in Peking. Gut, die waren ja auch schon 2008, denn heuer waren sie in London. Und wenn heuer Olympische Spiele waren, dann muss eigentlich auch eine Fußballweltmeisterschaft gewesen sein. Oder zumindest eine solche europäische. Genau, in Polen war die. Das ist mir jetzt aber nur deswegen wieder eingefallen, weil ich heuer in Krakau war. Dabei ist in dieser wunderschönen polnischen Stadt gar nicht gespielt worden. Wer übrigens Europameister geworden ist? (Ja, die Fußballfans unter Ihnen werden jetzt toben.) Sofort hätte ich aber nicht gewusst, dass Spanien zum dritten Mal Europameister geworden ist. (Im Endspiel gegen wen? Das Halbfinale gleich hoch gewonnen gegen welche Mannschaft? Das gefällt mir jetzt! Das hat sowas gar nicht zeitungsmäßiges, wenn Sie dann doch nicht wirklich lesen können, was jetzt wie und wo war.)

Es gibt aber auch Sachen, die hab ich nicht vergessen. Etwa dass in Korea eine »Expo«, eine Weltausstellung, wie wir sagen, stattgefunden hat. Das konnte ich nicht vergessen, ich wusste es nämlich gar nicht. Noch dazu war die im südkoreanischen Yeosu, einer Stadt, von deren Existenz ich bis vor wenigen Augenblicken leider noch nie Kenntnis genommen hatte. Das muss natürlich nichts heißen.
Der Wladimir Putin ist wieder in sein eigentliches Amt gewählt worden – hätte ich jetzt auch nicht genau sagen können, war das 2012 oder doch schon 2011 –, dass der Nicolas Sarkozy nicht wiedergewählt worden ist, das hat sich in meiner Erinnerung gehalten. Wobei, da amüsiert mich gerade, dass das Superereignis dieses Novembers, die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten, mir erst jetzt wieder einfällt. Dabei war das in dieser Woche eine so eine unglaublich wichtige Geschichte, man hätte glauben können, das hat jetzt wirklich Auswirkungen auch auf Sie oder gar auf mich.

Dieser Felix Baumgartner wiederum, den hab ich mir gemerkt. Diese menschliche Extremleistung, diese technische Brillanz, dieser Superlativ der Superlative, den hab ich mir gemerkt. Wobei, könnte jetzt ungestützt auch nicht genau sagen, wars im September oder war es doch vor zwei Wochen. Eher wahrscheinlich im September, weil vor zwei Wochen ist ja in Graz gewählt worden und da ging ein Raunen durch die Weltpresse in Österreich, weil die Kommunisten (zum zweiten Mal nach 2002) einen schier unglaublichen Erfolg feiern durften. Fast 20 Prozent und der zweite Platz hinter Siegfried Nagls Volkspartei. Da wollte ich übrigens was Ernsthaftes dazu schreiben, aber dann sind mir heimische Kommentatoren, Publizisten und Politiker zuvorgekommen und haben schon viel zu viel darüber verschrieben. Und da hat sich die Argumentationslinie gefestigt, dass – zugespitzt – etwa die kommunistischen Kugeln Stalins beim Eintritt in den Hinterkopf die gute Absicht dahinter deutlicher mitschwingen ließen und daher Vergleiche mit dem Bösen nicht angebracht wären. Damit ist alles gesagt, und deswegen lass ich das lieber gleich überhaupt sein.

Ja. Und sonst? Vielleicht noch zu erwähnen, dass es im Juni in Rio de Janeiro eine Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung gegeben hat – keine Angst, wusste ich auch nicht sofort –, die folgende Zielsetzungen hoffentlich erreicht hat: Erstens wollte man eine Sicherstellung erneuerten politischen Engagements für nachhaltige Entwicklung, weiters war die Erfassung des Fortschritts sowie anhaltender Probleme bei der Umsetzung bereits beschlossener Ziele auf der Agenda und drittens ging es um die Adressierung neuer und entstehender Herausforderungen. (Kann man auf deren Webpage nachlesen.) Da sage ich, das freut mich, wenn unsere internationalen Organisationen so tolle Sachen machen! Und ein paar von denen, die in Rio waren, werden dann sicher auch letzte Woche in der Hauptstadt des Emirats Katar, in Doha nämlich, Stopp gemacht haben, um sich dort bei der Klimakonferenz über die Vielfliegerprogramme der verschiedenen Fluggesellschaften und andere Emissionsbringer ausgetauscht zu haben.

So. Etwas hab ich Ihnen jetzt doch noch über 2012 erzählen dürfen. Ich hoffe jedenfalls, es war ein schönes Jahr für Sie und wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie alles Gute für das neue Jahr. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage #54, Fazit 89 (Jänner 2013)

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