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Heftig, neu und etabliert

| 30. Oktober 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 167, Kunst und Kultur

Foto: Markus Wörgötter

Der steirische Maler Herbert Brandl wird mit zwei zeitgleichen Schauen in den Grazer Tempeln gewürdigt. Endlich.

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Alle guten und vernünftigen Dinge kommen bekanntlich aus Amerika. Modebewegungen oftmals auch. Die leichtfüßige Strömung der Neuen Wilden Maler schwappte Anfang der 80er Jahre nach Europa und erfasste Deutschland und Österreich intensiv. Der wohl unmittelbar nach der, mit momentanem Wissensstand, frühesten (Höhlen-)Malerei in Altamira vor über 40.000 Jahren ausgerufene Tod der Leinwand konnte bekanntlich immer wieder in Wellen ins Bewusstsein gelangen und tritt in verschiedenen Facetten in Erscheinung. Duchamp hielt sie schlicht für »dumm« und »uninteressant«.

Malerei durchzog trotzdem weiter die Kunsthistorie, mit den üblichen merkantilen Auswüchsen. In den 1980ern hatte sie dann plötzlich Punk- und Glam-Beigeschmack. Auf die richtige Kontextualisierung kommt es halt an. Hubert Schmalix, Erwin Bochatsch, Siegfried Anzinger etwa und eben Brandl, der irgendwie auch immer wiedermal Neoexpressive unter den Abstrakten. Und neue Arbeiten wie »Sonnenblume II« aus dem Jahr 2020 heißen nicht von ungefähr so, sondern sehen auch so aus, wie sie heißen. Die immer wieder betriebene Totsagung von »oil on canvas« ist dem mittlerweile Höchstetablierten konsequenterweise egal. Das macht ihn nur umso quietschlebendiger und aktiver. Brandls Schaffen ist unter anderem geprägt von riesigen Bergpanoramen und Farbexplosionen. Beharrlichkeit macht sich bezahlt. Im österreichweiten Ranking rangiert er verkaufskräftig ganz oben. Es gibt eine Vielzahl an steirische Aktien, die man getrost links liegen lassen hätte können. Und es gibt andere, bei denen man früher hätte zuschlagen sollen. Bei Kunstankäufen ist’s ja wie bei den Lottozahlen. Anyway. Der Künstler Brandl hat sich im Ranking ganz nach oben katapultiert.

Die sehenswerte Schau im Wiener Belvedere 21 ging gerade zu Ende. Jetzt ist Graz dran und das gleich in zwei Häusern. Die Schauen sind nebst ambitioniertem Begleitprogramm (u.a. mit Vorträgen von Barbara Steiner, Peter Pakesch und Robert Fleck) in Graz flächendeckend im Kunst- und Künstlerhaus untergebracht. Ein Hoch jenen, die international Erfolgreiche auch in der Heimat würdigen. Es ist längst an der Zeit für einen Documenta- und Venedigbiennaleteilnehmer, in ordentlicher Breite der Öffentlichkeit vor Ort vorgestellt zu werden und in das kollektive Gedächtnis implantiert zu werden.

Herbert Brandl, 24/7
Künstlerhaus Graz
23.10.2020 bis 24.1.2021
km-k.at

Herbert Brandl, Morgen
Kunsthaus Graz
23.10.2020 bis 7.3.2021
kunsthausgraz.at

Illustration: Herbert Brandl, Sonnenblume II, 2020, Monotypie, 152,8 x 105,6 cm

Alles Kultur, Fazit 167 (November 2020), Foto: Markus Wörgötter

 
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