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Polarkreis-Hopping

| 29. Oktober 2014 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 107, Fazitreise

Foto: Katharina Zimmermann

Fisch am Feuer gebraten. Lachs in Hülle und Fülle und als Garnierung Blätter in allen Herbstfarben. Wenn die Nächte länger werden, ist noch immer genügend Tageslicht da, um am Kukkolankoski-Fluss zu raften oder den besten Fisch des Lebens zu essen. Und des Nächtens lockt die allseits beliebte Sauna mit hochprozentiger Begleitung in Form von Bier, Schnaps oder Cider.

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Am Flughafen von Helsinki mischen sich auffallend viele Japaner unter die Europäer. Designexporte wie Marimekko oder die liebenswerten Mumins haben in Japan einen Exportschlager gefunden. Doch in das kleine Flugzeug nach Kemi Tornio steigen keine Design-Fans mehr, sondern eher Naturburschen und solche, die es noch werden wollen. Denn im Norden von Finnland, in der Gegend rund um Rovaniemi, wird man naturverbunden, ob man will oder nicht. Spätestens, wenn man über die lose erscheinenden Holzbretter hoch über dem Kukkolankoski-Fluss balanciert, weiß man, dass man sich hier gut mit der Natur arrangieren muss. Die Fischer versuchen hier, Renken zu fangen, und tun dies, indem sie auf ihren etwas wackligen Stegen stehen und selbst gebastelt wirkende Kescher auf professionelle Art ins Wasser halten. Auf der anderen Seite des Wassers, hinter den Stromschnellen, leuchten die dunkelroten Häuser Schwedens her, der Himmel ist grau und verbreitet düstere Stimmung. Man ist also im Norden von Europa angekommen.

Es werde Licht
Abends trifft man sich in einer kleinen Hütte etwas flussaufwärts, wo das Wasser ruhiger ist. Im Siikakartano-Haus werden die fangfrischen Renken direkt am offenen Feuer nach traditioneller Methode zubereitet, dazu wird Sekt serviert, und während draußen das Grau des Tages in ein charmantes Abendblau übergeht, wird einem im Herzen warm. Der Fisch wird auf einem schlichten Holzbrett serviert und ebenso einfach mit den Händen gegessen. Beilage gibt es dazu keine, nur eine Vorspeise in Form eines kleinen Aals, dessen Kopf man vor dem Verzehr kurzerhand abreißt. Die Renke erinnert mehr an ein gutes steirisches Backhendl als an einen gerade am Feuer zubereiteten Fisch und zergeht auf der Zunge. Nur mit etwas Salz und dem Rauch des Feuers gewürzt, ist dies eine Art der Zubereitung, die gleichsam pur und fantastisch ist.

Einfach mitreißend
In Lappland, rund um den Polarkreis, sind die Abenteuer zu Hause. Gleich nach dem Frühstück tauscht man die ohnehin schon sportliche Kleidung gegen Neoprenanzug, Helm und Schwimmweste. Der Weg ist das Ziel. Und dieser Weg führt den Fluss hinunter, Stromschnellen inklusive. In der Gruppe der Rafter wird es ruhig, viele sind zum ersten Mal dabei. Die, die bereits öfter einen vergleichbaren Ritt gewagt haben, verspüren etwas Vorfreude. Als Tipps dienen die Anordnungen: Immer paddeln, und wenn man aus dem Boot fällt, einfach auf den Rücken legen. Und schon geht das Wildwasserspektakel los. Wo man zuerst noch Muskelkraft braucht, um weiterzukommen, wird man bald vom Wasser getragen. Und schon türmen sich scheinbar meterhohe Wellen vor einem auf. Die Herz- und Paddelfrequenz steigt und plötzlich ist der Spuk auch wieder vorbei, wobei man die Rufe des Kapitäns, die sich auf »Paddle, paddle, paddle« beschränken, und das Rauschen der Kukkolankoski-Stromschnellen noch immer im Ohr hat.

Finnische Tapas
Auf der Fahrt von Kemi zur Hauptstadt Rovaniemi, die vielen als der fiktive Heimatort von Santa Claus bekannt sein könnte, reißen die Wolken auf und blauer Himmel zeigt sich. Die Sonnenstrahlen tauchen die flache Landschaft, die sich in Form von Wäldern beidseits der Straße ausbreitet, in goldenes Licht. Man fährt also durch ein Meer an Herbstfarben ins Herzen von Finnland, Richtung Polarkreis. Am Ziel angekommen, kann man sich im City Hotel stärken. Der Koch stammt aus Southampton, hat sich allerdings in eine Finnin verliebt und verzaubert nun die Finnen mit seinen Kreationen, die bunter und freundlicher nicht sein könnten: Rentiertatar oder Krabbenfleisch lassen den Gaumen jubilieren. Auch finnische Tapas sind im Kommen: Rentierwurst, Lachsröllchen, Pilzaufstriche und dergleichen machen Lust auf den Norden.

Rund um den Napapiiri
Rovaniemi erlitt ein trauriges Schicksal: Im zweiten Weltkrieg wurden alle Häuser verbrannt. Die Bewohner konnten glücklicherweise zum Großteil schon vorher flüchten, allerdings erklärt dieses Fakt, warum man im gesamten Stadtzentrum kein einziges altes Haus sieht. Möchte man etwas traditionell Finnisches sehen, dann kann man zum Beispiel zum »Poropirtti«, wo man auch gleich selbst Hand anlegt – wahlweise beim Kochen oder Fischen. In Butter angeröstete Kartoffeln duellieren sich mit den Pilzen und der cremigen Brennnesselsuppe im olfaktorischen Trio. Dazu wird geräucherter Lachs gereicht. Auf dem Holzhaus prangt auch der finnische Name für den Polarkreis: »Napapiiri«. Wieder ist es drinnen gemütlich – was auch daran erinnert, dass hier im Winter die Tage zu Nächten werden und man solche Wohlfühlorte einfach braucht.

Auf in die Sauna
Apropos Wohlfühlen: Hier haben sich die Finnen schon ihr eigenes kleines Paradies geschaffen. Es gibt kaum Wohnsiedlungen beziehungsweise Häuser, welche über keine eigene Sauna verfügen. In Finnland gehört diese zum täglichen Leben und wird mit Bier, Hochprozentigem oder anderen kühlen Getränken als Gesellschaftsevent zelebriert. Wer’s mag, kann wie etwa im »Metsäkyly« – einem modernen Holzbau mitten im Wald – nach der althergebrachten finnischen Rauchsauna gleich die Treppe in einen arktischen See hinuntersteigen. Abkühlung ist gar kein Ausdruck! Doch erklärt diese Wechselwirkung wahrscheinlich auch, warum Finnen trotz tiefer Kälte und hohem Norden so fröhliche Gemüter haben. Und warum sie um so vieles jünger aussehen, als sie es wirklich sind.

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Weitere Informationen
Übernachtungsmöglichkeiten Gleich beim Fluss befinden sich die typischen Holzhütten von »Torne River Cottages«, natürlich in Rot gehalten (nordicsafaris.com). Zusätzlich kann man hier auch das typische Renkenessen beziehungsweise Raften buchen. Nobler schläft man im »City Hotel Rovaniemi« (cityhotel.fi), das auch das beste Restaurant der Stadt hat.

Essen & Trinken Im »Poropirtti« (laplandsafaris.com) kann man selbst am offenen Feuer kochen. Natürlich mit Assistenz von professionellen Köchen. Das Haus ist eines der ältesten der Gegend und noch immer in tadellosem Zustand. Im »Savotta« lockt der Mix aus finnischen Tapas, Sauna und dem malerischen Fluss Kemijoki. (lapponiasafaris.com)

Erlebnis Lust auf Sauna mitten im Wald? Im »Metsäkyly Forest Retreat« (metsakyly.fi) lässt man es sich so richtig gut gehen. Von den beiden Whirlpools sieht man den arktischen See, der auch nach der Sauna für Erfrischung sorgt.

Fazitreise, Fazit 107 (November 2014), Foto: Katharina Zimmermann

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