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Tandl macht Schluss (Fazit 226)

| 14. Oktober 2026 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 226, Schlusspunkt

Europa schwitzt sich arm und scheitert an der Klimarettung. Der Klimawandel ist real und keine Erfindung der grünen Lastenradfahrer. Europa bekommt seine Folgen besonders heftig serviert, denn der Kontinent erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Hitzewellen werden häufiger, Starkregen intensiver, Gletscher verschwinden, Dürren setzen Landwirtschaft und Wälder unter Druck.

Natürlich produziert der Klimawandel nicht nur Verlierer. Vor wenigen Tagen fuhr ich zwischen Kitzbühel und dem Pass Thurn an einem Weingarten vorbei. Weinbau im Tiroler Unterland. Früher hat es dort nur Kühe gegeben, heute gedeihen Reben und Chaletdörfer. Höhere Lagen und nördlichere Regionen werden für Wein interessant, Vegetationsperioden verlängern sich, manche Kulturen wandern nordwärts, alpine Sommerdestinationen profitieren von Gästen, denen Rimini bei 43 Grad nicht mehr romantisch genug erscheint. Auch Hersteller von Klimaanlagen, Bewässerungssystemen und Hochwasserschutz werden sich über mangelnde Nachfrage kaum beklagen können. Und genau an dieser Realität scheitert Europas Klimapolitik zunehmend. Die EU verursacht heute gut sechs Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Sie hat ihre Emissionen seit 1990 deutlich reduziert. Das ist beachtlich. Nur steigt der weltweite Ausstoß weiter. China allein emittiert ein Vielfaches Europas, Indien wächst kräftig, und die Atmosphäre führt keine Brüsseler Statistik darüber, wer sich besonders vorbildlich angestrengt hat.

Selbst eine vollständige europäische Dekarbonisierung hätte nur sehr geringe Auswirkungen auf die globalen Temperaturen. Mit dem vom Weltklimarat angegebenen Verhältnis zwischen kumulierten Kohlendioxidemissionen und Erwärmung landet man für Europas isolierten Beitrag bis 2100 grob bei wenigen Hundertstel Grad. Da die anderen Staaten offenbar nicht bereit sind, Europa auf dem Weg in die Deindustrialisierung zu folgen, bleibt Europas große Klimarettung vor allem eines. Teuer!

Die Europäische Umweltagentur beziffert die zusätzliche jährliche Investitionslücke zur Erreichung der Klimaziele auf mehrere hundert Milliarden Euro. Gleichzeitig fehlen uns gewaltige Summen bei der Klimaanpassung. Für widerstandsfähigere Verkehrs-, Energie- und Landwirtschaftssysteme liegt die Finanzierungslücke bei hundert Milliarden Euro jährlich.

Dabei leistet die Anpassung einen wichtigen Beitrag Menschenleben zu retten sowie Eigentum, Produktionsstandorte und die öffentliche Infrastruktur zu schützen. Kühlung senkt Hitzestress, Rückhaltebecken verhindern Schäden, bessere Entwässerung hält Straßen und Bahnstrecken offen. Küsten- und Hochwasserschutz können volkswirtschaftlich ein Mehrfaches ihrer Kosten einsparen. Das ist zwar weniger glamourös als ein weiterer Gipfel mit Gruppenfotos, aber wesentlich nützlicher.

Europas Industrieprobleme lassen sich natürlich nicht komplett dem »Green Deal« anhängen. Russisches Gas, geopolitische Risiken, Netze und Technologiefeindlichkeit spielen ebenso mit. Aber eine Klimapolitik, welche die Energie zusätzlich verteuert und Produktionen in Drittländer verlagert, ist global gesehen absurd. Die EU senkt die europäischen Emissionen, indem sie dafür sorgt, dass die Güter anderswo mit schlechterer Kohlendioxidbilanz produziert werden. Der Fachbegriff heißt »Carbon Leakage«. Man kann durchaus behaupten, dass wir die Fabriken schließen um die Statistik zu feiern.

Nicht das nächste Verbot, die nächste Berichtspflicht und die nächste Kohlendioxidverteuerung sollten Priorität haben, sondern Klimaanlagen in Schulen, Kindergärten, Pflegeheimen und Spitälern. Und natürlich auch Beschattung in Städten, Hochwasserschutz samt Rückhaltebecken, Vermurungsschutz, Kühlmöglichkeiten für Wohnungen, Wasserspeicher für die Landwirtschaft, Waldumbau und Katastrophenschutz. Wir brauchen eine Infrastruktur, die auch bei 40 Grad funktioniert.

Der Green Deal ist in seiner heutigen Form zu einem gigantischen Symbolprojekt geworden. Europa verteuert die Energie, belastet die Industrie und die Konsumenten und hofft, dass der Rest der Welt aus Bewunderung dasselbe tut. Das ist keine Strategie, sondern pädagogischer Größenwahn. Klimaanpassung ist keine Kapitulation. Sie ist der Unterschied zwischen moralischem Wohlgefühl und funktionierendem Staat. Das Klima braucht globale Lösungen. Und Europa braucht Klimaanlagen. Dringend!

Tandl macht Schluss! Fazit 226 (Oktober 2026)

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