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Zum Thema (Fazit 75)

| 16. September 2011 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 75, Fazitthema

Finanzmärkte brauchen faire Bedingungen Die Politik sieht in den  Ratingagenturen die Wurzel des Übels für jene Probleme, die zuerst Griechenland in die „Beinahe-Pleite“ schlittern ließen und nun Länder wie Spanien, Italien, Irland oder Portugal gefährden. Doch anders als die Politiker – der Anteil der Ökonomen unter den Staatsmännern ist erschreckend gering – kommen wir zum Schluss, dass die  Ratingagenturen zwar wegen zahlreicher schlampiger Einschätzungen in der Vergangenheit Prügel verdient haben, dass sie aber mit ihrer Bewertung der Bonität der Euro-Schulden-Staaten durchaus richtig liegen. Was die Politik außer Acht lässt, ist, dass keine  Ratingagentur je den Anspruch erhoben hat, allwissend zu sein. Ihr Job ist es, potenzielle Geldgeber mit Informationen über Unternehmen oder Staaten zu versorgen, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren. Die Regeln, nach denen dabei vorgegangen wird, sind einfach: Je größer die relative Ausfallswahrscheinlichkeit einer Investition ist, desto schlechter die Bewertung. Gearbeitet wird mit Methoden der mathematischen Empirie. Daher liegt es in der Natur der Sache, dass auch schlecht bewertete Investments funktionieren, während hervorragend eingeschätzte Wertpapiere durchaus ausfallen können.
Doch die Politik braucht Sündenböcke. Und so ist es viel bequemer, die Verantwortung für die Schuldenkrise bei den Rating-Firmen als bei eigenen Fehlern der Vergangenheit wie den Konstruktionsmängeln des Euro zu suchen.
Ein weiteres – fast unlösbares – Problem bilden die deregulierten Finanzmärkte. Denn in allen anderen Bereichen wurden die Märkte mithilfe von Regulationsgremien dereguliert, um so den Aufbau von Kartellen zu unterbinden. Doch ausgerechnet der so entscheidende Finanzmarkt wurde sich selbst überlassen. Mit dem Effekt, dass einige Banken so mächtig wurden, dass ihr Konkurs das gesamte System zum Einsturz bringen kann. Daher muss für deren Verluste die Allgemeinhalt herhalten, während die Gewinne auf die Eigentümer aufgeteilt werden.
Das größte Hindernis, das einem fairen Wettbewerb in diesem Bereich entgegensteht, ist wieder einmal die Politik. Entweder ist sie zu mutlos oder die Interessen der EU-Länder driften viel zu weit auseinander. Dabei gäbe es die Möglichkeit, die Mega-Institute marktverträglich zu verkleinern: Statt Basel III hätte man nur die Banken je nach Größe mit unterschiedlichen Eigenkapitalerfordernissen konfrontieren müssen: Je größer und damit „systemrelevanter“ sie sind, umso höher sollten die Eigenmittel sein, die sie ausweisen müssen. Aufgrund sinkender Renditen würden die Großbanken ihre marktbeherrschende Stellung in absehbarer Zeit zugunsten von kleinen, hart im Wettbewerb stehenden Regionalbanken verlieren. Und die wären dann so wie unsere heimischen Banken noch dazu wesentlich näher bei der Realwirtschaft und den Kunden verortet.

Zum Thema, Fazit 75 (August 2011)

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