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Führen durch die Coronakrise

| 29. April 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 161x, Serie »Erfolg braucht Führung«

Österreich und die ganze Welt befinden sich aktuell in einem Ausnahmezustand. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir keine so elementare Krise erlebt. 

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Die Situation ist eine, die noch nie von jemandem erlebt wurde und daher absolut ungewohnt. Wesentlich für Führungskräften ist es, sich in Krisenzeiten von Corona richtig zu verhalten um Mitarbeitern und der Organisation eine Stütze zu sein.

Alles beginnt mit Selbstreflexion und Selbstführung
Um eine kräftige Säule zu sein, braucht es Stabilität und Resilienz. Daher ist es wesentlich, sich zuerst mit den eigenen Ängsten, Unsicherheiten und Befindlichkeiten auseinander zu setzen und die eigene Zuversicht, Optimismus und einen Glauben an eine positive Weiterentwicklung zu aktivieren. In dieser Situation muss auch Mut aufgebracht werden. Führungskräfte dürfen nicht wegschauen und verdrängen und müssen Szenarien für ein Bestcase und Worstcase zulassen. Die Basis für das Vertrauen von Mitarbeitern ist, dass ihre Führungskräfte mutig sind und bereit sind, sie ehrlich zu informieren und die Fakten auf den Tisch zu legen. Führungskräfte, die ihren Kopf in den Sand stecken oder sich in einem Laissez-faire-Stil verlieren, werden auch nach der Krise keine Follower haben. Qualitative Selbstfürsorge und mentaler, körperlicher Ausgleich ist für Führungskräfte in unsicheren Zeiten besonders wichtig, um in der Kraft zu bleiben. Ausreichend Schlaf ist unabdingbar, da auch die kollektive Energie rundherum besonders anstrengend ist. Viele berichten, dass sie oft zwischendurch unabhängig vom eigenen Arbeitspensum von einem riesigen Ohnmachtsgefühl erfasst werden, dass Ihnen auf unerklärbare Weise die Energie nimmt.

Orientierung trotz unsicherer Perspektiven
Auch wenn Führungskräfte selbst nicht in die Glaskugel gucken können, ist es wesentlich den Mitarbeitenden die nächsten Schritte, Szenarien, Experimente zu kommunizieren und die Erwartungen an jeden einzelnen herunter zu brechen. Transparenz zu geplanten Maßnahmen aber auch Offenlegen von: »Da haben wir noch keine Ahnung« sind gefordert. Laden Sie aber auch Mitarbeiter ein, sich selbst im Schaffen von Szenarien für die Zukunft zu üben. Damit wird Eigenverantwortung, Eigeninitiative und Kreativität aktiviert.

Gerade wenn es eng wird, braucht es die Sichtweisen aller. Wecken Sie ihre Mitarbeiter auf, nicht in eine »für mich ist schon gesorgt« oder »jetzt ist eh schon alles Wurst«-Mentalität zu verfallen, sondern machen Sie jedem klar, wie wesentlich die Gestaltungskraft und Kreativität jedes Einzelnen jetzt gefragt ist. Corona-Brainstormings ausgerichtet auf mögliche Kundenbedürfnisse nach der Krise können irgendwann mal ganz viel Geld wert sein.

Routinen und Rituale
Mitarbeiter gewinnen Sicherheit, wenn ihre Zugehörigkeit bestätigt ist. Daher sind Rituale wesentlich, auch wenn ein Großteil im Homeoffice oder in Kurzarbeit ist. Regelmäßige Meetings, virtuelle Kaffeepausen oder vielleicht auch mal eine nette »Ansichtskarte«, ein Telefonat abseits der Arbeitsinhalte oder andere kreative Ideen, fördern das positive Teamgefühl. Feedback und ein offenes Ohr für Befindlichkeiten müssen Raum haben. Nähe trotz Distanz muss gefühlt werden. Kreative virtuelle Teambuildings können den ernsten Arbeitsalltag auflockern und Zuversicht für den Coronaalltag und die Zukunft geben.

Stabilisierung von Kunden- und Lieferantenbeziehungen
Für viele Führungskräfte ist auch die Außenkommunikation ein Teil ihrer Kernaufgaben. Die Devise lautet: »Sichtbar und in Kontakt zu bleiben«, trotz eventuell nicht stattfindender operativer Geschäftsfälle. Key-Account-Aktivitäten müssen konstant und stetig geplant und durchgeführt werden. Solidarität, offener Austausch, Augenhöhe, aber auch Mut sind in solch dramatischen Ausnahmesituationen wesentlich für zukünftige qualitative Kooperationen. Nähe trotz Distanz gilt hier genauso wie in der Mitarbeiterführung.

Austausch mit anderen Führungskräften in der Organisation
Miteinander und nicht gegeneinander ist auch unter allen Führungskräften gefragt. Abteilungsgräben haben endgültig ausgedient. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen ist in der Krise unabdingbar. Agile Zusammenarbeit darf kein Schlagwort mehr sein, sondern ist zum »Muss«-Kriterium mutiert.

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Foto: Marija KanizajDr. Carola Payer betreibt in Graz die »Payer und Partner Coaching Company«. Sie ist Businesscoach, Unternehmensberaterin und Autorin. payerundpartner.at

Fazit 161x (Mai 2020), Fazitserie »Erfolg braucht Führung« (Teil 29)

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