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Nebenjob: Präsident – Fazitgespräch mit Josef Herk

| 10. März 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 70, Fazitgespräch

Unternehmer Josef Herk ist neuer Präsident der steirischen Wirtschaftskammer. Er löste Ulfried Hainzl nach dessen Dienstwagenaffäre ab und blickt nun zuversichtlich in die Zukunft. Vertrauen schaffen und vor allem Aus- und Weiterbildung forcieren, das sind seine Anliegen, denen er nach den letzten Wochen erst einmal Gehör verschaffen muss.

Das Gespräch führten Ann-Marie Stark und Michael Thurm.

::: Interview als PDF: DOWNLOAD

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Foto: Michael Thurm

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Herr Herk, Sie haben sich in Ihrer alten Funktion als Bundesspartenobmann für Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich als „Murtaler Botschafter in Wien“ bezeichnet. Was sind Sie jetzt?
Na ja, der steirische Botschafter in der Steiermark – keine Frage. Aber im Ernst: Man hat natürlich eine Heimat und ich bin Murbodener. Meine Aufgabe ist es jetzt aber nicht, als Murtaler in Graz zu agieren, sondern als steirischer Kammerpräsident. Die Lobbying-Sicht vom Murtal nach Wien war da eine andere. Denn die Steiermark ist eine Einheit und somit ist die eigene lokale Betrachtung nicht so wesentlich für mich. Trotzdem will ich, dass wir die regionalen politischen Bereiche stärken. Wir haben einen starken Wirtschaftsraum Graz und Graz-Umgebung. Das ist auch gut so, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es auch andere Regionen gibt.

Sie sind ja auch noch Regionalstellenobmann …
Noch, ja …

Werden Sie dieses Amt, und die doch zahlreichen anderen, weiterführen?
Das ist alles in Vorbereitung. Zug um Zug lege ich alle Funktionen zurück. Ich bin ja vor vier Wochen auch zum Vizepräsidenten des europäischen Handwerksverbandes gewählt worden. Daran sehen Sie, dass meine Pläne in eine ganz andere Richtung gingen. Jetzt gab es halt überraschenderweise eine andere Aufgabe.

Am Ende soll nur das Amt des Wirtschaftskammerpräsidenten bleiben?
So ist es. Das ist eine Aufgabe, die groß genug ist. Ich bin ja auch noch Unternehmer – und zwar in erster Linie.

So klar ist das Ranking?
Ich bin erst Unternehmer und dann Präsident. Es ist doch auch wichtig, dass man in seinem Unternehmen noch den Kunden und Mitarbeitern in die Augen sieht, damit man die Sorgen und Wünsche weitertragen kann. Man muss ja in dieser Welt leben.
Wie oft sind Sie momentan noch im eigenen Unternehmen?
Mein Ziel ist täglich. Ich stehe jetzt früher auf und versuche in den Morgenstunden, bevor der Tag in Graz beginnt, anwesend zu sein.

Mit Ihrer neuen Position sind Sie viel näher in Richtung Politik gerückt. Wie verstehen Sie Ihre Rolle in diesem Spannungsverhältnis von Wirtschaft und Politik?
Das ist richtig, jetzt geht es näher an die Landesregierung und das politische Geschehen. Als Präsident bin ich für alle Unternehmer in allen politischen Anliegen verantwortlich. Obwohl ich natürlich ganz klar ein Wirtschaftsbundmann bin, die ÖVP ist meine politische Heimat. Aber meine Funktion als Präsident geht darüber hinaus und ich muss die Anliegen der Unternehmer an die Politik tragen.

Wie viel Einfluss gibt es umgekehrt? Sie sind ja im Wirtschaftsbund auch Stellvertreter von Wirtschaftslandesrat Buchmann. Sind Sie Vermittler seiner Politik gegenüber den Unternehmen?
Das ist ein Miteinander und da sehe ich auch meinen Ansatzpunkt: Die Energie muss in die großen Aufgaben und nicht in die internen Positionskämpfe. Darauf werde ich keine Zeit verwenden. Ich wurde ja auch schon als Brückenbauer bezeichnet, na ja ich weiß nicht ganz, aber ich sehe mich schon als Verbinder.

Nun war das Miteinander in der letzten Zeit nicht einfach und auch nach Ihrer Wahl hat die Industriellenvereinigung (IV), eine wesentliche Größe innerhalb der Wirtschaftskammer, dem Landesrat das Vertrauen entzogen. Wie tief ist die Kluft zwischen IV und Buchmann, die Sie da schließen müssen?
Da müssen Sie die handelnden Personen fragen. Ich kann nicht beurteilen, wie tief die Kluft ist, gehe aber davon aus, dass wir die Uhren auf null drehen. Ich bin ja auch kein Historiker, sondern schaue auf die zukünftige Entwicklung.
Sie und Manfred Kainz wurden schon im letzten Jahr als Kammerpräsident gehandelt. Einige behaupten, das Amt wurde Ihnen damals schon versprochen.
Also für meine Person hat es nie Versprechungen gegeben. Die Diskussion war intensiv, keine Frage. Und wenn nach solch schwierigen Wochen wie den letzten eine Unternehmerrunde am Tisch sitzt, wird hart diskutiert. Das sind alles, wenn man das positiv sagen darf, Alpha-infizierte Persönlichkeiten; sonst wären sie nicht da, wo sie sind. Und da werden dann alle Möglichkeiten durchgespielt – aber am Ende steht ein gemeinsamer Entschluss, ein gemeinsamer Faktor.

Das waren in dem Fall Sie.
… und ich hoffe, ich kann die Erwartungen erfüllen.

Sie wurden am Ende auch von den Vertretern der Industrie gewählt und haben im Gegensatz zum Landesrat deren Vertrauen ausgesprochen bekommen. Werden Sie die Anliegen der IV, also eine Umgestaltung der Kammer, unterstützen? Der größte Beitragszahler hätte gern mehr Einfluss.
Keine Frage, die IV ist ein wichtiger Bereich in unserer Organisation. Aber der größte Arbeitgeber in unserem Land ist nicht die IV, sondern Gewerbe und Handwerk. Nun geht es nicht darum, wer der Größte und wer der Kleinste ist. Die Wirtschaft ist aus meiner Sicht unteilbar. Sich jetzt auseinanderzudividieren und zu sagen, die Kleinen und die Mittleren sind wichtiger und haben andere Positionen, ist der falsche Weg. Die vergangenen Entwicklungen waren dramatisch und jetzt müssen wir wieder Anschluss an die Entwicklung vor der Krise finden.

Ihr Vorgänger Ulfried Hainzl wurde am Ende dafür kritisiert, dass sein „Gesicht lange genug in den Zeitungen“ gewesen sei. Auch Sie waren in Ihrer ersten Amtswoche omnipräsent. Leiden da nicht die Inhalte?
Das hab ich mir ja nicht ausgesucht. Es ist mir natürlich klar, wenn ich neu gewählt bin und das nicht so ganz unter normalen Voraussetzungen, ist das mediale Interesse groß. Aber so sehr das Pendel jetzt in die eine Richtung schlägt, so sehr schlägt es dann auch wieder in die andere Richtung und das Interesse an der Vergangenheitsbewältigung wird nachlassen. Dann müssen wir wieder mit unserer inhaltlichen Arbeit auftauchen.
Ich bin ja auch überrascht, für mich ist das auch nicht alltäglich, so einen medialen Hype mitzuerleben.

Lässt sich das Vertrauen, von dem Sie sprachen, durch diesen medialen Hype wieder herstellen?
Da muss man aufpassen. Irgendwann kann man das eigene Konterfei dann nicht mehr sehen … Vertrauen ist ein Faktor, der sehr viel Persönlichkeit braucht, und da reicht die mediale Präsenz allein nicht. Da geht es auch darum, im ganzen Land präsent zu sein. Die Medien allein schaffen kein Vertrauen, sie tragen dazu bei, sie tragen aber auch dazu bei, dass Vertrauen wieder aberkannt wird. Und wir haben ja gesehen, dass das ganz schnell gehen kann.

Aber noch einmal konkret: Wie wollen Sie es schaffen, den angeknacksten Ruf wiederherzustellen?
Na ja, wie geht man das an? Das Vertrauen ist ein sehr zartes Pflänzchen. Damit muss man, wie ein Gärtner, sehr sorgsam umgehen. Ich werde erst mal meine ganze Energie, meine ganze Kraft dafür einsetzen, um bei den Mitgliedern darzustellen, was wir leisten und was wir tun können.
Ich glaube, dass man selber mit gutem Beispiel vorangehen muss – das ehrliche Gefühl geben, dass die Inhalte, die man weitergibt, auch das sind, was mich bewegt und in meiner Funktion antreibt. Vertrauen ist ja auch der Bereich, der sich zwischen den Zeilen befindet. Dass man sagt: Dem glauben wir das, wir hoffen, dass seine Darstellungen, seine Politik, seine Lebenseinstellung stimmen – da geht es ja um persönliche Werte.

Hat es da ein Unternehmer leichter als ein reiner Politiker oder Funktionär?
Das glaube ich schon. Ich bin seit 1988, also seit 23 Jahren Unternehmer, da hat man schon einiges miterlebt, hat schon eine gewisse „Edelpatina“ vom Leben. Da ist man ein bisschen widerstandsfähiger und kennt das unternehmerische Leben, mit allen Vor- und Nachteilen. Und das ist es auch, was Wirtschaft und Politik unterscheidet: Man muss täglich um die Gunst der Kunden kämpfen. Denn die Leistung von vor einem halben Jahr interessiert die Kunden überhaupt nicht.
Es gibt keine Zeit, sich auf Lorbeeren auszuruhen. Der Kunde, das Mitglied, der Bürger; sie alle sind mündig, mobil und informiert.
Kommen wir zu den Inhalten, die Sie angesprochen haben: Ihr größtes Anliegen ist die Aus- und Weiterbildung der Lehrlinge. Warum?
Das ist für mich ein besonderes Thema, weil ich davon überzeugt bin, dass wir den Bereich der Ausbildung, der Nachwuchspflege und der Weiterbildung gut entwickeln müssen, sonst gibt es keine gute „Mannschaft“. Ich habe gern den Vergleich mit dem Sport: Wenn es keine Nachwuchstrainer gibt, weil der ÖSV sich nicht um Kinder und Jugend bemüht, dann gibt es auch keine Leistungen. Und deshalb ist das für mich ein Thema, das man sehr ernst nehmen muss, denn die Wirtschaft in unserem Land bzw. die Qualität wird von unseren Mitarbeitern gemacht.

Aber gehen Sie mit diesem Anliegen nicht ein bisschen unter, in der ganzen Debatte um das Bildungsvolksbegehren, die Akademikerquote müsse steigen … Da taucht selten auf, dass wir mehr Lehrlinge brauchen.
Genau darum geht es. Man darf ja nicht vergessen: Fast 50 Prozent von einem Jahrgang machen in unserem Land die duale Ausbildung; und wenn man von diesem 50-Prozent-Potenzial nicht die dementsprechende Wertschätzung hat, dann läuft etwas schief. Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn berufliche Ausbildungen nicht den gleichen Stellenwert haben wie schulische und die akademische. Dabei haben wir ja in den letzten Jahren schon gute Erfolge erreicht, unsere Jungfachkräften schneiden bei Europa- und Weltmeisterschaften gut ab.

Trotzdem gibt es genug Unternehmer, die Probleme haben, den Nachwuchs zu finden, der die Unternehmen einmal übernimmt.
Das ist überall so. Da sind wir alle gefordert. Es ist hier natürlich auch wichtig, die Möglichkeiten einer Ausbildung darzustellen, die Jugend auf ihre Aufgaben gut vorzubereiten.

Am anderen Ende der Karriere ist es der Kampf gegen den „Jugendfaschismus“, wie Sie es nannten. Also mehr Beschäftigung bei den älteren Semestern zu erreichen.
Für mich ist meine Aufgabe, mein Tun, ein ganz wesentlicher Bestandteil meines Selbstwertgefühles und meines Lebens. Und das endet ja nicht nach 50 Jahren. Weiterbildung darf nicht mit dem Satz enden: „Ja, das zahlt sich nicht mehr aus, ich bin eh schon zu alt, ich brauch ja keinen Computer mehr.“ Da gibt es kein Alter.

Ist das nicht schwierig in einer Zeit wo sich Berufe so schnell verändern?
Schwierigkeiten sind Herausforderungen. Mein Vater hat in seiner ersten Berufsausbildung Wagner gelernt, und in seinen jungen Jahren ist dieser Berufszweig dann weggestorben. Das gab es in der Vergangenheit und das wird es natürlich in Zukunft genauso geben. Wir sind gefordert, hier immer wieder nachzujustieren, weil Techniken, Materialien und Verfahren ständig in einer Veränderung sind und der Kfz-Mechaniker vor 40 Jahren hatte noch andere Aufgaben zu lösen als heute der Kfz-Techniker. Der ist ja inzwischen Mechatroniker. Ich glaube, das ist auch gut so. Und deshalb kann man nicht sagen, wir machen heute einmal ein Schulsystem und fertig. Das ist ja auch mein Vorwurf, dass zeitliche Anpassungen nicht mitgemacht werden können.

Ihr Vorgänger Ulfried Hainzl hat bei seinem Rücktritt gesagt, die „Politik lässt keine Fehler zu“. Teilen Sie diese Ansicht?
Dass hier ein Fehler passiert ist, wurde von den Medien dargestellt. Wenn jeder in der Politik, der einen Fehler macht, mit solcher Konsequenz den Hut nimmt, dann hätte sich die politische Landschaft in der Vergangenheit wahrscheinlich stärker verändert. Es ist natürlich auch vom Fehler abhängig: Dass die Sensibilisierung bei einem Dienstauto so eine Eruption, so einen Tsunami auslösen kann, hätte ich auch nicht geglaubt.

Trauen Sie sich noch, den eigenen Wagen in Ihrer Werkstatt reparieren zu lassen?
Ja, ich habe ja mein eigenes Auto, daher habe ich kein Problem. Wenn das ein Dienstwagen wäre, wäre das nicht denkbar. Da muss man klar trennen. Der Fehler ist passiert, er ist dazu gestanden, hat die Konsequenz gezogen, sonst würde ich heute nicht da sitzen.

Gibt es diese Angst vor dem Fehler? Dass jeder Fehler gleich so bedeutend wird, dass man zurücktreten muss. Lähmt das nicht auch das eigene Handeln?
Ich habe davor keine Angst, da ich in erster Linie Unternehmer bin. Das ist ja der große Unterschied zu Berufspolitikern: Ich lebe von meiner unternehmerischen Tätigkeit. Zurzeit ist mein Zeitfenster für diese neue Funktion als Präsident sehr groß, aber wenn ich nicht mehr Kammerpräsident sein sollte, bin ich nicht bei der Firma AMS, sondern in meinem eigenen Unternehmen tätig.

Trotzdem müssen wir nochmals auf den Dienstwagen zurückkommen, denn da haben wir einen kleinen Fehler entdeckt. Sie haben in Ihrem ersten Interview in der Krone noch gesagt, Sie brauchen unbedingt einen Dienstwagen …
Nein, nicht unbedingt!

… weil das Auto gleichzeitig ihr Büro ist.
Nein, es ist so: Man muss die Diskussion über ein Fahrzeug relativieren. Für mich ist das Auto nicht ein Statussymbol, um mein Ego aufzupolieren, ich komme ja aus der Fahrzeugbranche. Das ist ein fahrendes Büro, das mich von A nach B bringt, um meine Aufgaben gut zu erledigen. Aber die Diskussion hatte in der Vergangenheit so eine Brisanz, dass ich nicht lange herumdiskutieren will. Was sich in Zukunft ergeben wird, wird man sehen, aber in unserer Situation ist das Thema zurzeit quasi geparkt.
Jetzt brauch ich auch keine Angst haben, wenn ich mein eigenes Auto repariere, denn das ist mein Eigentum und mit dem kann ich ja noch tun, was ich möchte.

Warum sind es dann trotzdem immer wieder „Kleinigkeiten“, an denen sich Personalentscheidungen aufhängen? Laut dem Rechnungshofbericht lag ja schon länger etwas im Argen. Neutral betrachtet wäre das doch eher ein Rücktrittsgrund als der Lexus.
Das sehe ich nicht so. Der Rechnungshofbericht hat Empfehlungen ausgesprochen, aber man hat immer das Gefühl, wenn das Wort Rechnungshof fällt, dann gibt es die großen Skandale und Verfehlungen. Die Wirtschaftskammer ist die einzige Organisation, die einen internen „Rechnungshof“, ein Kontrollamt hat, das die Tätigkeiten der Landeskammern überprüft. Das ist ja nicht so, dass man jahrelang werkelt und irgendwann kommt der Rechnungshof und zeigt das auf.

Es geht unter anderem darum, dass die Funktionäre Bezüge bekommen hätten, für die keine erkennbare Leistung erbracht wurde, und darum, dass Wirtschaftsförderungen ohne klare Kriterien vergeben wurden.
Da muss man schon die Kirche im Dorf lassen. Der Großteil unserer Funktionäre arbeitet Gott sei Dank ehrenamtlich und fährt vom eigenen Betrieb weg, um sich um Dinge wie Jugendausbildung zu bemühen. Das sind ja auch keine Gehälter, sondern Aufwandsentschädigungen. Da wird das Füllhorn nicht ausgeschüttet. Von vielen Funktionären wird schon im Vorfeld ein Vielfaches geleistet, ehe sie dann in eine Position kommen, in der sie eine Aufwandsentschädigung erhalten. Außer ab und zu einem Kaffee und einem Glas Wasser ist da vorher nicht viel.

Herr Herk, vielen Dank für das Gespräch.

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Fazitgespräch, Fazit 70 (März 2011)

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