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Zur Lage (22)

| 25. Oktober 2009 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 57, Zur Lage

Über steirische Krapfen, über Exminister und die Unschuldsvermutung sowie nichts über Florian Klenk.

Die kleinen Sünden bestraft der Herrgott sofort. Hab ich mir gestern Abend, einem wenn auch späten Oktoberabend also, gedacht, als ich in einen der optisch adrett daherkommenden Krapfen gebissen habe. Nur wenige Viertelstunden zuvor, in einem Supermarkt, dessen Name schon zum sparsamen Umgang mit dem Haushaltsbudget mahnt, hab ich mir eine Sechserpackung dieser eigentlich dem  Fasching vorbehaltenen österreichischen Köstlichkeit gekauft. Konnte also dieser viel zu frühen Verlockung nicht widerstehen und habe dabei durch das auf der Verpackung applizierte Steiermarkherz (wohl so eine gemeinsame Sache mit der Tourismuswerbung, was weiß ich) auf die Qualität dieses Produktes eines »steirischen Backhauses« geschlossen. Denkste! Erstens hätte ich bis zum elften Elften, den, wie wir beide wissen, Faschingsbeginn warten sollen, und zweitens waren diese Krapfen von wahrhaft außergewöhnlicher Qualität. Wenn dieses steirische Backhaus etwa Verpackungsmaterial oder Dämmstoffe herstellen würde. Dafür kann man diese sechs Teigballen ganz sicher hervorragend einsetzen. Aber da bin ich selber Schuld. Außerdem lässt sich über Geschmack ja bekanntermaßen nicht streiten.

Das wäre dann ja beinah so, als ob ich mit Ihnen über die Sympathie eines x-beliebigen Politikers diskutieren würde. Karl-Heinz Grasser etwa. Gut, der war, der Himmel weiß warum, jahrelang als »Lieblingsschwiegersohn« aller Österreicherinnen verschrien. Ich hab jedenfalls schon in seinen Ministerzeiten nicht jeden Tag darob verweint, ihn nicht zum besten Freund zu haben, und mit zunehmender Seitenblicke-Performance und vor allem nach seinem Ausscheiden aus der internationalen Politik hat sich das durchaus nicht verändert.
»Christoph und Lollo« – das sind so Komödianten, Comedians würden junge und andere dumme Menschen sagen –, die vor allem mit »Skispringer-Liedern« auf FM4 schemenhafte Berühmtheit erlangten, haben nun auf YouTube, dem Fernsehen der neuen Zeiten, ein Lied herausgebracht, in dem die beiden davon daherstanzeln, „wann der Karl-Heinz endlich in den Häfn kommt“. Und verleihen der versammelten Internetgemeinschaft (das Wort Gemeinschaft hat nicht von ungefähr das Gemeine in seinem Innersten) damit endlich die Stimme, nach der die linke Volksseele – im Internet wohlgemerkt, die im wahren Leben hört ja mehr auf den Andreas Khol, pardon, den Karl Charly Blecha – so giert. Und macht mich ein wenig ärgerlich. Ärgerlich nämlich, weil ich damit auf meine alten Tage doch tatsächlich genötigt werde, diesem KHG verteidigende Gedanken spenden zu müssen. Die für jeden Wicht in diesem Lande selbstverständlich zu gelten habende Unschuldsvermutung (und wenn die Polizei mich nächtens im Supermarkt erwischt!) will die Meute für den Ex-Minister schlicht außer Kraft setzen. Und das ist, neben dem, dass es dumm ist, ungebührlich und respektlos. Nicht dem schicken Föhnfrisurträger gegenüber, der ist mir leidlich egal, unserem Rechtsstaat gegenüber, der – auch wenn Johannes Voggenhuber in der Wochenzeitung „Die Zeit“ von einer Zwetschkenrepublik spricht (in der Österreichausgabe natürlich nur, was ich dann mit Fug als Zwetschkenschrift abtun darf) – noch lange nicht so schlecht dasteht, wie das die vielen superklugen Analysten unserer Zeit dahinschreiben.

Bei superklug ist mir jetzt der Florian Klenk eingefallen, meine mich gerade lektorierende beste Ehefrauen von allen hat aber was »Flockiges für den Schluss« eingefordert. Also kommen wir zum Klenk – den hab ich mir eh aufgeschrieben – ein anderes Mal; kein wirklicher Verlust. Und natürlich ist »beste Ehefrauen von allen« viel zu kishon- oder, noch schlimmer, wellenhofartig, aber was solls, wir sind hier ja unter uns.

Und da mir bei „flockig“ jetzt beim besten Willen nur die flockigen Jeans, in denen sowohl Landeshauptmann Franz Voves als auch Neo-Landesrätin Elisabeth Grossmann sich beim letzten Parteitag haben feiern, zumindest aber wählen lassen (Franz Voves hat ein beachtliches Ergebnis erreicht; ob die Landesrätin auch eine Parteifunktion nun inne hat, ist mir im Moment nicht googlenswert genug), sehen wir eindeutig: Als frisch verheirateter Ehemann bin ich viel zu rasch mit meinem Latein am Ende. Für heute! Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine große Koalition dem Lande nicht nutzen kann.

Zur Lage, Fazit 57 (November 2009)

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