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Das Leben ist bunt

| 30. November 2020 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 168, Fazitbegegnung

Foto: Heimo Binder

Es ist schön, einem Menschen zu begegnen, der Ikigai lebt. In der japanischen Kultur versteht man darunter das Gefühl, etwas zu haben, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen. Diesen Eindruck vermittelt Daniela Stransky-Heilkron mit ihrem »Atelier Glücksklee«, einem Straßengeschäft mitten in Gleisdorf. Die gelernte Fotografin hat schon vieles ausprobiert.

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Sie war Assistentin eines Fotografen, Briefträgerin und Telefonistin bei der Post, Grafikdesignerin in München, sie war in der Gastronomie, in einer Fabrik, einer Tankstelle, einer Gärtnerei. Aber ihre Passion ist das Malen. 2009 machte sie sich als freischaffende Künstlerin selbständig und wußte: »Das heißt zunächst kein besonderes finanzielles Risiko einzugehen, aber zugleich die Notwendigkeit, zu verkaufen.« Als sie vor fünf Jahren von Graz nach Gleisdorf zog, interessierte sie sich sogleich für die Auslagen eines leerstehendes Geschäfts, um ihre Bilder der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Die Gelegenheit war günstig, sodass sie gleich das ganze 200 Quadratmeter große Geschäft in bester Lage mietete, das ihr nunmehr zugleich als Verkaufsgalerie und Malatelier dient. Gemäß dem Ausspruch von Karl Valentin »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit«, verbringt sie dort sehr viel Zeit und hat bereits so viele Bilder und Dekorationsobjekte ge- und bemalt, dass der Platz knapp wird. Zugleich hat sie aber zu wenig für die Auslagen, weil viele Bilder bereits verkauft oder noch nicht fertig sind.

Daniela Stransky-Heilkron glaubt an den Zufall. So rekrutieren sich die meisten Käufer auch aus Laufkundschaft und Mundpropaganda. Sie kommen in die offene Werkstatt, kaufen spontan etwas oder sind von der überwältigenden und bunten Gegenwelt des ungewöhnlichen Ladens so beflügelt, dass sie Bilder in Auftrag geben oder auch unfertige Bilder vollenden lassen. Außerdem finden sie günstige Preise vor. Der Quadratmeter kostet 700 Euro, der Quadratzentimeter somit sieben Cent, ab 22 Euro gibt es bereits ein Orginal. Viele ihrer Bilder sind gegen sehr kleines Geld auch als Poster, Ansichtskarte, Sticker oder in Form eines Kalenders zu erstehen.

»Malen ist mein Handwerk«, sagt Stransky. Hier geht es aber nicht nur um Tafelbilder auf Leinwand, sie bemalt – alles. T-Shirts, Sportbögen, Motorräder, Deko-Gegenstände, Hauswände. So stehen in Mariatrost sechs Bildstöcke, die sie gestaltet hat und am Pfarrheim in Unterpremstätten macht ein riesiges Wandgemälde mit Sonne, Planeten und einem grün umrandeten Menschen in der Mitte auf eine mit Photovoltaik gespeiste Ladestation für E-Bikes aufmerksam. Stranskys üppige, bunte Bilderwelt greift auf Flora und Fauna zu, auf Träume und mythologische Motive, auf Mystisches und Zauberhaftes. Ihr Motto: »Erlaubt ist, was Farbe hat und Freude macht«.

Und – Kunstpuristen bitte noch einmal festhalten – sie mischt den Acrylfarben Rostock-Essenzen bei, Schwingungspräparate aus der Frequenzmedizin. »Die Bilder gefallen nicht allen«, weiß Daniela Stransky, »aber viele bemerken ,das hat was’, und ich selbst merke ein größeres Durchhaltevermögen und mehr Detailreichtum beim Malen.« Also doch ein esoterisches Unterfangen? Nein, sagt sie, es sei eher magisch. Magie also, warum nicht? Im kindlichen Sinne, unschuldig und rein, für alle, die noch staunen können und vorbehaltlos sind. Die sich getrauen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und instinktiv wissen, dass man über Geschmack sowieso nicht streiten kann. So lautete etwa einer der Kundenaufträge: Malen Sie mir eine Herde Einhörner am Meeresstrand bei Sonnenaufgang. Ikigai! Besonders gern verarbeitet Stransky auch »etwas Echtes« in ihren Bildern. Schlangenhäute aus Burg Drachenfels zum Beispiel oder Epiphragmen aus dem Garten oder Vulkansand aus Island, aber auch Symbole aus indianischen Kulturen oder aus dem Mayakalender. Nach letzterem sei sie übrigens ein »weißer galaktischer Spiegel mit dem Ton 8«. Außerdem verfügt sie über eine bemerkenswerte Gabe. Daniela Stransky-Heilkron findet am laufenden Band vierblättrigen Klee, genauer gesagt 200 bis 500 Stück pro Jahr. Und sie teilt das Glück – so ist in jedes einzelne ihrer Werke zumindest ein vierblättriges Kleeblatt eingebaut.

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Daniela Stransky-Heilkron wurde am 17. November 1977 in eine Bauernfamilie im Stiftingtal bei Graz hineingeboren. Nach ihrem Schulabschluss 1996 an der HTBLA-Ortweingasse in Graz (Foto-, Film- und Videoabteilung), jobbte sie in verschiedenen Berufen und hatte bereits nebenbei rund 50 Ausstellungen, bevor sie vor vier Jahren das Atelier Glücksklee in unmittelbarer Nähe vom Hauptplatz in Gleisdorf eröffnete.

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Fazitbegegnung, Fazit 168 (Dezember 2020) – Foto: Heimo Binder

 
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