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Spiel ohne Eigentor

| 26. April 2019 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 152, Serie »Erfolg braucht Führung«

Mitarbeitergenerationen und Erwartungen an die Führung. Ein Interview von Carola Payer mit Carina Heinzel, Paul Kalcher, David Plakolm und Armin Schöpf.

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Folgende Fragen kennt die Vereinslandschaft zur Genüge: Wer übernimmt ehrenamtliche Aufgaben? Haben wir ausgebildete Trainer und Übungsleiter? Wer ist bereit, das Training für verschiedene Altersstufen zu übernehmen? Können wir für jedes Spiel einen Schiedsrichter stellen? Sind die Eltern bereit, Fahrtdienste zu übernehmen? Wer tut sich das auf Dauer an? In einer immer mehr individualisierten und hedonistischen Gesellschaft, wo jeder gefühlt immer weniger Freizeit zur Verfügung hat, ist die Bereitschaft, Dienste für andere zu übernehmen eingeschränkter geworden. So werden die Rahmenbedingungen für die Arbeit in Vereinen nicht leichter. Es steigt wie in allen Branchen der Verdrängungswettbewerb und die Konkurrenz unter den Vereinen um Mitglieder wird größer. Professionelle Führung im Verein ist mehr als je zuvor erforderlich.

Siegfried Hinterleitner kann hier als Benchmark für gute Führung betrachtet werden. Er ist Obmann der Nationalen-Hockey-Liga-Graz (NHL), dem größten Hobbyeishockey-Spielbetrieb in Österreich und zuständig für die NHL-Eishockeyorganisation und die komplette NHL-Jugend. Die NHL umfasst derzeit 54 Vereine, mit 2.500 Spielern, die in 8 Gruppen spielen. Im Grunddurchgang werden 265 Spiele und in der Playoff 156 Spiele absolviert. Die Meisterschaft dauert jeweils von Oktober bis April. Dieses Jahr läuft die 25. NHL-Meisterschaft – eine Jubiläumssaison.

Zukunftsorientierte Ausrichtung
Wayne Gretzkys Leitsatz »A good hockey player plays where the puck is. A great hockey player plays where the puck is going to be« kann gut für die Führungshaltung von Siegfried Hinterleitner genutzt werden. Im Gespräch ist eindeutig seine Lösungs- und Zukunftsorientierung erkennbar. Die NHL weiter gut in die Zukunft zu führen, ist seine Intention. Er sieht sich als zentraler Ansprechpartner für jeden Vereinsobmann und als Bindeglied zwischen Organisation des Spielbetriebs und den einzelnen Vereinen. Diese klaren Bilder zu klären und an alle zu vermitteln ist am Kommunikationsprozess des Vereines erkennbar. Siegfried Hinterleitner: »Alle Änderungen und Maßnahmen funktionieren über die Vorstände und dessen Beschlüsse. Bei der Generalversammlung, die einmal pro Jahr Mitte September stattfindet, präsentieren wir unser fertiges Konzept für die kommende Saison. Wer spielt in welcher Gruppe, Spielmodus, Anmeldeformalitäten, Spielepassmanagement usw. Die Vereinsobmänner kommunizieren mit ihren Spielern und mittels Stichtagen werden auch alle Maßnahmen termingerecht erbracht.

Mitglieder werden als Kunden betrachtet
Siegfried Hinterleitner betont: »Die NHL ist für den Breitensport Eishockey da. Ich sehe es als unsere Aufgabe, für jeden Eishockeyspieler eine optimale Plattform zu bieten. Wichtig ist uns auch die Aufbauarbeit im Eishockey der Kinder, Jugend bis hin zu den Erwachsenen. Wir haben 54 Mannschaften und betreuen selbst folgende Nachwuchsmannschaften: U7/U9/U11, die auch in diversen steirischen Meisterschaften spielen. Das NHL-Kombiteam (bis 16 Jahre) und das NHL-Juniors-Team ist in unserer Liga integriert«. Früher mussten sich Mitglieder an die Vorgaben des Vereins anpassen. Heute stehen die Ansichten, Erwartungen und Motive der Mitglieder im Vordergrund. Ihnen höchstmöglichen Nutzen zu stiften, verhindert Fluktuation.

Wesentlich im Kernteam von Vereinen ist es, Rollen und Verantwortlichkeiten festzulegen. Manchmal ist der Wunsch nach Erledigung auf Hoffnung aufgebaut: »Das müsste noch erledigt werden.« »Kann mal bitte nachher jemand …?« Jeder, der im Verein aktiv ist, kennt diese und ähnliche allgemeinen Aussagen. Das Problem: Sie sind zwar schnell ausgesprochen, aber nicht automatisch greift auch jemand hin. Viel besser und auch motivierender ist es, wenn Sie Aufgaben gezielt an einzelne Personen vergeben. Verantwortung ist ein hervorragender Motivator, da er gleichzeitig auch ein Zeichen der Wertschätzung und des Vertrauens ist. Beides ist unverzichtbar in gut funktionierenden Vereinen. Ein Prinzip, das Siegfried Hinterleitner ebenfalls verfolgt: »Jeder hat sein Aufgabengebiet und da gibt es nur einen Ansprechpartner.« Die Verantwortungen werden durch die Vorgaben des Vorstandes aufgeteilt. Man braucht niemanden zu motivieren, weil alle daran interessiert sind, den Breitensport Eishockey weiter zu bringen und für alle Eishockeyspieler ein optimales Umfeld zu schaffen. Alle Vorstände und Beiräte sind integriert und wollten bei uns mitarbeiten. Wir, der Vorstand und die Beiräte, sind sehr breit mit den einzelnen Aufgaben aufgestellt, sodass niemand alleine eine enorme Aufgabe zu bewältigen hat. Das war und ist für uns sehr wichtig.«

Lösungsorientierung, klare Spielregeln, Digitalisierung und schlanke Prozesse
Lösungen statt Konflikte werden von Mitgliedern geschätzt. Bei der NHL werden Probleme auf sehr kurzem und direktem Weg gelöst. Die Statuten sind eindeutig geregelt, mit klaren Spielregeln. Dieses Reglement deckt das komplette sportliche ab. Übers Jahr wird nur mehr ein wenig nachjustiert. Siegfried Hinterleitner: »Wir sind der Vorreiter in der elektronischen Verarbeitung der Spielberichte und des Spielerpasswesens. Hockeydata hat man bei uns vor rund zehn Jahren entwickelt, ausprobiert, getestet und sie sind in der Deutschen und Österreichischen Eishockey-Bundesliga präsent und federführend. Heuer ist alles im System integriert, vom Spielerpass bis hin zu den Spielersperren. Wir können mit Stolz sagen, dass wir komplett papierlos unseren Verein führen.« Bei Veränderung im Verein wird immer darauf geachtet, dass der organisatorische Aufwand so niedrig wie möglich gehalten wird.

Kommunikation im Verein
Siegfried Hinterleitner: »Durch die genaue Vorbereitung aller Themen ist die Generalversammlung einmal pro Jahr unsere Plattform, wo wir alle Teilbereiche der neuen Saison kommunizieren. Hier wird alles abgedeckt. Das alte Jahr wird reflektiert und mit der offiziellen Siegerehrung abgeschlossen. Unterjährige Kommunikation passiert per E-Mail, Handy und bei persönlichen Gesprächen in der Halle. Das persönliche Gespräch ist ein wichtiges Instrument in unserem Verein. Einfach für alles!« Bei einem Telefonat, das Hinterleitner während des Gespräches führt, ist erkennbar, wie wertschätzend und motivierend er mit einem Studenten, der Kindertrainer ist, kommuniziert. Zur Frage, ob es im Verein eine starke Fluktuation gibt: »Wir haben eher das Problem, dass wir zu viel Zuwachs haben. Heuer muss erstmalig jede Mannschaft einmal im Grunddurchgang und einmal im Playoff von Halb elf bis Mitternacht spielen.«

Wenn Sie einer neuen Führungskraft eines Vereins einen Rat mit auf den Weg geben könnten, was würden Sie ihm sagen? Siegfried Hinterleitner: »Mit Freude und Ambitionen an die Sache herangehen. Man identifiziert sich mit dem Verein sprichwörtlich. Du bist dann der Verein.«

*

Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 152 (Mai 2019), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 22)

 
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