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Lebendiges Buch der Geschichte

| 30. Oktober 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 167, Kunst und Kultur

Foto: Franziska Schurig

Es ist eine lange und wechselreiche Geschichte, die den Grazer Schloßberg von den ersten Siedlungsspuren der Steinzeit über spätere Festungsanlagen bis hin zum heutigen Naherholungsparadies geprägt hat. Das kürzlich eröffnete neue Schloßbergmuseum will Grazern ebenso wie Touristen viele zum Teil vergessene Aspekte der spannenden Zeitläufe nahebringen.

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Nach mehreren Jahren Vorarbeit gelangte an Stelle des alten Garnisonsmuseums durch den Direktor des Graz Museum, Otto Hochreiter, ein völlig neues Konzept, unterstützt von zahlreichen Historikern und Experten, zur Umsetzung. Längere Zeit spießte es sich im Gemeinderat an der Finanzierung des ambitionierten Projekts, dessen Endkosten mit 2,8 Mio. Euro angegeben werden. Wesentlich erleichtert wurde diese Aufgabe durch eine Million Euro, die eine Grazer Bürgerin der Stadt Graz dafür zweckgebunden hinterlassen hatte. Im anschließenden Wettbewerb zur Findung von Architektur- und Gestaltungspartnern konnte sich das Grazer Architekturbüro studio WG3 erfolgreich durchsetzen.

Innerhalb rund eines Jahres, mit Beginn im Juli 2019, konnte das gesamte Vorhaben trotz coronabedingter Unterbrechung verwirklicht werden. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Kanonenbastei und die ehemaligen Gebäude der Feuerwache zeigen eine klare, übersichtlich gegliederte Gesamtkonzeption. Im Eingangsbereich mit frisch gepflanzten Hainbuchen führt der »Wundergarten« mit symbolhaften Kunstwerken an die Legenden und Geschichte des Berges heran, den steirischen Panther, den Hund, der die Kaisertochter vor der Entführung rettete oder den Löwen, die Personifikation des heldenhaften Schloßbergverteidigers von 1809, Major von Hackher.

Von der Bastei aus eröffnet sich den Besuchern ein wundervoller Blick auf die Stadt. Das zentrale Objekt der Kanonenhalle bildet nun eine »Sehmaschine«, mit deren Hilfe historisch vertiefte Blicke mittels Überblendung auf die Stadt geworfen werden können. Die Ausstellungsräume sind mit exemplarischen Objekten bestückt, die viele interessante Einblicke in die Historie des Berges ermöglichen, ohne dem üblichen Fehler der Überfrachtung zu verfallen. Zum Abschluss wartet im barrierefrei zugänglichen Keller der Kasematten ein echter Glanzpunkt: Ein Modell des Schloßbergs, gestaltet als 3D-Kristall, zeigt in wechselnder Beleuchtung, begleitet von einer multimedialen Präsentation, der »Schloßberg-Story« die einzelnen historischen Bauphasen vom frühmittelalterlichen »Gradec« und der kaiserlichen Burg, die leider in den Franzosenkriegen zerstörte Festung bis hin zu den Luftschutzstollen des 2. Weltkrieges. Kulturstadtrat Günther Riegler sieht am von Flaneuren stark frequentierten Schloßberg ein enormes Besucherpotenzial für diese Filiale des Graz Museums, was durch den moderaten Eintrittspreis von zwei Euro sicher unterstützt wird.

jazzsaalfelden.com

Alles Kultur, Fazit 167 (November 2020), Foto: Franziska Schurig

 
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