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Der Kampf der Geschlechter

| 30. Juli 2014 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 105, Fazitthema

Foto: Piero Pichleretto

Der Genderkrieg ist härter als je zuvor. Und wichtig. Dass er dennoch vielen einfach auf die NervInnen geht, liegt an einer Unkultur.

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Die Schnittbilder hätten gepasst. Als Andreas Gabalier die Rückkehr der Formel 1 nach Spielberg mit der Bundeshymne besang, war just in dem Moment, in dem er nur die großen Söhne erwähnte, in der TV-Liveübertragung eine Tochter zu sehen. Klischeehaft im Dirndl gekleidet und mit rot-weiß-roter Fahne im Hintergrund diente sie als perfekte Inszenierung des Heimatstolzes. Die junge Dame grinste, der selbst ernannte Volks-Rock’n’Roller ließ seine Stimmbänder weiter vibrieren und niemand rechnete mit dem, was schon bald auf die Öffentlichkeit im Alpenland einprasseln würde.
Es raschelte alsbald nämlich wieder einmal gewaltig im Blätterwald. Und dazu brauchte es nur einen offenen Brief – verfasst von den »Grünen Frauen Wien«. Andreas Gabaliers »Weigerung, die aktuelle Version« zu singen und damit auch die »historischen Leistungen der Frauen« zu würdigen, sei »nicht akzeptabel«, hieß es dort. Und schon wurde landauf bis landab berichtet und eine Diskussion gestartet, deren Höhepunkt der Beteiligte selbst zusammen mit der Einführerin der neuen Hymnenversion im ORF mehr als öffentlichkeitswirksam zur Schau stellte: Bei einem Streit in der »ZIB 24«, der innerhalb kürzester Zeit zum Youtube-Wunder wurde. Und selbst wenn die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat im direkten Duell mit dem scheinbar plötzlich zum Politisierer emanzipierten Gabalier gefühlt als Verliererin hervorging – es war ein Remis ohne Gewinner. Denn das Wortgefecht zwischen »Ich werde die Hymne auch in Zukunft so singen, wie ich sie in der Schule gelernt habe« (Gabalier) und »Sie werden also auch in Zukunft das Gesetz brechen?« (Rauch-Kallat) war lediglich ein weiterer Beweis dafür, dass Debatten über das Thema Gleichberechtigung in Österreich nie ernsthaft geführt werden. Es herrscht eine Kultur wie zu besten Kindergartentagen – furchtbar emotional und noch irrationaler.

Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt es sich, einen Blick zurückzuwerfen. Gemeinsame Koedukation ab 1975, das Gleichbehandlungsgesetz von 1979, das jegliche Diskriminierung der Frauen in der Arbeitswelt unter Strafe stellte, oder das »Förderprogramm für Frauen im Bundesdienst« von 1981 – während man diese und ähnliche wichtige, richtige und überfällige Aufklärungsarbeit sowie Reformpolitik der Siebzigerjahre vorspulen kann, fängt es Ende der Neunziger an, spannend zu werden. Es war nämlich am 1. Mai 1999, dass die Amsterdamer Verträge in Kraft traten und damit die Europäische Union sich eine Vision an ihre blaue Fahne heftete: Gender-Mainstreaming. Die Aussicht auf eine Zukunft, in der die Unterschiede zwischen Frauen und Männer derart bewusst gemacht wurden, dass eine Gesellschaft entsteht, in der die Geschlechter vollkommen gleichgestellt sind.

Gendern als Alleinstellungsmerkmal
In Österreich funktionierte das von Anfang eher schlecht. Weil man schon auf den ersten Metern des Weges Fehler machte, wie Heinz Baumann, Genderexperte der Fachhochschule Joanneum, weiß: »Die Übersetzungsarbeit war schlecht. Und überfordert war man auch. Man wusste nicht, was Gender-Mainstreaming sein sollte und hat die Sache an die Frauenbeauftragten übergeben, weil es dort aus dem Feminismus der 70er heraus eine Struktur gab.« Das half aber niemandem weiter. Baumann, der neben seinem Lehrauftrag auch Forschungseinrichtungen und Bildungsorganisationen beim Umsetzen von Gender-Mainstreaming berät, sieht dennoch positive Aspekte: »Wir sind in den letzten 25 Jahren sehr weit gekommen.« Früher seien Genderprogramme wie jene von Hewlett-Packard ein Alleinstellungsmerkmal gewesen, heute wird Gleichstellung erwartet. Vor allem eben in Unternehmen. Dabei sehen die nackten Zahlen dort noch immer wenig frauenfreundlich aus.

Der so genannte »Gender Pay Gap«, der die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts bei der Bezahlung im Vergleich zu den Männern beschreibt, lag im Jahr 2012 laut Statistik Austria bei den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten bei 18,3 Prozent. Unselbstständig beschäftigte Frauen im Gesamten verdienten im gleichen Zeitraum sogar 39,3 Prozent weniger als Männer. Und die Zahlen lesen sich auch in anderen Bereichen noch immer so. Siehe Frauen in Führungspositionen: Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten staatsnaher Unternehmen in Österreich soll 2018 bis auf 35 Prozent steigen, derzeit liegt er erst bei etwa 26 Prozent. Die Justiz wurde erst in den 70ern langsam durch Frauenquoten geöffnet. Männerdiskriminierung unter dem Deckmantel des Gender-Mainstreamings, meinen Kritiker. »Solche Quoten sind Frauenpolitik und haben nichts mit Gender-Mainstreaming zu tun«, entgegnet Baumann. »Diese Regelungen ergaben etwa bei den Richterinnen Sinn, weil es davor de facto keine gab. Dass viele Männer sich schwer damit getan haben, ist auch klar: Es geht um Macht.« Heute sind Richterinnen ebenso selbstverständlich wie Polizistinnen, deren erste Vertreterinnen einst im Jahr 1991 ihren Dienst aufnahmen. Doch nicht bei allen Berufsgruppen sind Frauen selbstverständlich. »Die Freiwilligen Feuerwehren würde es ohne Frauen nicht geben, die Berufsfeuerwehr Graz etwa hat aber keine Frau im Dienst«, weiß Baumann. Der das körperliche Argument nicht zählen lässt. »Dann dürften ältere Feuerwehrmänner auch nicht mehr arbeiten.«

Eine Frage der Sensibilität
Wobei allein in dieser Detaildiskussion schon viel mehr steckt, als ein paar Argumente vermuten ließen. Während der Begriff der Polizistin in der Gesellschaft angekommen ist, ist der Begriff der Feuerwehrfrau so fremd wie der österreichischen Regierung eine Reformpolitik. Und wenn man statt von der Kindergartentante vom Kindergartenonkel spricht, fängt man erst recht an, nachzudenken. Langsam wird einem so bewusst, wie penibel man mit Sprache umgehen sollte, und man kann erahnen, warum es gerne emotional oder gar irrational wird bei Gleichberechtigungsthemen. Die Geschlechterfrage ist eben immer auch eine große Frage der Sensibilität. Im öffentlichen Dienst sind geschlechtsspezifische Stellenausschreibungen seit 1985 sogar gesetzlich verboten. Warum Ausschreibungen dieser Art sinnvoll sind, haben die Wissenschaftlerinnen Lisa Horvath und Sabine Sczesny herausgefunden: Gendergerechte Sprache, die beide Geschlechter miteinbezieht, führt dazu, dass sich Frauen mehr für Jobs in Führungspositionen bewerben. Weil Job und Organisation attraktiver erscheinen. Außerdem werden bei Ausschreibungen, die geschlechtergerecht formuliert sind, gleichermaßen Frauen wie Männer eingestellt. Wobei mit geschlechterneutral die Form »Geschäftsführer/in« und nicht die Form »Geschäftsführer (m/w)« gemeint ist.

Eigentlich auch alles eine Frage des Unterbewusstseins. Wenn man die Website der Fachhochschule Joanneum aufruft, schlägt ebendieses Unterbewusstsein zu. Auf einem großen Bild auf der Startseite wurde an alles gedacht, was in der aufgeklärten Welt des 21. Jahrhunderts wichtig ist, um Vielfalt zu zeigen. Blond, schwarzhaarig, dick, dünn, weiße und schwarze Hautfarbe – man verzeiht, dass kein Rollstuhlfahrer zu sehen ist. Political correctness in Reinkultur. Bis auf ein Detail, das wohl auch nur einem Experten wie Ernst Baumann auffällt: »Man sieht auf dem Foto drei Männer und drei Frauen. Die Frauen schauen die Männer an, die Männer blicken die Kamera an. Uns wird vermittelt: Die netten Dirndln, die toughen Burschen.« Ein Gedanke, der Symbolfotos in Zeitungen und der Werbung ins Gedächtnis ruft, wo die Sekretärinnen nun einmal meist Frauen sind und die Aufsichtsratsvorsitzenden meist Männer.

Der normierte Streit
Die Sekretärinnen also. Oder die SekretärInnen? Oder doch die Sekretär/innen? Oder gar die Sekretär_innen? Die Debatte um Gleichberechtigung äußert sich nirgendwo dermaßen stark wie beim geschriebenen Wort. Schon bevor Andreas Gabalier die Töchter bewusst außen vor ließ, hatte Österreich Ende März seine erste große Diskussion über geschlechtergerechte Ausdrucksformen. Damals endete die Einspruchsfrist für die neue Önorm A 1080 des »Komitees zur Regelung des Schriftverkehrs«. Dieses ehrenamtliche Konsortium – bestehend unter anderem aus einem Fachdidakten, einer Universitätsassistentin, zwei Unternehmerinnen oder einem Fachbereichsleiter einer Pädagogischen Hochschule – kam zu dem Entschluss, auf das Binnen-I zu verzichten. Natürlich wurde es nach Verlautbarung dieses Ergebnisses wieder einmal emotional bis irrational. »Sprache schafft Wirklichkeit. Weibliche Formen unerwähnt zu lassen und Frauen damit auszublenden, das wäre ein völlig falsches Zeichen«, sagte Bildungs- und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) schrie ebenfalls auf: »Frauen mitmeinen reicht noch lange nicht.«

Die Vorsitzende des Komitees, Walburg Ernst, ist als freiberufliche Trainerin für Texten und Schriftverkehr tätig und darf getrost als richtige Expertin auf diesem Gebiet bezeichnet werden. Als sie nach Bekanntwerden des Ergebnisses im März in einem Interview mit der »Wiener Zeitung« den Normentwurf verteidigte, distanzierte sich sogar ihr Auftraggeber, das »Austrian Standards Institute« (das ehemalige »Österreichische Normungsinstitut«), von ihren Aussagen. »Auch das Normungsinstitut hat Angst vor der öffentlichen Meinung. Es will unpolitisch sein und ist gleichzeitig vom Wohlwollen der öffentlichen Stellen abhängig«, weiß sie. Von ihrem Vorschlag rückt sie nicht ab. »Es gibt nirgends einen Auftrag, schriftlich zu gendern. Für mich als Expertin für Schriftverkehr und Texten ist es selbstverständlich, dass Frauen und Männer vorkommen. Das ist Höflichkeit – ich würde das aber nie mit einem Binnen-I machen, weil ich es ebenso unhöflich finde wie den Schrägstrich.« Ernst geht es vor allem um die Lesbarkeit von Texten, aber auch um Schulbücher, die gegendert werden und um wissenschaftliche Arbeiten. Denn während von allen offiziellen Stellen geschlechterneutrale Sprache gefördert und gefordert wird, findet man diese in Zeitungen und Magazinen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Oft sind es sogar die Medien, die am lautesten für das Gendern anschreiben, die selbst im eigenen Druckwerk nicht darauf Acht geben. Selbst Gender-Experte Ernst Baumann glaubt nicht daran, dass die Medienlandschaft sich ändern wird: »Ich denke nicht, dass der ›Standard‹ oder die ›Kleine Zeitung‹ von heute auf morgen ihre Schreibweisen umstellen werden. Es ist aber zu sehen, dass neutrale Begriffe öfter verwendet werden als vor zehn Jahren. Und das ist positiv.«

Von einer gar nicht rechten Hetze
Was aus der geplanten Önorm wird, steht wo anders geschrieben. 1.400 Änderungsvorschläge sind eingegangen. Laut Geschäftsordnung werden zu allen Einsprüchen, die abgelehnt werden, Kommentare abgegeben. Sollte die Önorm nicht den Ansprüchen des »Austrian Standards Institute« entsprechen, gibt es ein internes Schiedsgericht. Sollte die Önorm umgesetzt werden, hat das aber weitreichende Folgen. An dem Tag, an dem sie abgesegnet wurde, ist sie für Lehrpläne von Schulen geltend zu machen und die offizielle Empfehlung für den Schriftverkehr in der öffentlichen Verwaltung, Privatindustrie und Privatwirtschaft. Was das bedeutet, erklärt Walburg Ernst mit einem Beispiel: »Wenn eine Norm für die Wasserqualität von Bädern herauskommt, kann ich privat selber bestimmen, ob ich gute Werte haben will. Aber ein öffentliches Bad, in dem die Werte nicht der Norm entsprechen, bekommt Schwierigkeiten.« Die Önorm wäre also tatsächlich die Vorlage schlechthin und mehr oder weniger Gesetz ohne tatsächlich Gesetz zu sein.
Das erklärt wiederum, warum sowohl Gegner als auch Entwerfer weiterkämpfen. Was noch lange nicht heißt, dass man hier anders als bei der Hymnendiskussion zwischen Rauch-Kallat und Gabalier das Gefühl hätte, dass es einen Sieg geben kann. Denn die gefühlte Hetze gegen Ernsts Komitee ist nicht mehr nur irrational, sie wird zum Teil auch schon mal absurd. Und geht gar so weit, dass Menschen wie Walburg Ernst sogar ins rechte Eck gerückt werden.
Das passierte zuletzt beim sogenannten »Brief der 800«. 800 Sprachexperten wandten sich per offenem Brief an die Öffentlichkeit und unterstützten damit die Abschaffung des Binnen-Is und die Empfehlung von Ernsts Komitee. Sprachwissenschaftlicher, Universitätsprofessoren und Menschen wie Chris Lohner unterzeichneten das Schreiben. Erscheinen sollte der Brief eigentlich schon früher. Deswegen wurde er unter anderem an den Verein »Muttersprache« weitergegeben, der ihn in seiner Zeitschrift »Wiener Sprachblätter« abdruckte. Schließlich früher als gewollt. Was ein Nachdruck sein hätte sollen, wurde zur Erstveröffentlichung. Ein Missgeschick, das schließlich dazu führte, dass kreative Querverbindungen zwischen dem Verein »Muttersprache« und der »Österreichischen Landsmannschaft« ausgemacht wurden. Und mancherorts ging man sogar so weit, dass man dadurch Rechtsextremisten als »Taktgeber« der Initiative ausmachte. Wortwörtlich so geschrieben im Blog »stopptdierechten.at«.

Was hier gerne ausgespart wird: Auch Verfechter der konservativen Sprachform sind noch lange keine Rechtsextremisten und schon gar keine unaufgeklärten Menschen oder Gegner von Gender-Mainstreaming in all seinen Facetten. »Gleichberechtigung muss unbedingt sein«, erklärt auch Walburg Ernst. »Gerade die Frauen, die sich an der Sprache so aufhängen, sollten aber versuchen, etwa an den Gehältern etwas zu ändern. Frauen werden durch Binnen-I nicht gefördert, sondern zum Beispiel mit mehr Kinderbetreuungsplätzen.« Und ergänzt: »Aber Papier ist eben geduldig. So fällt nicht auf, dass sonst nichts weitergeht.«

Auf der Aufklärungsautobahn
Wahrlich hat man irgendwie das Gefühl, dass die Diskussion um ein paar Buchstaben manchmal lieber geführt wird. Und Ernst verweist auf noch eine Facette: »Vergessen wir nicht, dass Frauen keine Wehrpflicht haben, mit 60 in Pension gehen und dass es etwa Frauenparkplätze gibt.« Gleichberechtigung ist eben keine Einbahnstraße, sondern vielmehr eine große Aufklärungsautobahn mit zwei Fahrrichtungen, die nicht schnell genug ausgebaut werden kann.
Aber wie auf allen Autobahnen gibt es oft Staus. Und die gehen vielen kräftig auf die NervInnen. Der Antwortbrief der »Grünen Frauen Wien« in Richtung Andreas Gabalier zeigte, was die breite Öffentlichkeit von dieser Art der Diskussion hält. Der Aufschrei der Politikerinnen ging mächtig nach hinten los. Es hagelte Kritik in den sozialen Medien. Und zwar von allen ideologischen Fronten. 30 Jahre nach den ersten Schritten zur Gleichberechtigung ist die qualifizierte Mehrheit der emotionalen, ja so oft irrationalen Diskussion nämlich schon voraus. Nur wenige freuen sich über gegenderte Sprache, aber sie wird in Amtssprache, Stellenausschreibungen, wissenschaftlichen Arbeiten, in ausgewählten Frauenzeitschriften und vielleicht sogar in manchen Schulbüchern Einzug halten – so sie das nicht schon getan hat. Es wird weiter Universitäten wie jene in Leipzig geben, die als Statement bewusst nur die weibliche Form verwendet. Aber so wie sich die Zeitungen und Zeitschriften im Gesamten nicht umstellen werden, wird Weltliteratur nicht im Nachhinein mit Binnen-I, Underscore oder Querstrich versehen, geschlechterneutral neu publiziert werden.

Das beweist auch eine Umfrage von »Spectra«. Das Marktforschungsinstitut nahm die aktuelle Diskussion um geschlechterneutrale Sprache in Österreich zum Anlass, um die öffentliche Meinung im Land einzuholen. Das Ergebnis war relativ eindeutig und wurde anhand von konkreten Beispielen ermittelt: Nur 23 Prozent sprechen sich für eine geschlechterneutrale Formulierung bei der Anrede aus, auch bei Sportberichterstattung in Zeitungen wünschten sich nur ein Drittel gegenderte Sprache. Und Frauen sind übrigens nur um geringfügige zehn Prozent mehr für Binnen-I und Co. als Männer. Das Verständnis ist naturgemäß bei jüngeren und besser gebildeten Menschen höher, aber genau dort gibt es eben auch den Widerstand – und zwar in allen Gesellschaftsschichten. Das kann selbst Ernst Baumann bestätigen. »Es kommt auch viel Murren von Seiten meiner Studierenden, ja. Ich verstehe das auch, aber das ist nur die eine Seite. Die andere ist, dass wir die Kinderfrage diskutieren müssen, wenn wir alle schon so aufgeklärt und gleichberechtigt sind.« Der Anteil der Männer, die jetzt in Karenz gehen, sei wesentlich höher als früher, ist aber noch immer weit weg von einer gerechten Aufteilung. »Psychologisch gesehen ist das auch nachvollziehbar«, sagt er weiter. »In Krisen und bei großen Herausforderungen greift der Mensch auf Altbewährtes zurück und dann macht den Hauptteil bei den Kindern eben die Frau. Genau da müssen wir ansetzen, genau da ist die Gesellschaft einzementiert und das muss man auflösen.« Die Formulierung »Aufbruch in ein neues Zeitalter« war noch nie so richtig.

Titelgeschichte Fazit 105 (August 2014)

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