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Powerfrau für alle Fälle

| 29. April 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 161x, Fazitbegegnung

Foto: Heimo Binder

Silvia Dimitriadis als umtriebig zu bezeichnen, ist eine Untertreibung. Es sind gleich vier Visitenkarten, die sie mir bei unserem Treffen übergibt, später kommt noch eine fünfte dazu. Wer ist die doppelte Magistra mit MBA-Abschluss? Die erste Karte weist sie als Mitarbeiterin des Arbeitsmarktservice Graz Ost aus. Hier ist sie aber nicht für Arbeitssuchende zuständig, sondern für Unternehmen. Genauer gesagt, bietet sie innerhalb eines Teams von zwölf Mitarbeitern »Service für Unternehmen« an.

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Das reicht von der Personalsuche und -planung, über Jobbörsen und Speeddating bis zum Führen von Bewerbungsgesprächen. Seit dem 16. März ist alles ein bisschen anders – Stichwort »Corona-Kurzarbeit«. Als zuständige Stelle für Kurzarbeitsanträge von Unternehmen sah man sich hier mit einem (An-)Sturm Shakespear‘schen Ausmaßes konfrontiert.

Allein in Graz sind bislang mehr als viertausend Anträge eingelangt, wobei sich die Rahmenbedingungen zunächst beinahe täglich änderten. »Schon am Sonntag davor haben wir Mitarbeiterinnen des SFU Graz Ost uns den ganzen Tag über Whats-App ausgetauscht«, so Dimitriadis. Im AMS liefen buchstäblich die Telefone heiß, die Ereignisse begannen sich zu überschlagen. Unternehmer wollten wissen, was selbst die Regierung noch nicht wusste, ständige gesetzliche Verbesserungen sorgten für Informationsnotstand, das siebenseitige Formular für das Begehren und das vierzehnseitige für die Sozialpartnervereinbarung sorgte für kafkaeske Albtraumstimmung bei den Selbständigen.

»Veränderungsrestistent? Rufen Sie mich an!« – das steht auf der zweiten Visitenkarte von Silvia Dimitriadis und nimmt Bezug auf ihren zweiten Job als Unternehmensberaterin, außerhalb des AMS natürlich, wo sie übrigens erst vor dreieinhalb Jahren angeheuert hat. Wo andere zaudern mögen, ist sie in ihrem Element. Der tägliche Arbeitseinsatz der zuständigen AMS-Mitarbeiter dehnte sich ab Mitte März auf zehn und mehr Stunden und auf die Samstage aus. Zusätzlich sorgte ihre schnelle und flexible Informationspolitik und die proaktive Vorgangsweise, auf die Unternehmen zuzugehen und Beistand zu leisten, um möglichst rasch und unbürokratisch die Ansuchen zu erledigen, für Beruhigung und Zuversicht.

Grundsätzlich dürfte sich das AMS mit der Bearbeitung drei Monate Zeit lassen, aber durch den außertourlichen Einsatz von Mitarbeitern wie Silvia Dimitriadis fließt das Geld bereits jetzt im ersten Monat nach Einreichung der Abrechnungsunterlagen, was für die Unternehmer, die schließlich vorfinanzieren müssen, eine wichtige Unterstützung ist. Arbeitnehmer erhalten je nach Bruttoentgelt vor Kurzarbeit eine Nettoersatzrate zwischen 80 und 90 Prozent. Dimitriadis: »Das Unternehmen bekommt die Kosten für die Ausfallstunden gemäß festgelegten Pauschalsätzen, die sämtliche Sozialversicherungsbeiträge und sonstige lohnbezogene Dienstgeberabgaben enthalten, vom AMS ersetzt.« Und je früher desto besser – schließlich gilt es, die Liquidität der Unternehmen zu erhalten.

Dass Silvia Dimitriadis Durchblick, Nerven und Empathie bewahrt, wird noch durch strukturiertes Vorgehen vervollständigt. Dafür mag – auch – eine zwanzigjährige Banklaufbahn vom Controlling und Bankmanagement bis zu Task-Force-Aufgaben und Geschäftsleitung verantwortlich sein. Und ein Postgraduate-Studium in Management. Oder? »Mir macht es Spaß, weil ich mit Menschen zu tun habe und das Unternehmertum verstehe«, sagt sie. Außerdem neige sie zum Blick über den Tellerrand. Auch angesichts der anderen Visitenkarten, sprich Engagements, muss man ihr einfach glauben: So ist sie auch Vorstandsmitglied im SOWI-Absolventenverein der Universität Graz und Vizepräsidentin sowie Finanzreferentin beim steirischen Landesverband des Roten Kreuzes und im dortigen Kriseninterventionsteam. Sozial engagiert sie sich auch als Rotarierin. Hinsichtlich der Frage nach Home-Office in dieser Corona-Zeit, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne, sie könnte sich nicht vorstellen, zu Hause zu bleiben. Ha, eine Schwäche? »Ich würde wahrscheinlich den ganzen Tag telefonieren und andere aufbauen.« Doch nicht.

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Silvia Dimitriadis, Jahrgang 1966, wuchs auf einem Bauernhof in Riegersburg auf und ist dort seit 20 Jahren im Gemeinderat. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne, studierte Betriebswirtschaft und Erziehungswissenschaften, arbeitete 20 Jahre im Bankensektor und ist heute beim Arbeitsmarktservice Graz-Ost im »Service für Unternehmen«. Zahlreiche andere Tätigkeiten wie selbständige Unternehmensberatung oder beim Roten Kreuz, beim SOWI-Alumni-Club der Uni Graz oder den Rotariern zeugen von ihrer Energie.

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Fazitbegegnung, Fazit 161x (Mai 2020) – Foto: Heimo Binder

 
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