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Faszinierende Gleichzeitigkeit

| 22. Februar 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 140, Fazitreise

Foto: Thomas GoiserEine Reise nach Ubud auf der indonesischen Insel Bali. Wie ein Film einen Ort prägen und quasi in ein touristisches Paralleluniversum verfrachten kann, kennen wir seit »The Sound of Music« und Salzburg. Das einst noch etwas verträumtere Städtchen Ubud auf der indonesischen Insel Bali wiederum wurde durch »Eat Pray Love« mit Julia Roberts im vergangenen Jahrzehnt etwas schockerweckt.

::: Text von Thomas Goiser
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Eso-, ethno-, öko-, und herkömmlicher globaler (trash-)Tourismus prägen gleichzeitig den Alltag, von dem einige Einheimische außerordentlich profitieren. Eine Statistik zu den Topumsätzen, die Einzelpersonen auf der Vermietungsplattform »Airbnb« erzielen, zeigt einen nicht näher genannten Immobilieneigentümer in Balis im 2017 global an zweiter Stelle. Er soll mit 504 Objekten einen Umsatz von rund zwölf Millionen Britische Pfund erzielt haben. Gleichzeitig entwickeln sich im Raum Ubud immer mehr Hotels und Lodges, vom Backpacker-Standard bis zur Luxusklasse.

Die Hektik des Heilens
Die Stadt nördlich von Denpasar pulsiert. Jeder pulsiert. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die gehetzte mittelalterliche Zentraleuropäerin im Urlaub vom veganen Mittagessen zur Yogastunde beeilt, um danach eine Gesichtsbehandlung und einen Termin beim Tätowierer zu absolvieren. Geboten wird ein Konglomerat aus Buddhismus, Hinduismus und allgemeiner Spiritualität mit allen geeigneten Utensilien für das spätkapitalistische Zeitalter (vom T-Shirt über Klangschalen, Gebetsketten bis hin zum Flaschenöffner in Penisform aus Holz. Man kann hier immerhin auch (stundenweise) seine Chakren heilen.

Nebenan – im berühmten Monkey Forest – ist der Besuch bei unseren überübernächsten Verwandten eine besondere Attraktion. Rund 800 (heilige) Affen leben dort in den Tag hineinleben – schlafen, essen, und führen Machtkämpfe und Statusspielchen auf. Wenn man jetzt noch das Geldwesen, ungeregelte Arbeitszeiten und verpflichtende Sozialversicherung ergänzt, fehlt nicht mehr viel auf den modernen Menschen. Eben diese treffen sich gegenüber im »Hubud« (Kunstwort aus »Hub« – also Plattform – und »Ubud«), einem sehr bekannten »Coworking Space« für globale digitale Nomaden und Start-ups.

Naturkräfte am Werk
Umrahmt wird das Ganze von wunderbaren historischen Tempeln, prächtigen Palästen und der allgegenwärtigen tropischen Natur. Eine Filmkulisse eben, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Für all die dringenden Wege in dieser entspannenden Umgebung mit den immer freundlichen Einheimischen lässt sich ein Moped um günstige 60.000 indonesische Rupien pro Tag mieten, das entspricht nicht einmal 4 Euro. Vulkane wie Mount Batur und Mount Agung (der im Herbst wieder durch seine Aktivitäten den Flugverkehr lahmgelegt hat) sind bedeutende Sehenswürdigkeiten. Hunderte Menschen wandern täglich vor Sonnenaufgang auf den Gipfel des Mount Batur, um den Sonnenaufgang zu erleben und den Nachbarvulkan zu betrachten, der um einiges höher ist. Oft findet man sich dann zur Regenzeit allerdings in einer (gerade abregnenden) Wolke wieder und kann – gut durchfeuchtet – den Rückweg antreten.

Ein Besuch bei den Reisterrassen in Tegalalang lässt einen erstaunen, wozu Menschen fähig sind. Opulent wie das Naturerlebnis ist auch das Museum der Werke von Don Antonio Blanco, der Zeit seines Lebens vor allem halbnackte Frauen malte, bunt, virtuos und witzig. Fotografieren war hier leider nicht möglich. In unmittelbarer Nähe davon findet man einen besonderen Rückzugsort, fast eine Gegenwelt: Das Café »Littletalks«, eine Mischung aus Bibliothek und Café mit einem besonders beruhigenden Blick ins Grüne. Zur Entspannung empfiehlt sich auch ein Abstecher in die »Yoga Barn«, einer großen Yoga- und Wellnessanlage mit guter Gastronomie.

Was Ubud mit Graz gemeinsam hat, ist die schlechte Luftqualität. Im Falle der balinesischen Stadt rührt diese vom Mopedverkehr und wohl auch von mobilen Grillanlagen für Spieße und andere Leckereien. Für den Konsum von alkoholischen Getränken empfiehlt sich allerdings aus Kosten- und Qualitätsgründen eher ein Besuch der steirischen Weinstraße. Jedenfalls bis dort jemand einen weltweit erfolgreichen romantischen Film dreht …

***

Anreiseinformationen
Es gibt täglich Flugverbindungen nach Europa. Die Entfernung beträgt knapp 12.000 km, die reine Flugzeit um die 12 Stunden. Preise nach Saison und Buchungszeitraum sehr unterschiedlich, am günstigsten bucht man oft 3 Monate vor dem Fliegen. KLM fliegt ab Amsterdam mit vielen Direktanschlüssen von deutschen Städten, Qatar Airways auch direkt ab Zürich, Wien, Berlin und München.

bali.de
wikitravel.org/de/Bali
balitourismboard.org

Fazitreise, Fazit 140 (März 2018) – Fotos: Thomas Goiser

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