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Öffentlich-rechtliche Meinungsmache

| 25. Mai 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Editorial, Fazit 72

Im aktuellen »Report« hat der ORF einen Bericht über adoptionswillige gleichgeschlechtliche Paare aus Österreich gebracht. Drei Paare wurden portraitiert und deren Anliegen vorgestellt, Kinder adoptieren zu können bzw. zu dürfen. Das ist sehr in Ordnung und eine – möglichst breite – Diskussion dieser Thematik ist wünschenswert. Nicht in Ordnung ist die Tatsache, dass der ORF sich offenbar als »Anwalt« gleichgeschlechtlicher Paare mißversteht, wurde doch die aktuelle Rechtslage – eine Adoption ist in Österreich nur für heterosexuelle Paare möglich – vom Sprecher der Sendung als »absurd« bezeichnet. Das wiederum halte ich für absurd. Der ORF, als öffentlich-rechtlicher Sender, der er sein sollte, hat nicht die Aufgabe, gesellschaftliche Entwicklungen in die eine oder andere Richtung so platt zu beeinflussen.

Ich etwa bin davon überzeugt, dass es Aufgabe, ja geradezu Pflicht einer Gesellschaft ist, Ideale zu formulieren. Ideale, die dann als Richtschnur für den einzelnen Bürger dienen sollen oder können. (Ohne Garantie, dass dann alles perfekt ist.) Niemand, der einem solchen gesellschaftlichen Ideal nicht nachkommen will oder kann, wird dabei diskriminiert. Die Triangularität, die besondere Bedeutung also, die jeweils einer männlichen UND einer weiblichen Bezugsperson für Kinder und Heranwachsende zukommt – eine Mutter UND ein Vater also – stellt ein solches Ideal dar. Und ist im Übrigen in der Erziehungswissenschaft durchaus herrschende Lehre. Dabei spielt es keine Rolle, dass im Einzelfall auch zwei Männer bzw. zwei Frauen (selbstverständlich!) einem Kind oder auch mehreren Liebe und Geborgenheit schenken können. Wie auch jeder Alleinerziehende! Die sogenannte Eigenkindadoption, die Adoption eines (leiblichen) Kindes des jeweiligen gleichgeschlichtlichen Partners ist ja möglich (und soll es auch sein). Darüberhinaus Adoptionen zu erlauben, nur weil es »technisch« möglich ist – künstliche Befruchtung oder »Import« aus Schwellenländern –, halte ich für nicht sinnvoll bzw. notwendig. Vielleicht entwickeln wir uns hin zu einer asexuellen Gesellschaft; ich persönlich werde eine solche Entwicklung nicht mehr mittragen, wie ich sie auch nicht verhindern werde.

Dass aber vom ORF alle, die – bei allem Bemühen modern zu denken – eine andere Position innehaben, als es Grüne und SPÖ in ihren Programmen vorschreiben (die gemeinsam noch nie in Österreich eine Parlamentsmehrheit gestellt haben), als homophobe Obskuranten bloßgestellt werden, ist ungeheuerlich. Dieser ORF gehört abgeschafft oder total umgebaut. Das hat er mit dem Bundesrat gemein.

Editorial, Fazit 72 (Mai 2011)

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