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Gemma Demo?

| 26. April 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Da Wanko, Fazit 152

Foto: Martin G. Wanko (Selfie)

Waren Sie auch schon einmal auf einer Demo? Also, wenn Sie kein Streber sind, dann waren Sie schon einmal. Ich war ungefähr 18 Jahre alt, das war 1988, als an der Schule plötzlich die Kunde Runde machte, wir müssen schnell in den Pausenhof, denn jetzt wird demonstriert, gegen die drohenden Studiengebühren.

::: Text von Martin G. Wanko [Hier im Printlayout lesen.]

Also stand plötzlich ein Aktivist von der ÖH vor uns Schülern und hielt eine kämpferische Rede. Ein Schüler, mit Hermann-Hesse-Brillen und ein Werk Sartres in der Hand, gesellte sich zu ihm auf das Podium und verkündete, dass die ganze Schule nun hinter den streikenden Studenten stehe, während der echte Schulsprecher beim Direktor saß, dem wurden die Leviten gelesen, dass es so etwas nicht zu geben habe, vor allem nicht in seiner Schule.

Die Studiengebühr konnte 1988 noch verhindert werden. Einige Jahre später war es dann so weit: Erneut ging es zu einer Demo gegen den möglichen Semesterbeitrag. Um rund 50 Schilling pro Semester ist es gegangen, also eher eine Sache des Prinzips. Das wollte man sich natürlich nicht leisten. Am Höhepunkt des Streiks wurde immer laut bis 23 gezählt und eifrig gelacht, weil der Viktor Klima damals eben der Kanzler war und 23 Semester brauchte, bis er sein Studium finalisierte, ganz ohne Studiengebühren. Dass der Vikerl bereits voll im Job stand, praktizierender Papa war und deshalb länger studierte, wurde tunlichst verschwiegen.

Übrigens, die Demo gegen die damalige Regierung fand am Nachmittag statt. Auf manchen Plakaten stand »So ein scheiß Klima.« Das war ziemlich klasse und ich habe dabei lustige Leute kennengelernt. Heute wird ja auch gegen das Klima demonstriert. Also nicht gegen den Vikerl, sondern gegen das globale. Das hätte man schon vor 15 Jahren machen können, Stichwort Tsunami, aber damals wollte man mir ja nicht glauben. Die Sache ist tatsächlich ehrenhaft, wenn junge Menschen auf die Straße gehen und sich gegen die herrschenden Zustände stellen. Aber muss das wirklich am Vormittag sein? Das Klima ist ja jetzt am Vormittag nicht schlechter als am Nachmittag. So wirklich viel hat es mit unserem Bildungssystem auch nicht zu tun. Von Geographie bis zur Biologie kann man über den Klimaschutz ziemlich viel lernen. Die vorwissenschaftlichen Arbeiten vor der Reifeprüfung könnten ebenso um sinnvolle Themen bereichert werden. Anstatt dessen wird während der Schulzeit am Vormittag demonstriert und so unverständlicherweise vom Grund der Demos abgelenkt. Warum eigentlich? Weil der Klimademo halt alles Revolutionäre fehlt, was einem nur fehlen kann!

Es ist eine Demo, die zur Vernunft aufruft. Hätten die jungen Menschen jetzt nur am Nachmittag oder am Abend demonstriert, wäre das gar nicht so sehr aufgefallen, denn gegen die Wünsche kann man sich schwer stellen. Die Demo während der Schulzeit hat nun den Hauch des Verbotenen intus. Reizend.

Mittlerweile gibt es von den Verantwortlichen bereits ein Einlenken und zumindest wird in Graz nachgedacht, ob nicht doch der Nachmittag günstiger wäre. Wer demonstriert soll auch im richtigen Leben ein Vorbild sein, also habe ich hier einen Wunschzettel an die jungen Menschen: Verzichtet auf eure Maturareisen an die Adria, die bekanntlich mit dem Flieger beginnt. Fliegen ist ja so ziemlich die härteste Ökosünde, die man der Natur antun kann. Flugvermeidung ist in und ich hätte das gerne von den jungen Menschen praktiziert. Stoppt den Konsum von Energydrinks. Der Inhalt bringt euch noch ins Grab, zuvor erkrankt ihr jedoch an Diabetes, durch den vielen Zucker, aber die Aludosen sind die eigentliche Sünde. Rauchen geht so und so gar nicht. Erstens Luftverschmutzung und zweitens üble Plantagenarbeit in Afrika. Und überhaupt!

Nicht jeden Scheiß in die sozialen Netzwerke posten, kostet ja alles Strom. Natürlich, esst nur regional und saisonal. Nebstbei: Ich habe im Frühling eine Erdbeere aus dem Supermarkt probiert, ich weiß, das ist das volle No-go. Habe ich mir so lange gedacht, bis ich gesehen habe, die kommen aus Italien, also nicht aus Südafrika oder so. Hat den vollen Geschmack gehabt und mich einen Hauch Sommer spüren lassen. Böse, böse, ich weiß, aber die Verführung ist eben ein Hund. Und dieser sollen nun alle Klimademonstranten widerstehen, da bin ich ja gespannt. Ihr genüsslicher G Punkt.

Martin G. Wanko (49) ist Schriftsteller und Journalist. m-wanko.at

Da Wanko, Fazit 152 (Mai 2019), Foto: Martin G. Wanko

 
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