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Der talentierte Mister Lallitsch

| 10. November 2021 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 177, Fazitbegegnung

Foto: Heimo Binder

Eigentlich hätte der studierte Jurist und vormalige Mitarbeiter bei »Tagespost« und »Profil« mit Freund Harald Ganster eine Stadtzeitung gründen wollen. Doch als er die Kostenvoranschläge für Druck, Papier & Co sah, entschieden sie sich für eine lukrativere Branche – so entstand Ende der 1980er Jahre »GALA-Immobilien« (GAnster und LAllitsch), der Grundstein für die Entwicklung des Nikolaus Lallitsch zum Immobilienexperten.

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Eigentlich hätte der studierte Jurist und vormalige Mitarbeiter bei »Tagespost« und »Profil« mit Freund Harald Ganster eine Stadtzeitung gründen wollen. Doch als er die Kostenvoranschläge für Druck, Papier & Co sah, entschieden sie sich für eine lukrativere Branche – so entstand Ende der 1980er Jahre »GALA-Immobilien« (GAnster und LAllitsch), der Grundstein für die Entwicklung des Nikolaus Lallitsch zum Immobilienexperten. Nach fünf Jahren in der Selbständigkeit wurde er ab 1992 bei »sReal« der Sparkasse für vier Jahre Steiermark-Chef in Graz und für weitere vier Jahre Österreich-Geschäftsführer in Wien. Bis ihn der steirische Raika-General Georg Doppelhofer im Jahr 2000 als Prokurist, Geschäftführer und Immobilienchef zu Raiffeisen holte. Das hat folgende Vorteile: Er weiß, was Journalisten wollen, daher befragen sie ihn oft. Er ist anerkannter Spezialist, daher befragen sie ihn oft. Er formuliert knackig und hat immer einen guten Sager parat, daher …

»Die Smart City ist die Gegenveranstaltung zum Geidorfer Salon«, sagt er zum Beispiel. Dort, hinter dem Bahnhof haben die Grundeigentümer Raiffeisen und AVL auf jeweils 40.000 Quadratmetern, somit acht Hektar, zwischen 2013 und 2017 einen eigenen Stadtteil entwickelt, mit Lallitsch im Projektleitungsteam: »Wir wollen Vorbild sein, auch im Bauträgergeschäft. Einen Hektar haben wir etwa als Park für die Öffentlichkeit abgetreten.« Aus Industriegebiet wurde Kerngebiet, »so wächst die Stadt von innen nach außen, durch Verdichtung, bis zu sechs Stockwerke hoch, unter Nutzung und Ergänzung bestehender Infrastruktur. Das Schlimmste ist ein Wachsen über den Stadtrand hinaus in das Umfeld, den sogenannten Speckgürtel.«

Wird in Graz zu viel gebaut? Droht angesichts der Kostenexplosion eine Immobilienblase? Lallitsch winkt ab: »Wir sind die Welthauptstadt der Lebensqualität. Es gibt keine Blase, weil wir nicht über Bedarf bauen.« Angesichts der gestiegenen Einwohnerzahl »in der Größenordnung der Bevölkerung von Kapfenberg, Leoben, Hartberg und Leibnitz zusammen« wurden 35.000 Wohnungen gebraucht. Die Preise in Graz seien aber nicht so hoch wie etwa in Innsbruck oder Salzburg: »Eben weil mehr gebaut wurde.« Den Grazer Immobilienmarkt sieht Lallitsch ausgewogen und rechnet vor: Etwa 5.000 Wohnungen sind am Markt, das sind rund drei Prozent des Bestands von 160.000 Haushalten. »Damit kommen auf 100 Personen 103 Wohnungen, das passt.« Für den Neubau ist mittlerweile mit 4.000 Euro pro Quadratmeter zu rechnen, gebrauchte Wohnungen beginnen bei 2.000 Euro, so der Fachmann. Wo es teuer ist? »Im Grazer Osten, in Geidorf, Maria Trost und Grün, in Waltendorf, St. Peter, aber auch in Alteggenberg.« Steiermarkweit ist es am teuersten in Schladming, Gleisdorf und Leibnitz, am günstigsten im Südosten, im oberen Murtal ab Judenburg nach Westen, eventuell noch im äußersten Südwesten um Eibiswald.

Gut gelungen im Sinne von vorbildhaft ist die Idee des »Green Village«, verwirklicht und goldzertifiziert für nachhaltiges Bauen etwa in Fernitz: »Statt mehrerer Einfamilienhäuser wurden andere Wohnformen für die Familien geschaffen, jeweils mit Garten oder Terrasse oder zumindest Loggia, mit flexiblem Grundriss, mit heimischen Materialien und heimischer Wertschöpfung.« Eine andere Lallitsch-Idee ist das »Glücksdorf«, eine »Antwort auf die Ursehnsucht nach dem Landleben«. Zielgruppen sind junge Familien und in oder kurz vor der Pension Stehende. Vier Gemeinden bekunden bereits Interesse. Dass St. Radegund dazugehört, ist (eigentlich) noch geheim.

Nikolaus Lallitsch war auch in das 80-Millionen-Projekt des Raiffeisen-Multifunktionszentrums in Raaba-Grambach gemeinsam mit seinem Kollegen Helmut Baudendistel führend involviert. Nicht zuletzt angesichts der im Sommer erfolgten Fusion von Raiffeisen mit der Hypo widmet er sich heute einer weiteren anspruchsvollen Sache: Er ist Sprecher von Raiffeisen-Immobilien-Österreich und steckt sich in der gleichnamigen Akademie als vortragender Sachverständiger das Ziel, »die Mitarbeiter so auszubilden, dass sie die Markt- und Kompetenzführerschaft in Österreich absichern können.« Was anderen den Schlaf rauben würde, scheint Lallitsch wie nebenbei zu erledigen. Vielleicht geben ihm die 1.000 Laufkilometer pro Jahr die Kraft und Muße dazu? Aber was weiß darüber schon ein Außenstehender.

Nikolaus Lallitsch wurde am 13. 5. 1962 in Graz geboren. Sein Vater war Vertinärmediziner, seine Mutter ist studierte Kunsthistorikerin, sein Bruder Arzt, seine Schwester Volksschullehrerin. Er ist in 2. Ehe mit einer Rechtsanwältin verheiratet und hat drei Kinder. Während des Jusstudiums war Lallitsch Journalist, danach Mitgründer von GALA-Immobilien. Seit bald 30 Jahren arbeitet der passionierte Rotweinsammler und gerichtlich beeidete Sachverständige für Immobilienbewertung und -vermittlung im Bankengeschäft in Führungspositionen.

Fazitbegegnung, Fazit 177 (November 2021) – Foto: Heimo Binder

 
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