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Phonosophicum (Juni 2010)

| 14. Juni 2010 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 63, Phonosophicum

Ein Alleskönner Natürlich denken wir bei Blu-ray vorrangig an brillant aufgelöste  Bilder und Heimkino-Feeling. Doch wenn sich ein ausgewiesener HiFi-Spezialist wie die britische Manufaktur Cambridge Audio anschickt, einen Blu-ray-Spieler zu bauen, können wir davon ausgehen, dass auch Audio-Feinspitze auf ihre Kosten kommen. Und wenn dieser dann als Zugabe noch highendige Tonträger-Formate wie SACD oder DVD-Audio wiederzugeben weiß und obendrein im dreistelligen Preisbereich bleibt, dürfen wir getrost hellhörig werden.
Denn für solch einen veritablen Alleskönner wie den Azur 650BD, dessen Laufwerk mehr als ein Dutzend Disc-Typen entgegen nimmt, musste man bis dato erheblich tiefer in die Tasche greifen. Und gerade bei SACD hatte man meist noch mit der Einschränkung zu leben, dass man diese entweder analog oder in gestauchter Signal-Qualität (sprich: 44,1 kHz/16 Bit) wiedergeben musste. Nur zur Erinnerung: Die SACD, 1999 von Sony und Philips gemeinsam eingeführt, verwendet bekanntlich eine höhere digitale Auflösung des Audiosignals als eine normale Audio-CD und bietet außerdem die Möglichkeit, Mehrkanalton ohne Datenreduktion zu speichern. Das Audiomaterial liegt im Direct-Stream-Digital-Format (DSD) vor und die Abtastrate liegt bei 2,8 MHz – im Unterschied zur Audio-CD, welche die Daten in Puls-Code-Modulation (PCM) nur mit 44,1 kHz speichert. Der 650BD meidet jegliche qualitätsmindernden Umwege, indem er via HDMI-1.3-Schnittstelle DSD und PCM verlustfrei zueinander umrechnen lässt. Für HD-Tonformate wie Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio vereint der Engländer alle wichtigen Decoder unter seiner Haube. Im „Pure-Audio-Modus“, bei dem zuungunsten möglicher Interferenzen sämtliche Videosignale deaktiviert werden, klingt der Player mit seiner 24 Bit/192 kHz-Konvertierung geradezu göttlich. Aber auch als reiner CD-Spieler im Stereo-Modus macht er eine hervorragende Figur – beste englische HiFi-Tradition eben.
Im visuellen Sektor spielt der Player ebenfalls souverän auf. Via HDMI entlockt er den blauen Scheiben farbkräftige und scharf konturierte Bilder bis zu 1080 Zeilen. Die qualitativ nicht unerhebliche Lücke zwischen DVD und Blu-ray weiß er mit neustem De-Interlacing und bester Upscaling-Technologie zu schließen.

Weiters mit an Bord des 650BD befinden sich u.a. Zutaten wie eine LAN-Schnittstelle für Blu-ray-Live-Internetanbindung, zwei digitale Audio-Ausgänge (koaxial und optisch), acht analoge Einzelausgänge sowie zwei USB-Ports für die Einbindung externer Datenträger. Einziger (kleiner) Wermutstropfen: er ist nur mit FAT32-formatierten externen Laufwerken kompatibel. NTFS bleibt leider außen vor.

Erfreulicherweise bootet der Player in nur wenigen Sekunden, und auch hinsichtlich der Ladezeiten kommt er schnell in die Gänge: CDs und DVDs zeigt er in flotten acht Sekunden, Blu-rays in sensationellen fünfzehn Sekunden an.
Der ebenfalls aus dem Hause Cambridge und zur Azur-Reihe gehörende 15 Kilo schwere AV-Receiver 650R ist der ideale, da optimal abgestimmte Kommunikationspartner für den Player. Im Bewusstsein seiner sieben leistungsstarken, diskret verbauten Endstufen und erstklassigen Decodier-Qualitäten hebt sich der Bolide aus der breiten Masse an AV-Receivern in diesem Preissegment ab. Als Herzstück werkelt ein Cirrus Logic CS49700 Digitaler Signal Prozessor, der gleich zwei Kerne mit 32-Bit-Signalverarbeitung aufweist. Auch hier gehört die Videosektion zum Feinsten, was die heutige Prozessor-Technologie zu bieten hat.

Fazit: Als großzügig bestücktes Universal-Genie, welches sämtliche Hochbit-Spielarten zulässt, richtet sich der 650BD an alle, die das Quäntchen mehr High Fidelity an einem Multi-Player zu schätzen wissen. Durch seine solide Bauweise mit gebürsteter Alu-Front vermittelt er überdies – genau so wie sein kongenialer Spielpartner 650R – eine hohe Wertigkeit. Wer vorhat, seinen betagten DVD-Player in den Ruhestand zu schicken und auf High Definition umzurüsten, dem kommen die beiden edlen Briten gerade recht.

Phonosophicum, Fazit 63 (Juni 2010)

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