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Deutschlandsberg: Eine Region kämpft gegen den Verkehrsinfarkt

| 22. April 2010 | Keine Kommentare
Kategorie: Allgemein

Viele Anrainer leiden bereits jetzt unter dem Lärm der alten L601.

Deutschlandsberg hängt an einem Nadelöhr. Von der Autobahn nicht erschlossen, ist der Bezirk in der Weststeiermark von der B76, einer Bundesstraße mit zahlreichen Kreisverkehren, abhängig. Wird keine Alternative gebaut steht die wirtschaftlich gebeutelte Region vor dem Verkehrskollaps.

Wie eine Nabelschnur schlängelt sich die B76 nach Norden zur Südautobahn.Sie ist die verkehrstechnische Lebenslinie, die den Bezirk mit der Landeshauptstadt Graz verbindet. Doch die Straße kann nur 20.000 Fahrzeuge am Tag aufnehmen. Durch die zahlreichen Kreisverkehre sinkt die Kapazität gar auf 17.000 Fahrzeuge. Ein Umstand der schon jetzt zu Stoßzeiten oder bei widrigen Wetterbedingungen zum Verkehrschaos führt. Spätestens 2015, das besagt das regionale Verkehrskonzept, ist die B76 endgültig überlastet.

Doch was ist die Alternative? Die B76 teuer zu einer Schnellstraße auszubauen? Eine vernünftige Alternative wäre der Ausbau der L601, die Richtung Osten zur A9 der Phyrnautobahn führt. Dadurch würde ein Bypass entstehen den viele Pendler nutzen würden.

Wirtschaft und Pendler fordern eine leistungsfähige L601

Bezirkspolitiker aus beiden Großparteien sind sich einig. Josef Muchitsch, SPÖ-Nationalrat und verantwortlich für den Bezirk erklärt: „Wir brauchen den Lückenschluss von Deutschlandsberg zur Autobahn. Mit der Koralmbahn hat der Bezirk eine neue Chance für Betriebsansiedelungen, dazu braucht es aber auch eine effiziente Anbindung über die Straße.“ Gunther Riedlsperger, Wirtschaftskammer-Funktionär und stellvertretender Bezirksobmann der ÖVP, engagiert sich besonders für den Ausbau der L601. Unterstützt wird er dabei com Verein L601NEU, einer breiten Plattform von Leitbetrieben der Region, Pendlern und Anrainern der alten L601. Weiter sind Sturm-Boss Hans Rinner, Bürgermeister Josef Wallner und Robert Köppel an vorderster Front für diese Initiative im einsatz. Im Vereinsvorstand befinden sich auch die Geschäftsführer bedeutender Arbeitgeber wie die Firmen Epcos, Ceram, Porzellanfabrik Frauental, Sorger, Schweighofer, Frigopol, Raiba, Joebstl, Pfleger und EHP.

Vor allem die Anrainer haben ein großes Interesse am Neubau der Straße, denn die vom Verkehr geplagte Gemeinde Frauenthal etwa erhofft sich mit dem Neubau der L601 eine verkehrstechnische Entlastung für den Ortskern. „Die Stimmung in der Bevölkerung ist gut. Wir werden an unseren Informationsständen immer wieder in unseren Anliegen gestärkt. Die Bevölkerung aber auch die Wirtschaftstreibenden wollen die L601,“ so Riedlsperger. Gefordert wird aber eine Straße der Kategorie B, das bedeutet eine Verbreiterung und ein teilweiser Ausbau auf drei Spuren.

Wenn der Verkehrsinfarkt tatsächlich kommt, droht dem Bezirk eine wirtschaftlich schwierige Zeit. Das Fehlen einer effizienten Verkehrsanbindung in die Landeshauptstadt könnte zu Abwanderungen führen. Riedlsperger befürchtet: „Wenn wir erst 2015, wenn da Chaos da ist, darüber nachdenken ist es zu spät.“

L601-Bestandsausbau wäre Schildbürgerstreich

Auf Bezirksebene herrscht also Konsens über den Bau der L601. Wer noch auf sich warten lässt ist die Landesregierung. Die Einigung über eine Trassenführung steht noch aus und da gibt es viele mögliche Varianten. Selbst die alte Trasse der L601, die durch zahlreiche Ortschaften führt, wird erwogen, da sie am kostengünstigsten erscheint. „Kommt nicht in Frage“, stellt Riedlsperger fest. Die Lärmbelastung für einen Großteil der Bevölkerung wäre zu groß. Außerdem käme diese Lösung im Endeffekt wesentlich teurer als eine Neutrassierung abseits der Wohngebiete, denn in spätestens fünf Jahren würde das Fehlen einer leistungsfähigen L601 der millionenteuren Aus- und Neubau der B 76 notwendig werden lassen.

Am idealsten erscheint Riedelsperger die Trassenführung entlang der Koralmbahn die gerade gebaut wird. Diese Variante würde weit weniger Anrainer beeinträchtigen als die vorhandene und jede andere Planung. „Die wenigen bestehenden Anrainer soll man aber in die Planung einbinden und mit Lärmschutzmaßnahmen so gut wie möglich schützen,“ fordert Riedlsperger. Ein Kompromiss muss also her, eine Forderung die auch Josef Muchitsch teilt: „Je schneller ein Kompromiss kommt, desto besser, aber ohne Kompromiss geht es nicht.“

Der Ball liegt nun bei der Landesregierung die eine Ausarbeitung der verschiedenen Varianten in Auftrag gegeben hat. Ob es vor der Landtagswahl noch zu einer Trassenentscheidung kommt, ist dennoch fraglich. Dabei drängt die Zeit. Denn spätestens wenn die Koralmbahn bis Deutschlandsberg fertig ist, sollte feststehen, in welchem Umfang der Neubau der L601 erfolgen wird.

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