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Soltys’ Welt

| 24. Oktober 2018 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 147, Fazitbegegnung

Foto: Sabine Hoffmann

Wer die wahren Abenteuer sucht – in den Bilderwelten von Herbert Soltys wird er fündig. Jeder auf seine Weise natürlich. Jedenfalls auf einfache Art: Denn sein Atelier in der Körösistraße 59 ist für alle offen. Und weil der Maler nicht nur kommunikativ, sondern auch höchst diszipliniert ist, trifft man ihn dort zwischen 9 und 16 Uhr verlässlich an. Auch eine allfällige Vorankündigung wird leicht gemacht – seine Telefonnummer ist im Internet frei zugänglich.

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Soltys spricht gern über seine Arbeit und die Rahmenbedingungen. Offen, direkt und markant. »Der Kunstmarkt muss sich beleben«, kommentiert er die offensichtlich konzertierte Vernichtung eines Werks des britischen Künstlers Banksy Anfang Oktober bei einer Sothebys-Auktion. Er nimmt sich kein Blatt vor den Mund: »Es geht um Geld. Öffentlichkeitsarbeit ist wichtiger geworden als das Werk«. Dabei sieht er als kritischer, aber immer positiver Geist die Entwicklung gar nicht negativ: »Die Künstler werden mehr gefordert und es wird nicht alles Institutionen wie Galerien überlassen.« Der legendäre Werbefachmann und Kunsthändler Charles Saatchi habe gemeint, man muss etwas tun, damit die Kunst mehr wert wird. Wenn Kunst beispielsweise ins Museum kommt, steigt ihre Wertigkeit. Soltys: »Damit werden Erkennungsfaktor und Qualität erhöht. Und folgt noch eine Auktion, steigt der Wert noch mehr.« Aber kann das Aufgabe des Künstlers sein, wäre das nicht wie ein zweiter Job? Saatchi hat letztlich die Galerien ausgegrenzt und der Künstler Damien Hirst seine Auktion schließlich sogar privatisiert. Soltys: »Und er hat allein damit über 420 Millionen Umsatz gemacht!« Über Kunst, genauer den Kunstmarkt lässt es sich so trefflich wie unendlich diskutieren. Herbert Soltys, der sein Atelier schon seit mehr als 30 Jahren betreibt, hat an der Grazer Kunstgewerbeschule bei Otto Brunner gelernt, hatte einen Lehrauftrag an der heutigen Kunstuni, war Leiter für Bühnenbild der Werkstätten der Vereinigten Bühnen Graz und ist seit 2007 freischaffend tätig. Sein Werk umfasst geschätzte 3000 Bilder und besitzt bei aller Vielfalt hohen Wiedererkennungswert. Eindeutig steht der menschliche Körper im Mittelpunkt des Soltys-Universums. Wenn die Tore des Ateliers größer wären, würde er wahrscheinlich noch größere Bilder malen, so beschränkt sich das Maß auf 240 mal 200 Zentimeter. Konkrete bis abstrakte Körper bevölkern seine Leinwände und geben Rätsel und Interpretationsmöglichkeiten auf, perspektivische Verkürzungen und extreme Winkelansichten zeugen von handwerklicher Perfektion. Der körperliche Einsatz des Malers ist förmlich spürbar, so sagt er über seine Malweise auch: »Mit Herz, Hirn und Faust.«

Seinen Malprozess vergleicht Soltys mit Simultanschach: Er malt an mehreren Bildern gleichzeitig. Malerei als permanente Auseinandersetzung, die auch mehrere Jahre für ein Bild dauern kann. »Durch den Prozess bekommt das Bild einen Ist-Wert. Die Bestätigung ist dann die Öffentlichkeit – die Ausstellung, die Galerie, der Verkauf.« So etwa heuer auf der Scope in Basel oder zwei Ausstellungen in der Grazer Galerie Stross oder der Ankauf durch den Kärtner Kunstsammler und Museumsbetreiber Herbert Liaunig.

Dass Herbert Soltys vor vielen Jahren dem legendären Leiter der Neuen Galerie Wilfried Skreiner einen Korb gegeben hat, als dieser ihn mit Schmalix, Mosbacher und Anzinger als Neuen Wilden aufbauen wollte, bezeichnet er heute zwar als Fehler (»Ich wollte nicht nur mit Rot, Gelb und Blau malen.«); der Vorteil dieser seiner konsequenten Art für Kunstliebhaber ist aber, dass ein echter Soltys (noch) leistbar geblieben ist: Die Preise bewegen sich zwischen 1.500 Euro für Grafiken und 7.000 Euro für großformatige Ölbilder. Tendenz steigend.

Herbert Soltys, geboren 1956 in Graz. Stationen: Absolvent der Kunstgewerbeschule Ortweinplatz/HTBLA Graz (Malerei), Lehrauftrag an der Universität für Musik und Darstellende Kunst, Graz (Bühnenbild), Leitung für Bühnenbild der Werkstätten der Vereinigten Bühnen Graz, Mitglied des Künstlerkollektivs Intro-Graz-Spection, ab 2007 freischaffender Künstler.

Fazitbegegnung, Fazit 147 (November 2018) – Foto: Sabine Hoffmann

 
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