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Die Kunst ohne Rektor

| 27. März 2013 | Keine Kommentare
Kategorie: Aktuell, Fazit 91

Seit drei Jahren hat die Kunstuniversität Graz keinen Rektor. Doch die Show muss weitergehen. Für das aktuelle Universitätsporträt kommt daher der geschäftsführende Vizerektor Robert Höldrich zu Wort. Er zeichnet ein Bild einer kleinen, konkurrenzfähigen Universität, die in ihrem Fachbereich gar nicht so klein ist. Auch ohne Rektor.

Mit rund 1000 Veranstaltungen im Jahr ist die Kunstuniversität Graz aus dem Stadtleben an der Mur nicht wegzudenken. In den Schlagzeilen war die Kunstuniversität in den vergangenen Jahren aber meist wegen der unglücklichen und ungeschickten Suche nach einem Rektor. Dabei hat die Kunstuniversität Graz weit mehr zu bieten, lässt der geschäftsführende Vizerektor Robert Höldrich wissen: „Wir verstehen uns nicht als Elfenbeinturm, sondern als offene Institution, die mitten in der Gesellschaft steht. Würde die Kunstuniversität nicht in Graz sein, würde Graz etwas fehlen.“ Das politische Umfeld kommt der Kunstuniversität dabei zugute. „Im Hochschulraum Steiermark werden wir als Spezialisten für unseren Fachbereich wahrgenommen und unsere Expertise wird sehr geschätzt“, freut sich Höldrich. Man steht, auch wegen der intensiven kulturellen Tätigkeit, in engem Kontakt mit der Politik. Das zeigt sich auch in den intensiven Kooperationen mit den anderen Universitäten. Seit rund 30 Jahren betreibt man mit der TU Graz ein gemeinsames Toningenieur-Studium. „Nach anfänglicher Skepsis zwischen Künstlern und Technikern hat sich das Studium inzwischen zu einem Role Model entwickelt. Auf diese Studienrichtung bauen auch viele Forschungsprojekte, auch mit der Industrie, auf“, hebt Höldrich hervor. Mit der Karl-Franzens-Universität gibt es die Studienrichtung Musikologie, wo die Kunstuniversität rund 70 Prozent der Lehrleistung trägt. Aber auch mit der Medizinuniversität und der FH Joanneum gibt es Kooperationen.

Absolventen im Konkurrenzkampf
Anders als andere Universitäten kann die Kunstuniversität sich ihre Studierenden auch aussuchen. Die Zugangsbeschränkungen sind sehr streng und haben mit den geringen Kapazitäten zu tun. Der Betrieb einer Kunstuniversität bringt viel Einzelunterricht mit und dieser ist teuer. Deshalb sind die Kapazitäten einer Kunstuniversität andere als an Massenstudien. „Die Zugangsbeschränkung ist eine Notwendigkeit. Es ist unsere Verantwortung für die Lebenszeit unserer Studierenden. Wir dürfen nur die nehmen, bei denen wir nach besten Wissen und Gewissen sagen können, sie haben eine Chance“, erklärt Höldrich. Die Absolventen der Kunstuniversität stehen im internationalen Konkurrenzkampf. Deshalb will man dort die Studierenden nicht im Regen stehen lassen. Es werden einige Hilfestellungen, von der Projektmanagementausbildung bis zur Künstlervermittlung, angeboten, um den jungen Absolventen eine Möglichkeit zu geben, im heiß umkämpften künstlerischen Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können.

Es fehlt der Rektor
In den Medien ist die Grazer Kunstuniversität aber derzeit wegen der schwierigen Wahl des Rektors. Seit 2010 schlägt man sich mit den universitätsinternen Gremien Senat und Universitätsrat herum. Der ehemalige Rektor Georg Schulz musste gehen und der designierte und neu gewählte Rektor Frank-Thomas Mitschke aus Leipzig sagte kürzlich aus privaten Gründen ab. „Die Absage war eine sehr kurzfristige Sache. So eine Bestellung eines Rektors dauert ja mehrere Monate. Es gab innerhalb der Universität einen Auffassungsunterschied, wie sich unsere Hochschule entwickeln soll. Rektor Schulz stand für eine Weiterentwicklung der Universität in Richtung einer international renommierten Spezialuniversität mit einer sehr starken Forschungsaktivität. Natürlich ist das in großen Organisationen immer so, dass es auch Widerstände gibt“, bedauert Höldrich. Die Situation sei natürlich unangenehm für die Kunstuniversität. Man versuche aber weiterhin, das Kerngeschäft ins Zentrum zu stellen. Das sind die künstlerischen Leistungen der Studierenden. „Wenn Sie unsere Veranstaltungen besuchen, dann sehen Sie, wofür unsere Universität wirklich steht, und das Publikum nimmt das auch wahr. In der Community nimmt man schmerzlich die Situation wahr, aber auf der anderen Seite sieht man, das Haus lebt von seiner inhaltlichen Arbeit.“ Der Universitätsrat empfiehlt nun eine erneute Ausschreibung des Rektorats. Das würde wieder einige Monate in Anspruch nehmen. Bis dahin werden noch zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen der Kunstuniversität Graz über die Bühne gehen. Und auch diese werden erfolgreich abgeschlossen werden. Auf den täglichen Betrieb wirkt sich der fehlende Rektor nicht aus. Der Entwicklungsplan der Universität reicht bis 2016. Auch die Finanzierung ist für die Jahre 2014 und 2015 gesichert. Denn „the show must go on“, auch ohne Rektor. „Man muss aber klar sagen, dass gewisse Dinge ohne ein vollständiges Rektorat nicht so schnell gehen können“, bedauert Robert Höldrich.

::: Hier können Sie den Text online im Printlayout lesen: LINK

Serie Steirische Hochschulen – Fazit 91, (April 2013)

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