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Grazer Boden unter internationalen Festivalfüßen

| 31. März 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 151, Kunst und Kultur

Foto: Alexi Pelekanos

Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber leiten seit vier Jahren mit angenehmer, harmonischer Unaufgeregtheit das Filmfestival Diagonale. Text von Michael Petrowitsch.

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Wir plaudern bei Mineralwasser (prickelnd) mit den – klugerweise bis 2021 – Verlängerten unter anderem über kulturindustrielle Wirkmacht, die man ernst nehmen sollte, und ähnlich gelagerte Themenstellungen.

Seid Ihr noch immer »die Jungen«?
So ganz bekommt man das Image nicht weg. Aber die Verjüngung der Diagonale war ja auch ein Wunsch, damit kann man auch kokettieren. Vor vier Jahren haben wir uns halt auch jünger gefühlt (beide lachen). Solange man Jugendlichkeit nicht automatisch mit Inkompetenz zusammenführt passt’s.

Ist die Diagonale an sich ein politisches Projekt?
Die österreichischen Filme sind gerne politisch und das ganz pragmatisch. Die Diagonale ist stets so politisch wie die Filme, die gerade entstehen. Aufgabe der Diagonale ist ja eine starke Abbildung des Gegenwärtigen. Die österreichische Filmkultur ist sehr politisch, weil sie die Zeit nicht nur abbildet, sondern auch kommentiert. Es gibt eine starke Tradition im Dokumentarfilmschaffen. Aufgabe ist es für uns allerdings auch, nicht zum Manifest zu werden, sondern vielstimmig zu sein.
So begleiten ja Branchenkonferenzen und eine Bandbreite an Effekten das Festival. Thematische Fragestellungen wie etwa »Welcher Film sollte gefördert werden?« oder »Welche Rolle nimmt der ORF ein?« sind Begleitprogramm.

Ihr beide entscheidet über den Eröffnungsfilm und die Moderation.
Die Moderation, die recht pointiert sein kann, auch tagespolitisch motiviert, führt durch den Abend. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Moderatoren Maulkörbe zu verpassen. Es soll allen klar sein, dass das Format Diagonale viele Meinungen zulässt, die aber auch nicht immer mit unserer persönlichen konformgehen müssen.

Dieses Argument »Ich habe eh ein Netflix-Abo, wieso soll ich ins Kino gehen?« Wie reagiert Ihr darauf?
Eine der ersten Fragen, die an uns gestellt wurden, war ja bezugnehmend auf unser Alter: Geht das Festival jetzt ins Internet? Das haben wir klar verneint. Grundsätzlich sollte man die Thematiken nicht gegeneinander ausspielen. Ein Schüler sagte mal zu uns: Er hat auch diverse Streamingabos etc., aber ein Kinobesuch ist für ihn, wie gut essen zu gehen. Kino wird somit zu etwas Besonderem. Es ist nicht mehr das Massenmedium, sondern hat eine andere soziale Komponente bekommen.

Ist Kunst und Kultur überhaupt fähig, gesellschaftspolitische Veränderungen zu initiieren?
Also verwehren würden wir uns gegen den Anspruch, propagandistisch und sektiererisch arbeiten zu wollen. Kunst soll machen, was sie macht. Für Kultur versucht man, bestmögliche Rahmenbedingung zu schaffen. Unser Anspruch ist sehr stark, so schwierig das ist, nicht in der eigenen Echokammer zu bleiben. Und das bei der Vielstimmigkeit der kunstgeschichtlichen Historie der letzten Jahrzehnte in der Steiermark. Das Medium Film ist Auseinandersetzung mit der Gegenwart, aber nicht dazu da, Menschen »umzudrehen«.

Ergibt Graz als Veranstaltungsort weiterhin einen Sinn?
Die Diagonale konnte ihre Strahlkraft als Branchen- und Publikumsfestival erst in Graz entwickeln. Graz hat ausreichend Innenstadtkinos, die man bespielen kann, es hat eine lebendige Innenstadt mit einer Kaufmannschaft, Gastropartnern und Hotels und allgemein eine Atmosphäre, die dem internationalen Vergleich jedenfalls standhält. Wir sind dafür sehr dankbar, dass wir ein konstruktives Klima vorfinden. Man fühlt sich willkommen, das ist alles andere als selbstverständlich. Es ist kulturpolitisch wichtig, dass nicht alle Veranstaltungen in Wien stattfinden, das wäre fatal!

So was höre ich als Grazer gerne, danke für das Gespräch!

diagonale.at

Alles Kultur, Fazit 151 (April 2019), Foto: Alexi Pelekanos

 
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