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Neues von Gonzo

| 2. Juli 2021 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 174, Fazitbegegnung

Foto: Heimo Binder

Markus Renger ist ein bunter Hund, weltberühmt in Graz. Wurde mir gesagt. Inzwischen wahrscheinlich auch in Ibiza. Wurde mir gesagt. Mir wurde überhaupt viel gesagt über ihn. Ich habe gesagt, das heißt »auf Ibiza« und dass ich ihn nicht kenne. Dabei habe er bereits eine Fazit-Jahresfeier moderiert, aber da war ich wohl mit meinen Fans beschäftigt.

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Unsere Begegnung fand per Telefon und Computer statt, denn Gonzo ist seit 22. August 2020 wegen des Herbst-Lockdowns, den er antizipierte und dem er entgehen wollte, auf Ibiza. Warum er »Gonzo« genannt werde, frage ich ihn. »Als 16-jähriger hat jemand zu mir gesagt »bled und blad wie Gonzo, der Bär«, diese Verwechslung ist geblieben.« Muppets-Kenner wissen, dass der Bär Fozzie heißt und Gonzo der Name des blauen Geiertruthahnswasauchimmer ist. Gonzo ist deshalb so bekannt, weil er seit rund 20 Jahren mit MMMMR und »Gonzomedia« ein kleines Medienimperium aufgebaut hat, das eine Werbeagentur und eine Film- und Videoproduktion sowie die Produktion und den Vertrieb von audiovisuellen Medien und Printmedien (Cool, ÖMM) umfasst. Als Radio- und Fernsehreporter bei Antenne Steiermark, ORF oder Steiermark 1 lebte er seinen Witz und seine Eloquenz aus. Letztere stellte er auch in unzähligen Moderationen oder als Keynote-Speaker unter Beweis.

Seit vorigem Sommer ist alles anders. Gonzo stellt seine Firmen auf eigene Beine und lässt los, setzt sich in seinen Campingbus, fährt Richtung Marokko, landet auf der Baleareninsel. Er ist ausgestiegen, mit einem gehörigen philosophischen Grundrauschen, wie sich in unserem fast zweistündigen Telefonat erweist. Heute weiß er, dass die Firmen unter der Führung von Michael Hüttler und Birgit Träger die Coronazeit überleben konnten und dass sie sich auch aktuell über Aufträge freuen: »Die Mitarbeiter haben das Privileg, ihre eigenen Chefs zu sein.« Ausgestiegen ist Gonzo aus einem »System der Angst«, wie er es nennt: »Ich war zwölf Jahre nicht auf Urlaub, die Arbeit hat mich aufgefressen, aber ich habe es immer gern gemachst.« Doch seine Prioritäten haben sich verschoben. »Mit 42 habe ich die Musik entdeckt, ich mache als »DJ Gis4us« Technomusik, habe 25.000 Songs gesammelt und stelle zum Beispiel für Radio Soundportal Zweistundensets auf meinem Pioneer-Soundsystem im Bus zusammen, jeden Freitag um 22 Uhr.« Geld verdient er damit keines. Wir sprechen über die Bedeutung von Energie, persönliche vibrations, über den Flow, auf den es ankäme. Vieles klingt nach Hippies, Buddhismus, Agnostik, aber Gonzo ist nicht zu fassen: »Ich versuche ohne Geld zu leben.« Bisher habe er 5.000 Euro ausgegeben und 3.000 Euro verdient. Wie? »Ich stelle meine Anlage aus dem Bus hin, mache Musik und verlange freiwillige Spenden.« Das funktioniert? »Auch das ist eine Frage von Energie und Austausch von Energie – die ersten Monate habe ich gratis gespielt, dafür habe ich als Geschenk die Bekanntschaft mit Cesare bekommen.« Das ist ein italienischer Goldschmied, der seine 7-Zimmer-Villa anderen zur Verfügung stellt, Gonzo kann mit dem Bus dort wohnen und erspart sich die Campingplatzgebühren.

Soweit ich es verstanden habe, steckt dahinter der nicht unbekannte Gedanke des Gebens und Nehmens, dass also auch immer etwas zurückkommt, wenn man gibt. Nach Gonzos Überzeugung nicht unbedingt etwas Materielles, sondern etwas Energetisches. Für uns Theoretiker bedeutet das vielleicht schon die Zielflagge, aber Gonzo lotet die Praxis aus und wirkt dabei extrem entspannt und frei. Er hat sich von vielem befreit, insbesondere von der Angst. Sogar vor Krankheit und Tod habe er keine Angst mehr: »Der Tod ist nur eine wunderbare Transformation.« Wir unterhalten uns über Liebe und Energie, über Psychodelika als Schuhlöffel für Erkenntnis, über das Leben im Einklang mit der Natur oder den Zufall. Er zitiert gern Einstein (»Der einzige Feind des Menschen sind seine negativen Gedanken.«) und errichtet sehr grundlegende Gedankengebäude, fügt aber immer wieder und ausdrücklich hinzu, dass das nur seine Meinung sei und er nicht missionieren wolle. So solle man sich etwa mit niemandem vergleichen: »Das ist der direkte Weg ins Unglück.« Man solle nicht das Hirn verwenden, »das täuscht uns oft, je nachdem, mit welchen Informationen es gefüttert wurde«, sondern das Herz, »das irrt sich nie«. Jeder habe seine eigene Realität, »niemand kann sagen, wer mehr recht hat.« Der Glaube stehe über allem, gemeint ist damit unsere Fantasie, den Zweifel hätten wir nur gelernt. Mit Fantasie könnten wir uns eine andere Welt, fast ohne Zweifel bauen. Und letztlich würden wir selbst entscheiden, »ob wir in der Unendlichkeit gefangen sind oder ob wir uns auf einer unendlichen Spielwiese befinden.«

Was nehmen wir aus dieser Begegnung mit? Keine Angst vor Aufrichtigkeit: Ich habe geflunkert – ich wusste, wer Gonzo ist (aber wir haben uns nicht gekannt, schwöre) und ich habe gar keine Fans – also außer Ingrid. Und »in Ibiza« ist schon ok – nicht nur, weil auch die Hauptstadt so heißt.

Markus Renger wurde am 26. November 1973 in Graz in eine Lehrerfamilie hineingeboren, Vater »Bunki« Renger war ein bekannter Turnlehrer. Nach der Matura am Gymnasium Kirchengasse sechsmaliger Studienwechsel, schließlich Psychologie in Mindeststudienzeit absolviert, Vater eines 17jährigen Sohnes. Mehrfacher Landes- und Staatsmeister im Schwimmen, Wasserball (WBV Graz) und Flossenschwimmen. Gründer der Medienagenturen »MMMMR« und »Gonzomedia«, Radio- und Fernsehreporter, Moderator, mittlerweile als »DJ Gis4us« seit knapp einem Jahr nach Ibiza »ausgestiegen«.
fb.com/gonzo.renger

Fazitbegegnung, Fazit 174 (Juli 2021) – Foto: Heimo Binder

 
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