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Frischer Herbstwind

| 26. Juli 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 145, Kunst und Kultur

Foto: Christian BeneschBeim feschen Kaffee auf dem Lendplatz treffe ich eine sichtlich gelassene Ekaterina Degot. Und plaudere mit der neuen Intendantin des Steirischen Herbst über das Programm.

::: Text von Michael Petrowitsch
::: Hier im Printlayout online lesen

Du hast ein neues sehr breites Kuratorenteam aufgestellt, sind das nicht zu viele?
Es gibt sehr viel Arbeit und wenig Zeit.

Schwerpunkt ist also Bildende Kunst …
So würde ich das nicht sagen, Bildende Kunst ist eher als der »starting point« zu sehen. Wir sind an transdisziplinär arbeitenden Künstler interessiert. Die Arbeiten können als Film, Roman, Installation funktionieren. Oft kommen die Leute aus der Bildenden Kunst, aber definieren sich anders, daher arbeiten sie in verschiedensten Formaten. Heuer gibt es den thematischen Schwerpunkt Volksfronten. Nächstes Jahr ist es etwas anderes. Generell werden wir an politischen, sozialen Fragen interessiert sein und wie Kunst darauf reagiert hat und wie rückblickend gesehen die historische Avantgarde reagiert hat. Am Steirischen Herbst ist da natürlich an sich schon interessant, wie er sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Postavantgarde definiert hat und natürlich auch im Hinblick auf die Region Trigon (Slowenien, Italien). »Politisch« wird er unter meiner Leitung immer bleiben, aber stets mit anderen Blickwinkel.

Wird es intensivere Kooperationen mit den Nachbarländern geben?
Unsere Kooperationen definieren sich in erster Linie über die Künstler. Das bedeutet, nicht einfach Künstler und ihre Kunstwerke einzuladen und auszustellen, sondern sie einzuladen, um mit ihnen gemeinsam Ideen ortsspezifisch auszuarbeiten.

Das Grazer und steirische Bürgertum wünscht sich wohl auch, eingebunden zu werden …
Letztlich war es immer so, dass ein Teil des steirischen herbst kuratiert wird und die Szene in einem dichten Begleitprogramm in Erscheinung tritt, teilweise gab es enge inhaltliche Kooperationen. Diese Tradition sollte erhalten werden und nicht nur auf eine kleine Gruppe von Institutionen beschränkt sein.

Wie ist das mit dem Südosteuropaschwerpunkt?
Alle wissen, dass slowenische Designer die besten sind! [lächelt] Daher freut es mich, dass wir das Kollektiv Grupa Ee aus Ljubljana für die neue Gestaltung gewinnen konnten. Generell werden wir immer wieder mit Leuten aus diesem Raum arbeiten, da die Region uns sehr interessiert. Man betrachte einmal kritisch die ganzen Kontexte. In Südosteuropa etwa hat man den starken Wunsch, woanders zu sein beziehungsweise: jemand anderes zu sein.

Deine Biografie und deine Publikationen weisen auf den starken Avantgardebegriff hin.
Malewitsch können wir uns nicht leisten … [lacht] … aber generell ist der historische Avantgardebegriff für mich natürlich wichtig. Es gibt eine Herbstbar in der Postgarage mit Installationen in der Stadt und unterschiedliche Formate im öffentlichen Raum. Ich sehe alles als öffentlichen Raum, das vergisst man oft in der Diskussion. Das was Theaterraum ist, ist genauso öffentlicher Raum. Das neue Format soll das Festival so zugänglich wie möglich für alle Besucherinnen und Besucher machen. Wir wollen mehr und neues Publikum, wir wollen internationaler werden.

::: Zur Homepage des Steirischen Herbst

Alles Kultur, Fazit 145 (August 2018) – Foto: Christian Benesch

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