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Integrationsdebatte kann nicht breit genug sein

| 24. November 2010 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 68

Auf die Selbstverständlichkeit, dass sich ein Botschafter einer fremden Regierung – und damit eine fremde Regierung – nicht in die innerstaatlichen Belange eines anderen Staates einzumischen hat, muss – zwei Wochen nach dem Interview des türkischen Botschafters Kadri Ecvet Tezcan – nicht mehr eingegangen werden. (Meinen Groll über Tezcans Anmaßung, sich als Vertreter von 125.000 Österreichern zu bezeichnen, muss ich wenigstens in Klammern anführen! Mir würde sonst ein Kropf wachsen.)

Wichtiger erscheint mir der Hinweis auf einen Appell österreichischer Intellektueller, die der Ansicht sind, dass »bereits das ständige Sprechen über Integration ein angebliches Anderssein reproduziert und Teile der Gesellschaft unter Generalverdacht stellt«. Unter dem Titel »Schluss mit der Integrationsdebatte« orten sie Konsens darüber, »dass auf gesellschaftliche und soziale Probleme rassistische Antworten gegeben werden können«.

Diesem »Diskussionsverbot« muss ich leider widersprechen! Mit vorliegendem Heft haben wir – unter Federführung von Peter Bermann – versucht, einen durchaus selbstkritischen Blick auf das Thema »Integration« zu werfen. Eine oberflächlich zu zahlenorientiert erscheinende Darstellung der Problematik, so spricht Bermann etwa die Mehrkosten durch Nichtintegration oder die Kaufkraft von Migranten an, ist nicht nur unserem Selbstverständnis als Wirtschaftsmagazin geschuldet, sondern auch unserer Überzeugung der Notwendigkeit einer solchen sachlichen Herangehensweise.

Die dummdreiste Zuspitzung einiger österreichischer Literaten und Universitätsprofessoren, schon die Diskussion über Integration sei rassistisch, übertrifft im Übrigen die Chuzpe der türkischen Regierung, einen »Testballon des Einflusspotenzials« in einem europäischen Land zu starten, um Längen. (Die Vermutung, das Interview wäre abgesprochen, liegt nahe. Sonst wäre Botschafter Tezcan wohl nicht mehr im Amt.)

Aber dass Diskussion, damit Kommunikation, in letzter Konsequenz doch immer konstruktiv ist, beweist etwa Ednan Aslan, islamischer Religionspädagoge an der Uni Wien, der in einer Reaktion auf das Botschafterinterview in der Kleinen Zeitung einen überaus lesenswerten wie wertvollen Beitrag zur Debatte geliefert hat. Und da ist es nur gut, dass ich natürlich nicht in all seinen Punkten bei ihm bin. Aber ihm – und damit sogar auch dem ehrenwerten türkischen Botschafter – ist zu danken. Den verbohrten österreichischen Intellektuellen weniger. Die haben zu wenig verstanden.

Editorial, Fazit 68 (Dezember 2010)

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